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Der Vorstand Schlosser.
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M. 267
Erstes Blatt.
Sonntag den 12. November
1893
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Gießener Anzeiger
Keneral-Wnzeiger.
BirrtrfjlNngrr JHoexrmnit#)itrt»l 2 Star! 20 Pfg. eil Bringerlohn.
Durch die Post b <4*401 2 Mark 50 PI-
»iedacnon, tpebttie* und Druckerei:
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Amts- und Anzeigeblatt für den "Kreis Giefzen.
Amtlicher Theil.
Gießen, den 9. November 1893.
Zutreffend: Gemeindekrankenversicherung.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.
Wir erinnern die Rückständigen an alsbaldige Erledigung unterer Verfügung vom 13. October l. I., Anzeiger Nr. 243.
v. Gagern.
Gefunden: 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Compaß, 1 Zwicker, 1 gold. Uhrring, 1 Paar Handschuhe, 1 Taschentuch, 1 Frauenkragen, 1 Spitzenkragen und 1 Sturmlaterne.
Gießen, den 11. November 1893.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.
Neueste Nachrichten.
Deveschen des Bureau „Herold".
Berlin, 10. November. Der Bundesrath ist in der Ttntsberathung soweit vorgeschritten, daß nur noch die Er- lediigung deS Militäretats aussteht. In nächster Woche wird bei Bundesrath die Steuergesetzentwürfe berathen.
Berlin, 10. November. Die „Nordd. Allgem. Ztg." sktpeibt anläßlich der fortwährenden Angriffe fortschrittlicher und socialdemokratischer Blätter gegen die oberste Post- ,beH) örb e, daß letztere das DienstalterSstufensystem am 1. April noch nicht auf die Beamten und Unterbeamten der Retchspost und der Telegraphenverwaltung ausgedehnt habe, es geschehe nicht, um die Kosten bei der eventuellen Einführung bei neuen Systems im Betrage von 2 Millionen Mark zu spüren, sondern um diese Summe den Unterbeamten zu er* falten. Alle entgegengesetzten Mittheilungen beruhten ent- roetoer auf Mißverständniß oder auf der Absicht, bei den Urtierbeamten Unzufriedenheit zu erregen.
Berlin, 10. November. Heute wurde nun auch die Belllage zu Nummer 44 des „Socialist" confis cirt, weil in dem darin enthaltenen Aufruf an die revolutionären Metallarbeiter Berlins eine Aufreizung zur Gewalt gefunden toinbc.
Wien, 10. November. Prinzessin Stephanie, die Gemahlin des verstorbenen Kronprinzen Rudolf, gerieth gestern auf der Fahrt nach Laxenburg in große Lebensgefahr. Die Pferde scheuten, der Wagen wurde gegen einen Prellstein grschleudert und stürzte um. Glücklicherweise ist Niemand dtrlletzt.
Wien, 10. November. Das Amtsblatt meldet für den 15. November offiziell die Aufhebung des Futtermittelausfuhrverbots.
Wien, 10. November. Als heute anläßlich der Bürgermeisterwahl im Gemeinderathe die Wiederwahl des kürzlich zurückgetretenen Bürgermeisters Dr. Prix mit 81 von 137 Stimmen verkündet wurde, inscenirte die antiliberale Opposition einen unerhörten Scandal; sie überschüttete den Bürgermeister mit den beleidigendsten Zurufen. Der Tumult war so ungeheuer, daß die Sitzung geschlossen werden mußte.
Paris, 10. November. Die s o cial d e mo krat i sch en Abgeordneten beschloffen, am Tage der Kammereröffnung eine Kundgebung zu veranstalten, indem sie in corpore nach dem Palast Bourbon ziehen wollen. Die Behörden werden diese Kundgebung nicht behindern.
Paris, 10. November. Alle Blätter bringen anläßlich des Dynamit-Attentats zu Barcelona sehr ernst gehaltene Artikel zur A n a r ch i st e n f r a g e. Das „Journ. des Debats" glaubt den Anarchismus für eine Geisteskrankheit halten zu müffen, für eine Sucht nach Vernichtung. Man müsse die Anarchisten, die ein Vergnügen daran empfinden, unschuldige Menschen leiden zu sehen, wie wilde Thiere verfolgen und abschießen. Der „Figaro" verlangt, man solle Anarchisten von jeder eventuellen Amnestie ausschließen.
London, 10.November. Infolge des großen Meetings englischer Damen in der St. James Halle zu Gunsten der Kinder und Frauen der Ausständischen ist eine Subscription eröffnet worden, welche bis jetzt 325,000 Francs ergeben hat. Die öffentliche Meinung zeigt sich den Ausständtschen sehr günstig.
Rom, 10. November. In der vergangenen Nacht ist der Director des bekannten offiziösen Blattes „Popolo Romano", Chauoet, verhaftet worden und zwar wegen Beihilfe zum Betrug gegenüber dem Staate. Außerdem wurde der Generalzolltnspector Comthur Gallina aus den gleichen Gründen festgenommen. Die beiden Verhafteten haben im Verein mit dem Großhändler Pinto in Novara die Staatskasse durch Vorweisung gefälschter Documente um 400,000 Lire betrogen.
