wenn Jemand bei militärischen Uebungen verunglückt, dieselbe Fürsorge eintrttt, als wenn Jemand in einem Privatbetriebe verunglückt.
Abg. Level: Man möge sich hüten,,der Vorlage zuzustimmen, welche Gelder auS dem JnvaltdenfondS für allgemeine Reichszwecke verfügbar macht, denn nach Annahme dieser Vorlage werde man für so berechtigte Wünsche, wie die eben geäußerten, kein Geld mehr haben.
Die Vorlage wird durchweg in der Commissionsfaffung angenommen.
Abg. v. Benda (nL) begründet dm von ihm in Gemeinschaft mit Mitgliedern aller Parteien gestellten Antrag: Dm Reichskanzler zu ersuchen, die dm Mitgliedern deS Reichstags gewährtm freien Etfenbahnfahrkarten unter dm Bedingungen, wie dteselbm oom'Beginn der zweiten bis zum Schlüsse der 5. Legislaturperiode im Gebrauch gewesen sind, wiederherzustellm und dem Reichstage von der Entschließung hierüber schleunigst Mittheilung machen zu wollm.
Abg. Gamp (Rp.) spricht sich mtschtedm gegen dm Antrag aus. Die freie Fahrt in dem geforderten Umfange kommt nur dm Agitatoren zu Gute. Zum Zwecke der Information im Lande sind die Freikarten niemals bmutzt worden, denn sonst könnten nicht solche falsche Urthetle über die Verhältnisse der Landwirthschaft im Osten aufgekommen sei, wie man sie hier häusig höre.
Nachdem sich Abg. v. Kar dorff (Rp.) kurz für den Antrag ausgesprochen, wird derselbe mit großer Mehrheit angenommen.
Morgm 1 Uhr: Handelsverträge mit Spanten, Numänim und Serbien.
Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Budapest, 11. December. Dem „Magyar Uuiszog" zu- folge wird in der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wahrscheinlich beantragt werden, im ungarischen Abgeordnetenhause ein auS Mitgliedern aller Parteien bestehendes Comitö zu bilden, um zu einer internationalen Verständigung darüber zu gelangen, wie die parlamentarische Freiheit, die Sicherheit der regierenden Häuser und die Fundamente der Staatsordnung gegen die Epidemie des Anarchismus geschützt werden könnten. Der Antragsteller werde vor Einbringung des Antrages eine Besprechung mit dem Ministerpräsidenten haben.
Rom, 11. December. In Betonto (Provinz Bari) versuchte ein Zollwächter unter Beihilfe von Gensdarmen Mörserbatterien, welche die Bevölkerung anläßlich einer religiösen Feier aufgestellt hatte, schießuntauglich zu machen. Der Volkshaufe leistete thätlichen Widerstand, so daß die Gensdarmen von ihrer Waffe Gebrauch machen mußte. Ein Bauer wurde gelobtet. Ein erneuter Angriff des Volkshaufens zwang die Gensdarmen, sich in ihre Kaserne zurückzuziehen. Die Meuterer verfolgten den Zollwächter in das Polizeibureau, begossen die Kleider mit Petroleum und zündeten sie an. Der Zollwächter erlitt schwere Brandwunden und liegt im Sterben. Durch Eintreffen von Verstärkungen aus Bari wurde die Meuterei beendet. Im Handgemenge find mehrere Personen verwundet worden. Einige Verhaftungen wurden vorgenommen.
London, 11. December. Unterhaus. Asquith theilt mit, die Behörden deS Hauses wären der Ansicht, daß alle nothwendigen Vorsichtsmaßregeln gegen Dynamitverbrechen getroffen seien. Unter lautem Beifall erklärte Harcourt, die Regierung glaube, das Haus sei nicht gewillt, die jüngst gegen eine große repräsentative Versammlung einer befreundeten Nation verübte Gewaltthat unbeachtet zu lassen und wünsche daher mit Genehmigung deS Hauses zu beantragen, daß der französischen Kammer und deren Präsidenten geeignete Mittheilung gemacht würde, welche Sympathie auSdrücke, sowie den Abscheu vor dem verübten Verbrechen. Balfour billigt wärmstens diesen Schritt, welcher die Gesinnung Aller ohne Parteiunterschied vertrete.
