Ausgabe 
15.1.1893 Erstes Blatt
 
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Nr. 13 Erstes Blatt Sonntag 15 Januar

1893

uckerei

17.

mählungs-Anzejgen,

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OUtzener An,etger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener

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Gießener Anzeiger

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und Anzeis«blatt für den Nreis Gieren

chratisöeikage: chießener KamikienKtätter.

Feuilleton

er,

in den ersten zu thun, aber

zu- die die

Was immer Du willst, Vater. . lallen, wer die Infamie mit meinem Pferde beging.

Ach, liebe Bella, es kommt doch nichts dabet heraus und macht nur böses Blut."

Draußen begann die rauschende Musik- Stücken hatte die schöne Benefiziantlu nichts

Cürafsiere für heute Abend anzunehmen.

Sie fuhr empor, todtenbleich vor Entrüstung.

Und Du wagst es selbst, mir diese Beleidigung zumuthen, Vater? Nein, ich bin keine Theaterdame, sich von ihren Liebhabern fetteten läßt. Ich kenne ja

Irrwege.

Novelle von F. von Pückler. (11. Fortsetzung.)

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Donna Bella!"

Gleich darauf erschien die Tochter des Directors aber- mals, um einen in Freiheit dressirten Hengst einzuführen, sie trug dasselbe schwarze Sammetgewand, nur hatte sie den Hut abgelegt, daß man das wundervolle Goldhaar, in dem nur eine Granatspange funkelte, sehen konnte.

Mit welcher Arroganz diese Reiterprinzessin auftritt," zischelte Gerta,ich wette, das Haar ist mindestens zur Hälfte falsch."

Prinz Arloff hörte die boshaften Worte kaum, er ver­folgte jede Bewegung des Pferdes und der Dame, sein Herz zuckte schmerzhaft, als er zwischen den Spitzen des hoch htnaufgehenden Stuartkragens einen feuerrothen Streifen auf dem schneeigen Hals bemerkte- er rührte zweifellos von den Peitschen her, die in der Probe auch die Retterin getroffen. , . v

Arme Donna Bella! Welch ein stilles Weh lag in den wunderschönen blauen Augen. Wie mußten sie erst bezaubern und berauschen können, wenn sie in Glück und Liebe strahlten. Liebe! Ob sie wohl die Liebe schon kannten?

Auf den Hinterfüßen tänzelnd, schritt der Hengst rück­wärts aus der Manege und Donna Bella folgte ihm, sich immer von Neuem verneigend- diesmal hatte sie nicht nach Arloff g»sehen. (Fortsetzung folgt.)

Herren kaum."

Aber, Bella, sei doch vernünftig."

Wenn der Bogen zu straff gespannt ist, zerreißt Vater! Du hast von mir verlangt, ich sollte Dich aus pecuniären Unannehmlichkeiten reißen- ich that es und machte Dein Handwerk auch zu meinem Beruf, aber mehr darfst Du nicht von mir verlangen! Mögen die übrigen Circus­reiterinnen sich einladen lassen, ich nicht."

Und was soll ich den Herrenz Tagen?" frug Bolkert lallend,es thut mir so leid."

Wieder hatte jener rätselhafte heiße Blick beim Vorbei­retten den Prinzen getroffen, daß es ihn wie em electrischer Strom durchzuckte- er hörte nicht mehr das spottende, seichte Geplauder der Braut, nicht den frenetischen Jubelsturm der Menge er sah nur Donna Bellas blaue, schwermüthige Augen,'das gelöste Goldhaar wie heute früh um ihr gerötheteS Antlitz wallen - und plötzlich legte er wie im Schwindel die Hand vor die Augen. Er hatte in einen Abgrund ge- sehen, an dessen Rande er stand. Auf seinem Herzen lag jene Rose, um die sie heute Morgen gekämpft, immer tiefer grub sie sich hinein, immer heller flammte ein Name darin.

Sie erröthete vor Zorn.

Nun gut, wenn es nicht untersucht wird, trete ich acht Tage lang nicht auf. Verstehst Du mich, Vater?"

Ja doch, Liebchen, gewiß sei nur nicht böse! Gleich morgen will ich nachfragen."

Mein Verdacht trifft Mr. Prince. Wenn er es war, dann verlange ich, daß er geht, sonst begebe ich mich wieder in Onkel Waldsteins Schutz."

O, Bella, nein, das wirst Du mir nicht anthun, mich wieder zu verlassen. Deine Erfolge retten mein Leben.

Nun gut, so entlasse den Jongleur. Ach, das war mein Zeichen, ich muß hinaus." v

Ein nicht enden wollender Jubel empfing die schöne Benefiziantin, als sie inmitten ihrer beiden Gefährtinnen hoch zu Roß in der Manege erschien, an der linken Schulter eine rothe Rose, um welche gekämpft werden sollte.