Barcelona, 10. November. Das gestrige Begräbniß der beim Dynamitattentat Verunglückten geschah auf Ge- meindekosten. Eine ungeheure Menschenmenge begleitete die 16 Leickenwaaen.
totales nnb ^provinzieller.
Hießen, den 11. November 1893.
** Zur Tabakfteuerfrage hat die Stadtverordneten-Ver- sammlung nun ebenfalls Stellung genommen. In ihrer
gestrigen nicht öffentlichen Sitzung nahm sie folgende von Herrn Stadtverordnetea Schmal! eingebrachte und befürwortete Resolution an:
„Die Stadtverordneten - Versammlung erblickt in der projectirten Einführung einer Tabakfabrikat-Facturawerth- steuer eine unabsehbar schwere Schädigung wie der Ge- sammt-Tabak-Jndustrie so ganz besonders dieses in hiesiger Stadt und deren Umgebung hoch entwickelten Industriezweigs und beauftragt die Großherzogliche Bürgermeisterei, eventuell unter Beihilfe einer auö der Versammlung zu ernennenden Commission, eine Eingabe an den Reichstag behufs Abwendung der drohenden Gefahr zu richten, auch solche zur Kenntniß der Großherzoglichen Staatsregierung und unseres Reichstagsabgeordneten zu bringen."
** Z. Neues Theater. „Schlimme Saat", Schauspiel in 4 Acten von Otto Vischer. Es war eine recht an- genehme Abwechslung, nach der ziemlich langen Reihe von Lustspielen wieder einmal etwas Ernsteres und geistig Bedeutenderes entgegennehmen zu können. Denn zu den bedeutenderen Producten unserer Tage gehört das gestrige Stück unbedingt, wenn ihm auch manche Mängel anhasten, die es neben den aus den gleichen Sphären hervorgegangenen Sudermann'schen und Wildenbruch'schen Stücken etwas zurücktreten heißen. Der Inhalt desselben ist kurz der: Frau Hartwig, die Mutter zweier Söhne, hegt eine wahre Affenliebe für ihre Kinder, und glaubt, daß dieselben unbedingt zu großen Dingen berufen feien. Während nun der eine, Wolfgang, der noch durch feinen verstorbenen Vater dazu angehalten wurde, Schloffer zu werden, aus seiner einfachen Werkstätte eine „Fabrik" machen muß, trägt sich die Mutter mit der Marotte, der andere, Bruno, ein einfacher Zeichner; müsse unbedingt Maler werden. Bald schon wird der Schloffer in Folge der verfehlten Erziehungsgrundsätze seiner Mutter bankerott, und sinkt herab zum Demagogen und Spieler, der andere geiiith schier außer sich vor Hochmuth, als eines seiner 23.Iber auf einer Ausstellung gekauft wirb. Jnbeffen auch damit hat es eine sonderbare Bewandtniß, ein alter Lebemann nämlich, der in das Modell zu dem Bilde, des Malers Pflegeschwester Martha, verliebt ist, kaust das Bild, aber nur aus diesem Grunde, denn der Kunstwerth desselben ist so gering, daß man es überhaupt nicht zur Ausstellung zulaffen wollte. Um eben jenem Käufer zu entgehen, verlobt sich Martha mit einem ihr sonst gleichgültigen Manne, owohl sie Bruno innig liebt. Durch die Frau Wolfgangs kommt dann der ganze Handel ans Licht Und als der Maler das Geld holen will, um das Bild zurückzukaufen, findet er den Pult leer, das Geld ist gestohlen von seinem eigenen Bruder, der damit nach Amerika gehen will. Doch statt dies zu thun, spielt jener abermals, verspielt alles und kommt bann ganz
Feuilleton.
Das Drodbrutet.
Erinnerung aus bem Soldatenleben.
Von Hans Richter.
(Nachdruck verboten.)
Wir hatten bei ber Compagnie einen Sergeanten, der chentlich nur im Dienst seinen ehrlichen, wenn auch für wenig geübte Zungen etwas schwierigen Namen Zdzierczackiewicz flhrte, sonst aber allgemein „das Brodbeutel" hieß — nicht tim, weil er irgend etwas sozusagen Waschlappiges an sich 1 «habt hätte, Gott bewahre! er maß seine 1.79 und war tiiter ber strammsten Solbaten, die ich je gesehen habe, ein tzxercirer und Turner ersten Ranges, beim Felddienst von nlübertrefflicher Brauchbarkeit, ein brillanter Schütze, ber die Merknöpfe und für jedes Jahr die Schützenschnur trug — «der wie schon sein Name besagt, war er Pole, und wenn j tr sich auch als ungemein fleißiger Capitulantenschüler beim Schreiben ber beutschen Sprache mit großer und fehlerloser Seivanbtheit bediente, so blieb doch beim Sprechen seine Ab- Imst unverkennbar. Besonders wenn er sich, was leicht i ztschah, ein wenig ereiferte, flogen die falschen Artikel nur fj in ber Luft herum, die Gewehr und das Stiefel, der PaLronentasche und die Knopp — und das Alles so ernsthaft posprlich, daß wir manchmal nur mit Mühe bas Lachen ver- iifftn. Er nahm es auch nicht übel, wenn einer lächelte, hjm war er zu gut; höchstens sagte er: „Matka bosko, is sch ein dummes Kerl, spricht auf seine dumme Kuhdorf nicht befTer Deutsch als ich . . . man jar nich!"
