Ausgabe 
12.11.1893 Erstes Blatt
 
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das Schicksal des Mac Ktnley'schen Zolltarifs in der Schwebe sein wird, so lange ist auf keine durchgreifende Besserung der wtrlhschastlichm Vage zu rechnen, und während dieses Zeitraums ist auch nicht daran zu denken, laß unserer Industrie vo r dort der so sehnsüchtig erwartete Impuls zu einem frischen Aufschwung des Geschäftes iu Theil werden wird.

Zu diesen Befürchtungen und Enttäuschungen gesellte sich im Laufe der Woche och die an der Wiener Börse in Folge der Cabinetskrisis hervorgerufene Ler- stlmmung. Auf diesem Gebilt war die Fama wieder einmal recht thätig und wußte in einem Athemzug iowobl die Bildung des neuen österreichischen Ministeriums als auch die muthmaßl.che Demission des ungar schen Premierministers zu schildern BiS zur Stunde hüt sich jedoch das Eine so wenig bewahrheitet, wie das Andere. Der mit der Neubildung des österreichischen Cabinets betraute Fürst Windischgräh hat durch das Nationalttätengemisch zu vielen Interessen Rechnung zu tragen, ale daß er schon eine Einigung hätte .rzielen können, und Herr Weckerle stehl noch so feit auf seinem Posten wie zuvor, nachdem der Gesetzentwurf über die obligatorische Clotlehe in Ungarn die Sanctton des Königs erhalten hat. Die meiste Aufmerksam­keit hat die Börse auf den muthmaßltchen neuen Ftnanzmtnister zu richten, dem sein Vorgänger an dem gefährdeten Valuta-Regulirungswerk eine äußerst unange­nehme Erbschaft hinterlassen hat. Wird es dem kommenden Finanzminister gelingen, das Goldagio zu beseitigen d Allem Anschein nach wird dies selbst in den Kreisen der österreichischen Hochfinanz bezweifelt, denn sonst würde der ungarische Staat wohl kaum jetzt schon seinen Goldbedarf für den Januar-Coupon vollständig gedeckt haben. BiS vor Kurzem wu de die Steigerung der Golddeoisen mit diesen Ankäufen mottoirt und trotzdem dieselben jetzt beendet sind, setzte sich die Bewegung fort. BemerkenSwerth ist noch, r-afe neuerdings auch Herr Weckerle zugesteht, daß dte Ver- tbeuerung der Goldoaluten auf den geringen Export von Effecten und Waaren zu ückzuführen sei. Entsprechend der Geltung der Wiener Börse vollzogen sich auch an unseren Märkten CourSabschwächungm aller österreichischen und ungarischen Fonds, welche durch anhaltende Pariser Verkäufe noch beschleunigt worden

sind. Italiener schließen die Woche mit einem Gewinn von zwei Procent

ab, und auch die Ersenbahn - Actten und Obligationen enden nach lebhaften Schwankungen wesentlich erholt. Den ersten Anstoß zur Besserung gab die

Veröffentlichung, daß der Januar-Couvon der Rente schon vom 10. November

ab an ten italienischen Kasten zur Einlösung gelangt, was insofern doppelt befriedigte, als die Regierung dafür den ihr vertragsmäßig zustehenden Vor­schuß Seitens der Emissionsbäuser nicht in Anspruch zu nehmen braucht. Dessenungeachtet haben die französischen Baissiers ihre Angriffe wiederholt und er­zielten zeitweise auch Gewinn damit, weil die Widerstandsfähigkeit der tlaltenischen Plätze durch den CourSsturz der Actten des Crödit mobilare beeinträchtigt war. lieber Portugiesen wurden Gerüchte verbreitet, die von Neuem lebhafte Besorgnisse wachgerufen haben. Man sprach von Schwierigkeiten, auf welche der Staat bei Beschaffung der Mittel für den Couponsdienst am 1. Januar stoße, und wollte auch wissen, daß eine EnquSte-Commission eingesetzt sei, welche das Rechtsoerhältniß der Tabakgesellschast zu prüfen habe, was nach Lage der Dinge nur auf eine Einschrän­kung der Rechte der Gesellschaft hinzielen würde. Obwohl das letztere dementirt worden ist, erfuhren die Tabak-Obligationen doch einen Rückgang von sechs Procent, von dem sie nur wenig zurückgeholt haben. In London benutzte man die Gelegen­heit, auch gegen andere speculative Renten vorzugehen und setzte Griechen und Spanier herab, indem bei letzteren auf die Ausdehnung des marokkanischen Streites hingewiesen wurde und bei letzteren die ausgebrochene Ministrrkrisis als Grund gelten mußte. Die überseeischen Staatsanleihen, Mexicaner und Argentinier er- ireuten sich einer festen Tendenz. Auch die deutschen Titel haben gegen Ende der Woche leicht ungezogen^ da sich der Privatdiscont etwas ermäßigt hat.