Eine ähnliche Blume ruhte auf der Brust des schönen Cürassieroffiziers, welcher ernst und tief nachdenklich Donna Bella entgegendlickte, als sie soeben an ihm vorübersprengte, sie war dunkelroth geworden.

Zur Seite des Prinzen saß Gräfin Gerta Rhonau und ihre Mutter- sie hob das Glas ans Auge und sagte nach- lässig:Ach, nun erkenne ich die Person dort im schwarzem Sammetgewand. Sie wurde in demselben Institut wie ich erzogen- es geht in solchen Pensionaten oft sehr gemischt zu."

Ich hörte, Fräulein Volkert sei von Herrn von Wald­slein erzogen worden."

Ah, jawohl, ihre Mutter war einst seine Braut und ging später mit einem Kunstreiter durch. Hm, mir war das Mädchen stets widerwärtig. Sieh nur, Curt, diese Wildheit, mit der sie das Pferd herumwirft."

Die Dame rettet ganz vorzüglich, diese Eleganz der Bewegungen, das sichere und doch reservirte Wesen find un­nachahmlich."

Derrtfcher Reichstag.

20. Sitzung. Freitag, 13. Januar 1893.

Auf der Tagesordnung steht dte NothstandSinterpellation.

Abg. Barth (dfr.) bespricht zunächst ausführlich t»e

SSWWM liip^iSbriac Deficit des preußischen Etats und prophezeit schwere W sür sÄnb/wenn I. fottgwtoWet würde. Die

WÄation aeeanlab. mich ,u d» Ä' Äung«' ssih.*»«S LhSrben finb den socialistischen Führern gegenüber zu nachsichtig. Die Verhältnisse haben sich trotz der neuesten Gesetzgebung nicht ver- ?e f«t Dtt Reaier^g muß aufS Schärfste vorgehen, um Kata- ftrophen vörzubeugen. 30000 Mann können nur mitttäiisch behandelt

Dfäbler (natltb.), ehemaliger Bergwerksdirector, be- wärttgen SttÄ ^Dt^Bergwe^ stets wohlwollend

auf die Handelskammerberichte und die Berichte der und geht bann auf den Strike im Saarrevier über, der mit Unrecht Sra -r h-benichid°°Bestehen

tzttz Nrnhstandes,* sondern die Nothwendigkett eines außerordentlichen Eingreifens des Staates bestrittem

Fortsetzung der Berathung Samstag 1 Uhr. _______

Ueuefk Nachr^chto«*»

Wolffs telegraphisches Eorrespondenz-Bureau.

Berlin, 13. Januar. Der Kaiser ist Dormittags lQi/o Uhr von Karlsruhe zurückgekehrt und begab sich vom Bahnhofe alsbald ins Reichskanzlerpalais, wo er längere Zett mit Caprivi conferirte.

Beilin, 13. Januar. Amtlich. Vom 11.13. Januar Mittags wurden in Hamburg zwei Cholera- Erkrank­ung e n gemeldet. _ , .

Dortmund, 13. Januar. Da das Verbot, auf der Hobertsburg eine Versammlung für Dortmund und desfen Umgegend abzuhalten, wegen des kurzen Zettraumes wenig bekannt geworden war, kamen heute Nachmittag etwa drei­tausend Bergleute mit der Eisenbahn und zu Fuß nach der Hobertsburg gezogen. In Folge der Aufforderung der Poli­zei, auseinanderzugehen, kehrte die Menge unter Hurrahrufen nach der Stadt zurück und zog auf den Steinplatz, auf welchem sie sich, ebenso wie auf den umliegenden Straßen, sestzusetzen uchtc. Die Polizei schritt wiederholt ein und veranlaßte die Menge, auseinanderzugehen. Einzelne Personen wurden ver­haftet. Zur Aufrechterhaltung der Ruhe ist eine starke Polizei­macht aufgeboten.

Paris, 13. Januar. Die Vorstände der republikanischen Staatsgruppen sprachen Ridot ihre Beruhigung über die Menge der gegen Carnot in Umlauf gesetzten Verlaum- düngen aus und versicherten Ribot ihrer thatkrästigen Unter­stützung, dies zu verhindern. Es verlautet, die gerichtliche Untersuchung wider Baihaut sei nahezu beendet- der Pro­zeß gegen denselben würde als besonderer noch vor demjenigen gegen die Derwaltungsrälhe der Panama-Gesellschaft zur Ab- urtheilung gelangen. ~

Newyork, 13. Januar. DemSun wird über San Franzisco aus Car ton (China) gemeldet daß Anfang De- cember eine Räuberbande daß Dorf Kali tm Gebiete von Schinhiny Überfällen, den Priestern mehrere tau,end Tals erpreßt und dann einen großen Schuppen vor dem Tempel, wo die Bevölkerung ein Fest feierte, angezündet habe. In der Feuersbrunst seien 1400 Personen umgekommen- im Ganzen habe es bei dem Ucberfalle 1940 Tcdte und Ver­mißte gegeben.