In Spandau hatte er nämlich „Berlinisch" gelernt, was (i seitdem mit ganz besonderer Vorliebe hören ließ. Bis- veillen stifteten wir einen bekannten Civilisten an, ihn zu ‘ragen, ob er denn nicht Berliner sei, wobei er dann eine
ungemeine Freude empfand und etwa antwortete: „Nich janz, lieber Männeken, könnte sich man aber doch leichte möjlich sind, wenn ich nicht wäre zu Haus bei Krobia, will sagen Kröben."
Das Brodbeutel hatte also ein sehr gutes Herz, aber auch ein für Frauenschönheit sehr empfindsames, und hier spielten ihm seine in dieser Beziehung erstaunlich ausgiebige Phantasie und sein harmloses Vertrauen manchen Schabernack.
Brodbeutel kommt vom Scheibenstande und geht die Promenade entlang. Vor ihm eine schlanke junge Dame mit zwei Kindern — also etwas wie ein feineres Kindermädchen, denkt Brodbeutel, streicht seinen dicken schwarzen Schnurrbart und wirft ihr einen mörderisch liebenswürdigen Blick zu. Sie lächelt, der kleine Bursche, der eine Soldatenmütze trägt, reicht ihm vertraulich bas Patschchen unb Brobbeutel streichelt ihm bas Haar: „is sich possirliches kleines hübsches Kerl, aber lange nicht so hübsch wie Fräulein."
Die Dame wirb roth, lacht aber unb ber unternehmende Sergeant plaubert mit seiner liebenswürdigen Galanterie — was er Galanterie nannte — weiter. Tags darauf trifft er sie an derselben Stelle wieder unb so noch einige Male.
Mit Brodbeutel ist es nicht richtig, er hat wieder eine Braut, heißt es in ber Compagnie. Wenn man dem Guten zu Leide ging, konnte er fein zärtliches Geheimniß für sich behalten. So auch hier — unb nun werben alle Hebel in Bewegung gesetzt, diese neueste Flamme zu ermitteln. Doch vergebens, Niemand kennt sie.
Da kommt ein Offizierschießen — natürlich mit Musik, Damen, Picknick und allem sonstigen Zubehör. Brodbeutel, der mit dazu commanbirt ist, hat sich an dem freigebig gespendeten Bier sehr gütlich gethan. Die Mütze weit aus dem stark gerötheten Gesicht geschoben, stolzirt er zwischen den Offizieren umher unb freut sich wie ein Schneekönig, daß sie Alle so vertraulich mit ihm scherzen. Plötzlich erblickt er seine
Flamme, stürzt natürlich sofort auf sie zu und schüttelt ihr kräftigst die Hand: „Auch hier, liebe kleine Pussel? is sich man sehr nett, famos!"
Der daneben stehende Major reißt die Augen auf: „Was soll denn das heißen, Zdzierczackiewicz?"
Brodbeutel entwirft ein getreues Bild seiner Bekanntschaft unb schließt mit ben Worten: „Bin ich kein schlechtes, falsches Kerl, Herr Major. Ich will Fräulein heirathen."
Ein allgemeines bonnerndes Gelächter ringsum; unter krampfhaftem Husten bringt der Major enblich hervor: „Das ist wirklich nett, baß Sie mein Schwager werben wollen. Die junge Dame ist bei mir zu Besuch unb bie Schwester meiner Frau."
Brodbeutel wirft der wie in Purpurgluth Getauchten einen bedauernden Blick zu, schiebt die Mütze aus der Stirn und gebt linksum ab mit dem klassischen Bemerken: „Sehr schade!"
Es würde mich zu weit führen, wollte ich auch nur bie Hälfte der tragikomischen Liebesabenteuer berichten, welche man dem guten Brodbeutel nachsagte. Nur eins fei hier noch berichtet, weil es gewiffermaßen als das letzte gelten kann. Es war während des Regiments- und Brigade- Exercirens. Wir lagen in einem schönen, reichen Bauerndorfe und hatten vorrreffliche Quartiere. Natürlich gab es da auch ein angenehmes Wirthshaus, gemeiniglich Kretscham genannt, das noch mehr als gewöhnlich besucht wurde, da der Wirth sich einer etwa achtzehnjährigen Tochter erfreute — ein so bildhübsches dralles, frisches Mädchen, wie man nur je gesehen. Selbst die jüngeren Offiziere waren hinter ihr her, freilich ohne jeden Erfolg. Daß auch Brodbeutel zu ihren Verehrern gehörte, Izraudje ich wohl kaum zu erwähnen, doch ging er diesmal nicht forsch ins Zeug, wie er zu thun pflegte, sondern brachte ihr seine Huldigungen in mehr stiller


