Die Anpflanzung von Bäumen und Gesträuchen, welche eßbare Früchte tragen, ift verboten, auch ist die Grohh. Bürgermeisterei ermächtigt, die Anpflanzung anderer Gewächse zu untersagen.
§ 11.
Zur Aufstellung von Grabsteinen und Anbringung von Grabeinfassungen ist die Erlaubniß der Großh. Bürgermeisterei erforderlich. In den einzelnen Abtheilungen müssen die Grab- steine in einer Fluchtlinie aufgestellt werden. Die Grab- einfasiungen müssen folgende äußere Maße haben:
a. bei Gräbern für Kinder unter 10 Jahren l,25 Meter lang, 0,75 Meter breit -
b. im Uebrigen 2 Meter lang, 0,90 Meter breit.
§ 12.
Die Herrichtung und Unterhaltung der Begräbnißstätten, Denkmäler, Einzäunung und dergl. liegt dem jeweiligen Besitzer ob. Er kann hiermit Dritte, insbesondere solche, welche daraus ein Gewerbe machen, beauftragen.
Wer mit der Unterhaltung eines Grabes betraut worden ist, hat dies dem Todtengräber anzuzeigen.
§ 13.
DaS bei der Unterhaltung der Gräber als werthloS oder unbrauchbar Beseitigte ist aus dem Friedhof zu entfernen und darf nicht in nächster Nähe desselben aufbewahrt werden.
§ 14.
Verfehlungen gegen die Vorschriften dieses Localregle- ments werden, soweit nicht die Bestimmungen des Reichs- oder deS Polizeistrafgesetzes in Anwendung kommen, mit Geldstrafen bis zu 30 Mark bestraft.
Dieses Local-Reglement tritt mit dem Tage seiner Verkündigung in Kraft.
Gießen, den 9. Mai 1893.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
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Der deutsche Verein für öffentliche Gesundheitspflege
wird seine diesjährige Jahresversammlung, die im vorigen Herbst wegen der Choleragefahr ausfallen mutzte, in den Tagen vom 25. bis 28. Mai in Würzburg abhalten. Der Ausschuß des Vereins hat das Programm für die Würzburger Versammlung ausgegeben und enthält dies, wie in den letzten Jahren, wieder eine Reihe hochwichtiger Fragen, die zur Verhandlung kommen sollen, sowie die Namen der ersten deutschen Hygieniker, welche die einleitenden Referate übernommen haben.
Zunächst wird die Frage der „unterschiedlichen Behandlung der Bauordnung für das Innere, die Außenbezirke und die Umgebung von Städten" zur Verhandlung kommen und haben das Referat hierfür die Herren Oberbürgermeister Ad icke s von Frankfurt a. M., wo bekanntlich im letzten Jahre eine derartige unterschiedliche Bauordnung für Wohnviertel, gemischte Viertel und Fabrikviertel erlassen wurde, sowie Oberbaurath Professor Baumeister von Karlsruhe, übernommen. Am Nachmittag deS ersten Tages wird Herr Professor Lehmann (Würzburg) einen Vortrag mit Demonstrationen über die Reformen auf dem Gebiete der Brodbe- reitung halten.
Das Thema deS zweiten Tages lautet: „Die Grundsätze richtiger Ernährung und die Mittel, ihnen bei ter ärmeren Bevölkerung Geltung zu verschaffen" und haben die Referate hierfiir Herr Dr. Ludwig Pfeiffer vom hygienischen Institut in München, sowie der um die Frage der Bolksernäh-
rung so hochverdiente Herr Stadtrath Fritz Lalle von Wiesbaden übernommen. Da zum Mittag dieses zweiten TageS die Stadt Würzburg die Mitglieder der Versammlung zu einem ^Frühschoppen" im BürgerhoSpital eingeladen hat, wird an diesem Tage nur ein Thema zur Verhandlung lammen. Am letzten Tage folgt: „VorbcugungSmaßregeln gegen Wasservergeudung", mit Herrn Wasserwerk-Director Kümmel (Altona) alS Referenten, eine Frage, die für viele Städte von großem Intereffe sein dürfte. Hieran schließt sich als zweites Thema eine für die meisten Städteverwaltungen ebenfalls hochwichtige Frage: „Die Verwendung des in gesundheitlicher Hinsicht zu beanstandenden Fleisches, ein- schließlich der Cadaver kranker, getödteter oder gefallener Thiere", also in erster Linie daS den Stäben meist schwere Sorge bereitende Abdeckereiwesen, welches gerade in der letzten Zeit durch die neuen Verbrennungsöfen von Delacroix- Henneberg, Rohrbeck und Podewill so wesentliche Fortschritte gemacht hat. Das Referat hierzu hat Herr Oberregierung», rath Dr. Lydtin in Karlsruhe übernommen.