Die Probuctenbörse sandte während der ganzen Berichtsperiode flaue Noti- rungen, angeblich wegen der besseren Aussichten der Zolloerhandlungen mit Ruß­land. An der Effektenbörse zeigte sich dementsprechend Meinung für alle russischen Werthe und für diejenigen Actten deutscher Industrie- und Eifenbahngesellschasten, welchen daraus ein Voltheil erwachsen würde. Unter den Hüttenactten sind Laura und Bochumer gebessert, allerdings ohne daß lebhafte Umsätze staltgefunden haben. Dortmunder Union wurden durch starkes Angebot um vier Procent ge­worfen, da die Abschlußziffern sehr unbefriedigend ausgefallen sind.

Der Bahnenmarkt war recht vernachlässigt und nur die italienischen Eisen bahn-Actien weisen Veränderungen auf, welche je nach der vom Heimalhland aus­gehenden Anregung bald nach oben, bald nach unten gerichtet waren.

Die durch die Börsensteuernooelle erzeugte Beunruhigung machte sich insbe- fonbere auf dem Gebiet der Bankactten fühlbar, tndeß kam sie wett weniger in dm Courfen al« in einer fast vollständigen Stagnation des Verkehrs zum Ausdruck. Die Bestimmung der neuen Gesetzesvorlage, daß die Controle auch auf Gesellschaften mit beschränkter Haftung und auf eingetragene Genossenschaften ausgedehnt werden soll, und daß der Steuerbehörde das Recht eingeräumt ist, durch höhere Beamte selbst die Privatgeschäfte in Bezug auf ihre Abgabeentrichtungcn zu prüfen, hat alle betbejligten Kreise peinlich berührt, weil dadurch eine L-chäolgung deS Geschäftes herbeigeführt werden wird, deren Tragweite sich heute noch nicht ermessen läßt.

Unter den Jndustriewerthen fallen die Actten der chemischen Fabriken durch ihre CourSsprünge auf. Das eiste Halbjahr hat diesen ansehnliche Gewinne gebracht, die voraussichtlich in der zweiten Hälfte nicht wieder erreicht werden, weil der Absatz nach Italien und Rußland eine Einschränkung irfahren hat. Da durch gut unterrichtete Kreise bekannt wurde, daß jedoch das Jahreserträgniß bei keiner Fabrik viel gegen das vorjährige bifftriren werde, so sind die anfänglichen Einbußen von den Actien der Höchster Farbwerke und der chemischen Fabrik Weiller rasch wieder eingeholt worden und Badische Anilin haben noch 5 Procent dazu gewonnen.

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Oberhessische Gesellschaft für Natur- u. Heilkuna

Sitzung: Mittwoch, 15. November, Abend» 6 Ubr der kleinen Aula.

Vortrag: Herr Geh. Rath Prof. Dr. Streng über die stehunq des Niaqarasalls und des Rheinfall».

Bezirks-Verein Nord-Ost?^

Außerordentliche General-Versammluw

Donnerstag den 16. November, Abends S Uhr,

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Tages-Ordnung: Die Terrainoerhältniste de» Nordoiertel», hier ?; läge eine» zweiten Friedhofs.

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