1893
Freitag dm 13. Oktober
Erstes Blatt
«t. 241
Aerrffprtchtr 6L
Amts« und Anzeigeblatt für den Ureis Gieffcn.
c” ThStigket,
hn
I bie ErMmg *
teinr.
■ ■••Nmt eon Injeigen zu der Ko^mittag« ffk bat feig«*«" tM erfcheinmden Rümmer bil Bonn. 10 Uhr.
0K
Kopenhagen, 11. October. Der Kaiser von Rußland wird am Freitag auf der hiesigen Schiffswerft der Lequng des Kiels für eine Lustyacht beiwohnen. Wie der- lautet, erfolgt die Abreise des Kaisers und seiner Familie.im Laufe der nächsten Woche.
Deveschen deS Bureau .Herold".
Berlin, 11. October. Die Mehrausgaben infolge der neuen Heeresorganisation werden schon jetzt für die Zeit vom 1. October 1893 bis 1. April 1894 durch erhöhte Matricularbeiträge der Bundesstaaten bestritten.
Berlin, 11. October. Die Vorschläge des preußischen Handelsministers über die Organisation des Handwerks nebst Zubehör werden jetzt auch in den verschiedenen Bundesstaaten erörtert. Einstweilen ist eine starke Gegnerschaft gegen die Vorschläge des preußischen Handelsministers zu bemerken, weshalb man mit besonderem Interesse der Kundgebung des morgen zusammentretenden deutschen Gewerbe- kammertageS entgegensieht.
Berlin, 11. October. Auf der Tagesordnung der morgtgen Sitzung deS Bundesraths steht Beschlußfasiung über die Wiederbesetzung der Stelle eines nichtständigen Mitgliedes des Reichsversicherungsamtes, Wahl eines Mitgliedes der Reichsschuldencommission und mehrere Ausschußberichte über Petitionen. _ 11 _ „
Berlin, 11. October. Nach der „Nordd. Allg. Ztg. ist das Plenum der bürgerlichen Gesetzbuchcom- mission zu Beginn dieser Woche zur Fortführung der Arbeiten von Neuem zusammengetreten.
Berlin, 11. October. Nach einem bei der Gesellschaft für Erdkunde eingegangenen Telegramm ist die Grönland-
OOOOOCX
MT
primnrtin Mchk unter Garantie^. Hems Chronr^ ichch k
<32
ietS nur daraus g- Ilten W * -rportbieres J £ - unter M Weise gerejtju ®. Mhrl. Publikums k lkllicke!
Deutscher Reich.
Darmstadt, 11. October. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute u. A. den Domänenrath Siebert, den Oberamtsrichter Dr. Weiß von Laubach, den Seminardirector Dr. Quentell von Friedberg.
Darmstadt, 11. October. Durch Kaiserliche Cabmets- ordre, datirt Coblenz, 1. September, wurde Sr. Durchlaucht dem Fürsten zu Solms-Hohensolms.Lich, Obersten ä la suite der Armee, der Character als General-Major verliehen..
Der russische Flottenbesnch in Frankreich.
Der Zeitpunkt des von den Franzosen so sehnsüchtig erwarteten Gegenbesuches eines russischen Geschwader« in ?<c,nkreich ist endlich herangenaht, am Freitag werden die zu -die! er Mission bestimmten russischen Kriegsschiffe unter dem Oixrcommando deS Admirals Avellan in den Touloner Hasen rinlaufen, falls nicht etwa die Ankunft noch in letzter Stunde durch widriges Wetter eine Verzögerung erfährt. Gerade
Jahre und drei Monate sind es her, daß das stolze fiauzösische Geschwader unter Admiral Gervais in Kronstadt -erschien, um den Czaren und mit ihm das heilige Rußland Warnend der daS russische Bündniß immer dringender suchenden glorreichen Republik seierlichst zu begrüßen.