Paris, 11. December. Von den am Samstag Verhafteten, die der Kammersitzung beigewohnt haben, wurden elf in Freiheit gesetzt und nur vier wegen Land st reicheret unter Anklage gestellt.
Depeschen deS Bureau „Herold".
Berlin, 11. December. Kaiser Wilhelin wurde bereits in Barby, wo er sich zur Jagd aufhält, von der Pariser Bombenaffaire benachrichtigt. Er war sehr überrascht und sprach tiefen Abscheu gegen den Urheber solcher Unthaten auS. Es verlautet, der Kaiser habe weiter geäußert, ohne drakonische Abwehrmaßregeln gehe es nicht mehr weiter.
Berlin, 11. December. Da in letzter Zeit mehrfach die Maul- und Klauenseuche durch Rindvieh und Schweine auS Italien nach Deutschland eingeschleppt worden, veröffentlicht der bayerische Minister deS Innern im „Reicksanzeiger" ein Verbot der Durchfuhr von Rindvieh, Schafen, Ziegen und Schweinen auS Italien.
Berlin, 11. December. Nach der „Post" haben die Verhandlungen über die Grenzregulirung im Htnter- lande von Kamerun heute begonnen. Den deutschen, wie französischen Delegirten ist strengste Geheimhaltung der Verhandlungen auferlegt.
Berlin, 11. December. Das „Berl. Tagebl." erfährt, daß die deutsche Reichsregierung auch angesichts des neuesten Dynamitattentats in Paris darauf beharrt, zu internationalen Maßnahmen gegen die Anarchisten eine Initiative nicht zu ergreifen, weil der Anarchismus Deutschland verhält- nißmäßig wenig berührt. Deutschland werde sich aber einer Aufforderung Frankreichs und Spaniens gegenüber nicht ablehnend verhalten.
Berlin, 11. December. Die „Nordd. Allgem. Ztg." erklärt, die Mittheilung der „Berl. Börsenzeitung", der zufolge man eine Umwandlung der Tabakfabrikatsteuer in eine Rohtabakwerth st euer plane, entbehre jeder Begründung. Die Regierung halte an der jetzigen Vorlage fest.
Altenburg, 11. December. Der Commis Zieger wurde, als er einen 100-Markfchein wechseln wollte, von einem Collegen auf der Straße angefallen, durch drei Stiche tödtlich verletzt und des Geldes beraubt. Der Attentäter schleppte sein Opfer an den nahen Fluß und warf dasselbe hinein. Der Raubmörder wurde verhaftet.
Breslau, 11. December. Die „Schl. Ztg." meldet, daß
in Betreff der kleinen Handelsverträge die Handelskammern Schlesiens an die CentrumS»Abgeordneten daS dringende Ersuchen richteten, bei der Abstimmung im Reichstage die Bedürfniffe der schlesischen Industrie zu bedenken.
Köln, 11. December. Die „Kölnische Zeitung" fordert Frankreich auf, nach dem Attentat nunmehr die Initiative zu ergreifen, um ein gemeinsames Bekämpfen deS Anarchismus herbeiführen zu können.
Mannheim, 11. December. Seitens der Interessenten der Tabakbranche wird in einer allgemeinen großen Versammlung auS allen Theilen des Landes entschiedenster Protest gegen die Erklärung deS Ministers Buchenberger zu Gunsten des Tabakfabrikatsteuer - ProjecteS eingelegt werden.
Wien, 11. December. Das ungarisch e Abgeordnetenhaus übermittelte der französischen Deputirtcnkammer anläßlich deS Bombenattentats seine Sympathie.
Wien, 11. December. Verschiedene Blätter melden von einer demnächstigen Verlobung des jetzt 30jährigen österreichischen Thronfolgers, des Erzherzogs Franz Ferdinand von Este mit der ältesten Tochter deS russischen KaiserpaareS, Xenija Alexandrowna, die jetzt im achtzehnten Lebensjahre steht.
