Ausgabe 
13.10.1893 Erstes Blatt
 
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Hauptmann Weim er, zum Chef der 14. Compagnie Haupt« mann v. Scheven ernannt worden.

Z Soeben wird in der JohanneSkirche die Orgel aufgestellt- die Einweihung des Gotteshauses findet bestimmt im nächsten Monat an einem noch näher zu bestimmenden Tage statt. Zur Eröffnungsfeier erscheint eine illuftrirte Festschrift.

* Frau Maria Matz-Langttorfi, Großh. Hess. Kammer­sängerin, die während der Gießener Studienzeit Sr. Königl. Hoheit unseres Großherzogs die hohe Ehre hatte, dem­selben Gesangsstunden zu ertheilen, hat sich jetzt in Darm­stadt als Gesang-lehrerin niedergelassen.

** Warnung Schon Mancher hat dadurch, daß er sich auf öffentliche Aufforderungen hin als Interessent an einem überseeischen Nachlaß unter einer bestimmten Privatadresse meldete, sehr trübe Erfahrungen machen müssen. ES giebt in überseeischen Ländern, namentlich auch in den Bereinigten Staaten, Rechtsanwälte, die ein Gewerbe darau- machen, solche Erbenaufrufe zu erlassen und dann die Interessenten, die sich melden, zu schröpfen. Auch kürzlich laS man wieder eine solche Aufforderung in deutschen Blättern, bei der es augenscheinlich auf unredlichen Gewinn abgesehen war. ES kann jedem vermeintlichen Erbinteressenten nur dringend Vor­sicht anempfohlen und gerathen werden, etwaige in über« seeischen Ländern geltend zu machende Erbansprüche nur durch die zuständigen kaiserlichen Consulate weiter zu verfolgen.

-1.- Bon der Rabenau, 10. October. DaS Kirchen« g esang fest, das am 1. October in der sinnig geschmückten Kirche zu Londorf gefeiert wurde, hat einen überaus wohl- thuenden und schönen Verlauf genommen. ES betheiligten sich daran, wie schon bekannt, die Kirchenchöre von Allendorf a. d. Lda., Beuern, Grünberg und Londorf mit Ausnahme von Allendorf so ziemlich dieselben, die bereits im Jahre 1891 ba« Kirchengesangfest in Grünberg vorzugsweise angeregt und zur Ausführung gebracht hatten. Die Hauptprobe, die kurz nach 12 Uhr begann, zeigte sofort, daß die Einzelvereine unter der Leitung ihrer Herren Dirigenten (die Herren Lehrer Adam in Allendorf, Musch in Beuern, Mohr in Grünberg und Schäfer in Londorf) tüchttg gearbeitet hatten. War somit die Hauptbedingung zum Gelingen des Festes vorweg Cr öeküeS die nachherige Ausführung, einen wie