Depeschen des BureauHerold".

Berlin, 14. Januar. In der gestrigen Sitzung der Militärcommission widersprach Richter den Ausführungen Caprivis über die politische Lage Deutschlands und stellte die

Amtlicher Theil.

Gefunden: Pückhüken 2 P°rt-m°nnai-s

mit Inhalt 1 Brille, 1 Muff, 1 Glacehandschuh, 1 Faß' Ä 1 F°nsL°n, 1 Schrauben,chlüsi-l 1 Sack mit Inhalt 1 Zange, 1 Manschettenknopf, 1 Schraubenzieher, 1 Pferdedecke, 1 Spazierstock, 1 Trauring, 1 Uhrkelte, 1 Hundc- maulkorb und 1 Aussetzer (Bohle).

Zugelaufen: 1 brauner Hühnerhund.

Uugeflo gen: 1 Taube.

Lage des deutschen Heeres gegenüber der der französischen und russischen Armeen als durchaus günstig dar. Die Re­gierung verlange 60,000 Mann Rekruten, die zugestandene Mehraushebung tm Rahmen der zweijährigen Dienstzeit be­trage 40,000 Mann. Wenn die Regierung damit nicht zu­frieden sei, drohe ein politischer Confllct. S^r. ö- ®tumm ist für die Vorlage ihrem ganzen Inhalte nach - behufs Kosten­deckung empfiehlt er das Tabakmonopol. Bebel ist gegen Die Vorlage. Reichskanzler Graf v. Caprivi gibt^zu, die poli­tische Lage sei nicht ungünstiger als in 1890. Die Polkswehr erklärt der Reichskanzler sür zu theuer. Seme Aeußerungen bezüglich Rußlands stellt er richtig. Die Presse habe die- selben vielfach mißverstanden. . M

Berlin, 14. Januar, lieber den deutsch-russi chen Handelsvertrag dauert der Meinungsaustausch beider Regierungen fort. Nach den kürzlich hier eingetroffenen Aus- laffungen Rußlands scheint es, als ob hiernach ernst ichere Abschluß-Absichten vorhanden wären. Trotz alledem scheint es fraglich, ob der Vertrag zu Stande kommt.

Esten, 13. Januar. Die Zahl der Strikenden bet der heutigen Morgenschicht hat im ganzen Kohlenrevier um etwa 4000 abgenommen. Heute Morgen sand auf Zeche Prosper" ein Zusammenstoß zwischen Strikenden und an- fahrenden Bergleuten statt, wobei 13 Verhaftungen vor- genommen wurden. ,. ,, ,

Esten, 13. Januar. Soeben sind aus Gelsenkirch en sechs Bergleute hier eingebracht worden, die sich an den dortigen Unruhen beteiligt haben. In der Wohnung eines der Verhafteten wurden mehrere Dynamitpatronen gefunden.

Esten, 13. Januar. Bis heute Mittag strikten 21,300 Bergleute im Essener Revier - die Zahl der Aus­ständigen hat daselbst abgenommen.

Esten, 13. Januar. Neu ausständig sind die Zechen Lothringen",Gottes Segen",Prosper",Neu-Iserlohn Graf Schwerin",Freiberg",Charlottenburg ,Schür- bQnf Dortmund,°13.^ Januar.Trernonia",Westsalia" und Kaiserstuhl" sind heute vollständig abgefahren, "Louise" undGlückauf" größteniheils, aufSchürbank , "Freiberg" undFreivogel" sind zusammen 330 ausständig. Drei Agitatoren wurden verhaftet. Alles ist ruhig.

Bochum, 13. Januar. Im hiesigen Bezirk ist Alles

° " 9 St° Johann a. d. S., 13. Januar. Trotzdem die gestrige Versammlung in Bildstock zum Ausharren aufmunterte, sind heute wieder 2547 Mann mehr angefahren.

nahende Schritte ließen sie aus ihrem Sinnen emporfahren.

Ich bin es, Kind," sagte Constantin Volkert emtretenb, wir "haben noch zehn Minuten Zeit, um etwas miteinander zu besprechen."

Und das wäre, mein Vater?

DeS jungen Mädchens Antlitz verdüsterte sich, als sie das Schwanken des Directors sah, als sie hörte, tote er lallend die Worte hervorstieß:Ich habe soeben einen Carton zurückgesandt, in welchem eine rothe Atlasrobe lag; meine Gründe darüber kennst Du, ich weiche nicht von denselben. Hm, hm, thut mir leid, Bella, Dich nach wie vor so schroff zu finden, aber Du wirst wohl eine Concession machen, wenn ich Dich bitte hm eine Soupereinladung der Herren

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für dm folgend« Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.

Hast Du untersuchen IAh, Du wirst ganz -nthusiastisch. Wirklich, sie gi-bt kcrde beaina." I di- Schleis- nicht h-r! J-tz . pr-ngt sw hmaus.