Die Franzosen haben demnach lange genug auf die Er- tnberung ihrer Kronstädter Staalsvisite warten müssen und war es daher ganz begreiflich, wenn sie die amtliche An- lüMgung der Verwirklichung des russischen Flottenbesuches >mil einem geradezu frenetischen Enthusiasmus ausnahmen. Inzwischen ist nun allerdings durch den bekannten „kalten Diisserstrahl" aus Petersburg das Feuer der Russenbegeisterung jkvßeits der Vogesen einigermaßen gedämpft worden, aber bemod) ist noch hinlänglich „Glühstoff" übrig geblieben und zweifellos werden die Ruffenfestlichkeiten in Toulon, Paris, Lyon usw. eine mehr als genügende lärmvolle wie glänzende Umrahmung aufweisen.
Jndeffen aus diese äußerliche Sette der bevorstehenden Miwöchigen gallisch-moSkovitischen VerbrüderungSfeier kommt rs wahrlich nicht allzuviel an, die Hauptfrage bleibt doch dte- briifle nach den politischen Wirkungen des ganzen Schaustücks. 3° dieser Beziehung aber haben gerade die Bemühungen deS osficiellen Rußlands, die Franzosen zu einer Einschränkung thI tr lärmenden Festesfreude und ihrer chauvinistischen Kund- gedungen zu veranlaffen, inzwischen eine dankenSwerthe.Klarhett
' 1 'z-L »f» I «lle «nnoncen-Bureaur bei In. und «ultanbt« nttiew
Hratisbeitage: Hteßener AamittmolaNer. j »»»..»
Cocafc« «nd prsvtnrielles.
Gießen, den 12. October 1893.
Militärisches. Heute Vormittag hat die am 2. d. M. formirte 13. Compagnie des Infanterie - Regiments „Kaiser Wilhelm" daS als Kasernement eingerichtete ehemalige Schulhaus in der Neustadt bezogen, die 14. Compagnie ist in der neuen Kaserne untergebracht worden. Die beiden Compagnien verbleiben in den für sie eingerichteten Räumen, bis der m Aussicht genommene Bau eines normalmäßigen Baracken- Kasernements vollendet ist. Letzteres wird demnächst in Angriff genommen werden, damit es möglichst tm Herbst 1894 bezogen werden kann. Das neue (4.) Bataillon untersteht dem Major Emm ich/ zum Chef der 13. Compagnie ist
$ $ Man hat hierbei an der Newa genügend zu erkennen gegeben, daß die russische Regierung durchaus nicht eine Aus- beutung der Entsendung des Admirals Avellan nach Frankreich iw Sinne der dortigen Revanchepatrioten wünscht und will, bafe sie überhaupt nicht beabsichtigt, durch den Flottenbesuch in Frankreich irgendwie gegen den Dreibund zu demonstriren. D°r Vorgang soll einfach nur den Character einer unerlaß- liHen internationalen Höflichkeitspflicht tragen, deren Erfüllung tnidlich geschehen mußte, wollte Rußland nicht die französische Republik empfindlich beleidigen.
Hiermit zerfallen alle Hoffnungen, die man En den chauvListischen Kreisen Frankreichs auf den Besuch der russischen Giäste gebaut hatte, es ist nicht daran zu denken, daß das Eretaniß die feste, aller Welt erkennbare franco-russische Mtanz zeitigen werde, die schon so lange in den Köpfen der nristen Franzosen wie in . denen der nr sisch-panslavistischen Kriegsfanatiker spukt. Rußland hat keine Lust, sich den Franzosen zu Liebe in seiner auswärtigen Politik zu com- promittiren, an dieser Richtschnur soll auch bei dem Besuche, dm jetzt die russischen Kriegsschiffe an der Südküste Frankreichs abstatten werden, festgehalten werden, und so müssen sich die Franzosen wohl oder übel darein finden, daß dergestalt ihre überschäumende Freude anläßlich des Erscheinens der nordischen „Brüder" ein bischen eingeschränkt wird.
