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Samstag de« 12 August
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pfänbet, andere rissen die Ritter der Umgegend oder di- Baucrn an sich, und so war das Kloster ein Gegenstand de- Aeraernisses und der Schmach für die ganze Umgegend geworden. Allgemein war die Ansicht verbreitet, daß die letzte Stunde der Augustiner aus Schiffenberg geschlagen habe, während in derselben Zeit das Nonnenkloster Cella einen neuen Aufschwung nahm.
Am 20. August 1323 wurde wirklich das Augustiner. Kloster auf dem Schiffenberg durch den Erzbischof Balduin von Trier aufgehoben und dem deutschen Herrenorden^ zu Marburg übergeben. Die noch vorhandenen Augustiner mußten dabei mit übernommen werden und zwar als Ordensritter oder nach der Regel des Augustin, mußten auch mit NalMng und Kleidung versehen werden, durften aber den Schiffenberg nicht mehr verlassen.
Auch das setzte wieder böses Blut. Namentlich waren es die Mönche aus angesehenen Häusern, die sich diesen Bestimmungen widersetzten.
Einer der erbittertsten war der Augustinerbruder Werner von Trohe, dessen Familie zu den Ganerben des Vetzberges und des Busecker Thales gehörten. In einer dunklen Nacht floh er vom Schiffenberg, schlug sich bis Rom durch und erwirkte vom Papste seine Freiheit und eine jährliche Zahlung, die der Schiffenberg zu leisten hatte. Als diese verweigert wurde, befehdete er die deutschen Herren zu Marburg und fiel mit bewaffneter Hand in ihr Gebiet ein. Erst 1332 kam ein Vergleich zu Stande. Sein unversöhnlicher Bruder Erwin aber setzte diesen kleinen Krieg fort und wurde ex- communiciert.
Der zweite war G e r n a n d von B u s e ck, der sich erst 1336 zu einem Vergleich verstand. .
Am unversöhnlichsten war H ermann von den Gieffen, der sich erst zwei Jahre später in einen Vergleich fügte.
Auch an Streitigkeiten zwischen Cella und den Deutsch-
Feuilleton.
Geschichtsbilder aus Gießen und Uuigegend.
(Schluß.) Cella und Schiffenberg.
Wahrscheinlich sehr bald nach der Gründung des Klosters Schiffenberg wurde vielleicht auch von der Gräfin Cle- wentia von Gleiberg das Nonnenkloster Cella mif)e bet Schiffenberg, aber etwas tiefer liegend, gegründet. Die Urkunden über seine frühere Zeit sind wahrscheinlich bet einem Brande dieses Klosters 1333 zerstört worden. Die Nonnen rekrutierten sich aus den Töchtern der Adelsgeschlechter der Wetterau und anderer Theile der Umgegend. Sie führten ein beschauliches stilles Leben in größter Einfachheit, denn bte Ginfünfte des Klosters waren gering. Vielfach mußten sie mit der Hände Arbeit die Bedürfnisfe des Lebens zu befne- diqen suchen. Dies wurde um so schlimmer, als das Kloster Schiffenberg, das die Einkünfte von Cella zu verwalten hatte, in seinen Verhältnissen rasch mehr und mehr herabging. Erst wenig mehr als 100 Jahre hatte es bestanden, da lockerte sich die sonst so strenge Klosterzucht tn bedenklichster Weise. Eine Anzahl Pröpste zogen vor, statt im Walde, fern von anderen Menschen ein beschauliches, gottgefälliges Leben zu führen, nach der Reichsstadt Wetzlar zu ziehen, wo es viel nnterhaltender war. Nicht minder die Mönche. Theilweise legten sie ihre Kutten ab, schwärmten in der Gegend umher und suchten und fanden Vergnügungen, die das Kloster nicht darbot und nicht erlaubte. Um Geld für das Vergnügen zu bekommen, wurden einzelne Klostergüter unrechtmäßigerweise verkauft, andere gingen dadurch verloren, daß mächtige Nachbarn sich unrechtmäßig daran vergriffen. Neid und Zwietracht trennte die Klosterbrüder, statt daß christliche Liebe sie mit einander verband. DaS zuchtlose Leben erregte in der weiten
Arr-laird.
Zürich, 10. August. Internationaler soeialisti. scher Arbeiter-Congreß. Zur Frage der Stellungnahme der Socialdemokraten im Kriegsfälle bringt Nieuwenhuis die holländischen Anträge in neuer Form ein, spottet über die Kosakensurcht und bezeichnet den deutschen Standpunkt als chauvinistisch. Man beschließt, jede Nation in dieser wichtigen ftrafle zu Worte kommen zu lassen. Menbelsohn-Polen erklärt sich für den deutschen Antrag, ebenso Zaelkai Ungarn, Adler-
Umgegend großes Aergerniß und die Wohlthätigkeit zog sich vom Kloster zurück.