trefflichen Gesammtdirigenten man in der Person des Herrn Lehrers Schäfer in Londorf gefunden hatte. Die Chöre gingen eract, wurden frisch und lebendig vorgetragen und konnten auch verwöhnteren Ansprüchen sehr wohl genügen, eine Thatsache, die umsomehr hervorgehoben zu werden ver« dient, als ja der große, mehr als hundertstimmige Festchor durchweg aus ländlichen Kreisen hervorgegangen war. Gleich der erste ChoralNun lob, mein Seel, den Herrn!" der sich hoffentlich recht bald wieder im kirchlichen Gebrauch unserer Gemeinden einbürgern wird war von hinreißender Wirkung auf die Versammlung, die alle Räume des weiten Gottes­hauses bis in den letzten Winkel hinein füllte, und zu der nicht nur das Lumda- und Buseckerthal, sondern auch der benachbarte EbSdorfer Grund seine Bewohner in großen SchaareU geschickt hatte. Mit sichtbarer Freude und mit wachsender Thetlnahme folgte die Festgemeinde den weiteren Darbietungen. ES waren abgesehen von dem EingangS- chorAl im Ganzen acht Chöre, die zum Vortrag gelangten, vorzugsweise Choräle, wie sich das aus der Eigenart der gottesdienstlichen Feier von selber ergab- doch waren auch Motette und geistliches Volkslied nicht ganz ohne Vertretung. Die Gemeinde selbst fand in dem liturgisch gehaltenen Ein­gang nicht nur, sondern auch im Fortgang des Gottesdienstes und ebenso am Schluffe desselben wiederholt und reichlich Gelegenheit, in den episch - dramatischen Verlauf des Gottes- dienstes einzugreifen und durch Choralgesang sich zu betheiligen. Die vier Abtheilungen der gottesdienstlichen Feier, die ihrem ganzen Inhalt nach ein anbetender Lobpreis des Herrn war (Nun lob, mein Seel, den Herrn!" und zwar als Kind in der Krippe, als Lamm am Kreuz, als Sieger in der Öfter- glorie, als König in der Himmelsherrlichkeit), waren durch Bibelstellen untereinander verbunden, die von Herrn Pfarrer Vogel aus Beuern, der überhaupt deS priesterlichen Dienstes am Altäre waltete, gelesen wurden, während die Festansprache von Herrn Pfarrer Volp auS Allendorf über Plalm 103, 15 gehalten wurde. Bon den Lobgesängen des alten Testamentes, von den Psalmen ausgehend und dann den evangelischen Choral in seiner früheren Schönheit schildernd, wie er erst jetzt wieder und zwar hauptsächlich durch den Dienst der Kirchengesangvereine unseren Gemeinden vorgeführt wird, kam der Redner auf die gegenwärttge Feier zu sprechen, deren Sinn und Bedeutung er an der Hand des Programms der Gemeinde erschloß und warm an daS Herz legte. Mit ihrem festlichen Ton in den Rahmen der ganzen Feier sich einfügend, war die Rede sehr wohl geeignet, Verständniß und Liebe für diese Form von Gottesdiensten zu wecken, die man mit Recht musikalische Gottesdienste" genannt hat, da sie das Evangelium zunächst nicht predigen, sondern in die Herzen hinetnfingen wollen. Der Feier am 1. October ist dies auch ohne Zweifel gelungen. Den Schluß bildete die Anbetung nebst einem Verse auS dem deutschen Te Deum mit nachfolgendem Segen und Stillgebet. Als Organist hatte Herr Lehrer Ziegler in Londorf fungirt, die Collecte war zunächst zur Deckung der Unkosten, ein etwaiger Ueberschuß für die Heidenmission be- stimmt worden. Wenn man auch um der beschränkten Räumlichkeiten willen von der Veranstaltung einer besonderen Nachfeier Seiten« der Gesammtvereine hatte absehen müssen, so war doch daS nachfolgende, wenn auch nur kurze Zusammen sein der einzelnen Vereine, wie eS sich hin und her und völlig ungezwungen ergab, nicht weniger schön und durch Gesanges- Vorträge noch besonder- gewürzt. Auch der mittlerweile ein- getretene Regen konnte die Freude über die empfangenen Eindrücke nicht stören und die festliche Stimmung nicht mm- dern. AlS man endlich sich trennte, da geschah'S unter dem allgemeinen Wunsche, doch recht bald wieder eine ähnliche Feier veranstaltet zu sehen. Will'S Gott, soll der Wunsch

auch bald in Erfüllung gehen! Auf alle Fälle sind wir dessen gewiß, daß jede Gemeinde, in deren Mine die ver­bündeten Vereine dann feiern, den Tag ebenso fröhlich und dankbar begrüßen wird, als eS Londorf am 1. d. Mts. ge- than hat.

A AlSfeld, 11. October. Die Obstau-stellung im Saale deSDeutschen Kaiser" für die Kreise Alsfeld und Lauterbach ist gestern Nachmittag geschlossen worden. Der Besuch der- selben war ein recht guter und machte dieselbe ihrem Beran- stalter, dem Oberhesfischen Obstbanverein, alle Ehre. Die reichlich beschickte Ausstellung lieferte einen deutlichen Beweis, welchen Aufschwung die Obstbaumzucht in beiden Kreisen ge­nommen. Wirklich prächtige Obstsorttmente fanden sich in reicher Zahl und einzelne Obstsorten zeigten eine Vollkommen­heit, die man vor einigen Jahren in diesen Kreisen für un­erreichbar hielt. Selbst echte, im Vogelsberg gewachsene Trauben fehlten nicht. Auch die Becrweinindustrie, ebenfalls ein noch ganz junger Zweig, war auf der Ausstellung gut vertreten, namentlich durch die Weine deS Herrn D. Repp- Homberg. Die auf der Gallerie des prächtig becorirten Saales placirte Gemüse-Ausstellung zeigte sehr schöne Pro- ducte beß Gemüsebaues unb wahre Riesenexemplare von Sfrür» bissen ber verschiebenften Arten. Reichhaltig waren hierin besonders bie schönen Sortimente bes Herrn G. Kurtz jr. bahier. Die Ausstellung der verschiedensten Kartoffelsorten des Herrn Backhaus-RudloS erregte vieles Interesse. Unter der mit der Obstausstellung verbundenen Ausstellung von Obstbäumchen, Hoch- und Zwergstämme, zeigte besonders die Firma Ko h m - Gelnhausen vollendete Baumformen. Di­plome erster, zweiter und dritter Klasse lohnten die respec- tiven Aussteller für ihre schönen Leistungen.