Wenn überhaupt der ganze Vorgang für eine der beiden betheiligten Parteien einen greifbaren politischen Gewinn zeitigen sollte, so würden dies zweifellos weniger die Franzosen, ans vielmehr die Ruffen sein. Rußland führt sich durch den Besuch seines Geschwaders in Toulon zugleich als neue Mittelmeermacht ein, ist doch das Geschwader unter Admiral Avellan bestimmt, nach Beendigung seines Besuches m Frank- reich im Mittelländischen Meere zu kreuzen- falls btt Franzosen wirklich den Ruffen eine Kohlenstation emräumen, wie es heißt, nun um so beffer für die letzteren! Dann würde die russische Flottenfahrt nach Toulon allerdings eine Immerhin erkennbare politische Spitze aufweisen, aber eine Spitze, die sich nicht gegen den Dreibund, sondern gegen England kehren würde. Dies weiß man auch sehr wohl in England, daher der mit der Ankunft der Russen in Toulon zeitlich zusammenfallende Besuch eines stattlichen, englischen Geschwaders an den Küsten Italiens. Die Beorderung des englischen Mittelmeergeschwaders auS den griechischen Gewässern nach Italien bedeutet eine offenbare Gegendemonstration des „meerbeherrschenden Albions? gegenüber dem Erscheinen eines russischen Geschwaders im Mittelländischen Meere, in London gibt man hiermit nach der Newa rote auch mach der Seine hin ein Avis, daß England seine Interessen tun Mittelländischen Meere gegen eine etwaige Cooperation Rußlands und Frankreichs zu wahren wissen werde. Vorerst wird sich aber Rußland wohl damit begnügen, jetzt seine
Flagge in dem großen Binnenmeere zwischen Europa und Afrika nur zu zeigen und hierdurch den bisherigen Mittelmeer- Mächten gleichsam zuzurufen : Entschuldigen die Herrschaften, wir, die Russen, sind nun auch da!
Weltausstellung ernannt worden. .
Pari«, 11. October. Der Gesundheitszustand Mac Mahons erregt trotz der Besserung große Besorgnisse. Präsident Carnot richtete an die Gemahlin Mac MahouS einen Brief, in welchem er seine Sympathie für Mac Mahon ""^Marseille, 11. October. Für die hier stattfindenden R u s s e n f e st e bewilligte der Municipalrath weitere 35000 Francs. Zu dem auf der Präfectur abzuhaltenden Banket ist auch Baron Mohrenheim geladen. Admiral Avelane erhält Seitens der Stadt als Dedication einen kostbaren Chronometer. ,
R,m, 11. October. In Corldone haben mehr ats 50000 Landarbeiter ihre Thätigkeit eingestellt - erziehen große Trupps bewaffneter Bauern in der Gegenv «jCrilK. Don der Regierung wurden Soldaten sowohl nach Corleone als auch nach Piana bet Greci abgesanbt, woselbst gleiche Vorkommniffe stattfinben.
Stuttgart, 12. October. Gestern Abenb würben auf daS kürzlich eröffnete jübische CafS in ber oberen Schloßstraße aus bem gegenüberliegenden Liederhallen-Garten vier Revolverschüsse abgefeuert. Eine Kugel durchschlug das Fenster, prallte an der gegenüberliegenden Wand ab und fiel alsdann zu Boden. Verletzt wurde Niemand. Der Thäter ist entkommen.
Neueste
Wolffs telegraphische« Correspondenz-Bureau.
Berlin, 11. October. Der „Reichsanzeiger" schreibt: Die Frage, ob für die deutschen Güter, welche nach dem Schlüsse der Chicagoer Ausstellung noch auf der privaten Ausstellung in San Francisco ausgestellt werden, eben- alls Frachtermäßigung auf deutschen Bahnen gewahrt wird, ist zu verneinen, da die Gewährung von Ver- I günstigungen von der Vorlage von Bescheinigungen abhängig st, welche von dem Reichscommissar unmittelbar vor der Rücksendung der Chicagoer Ausstellungs - Güter auszufer-
München, 11. October. Die Oberbayerische Handelskammer hat sich gegen eine Beschickung ber | Weltausstellung in San Francisco unb Antwerpen auS- gesprochen. Die Hanbelskammer erklärte sich gleichzeitig für bie Förberung ber Organisatton ber Hanbwerker, hält aber bie Bilbung von Fachgenossenschaften ber Hanbwerker für gegenstanblos. Ferner schließt sich bie Hanbelskammer ber Glabbacher Eingabe an bie Reichsregierung an, bie Herbeiführung ber Haftpflicht ber Binnenschifffahrts-Gesellschaft zu unterstützen. , . .