Wien, 11. December. Chlume tzky, der Präsident des Abgeordnetenhauses, hat an den französischen Kammer- Präsidenten Dupuy folgendes Telegramm gerichtet: „Wollen Ew. Excellenz den Ausdruck warmer Theilnahmc anläßlich des veradscheuungSwürdigen Attentates entgegennehmen, welches auf die Deputirtcnkammer ausgesührt wurde. Gleichzeitig genehmigen Ew. Excellenz den Ausdruck tiefsten Bedauerns für die Opfer des Attentates." — Des Weiteren enthält die Depesche die Versicherung, daß nunmehr das österreichische Parlament die in Angriff genommenen Maßregeln gegen den Anarchismus in der aufmerksamsten Weise verfolgen werde.
Wien, 11. December. Die „Pol. Corr." meldet auS London, daß es der von der englischen Regierung eingesetzten Commission behufs Recherchirung über daS in Dublin verübte Dynamitattentat gelungen sei, einer anscheinend weitverzweigten Verschwörerbande auf die Spur gekommen zu sein.
Paris, 11. December. Die Aufregung über das in der Kammer verübte Attentat hat sich durchaus noch nicht gelegt- die Bevölkerung wird im Gegentheil durch die ununterbrochen erscheinenden Extrablätter in Erregung gehalten. Marchall, dessen richtiger Name Vaillant ist, hat ein volles Geständniß abgelegt, doch stellt derselbe in Abrede, irgend welche Mitschuldige zu haben. Er hat erklärt, sie würde von größerer Wirkung gewesen sein, wenn sie, wie er beabsichtigte, birect in die Reihen der Deputirten gefallen und auf der Erde explodirt wäre. Der Attentäter wurde aber, als er zum Wersen ausholte, durch die Bewegung einer neben ihm sitzenden Person gehemmt, sodaß der Wurf zu kurz war. Die Polizei ist ununterbrochen mit Nachforschungen bei den Anarchisten bejchäftigt und glaubt einer weitverzweigten Verbindung auf der Spur zu fein.
Paris, 11. December. Nach neueren Meldungen geht es allen bei dem Attentat am Samstag in der Deputirten- kammer Verwundeten verhältnißmäßig gut. Einer mußte trepanirt werden, da ein eingedrungener Nagel nicht anders aus dem Schädelknochen entfernt werden konnte. Kammerpräsident Dupuy erhielt gestern und heute auS allen Theilen des Landes unzählige Briefe und Telegramme, welche ihn zu seiner vorzüglichen Haltung in der Kammer am Samstag beglückwünschen. Zahlreiche Verhaftungen von Anarchisten werden fortwährend vorgenommen. Der Attentäter Vaillant ist nicht erheblich verletzt- die Nase ist ihm aufgerissen und das eine Bein ist gequetscht. Die Entrüstung über den Anschlag ist allgemein und wird gerade in den radicalen Blättern am heftigsten ausgedrückt.
Marseille, 11. December. Ein Stadtrathsmitglied hatte das Verbrechen in der Pariser Kammer ans öffentlicher Straße gutgeheißen, worauf seine sofortige Verhaftung erfolgte.
Brussel, 11. December. Aus Paris sind mehrere französische Geheimpolizisten hier eingetroffen. Dieselben überbrachten der hiesigen Polizei die Signalements mehrerer seit gestern aus Paris flüchtiger Anarchisten.
Berlin, 12. December. Ein hiesiger Kaufmann erhielt gestern durch die Post zwei fingerlange Rollen in blauem Papier. Die Rollen wurden durch die Erzieherin der Kinder, während die Familie bei Tisch saß, geöffnet- als sie die Umhüllung abriß, erfolgte eine Explosion, kleine Blechstücke wurden umhergeschleudert, die Dame wurde an den Augenbrauen versengt. Der dreijährige Sohn erlitt leichte Verletzungen. Die Polizei hat Untersuchung eingeleitet. Der angebliche Absender, Dr. Cohn, Müllerstraße, ist unbekannt.
Cocalts ttn- provinzieller.
Gießen, den 12. December 1893.