G. Glauberg, 8. October. Das Jahr 1893 ist für uns Landwirthe einNeidjahr im übelen Sinne des Wortes, denn Futter und Getreide sind schlecht gediehen und dabei hat Letzteres auch noch einen schlechten Preis. Obst und Kartoffeln aber sind gut gediehen, aber sie gelten nichts. Da ist eS nun erfreulich, melden zu können, daß doch gute Erträge Vorkommen und zwar bei Handelsgewächfen. Solche sind bei uns die Zuckerrüben und die Zwiebeln. Erstere haben in den letzt vergangenen drei Wochen an Ge­wicht und an Zucker zugenommen. Letzere, die Zwiebeln, haben noch schöne Erträge und guten Preis erzielt. So rechnet sich ein hiesiger Pflanzer etwa 2200 Mk. für Zwiebeln heraus, ein Ertrag, wie er dieses Jahr an anderen landwirth- schaftlichen Producten auf gleich großer Fläche wohl schwerlich erzielt werden durfte.

Darmstadt. 9. October. Der PosthilsSbote Georg Mohn in Michelstadt war am 1. Mai d. I. auf den Postdienst verpflichtet worden. Er mußte sich heute bereits vor dem Schwurgericht wegen mehrerer Verbrechen im Amte verant­worten. Der äußerst kärgliche Gehalt (täglich 1 Mk. 30 Pf.) steint dem bisher braven Manne nicht ausgereicht zu haben. Mohn behielt Ende Juli den Betrag einer Postanweisung für zahlte sie aber am 10. August au«, nachdem er am 9. August abermals einen Anweifungsbetrag befraubirt hatte, ör unterließ bie vorgeschriebenen Einträge in fein Annahme- buch unb fälschte im ersten Falle bie Quittung bc6 Abreffaten. Nach bem Ausspruch ber Geschworenen ist Mohn als Beamter nicht zu betrachten- er wurde unter Annahme mildernder Umstände wegen Urkundenfälschung unb Unterschlagung zu acht Monat Gefängniß verurtheilt, im Uebrigen aber frei- gesprochen.

Sangen, 9. October. Währenb bes KlangeS ber Hörner einer vorbeimarschirenben Capelle fiel am Sonntag ein etwa sechs Meter langes Stück Mauer bis auf das Fundament zusammen. Die Wahrheit ber Geschichte ber Mauern von Jericho, bte von Manchen bezweifelt würbe, finbet nun roieber mehr Glauben.

Bensheim, 11. October. Gestern Abenb gegen 10 Uhr wurden einem Schäfer au6 dem Bayerischen, ber mit seiner etwa 230 Stück zählenben Schafheerbe nächst dem Bahn- Übergang oberhalb Bensheim verweilte, von dem Heidelberger Schnellzug 66 Schafe überfahren unb getöbtet. Die Thiere waren vermuthlich, währenb ber Schäfer schlief unb bie Hunbe schlecht wachten, au« dem Pferch au-gebrochen und trieben sich aus dem Bahndamm herum. Der Bahn- Wärter war dem nahenden Zuge entgegengelaufen unb hatte da- Haltesignal gegeben, ber Zug konnte aber nicht mehr zum Stillstand gebracht werden und fuhr mit voller Fahrgeschwin- digkeit in die Thiere hinein. In der ganzen Länge de« Zuges lagen die zerstückelten Schafe auf dem Bahndamm umher. Jedenfalls sind die Thiere dem Licht der Locomottve entgegen und so bircct in den Tob gelaufen. Der Schnellzug, besten Pastagiere burch ben grausigen Anblick nicht wenig erschreckt würben, fuhr mit fünf Minuten Verspätung von der Unfall- stätte weiter.