Pari«, 11. October. Dem Vernehmen nach ging bem Marschall Mac Mahon von bem Minister beS italienischen Hauses ein Telegramm zu, worin König Humbert bem Marschall anläßlich dessen Erkrankung seine Sympathie ^^London, 11. October. Reuter - Meldung aus Rio de Janeiro: Heute wurden mit zeitweiligen Unterbrechungen zwischen den Forts und dem aufständischen Geschwader Schüsse gewechselt. Die Stadt ist ruhig, die Geschäfte werden fortgeführt. Der Präsident erließ ein. Manifest, worin er*erklärt, falls die Congreßwahlen für ihn ungünstig aussielen, würde er den Willen des Vaterlandes zu respectiren
5ut Teilung ö0, Strasse 61. ^Döring,
' 7 IK
!öon 7-8 m '
besinnt sich । ässe 5.
It Vorm.
>r Nachui.
Mß richt ; wieder 'ctober.X o meiner Wohnung
- und hcWre-
expedition dieser Gesellschaft glücklich in FrederikShaven
Berlin, 11. October. Nach dem „ReichSanzeiger" sind in Hamburg neuerdings drei Cholerafälle, vor.denen einer mit tödtlichem Ausgang, festgeftellt worden. Sm Flußschiffer von der Oberelbe ist cholerakrank m Hamburg angekommen. In Stetttn kam ein Todesfall vor.
Berlin, 11. October. Eine gestrige Versammlung von bei Rechtsanwälten, Notaren und GerichtSvollztehtrn beschäftigten Bureauvorstehern und Schreibern endigte mit Tumult und einer Schlägerei. In der Versammlung wurden die geringen Löhne dtscuttrt und eine angenommene Resolution soll dem Justizmintster, der Berliner Anwatt» kammer und dem Kammergerichtsprasidenten mit der Bit e um Abhilfe unterbreitet werden. er-
Leipzig, 11. October. Die „Neuesten Nachrichten er fahren zu der Günser Depeschenepisode, ObechabS- arzt Ernesti habe vor der kaiserlichen Depesche an BiSmarck dem Professor Schweninger das allerhöchste Mißfallen übe da« Ausbleiben der geforderten Berichte °usgedrückt und in so brüskem Tone dies nachzuholen gefordert, daß Schwenig
, beabsichtigte, sich über Ernesti zu beschweren. AlS neuer Grund für die Unterlassung ber Berichterstattung an den Kaiser wurde angegeben, man wollte durch ein alarmiren e Telegramm über den Gesundheitszustand Bismarcks jene höchste Stelle, welche bisher fast allein von allen Souveränen Deutschlands keine Notiz von der Krankheit genommen habe, nicht direct zu dem ersten Schritt zur Versöhnung anregen. Schließlich wird, entgegen den Meldungen der Blätter, auf Entschiedenste versichert, die Veröffentlichung deS Cabttiet schreibens sei nicht durch Schweninger, sondern wahrscheinlich von einer der Regierung nahestehenden Stelle veranlaßt worden. Die Cabinetsordre ruhe wohlverwahrt in Kissingen, konnte also nicht via Kissingen in die Redactionen wandern. •
Paris, 11/October. Der „Figaro" will wissen, England würde nächstens den Besuch erwidern, welchen das Geschwader unter Gervais im August 1891 bei seiner Rückkehr aus Kronstadt im Hasen von Portsmouth gemacht babe. Der Besuch der englischen Flotte soll tn ^CTbour0 oder Marseille durch das Mittelmeergeschwader, welches Admiral Seymour nach den italienischen Gewässern führte, erfolgen, wahrscheinlich aber schon im November. , . fSi
I Paris 11. October. Der Präsident der Pariser Handels kammer, Lamay in Belleville, ist ,um Gen-ralb-trteb»- birector der sllr da? Jahr 1900 g-pimlen Pariser
Birrteljihnen X»teefetei»»reUt 2 Kar! 20 W Srtngtrlobn Durch btt Poft beider 2 «art 50 Pfg
Rehaction, »nKH*ee unb Druckern:
KHichener Anzeiger
Aenerat-Mnzeiger.