Eine besondere Anziehung wird die diesjährige Versammlung noch dadurch gewinnen, daß die Stadt Rothenburg ob der Tauber, die an sich schon eine der interessantesten alten Städte ist, sich bereit gefunden hat, zu Ehren des deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege am Sonn- tag den 28. Mai ihr berühmtes historisches Fenspiel „Der Meister trunk" aufzuführen, an welchem übrigens auch Nichtmitglieder theilnehmen können.
Theilnehmer an den Versammlungen deS deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege kann Jeder werden, der Interesse für öffentliche Gesundheitspflege hat und den Jahresbeitrag von 6 Mark zahlt, wofür er dann den Bericht über die Versammlung zugeschickc erhält. Beitrittserklärungen zu dem Verein nimmt der ständige Sccretär, Sanitätsrath Dr. Spieß in Frankfurt a. M., entgegen.
Ciierahtr unb Itanft
~ ltzünzel» «rotzherzogthum Heften. Lebens-
dtloer aus Vergangenheit und Gegenwart. Zweite, neubearbeitete Auflage von Prof. Friedrich Soldan. Verlag von Emil Roth in Gießen. 1893. 8°. 786 Seiten. Bleibt es immerhüi ein Wagniß, ein von der lebenden Generation vergessenes Werk, auch wenn es w e daS Künzel iche, ehedem einen noch so großen Erfolg hatte, ®,eb£ erstehen zu lassen, so hat doch die Verlagsbuchhandlung mit ..^?^abe einer neuen Bearbeitung des vorliegenden Buches einen glücklichen Griff gethan. Der Herausgeber, Herr Professor Friedrich Soldan, hat es vortrefflich verstanden, die bet der Zusammenstellung eines derartigen Sammelwerks so leicht unterlaufenden Unzuträglich- keittn zu vermeiden. Geschickt sichtet uud wählt er seinen reichen ©ton unb bietet dem Leser in trefflicher Anordnung ein wohlgegliederles Ganzes. Wenn auch nach unserem Geschmacke der eine oder der andere im Stil des Verfassers der Ostereier" geschriebene Artikel der Umarbeitung bedurft, ober ganz hätte wegbleiben können, so wirb boch der Werth des Werkes an sich dadurch nicht beeinträchtigt, denn unter vollkommenster Wahrung des volkSthümltchen Eharacter« ist bte Neubearbeitung des Buches dem heutigen Stand der Wissenschaft ent prcchend durchgeführt. Der reiche Inhalt ist in sieben Bücher aegliedert. Da» erste Buch umfaßt „Geschtchts und C-ulturbUber"
»Gefchtchte Hessen« aus bem Munde der Dichter", daS br 1 des Großherzogthums", dos vierte „Hessische Sagen
undVolksschwänke", das fünfte „Hessische Volkslieder", das sechste „Industrie rc. im Großherzoathum und topographische, geologi'che und statiststche Uebersichten", das siebente endlich „Geschichte Hessens in Uebersichten. Auf die Beiträge im Einzelnen einzugehen, würbe zu wnt fuhren, wir wollen nur kurz barauf Hinweisen, daß unter btn~ant*?n «SR wie Rommel, Wenck, Jacob Grimm, Heinrich o. Treitschke, Wilhelm Oncken, Friedrich Soldan, W. G. Soldan v, Cohausen u. a. m. zu finden sind. Dankenswerth sind die S. 334 ff gebotenen Auszüge aus den Briefen unserer hochseligen Großherzogin ^Lcf‘ n^.tn ,ü&0ner<3 Denkmal als dadurch, daß man sie selber reden ließ, hatte man dieser edlen Frau nicht setzen können. Durch