** Oefieotliche Sitzung des Provinzialaosfchuffes der Provinz Oberhefleu vom 9. December 1893. 1) Klage des OrtSarmen- verbandeS Ilbenstadt gegen den OrtSarmenverband Klein- Karben wegen Unterstützung der Familie deS Bernhard Herbert. Die Gemeinde Ilbenstadt, in der die Familie deS s. Zt. auf der Ströbel'schen Mühle zu Klein-Karben als Fuhrknecht beschäftigten, im März 1891 verstorbenen Bernhard Herbert wohnt, verlangte von der Gemeinde Klein-Karben Ersatz der für die Familie deS p. Herbert aufgewendeten UntetstützungSkosten und erhob auf die Weigerung letzterer Gemeinde Klage unter Hinweis darauf, daß die bis zum Schluffe deS EtatSjahreS 1890/91 erwachsenen Kosten von Klein Karben anstandslos erstattet worden seien. — Behufs Feststellung des Unterstützungswohnsitzes wurden die Wittwe und eine Tochter deS p. Herbert, sowie der Gemeinde-Einnehmer Odenwälder und die frühere Besitzerin der Ströbel»
scheu Mühle vernommen. Diese Vernehmung ergab, daß p. Herbert Kost und LogiS in der Mühle erhielt, wenn er auch keinen festen Lohn, sondern von jedem Sack Mehl eine bestimmte Vergütung bezog. — Herben begab sich regelmäßig am Samstag Abend ober am Sonntag Nachmittag zu seiner Familie, um sich mit frischer Wäsche für die Woche zu versehen. Zuweilen kam er auch in der Woche einmal zu seinen Angehörigen, sein Aufenthalt daselbst wahrte jedoch immer nur eine Nacht oder etliche Stunden. Der Anwalt de» Klägers sühne auS, daß Klein-Karben als der Mittelpunkt der wirthschastlichen Thätigkeit Herberts, sonach auch als On des UnterstützungSwohnsitzeS anzusehen und deshalb erfatz- pflichttg sei, während der Vertreter deS Beklagten sowohl die Nothwendigkeit der Unterstützung, als auch den Erwerb deS UnterstützungSwohnsitzeS in Klein-Karben bestritt. — Der Provinzialausschuß erkannte nach dem Klagbegehren und setzte dem beklagten OrtSarmenverbande die Kosten deS Verfahren» sowie einen Aversionalbetrag von 30 Mk. zur Last. — 2) Gesuch des WirthS August Lang von Gießen um Con- ceffion zum AuSschank von Branntwein, p. Lang ist seit längerer Zeit als Gastwirth concessionirt, ohne jedoch im Besitze der Erlaubniß zum AuSschank von Branntwein zu sein. Verschiedene Gesuche desselben wurden vom KreiSauSschusse wegen mangelnden Bedürfnisses abschlägig betrieben, so auch bas letzte Gesuch, worauf p. Lang RecurS erhob mit ber Begrünbung, baß baS Bebürfniß für bie bei ihm verkehrenden Leute vorliege. Dem Recurfe wurde stattgegeben. — 3) Gesuch deS Karl Gönner zu Kaichen um Erlaubniß zum Betrieb einer Schcmkwirthschaft. Ein Bebürfniß zur Errichtung biefer neuen Schankwinhschaft ist vom OrtSvor» staube zu Kaichen nicht anerkannt worben, weshalb ber Kreis- auSschuß Friedberg die Concessionirung ablehnte. Der gegen dieses Erkenntniß eingelegte RecurS wurde abgewiesen. — 4) Das Gesuch des Heinrich Wagner von Düdelsheim um Concession zum WirthschaftSbetrieb war vorn Shreiflau»» schaffe Büdingen gleichfalls abschlägig beschieden worden. Zur Begründung des erhobenen RecurseS waren auf Antrag deS Vertreters des GesuchstellerS einige Zeugen geloben worben, bei bereu Vernehmung sich u. A. ergab, baß zwei Winhschasten im Laufe ber letzten Jahre eingegangen sind. Die Concession»- ertheiluug würbe genehmigt. — 5) Antrag ber Gemeinde Usenborn auf Gelände-Enteignung behufs Errichtung eine» Backhauses. Für diesen Zweck wurde die Abtretung eincS Theils des den JohS. Bach II. Erben gehörigen Grundstück» Flur I Nr. 468Vio verlangt, von den Expropriaten hiergegen jedoch Einspruch erhoben, weil daS fragliche Gelände für den Eigeuthümer zum Oeconomiebetriebe unentbehrlich und außerdem verschiedene andere, ebenso geeignete Plätze vorhanden seien. Die Localcommisfion war der Ansicht, daß jeder der in Vorschlag gebrachten Plätze nur im Wege ber Enteignung erworben werben könne, hielt aber auch da» beanspruchte Gelänbe für das zu dem gedachten Zwecke geeignetste. — ES wurde beschlossen, daß vorerst durch Mitglieder des Provinzialausschusses Augenschein eingenommen und die Entscheidung alsdann in nächster Sitzung verkündet werden soll.