Mainz, 11. October. DaS KreiSamt hob die Ber- seuch terklärung deS Rheines auf unb bemerkt dabei, daß bie Benutzung ungekochten Rheinwaster« nicht mehr be- benklich sei.

A Main,, 11. October. Das Schicksal beS Capell- meisterS Kern vom 118.Jnfanterie-Regiment ist nunmehr besiegelt. Derselbe würbe, wie schon telegraphisch mitgetheilt, wegen MajeflätSbeleibigung zu einer FestungSftrafe von einem Jahr unb Degrabation verurtheilt. Von ber Strafe kommen zwei Monate Untersuchungshaft ic Abzug. Gegen 12 Uhr heute Vormittag wurde Kern unter militärischer Bedeckung nach Köln verbracht. Heute Morgen war eS dem Berurtheilten gestattet, von feinen Familienangehörigen Abschied zu nehmen, zu welchem Behufe er von einem Lieutenant unb zwei Feld- mcbcln in einer geschlossenen Droschke nach seiner Wohnung verbracht wurde, was zu einem großen VolkSauflauf sühne. Der schwergeprüften Frau unb ben hochbetagten Eltern be« ebebem hier sehr geschätzten Capellmeister« wendet sich au« allen hiesigen Kreisen da« lebhafteste Mitgefühl zu.

3« Osthofen wurde gestern der seitherige Abgeordnete Fnedrich Ludwig Hirsch (nationalliberal) von AlSheim von

sämmtlichen 30 erschienenen Wahlmännern be« Bezirk« Hosen einstimmig wiebergewählt.

- Dermifdrte».

Frankfurt a. M., 11. October. Bei ber heute Nach mittag begonnenen Ziehung ber Pferdemarkt-Lotterir kamen größere Gewinne auf Nr. 5713 (Gewinn Nr. Nr- 116,036 (49), 9h. 41,237 (23), Nr. 27,599 (2,/ Nr 56,487 (28). Es find sämmtliche 120,000 Loose «z. gesetzt worben.

Dillenburg, 9. October. Täglich daS Lebte freiwillig aufs Spiel zu fetzen, ist eine Passion, bie bei einem Englänber vielleich weniger Verwunderung er­regte, al« bei einem biederen Nassauer. Schon wiederhol, wurde von bem Fahrpersonal ber Abenbzüge der Deutz ßener Bahn auf Station Dillenburg Anzeige erstattet, btj in ber Nahe beS Kirchhofs, woselbst wegen deS starken fe faße« kein Zug zu stellen ist, ein Mann überfahren Worbes sei. Die jebedmaligen, sorgfältigst vorgenommenen Nächst schungen nach den Ueberreften be« muthmaßlich verunglückt« blieben jeboch ft et« refultatlofl. Als nun kürzlich eines Abend, eine jener großen Lokomotiven, welche zur Beförderung der Güterzüge bis auf die Wasserscheide Verwendung finden, zo» rückkehrte, bemerkte der Locotnotivführer wiederum ein« menschlichen Körper auf bem Bahngeleise. Die Maschi* wurde zum Stehen gebracht unb zufälliger Weise stand sie f«, bafj bie verunglückte Person unter ihr liegen mußte. Loc» motivführer und Heizer poftirten sich vor resp. hinter di Maschine und da der Gefangene keinen SuSweg sah, mujtt er sich wohl ober übel in baS Unvermeidliche fügen unb feinen Versteck verlassen. Groß war baS Erstaunen der Beides, als sie in ihm einen Dillenburger Arbeiter erkannten. Außer einer kleinen Wunde am Kopfe, wohin ihn die Maschinegt- ftofjen" habe, hatte er keinerlei Verletzungen erlitten. Ass die Frage, wie er zu solchem Unsinn käme, entgegnete er seelenvergnügt, er habe eS nun schon sieben oder acht Ma! probirt und nun auch gern baß Dutzend voll machen wolle«. Etne tüchtige Tracht Prügel scheint ihm jedoch bie Lust zur Fortsetzung seines waghalsigen Unternehmens genomma zu haben.

* Neuß, 11. October. Der muthmaßliche Mörder ber am Sonntag mit aufgeschlitztem Leibe aufgefunbenen kleines ^at^ würbe in Hochneukirch bei einem abermaligen Attemc. fest genommen.