dre rührend schlichte Art, mit der sie von ihrer ,3amUle spricht, er- dringt sie den Beweis, daß sie, die englische siönig-tochter, so ganz teunch denkt und fühlt, bringt sie sich und unser ganzes Herrscherin«» dem Herzen eine« Volkes näher. Die Bücher 3—5 werden nicht menia iur Lolkskbümlichkeit des Lerke» beitragen, denn hier spricht thellweffe in den tauten der Heimath, fo recht unmittelbar da« Volk zum Volke. Da» sechste Buch dürste für sich eine hochwillkommene Beigabe enthalten: eine aut Grund amtlichen Material» au .jear bettete Abhandlung über Industrie und G werde de» - . oßherzogthum» au» der Feder des Regierung»rath4 Dr tzdm Hesse, auf die hier ganz be'onberfl aufmerksam gemacht sei. Den Schluß de» Werke» hübet bte übersichtliche Geschichte Heften» vom Herausgeber, die mit erwünschter Knappheit ein anschauliche» Blld der Entwicklung untere» Vaterlande» von den Zeiten der Römer bis zum heutigen tage liefert. Sollen wir unser Uttheil in wenige Borte tufammen saften, so kann eS nur dahin lauten, daß Bearbeiter und Verlag uneingeschränktes Lob und großen Dank für die Darbietung de» Werke» verdienen. Tei Sud) ist, wie kaum ein anderes, geeignet, .Vtrständniß und Liebe für die hessische Heimatb und damit auch treue Anhänglichkeit an da» deutsche Vaterland bei Jung unb Alt zu erwecken unb zu fördern/ wie e» in dem Dai kfchreiben au» bem Eadinet S. Ä. H. des Groß» Herzog», besten wohlgetroffeae» Blld da» Werk schmückt und bem dieses gewidmet ist, heißt. Den Schulbibliotheken. Lehrern und vor Allem der FamUte sei deshalb da» Buch aut» Wärmste empfohlen.
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Die Schätthetttzpftege Dieses Schlagwort wird sicherlich die Aufmerksamkeit unserer Leserinnen fesseln, bildet sie doch ein Thema, dem da« schöne Geschlecht zu allen Zeiten mit Vorliebe huldigt. Ticke Bände könnte man über bte Entwickelung ber Schön» hetispflege vom grauen Alterihum bis auf den heutigen Tag f(treiben. Welche Mittel der Kunst unb Täuschung haben Anwendung gefunden! Heute mehr denn je ist eS die Eitelkeit, welche al» nie versagende Nährmutter der vielen Schönheitsmittel dient. Nun gehört aber ein schöner Teint, welcher gleichbedeutend mit einer gesunden Haut ist, zu ben ersten Erfordernissen der Schönheit. Die Function der Haut mit ihrem Netz von Drüsen unb kleinen Organen, welche die Elasticität, Feltblldung, Ausdünstung, Athmung und viel.» mehr besorgt, von dem die wenigst en Menschen eine Vorstellung hoben, sind die Ursache der zahlreichen Erkrankungen, wie Pusteln, Finnen, Schuppen, Ausschlag, Röthe, Flecken, Sommersprossen rc. :c. W'U man diese aber beseitigen, so genügt cfl durchau nicht, solche Mittel in An wendung zu bringen, welch' theil« durch ihren Gehalt an giftigen Mineralsalzen eher eine Verschlimmer urig bringen, ober welche wie Salben, Puder, Wäster rc. die krankhaften Stellen über tünchen aber nicht heilen. Mögen sich daher alle Schönen davon überzeugen, daß die Haut eine ganz besondere Pflege nöthig hat. Mon wende, wenn e» nöthia, zur Beseitigung von krankhaften Zuständen ein Mittel an, ba» in Folge seiner Eigenschaften mehr al« alle Toilettenmittel nützt. Dies ist Apotheker A. Flügges Myrrhen Erbme. Man lese die au«: ührlichc GratiSbroschüre über „Die Behandlung der Hautkrank» beiten" unb überzeuge sich burch die LrztlichkN Gutachten, daß der Flügge'sche Mvrrhm-Crbme, deften Darstellung durch Deutsche« Reich»- patent Nr. 63592 geschützt ist, kein auf die Eitelkeit sp.culitende», werthloses Präparat, sondern ein über jeden Zweifel erhabene», vorzüglich wirkende« Mittel ist. Flüage« Myrrhen EtSme » Dose Mk. 1— sowie die Broschüre ist in Gieße« 'n allen Apotheke« erhältlich. Apotheker A. Flügge« Myrrhen-Er^me ist der patmthte ölige unb verdickte AuSzug deS Mynhen-HarzeS. [4449
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