** Der Theater Benin hat, trotzdem er unleugbar einen Stich in'S Classische besitzt, mit der Wahl von „CHarleys Tante" bewiesen, daß er ganz auf der Höhe der Zeit steht. Gleich zünftigen Theaterdirectoren, hat die Geschäftsleitung deS Vereins, unterstützt durch die Liebenswürdigkeit der Frankfurter Intendanz, eine GeschästSkundigkeit bewiesen, vor der man unbedingt den Hut ziehen muß. Wenn daS Stück in Berlin allein diesen colossalen Erfolg gehabt hätte und heute noch hat, würden wir sceptischer sein- der Berliner will sich amüsiren, will lachen, er ist viel empfänglicher für den Scherz als andere Großstädter, bei ihm findet ja auch die Muse au» Kalau dankbare und verständige Verehrer. „C h a r l e y » Tante" macht ober im Moment einen wahren Siegeslauf durch ganz Deutschland- gleich „Sullivans Mikado" und „Mascagnis Cavalleria rufticana", welche auch auf fremden Boden entsprossen, ist auch „Brandon Thomas' Tante" ein Kassenmagnet und ein Angelpunkt aller Bühnen geworden und, wenn nicht Alle» trügt, wird die jetzt noch junge Tante, auch später noch als alte Tante, nicht» von ihrer Anziehungskraft verloren haben. Wenn nun auch ein solches Zugstück von minderwerthen Bühnen wohl dargestellt werden kann, so erhöht fich denn doch ber Genuß bei vollendeter Aufführung nicht unwesentlich und eine solche ist unS für morgen in sichere Aussicht gestellt. Frankfurt sendet uns feine besten Kräfte- da sind die mit Recht so beliebten Damen Eichenberg, Landon und Mühlbach, die liebenswürdige Frau Keller-Frauenthal, die Herren Meyer, Strohecker, Grün, Stritt, Bolz, zu denen sich der würdige Herr Roll gesellt. Ein solche-Ensemble auf unserer kleinen, aber so gemächlichen Bühne in einem Stück, wo eine Drollerie die andere ablöst, wird sich wohl Keiner, der mal tüchtig und aus Ueberzeugung lachen will, entgehen lassen.
Z. Neues Theater. Ein reiner Kunstgenuß war den Besuchern de» gestrigen Theaterabends bescheert: Fritz Reuter» unvergänglicher „JnspectorBräsig" feierte feine Wiedergeburt. Selten wohl ist ein bramatifirter Roman im Stande, einen derartigen Eindruck auf sein Publikum zu machen, wie dies Lebensbild aus „Ut mine Stromtid". Gerade in dieser Saison hatten wir schon einigemal Gelegenheit, auf bie gewöhnlichen Schwächen jener Werke dinzuweisen, die fich selbst durch die berufensten Darsteller, wir erinnern nur an die „Claire" der Butze in Ohnets „Hüttenbefitzer", nickt verdecken lassen- Fritz Reuters „Onkel Bräsig" wohnt soviel dramatische Kraft inne, daß wir ihm den Romanhelden nicht anmerken. Er ist so frisch, so wahr und natürlich gezeichnet, daß er da» Interesse de» Beschauers sofort auf fich zieht und e» gefangen zu halten weiß bi- zum letzten Augenblicke, wo er auf der Bühne sich befindet. Und so sind die anderen Figuren alle, plastisch sich abhebend von dem mit soviel Liebe und Geschick gemalten Hintergründe, der unfl einen Einblick gewährt in die bäuerlichen Verhältnisse Mecklenburg», wie er schöner nicht