Mannheim, 11. October. AuS Liebeskummer ertränkten sich im Neckar gemeinsam bie 19jährige ®nt Gönzler von Nußloch und die 20jährige Katharina Oemmtt von Mannheim.

* Stettin, 8. October. Eine seltene Unterbrechung erlitt heute die Sitzung de« Schwurgerichts. Zur Ver- ^1^08 stand eine Anklage wegen Körperverletzung mit tödlichem AuSgang. Als bei der Vernehmung de« Angeklagten geschildert wurde, in welch unmenschlicher Weise auf ben bet einer Prügelei Getödteten mit Messern eingehauen worden war und die entsetzlichen Wunden beschrieben wurden, befiel einen Geschworenen ein heftige« Unwohlsein, sodaß er der Verhandlung nicht länger beiwohnen konnte. Da ein Hüls« geschworener nicht auSgeloost war, mußte Vertagung ein­treten.

Gelangen, 11. October. Heute Abend 7 Uhr geriet ber Dachstuhl eines Flügels ber mebicinischen Abtheilung der Universitätsklinik in Branb. DaS Feuer nahm ziemliche AuSbehnung an. Sämmtliche Kranke sind geborgen. Die EntstehungSursache ist noch unbekannt.

* Berlin, 11. October. Gestern hat sich ber 19jä&nge Arbeiter A. Kleitz mit Cyankaly vergiftet, weil fttr Vater ihm nicht gestatten wollte, seine 17jährige editbtt, baS Dienstmädchen Marie Knoll, zu heirathen. Rav ck da« Mädchen ihrem Geliebten in den Tod gefolgt, fte hat stch der Wohnung eines Photographen in der Sl-Hotzftraße erhängt.

* Wilhelmshaven, 6. October. Sine unsinnige Wette, die wieder ein Menschenleben erforderte, wurde kürzlich hier zum AuStrage gebracht. Der Arbeiter Reich wettete mit einem ArbeitSgenoffen, in 10 Minuten fünfzig Schnäpse trinken zu können. Er trank dieselben in 4 Mi­nuten und legte sich sodann draußen zum Schlafen hin, wo er auch die Nacht im strömenden Regen verbrachte. Am andern Morgen wurde er in bewußtlosem Zustande auf* gefunden und ins Krankenhaus geschafft, wo er bereits an demselben Tage verstarb. Die Behörde ist jetzt mit Srmive- langen beschäftigt, inwieweit andere Personen an diesem Vor­fälle schuldig sind.

* BreSlau, 11. October. Der zu acht Jahren Zuchthaus verurtheilte Maurer Stanelle, einer der an ben Excessen in ber MatthiaSstraße beteiligt gewesenen, hat sich in ferner Gefängnißzelle erhängt.

Agram, 11. October. In früher Morgenstunde wurde hier ein heftiges mehrere Secunben langes Erdbeben ver­spürt. Mehrere Häuser weisen bedeutende Risse auf.

Die am 1. October eingeführte BahnhofSsperre auf ben rheinischen Bahnhöfen giebt der Provinzpresse reichlichen Stoff zur Berichterstattung über Vorfälle komischer und ernster Hrt. Äu3 der Fülle solcher Nachrichten sei folgende Mittheilung derBarmer Ztg." hervorgehoben. In Witten kam dieser Tage eine Frau, nach Äthern ringend, zum Schotter, löst sich eine Fahrkarte 3. Klasse und stürzte, nachdem sie dieselbe an der Sperre hatdurchknipsen" lassen, in aller Eile durch den Wartesaal 1. und 2. Klaffe auf den Bahnsteig. Der Zug war bereit« eingelaufen. Schon steht sie auf bem Trittbrett, ba wirb sie von zwei Beamten, die ihr nachgelaufen sind, wieder heruntergehott, denn sie hat ja nur eine Fahrkarte 3. Klaffe und hat ba« unerhörte versehen begangen, damit burch ben Wartesaal 2. Klaffe zu laufen. Wa« nun geschieht, ist einfach unglaublich. Sie wird durch ben Wartesaal zweiter Klaffe wieder zurück auf den Flur geführt und bann durch den dritter Klaffe geleitet. Der Zug hielt geduldig so lange, bi« diese« Verfahren beendet war.