Am meisten litten die Nonnen von Cella unter diesen Verhältnissen^ Während die Mönche nach dem Maße ihrer Zuchtlosigkeit viel Geld und Geldeswerth bekamen, erhielten die Nonnen nichts, so daß sie schließlich genöthigt wurden, im Juli 1264 in Gießen öffentlich Klage gegen das Kloster Schiffenberg zu erheben.
Mitten in der Stadt auf dem Platze bei der Kirche wurde vom Schultheiß und den Schöffen Gericht gehalten. Drei Burgmannen dienten als Zeugen. Als Kläger erschien eine Abordnung der Nonnen von Cella, als Beklagte einige Schiffenberger Mönche. Höchst kläglich war das Bild, das die Nonnen von ihrem elenden, armseligen Hungerleben entwarfen und laut murrte das Volk, das sich ringsum zahlreich versammelt hatte, über die Verdorbenheit der Schiffenberger Mönche. Diese fanden fürs Klügste, die ganze ihnen so schimpfliche Verhandlung soviel wie möglich abzukürzen, indem sie auf alle Punkte eingingen, die vorgeschlageU wurden. Die liegenden Güter, Höfe, Rodland, Weinberge, Wälder u.f.w. wurden gekheilt und so konnten die Nonnen von Cella hoffen, einer besseren Zeit entgegenzugehen, um so mehrmals sie das allgemeinste Mitleid erregt hatten und die Wohlthätigkeit sich wieder ihrem Kloster zuwandte. Aber was konnte ihnen der schönste Landbesitz nützen, wenn sie feine Kräfte zur Verfügung hatten, die denselben bebauten und verwalteten. Und so kamen sie doch nicht auf einen grünen Zweig und bald begann die Noth aufs Neue.
Aber auch die Schiffenberger Mönche hatten die Beschämung am Margarethentag 1264 bald vergessen. Wieder schweiften die Brüder ohne Ordensgewand in der Gegend umher, verkauften die Kirchengefäße, die Bücher und werthvollen Kkofterschmuck, wieder wohnte der Propst Hermann, der letzte, in Wetzlar. Güter wurden verkauft oder ver-
Oesterreich und Liebknecht, der den Vorwurf Chauvinismus zurückweift und gegenüber den Holländern bemerkt, bester als Kasernenverschwörungen sei es, die Rekruten so vorzubereiten, daß sie- schon als Socialdemokraten in die Kasernen kommen, das sei wohl langsamer, aber sicherer.
Zürich, 10. August. Socialistencongreß. Inder Fortsetzung der Debatte über die Stellungnahme der Social- lemofraten bei einem Kriegsfälle waren die meisten Redner für den deutschen Antrag, die Franzosen dagegen für den holländischen. Als nach Schluß der Debatte der Russe Plechanow dos Schlußreferat hielt, wurde die Sitzung - wieder boch- dramatisch. Referent hielt eine vernichtende Abrechnung mit den Franzosen. Er sprach von dem monströsen Zweibund, der die Franzosen auf den Knien rutschen lasse vor dem Czaren, dessen Regiment er wahrheitsgetreu und kräftig schilderte. Dann zeigte Plechanow die Unmotivirtheit der Befürchtung einer deutschen Invasion in Frankreich und sagte: Wenn nur die französischen Socialisten so ihre Pflicht thaten, tote die deutschen, wäre eine solche ganz unmöglich. Diese Worte erregten einen Sturm der Enttüstung bei den Franzosen. Dir der Tumult mit jeder Minute zunahm, mußte Plechanow sein Referat abbrechen. Die Confusion hatte wieder einmal ihren Höhepunkt erreicht und an einigen Stellen des Saales brach die Leidenschaft in elementarer Weise hervor. Schließlich wurde der deutsche Antrag mit dem Zusatz de Bolders, das Kriegsbudget überall abzulehnen und für die Entwaffnung einzutreten, mit 14 gegen 5 Enthaltungen angenommen.
Kopenhagen, 9. August. Die Czarenfamilie, einschließlich des Czarcwitsch, aber mit Ausnahme des Großfürsten Georg, trifft am 26. oder 27. d. M. auf Schloß Fredensborg ein, um welche Zeit dort das griechische Königspaar mit mehreren seiner Kinder, die Prinzessin von Wales mit ihren beiden Töchtern, das neuvermählte Herzogspaar von 2)orf, sowie das schwedische Kronprinzenpaar versammel sein werden. Aller gegentheiligen Nachricht zum Trotz erhält sich das Gerücht, daß, falls sich die deutsch-russischen Beziehungen nicht verschlimmern sollten, Kaiser Wilhelm eine Zusammenkunft mit dem Czaren haben werde. Kaiser Wilhelm werde in diesem Fall in Helsingör landen und birect nach Schloff Fredensborg fahren, ohne die dänische Hauptstadt zu besuchen.
Madrid, 9. August. In der Sierra de Cordova wüthen große Waldbrände. Mehrere Bauernhöfe sind bereits eingeäschert und leider wird auch der Verlust von Menschenleben zu beklagen sein. Bis jetzt ist der Brand, welcher vor drei Tagen zum Ausbruch gekommen, noch nicht gelöscht.
Chicago, 8. August. Die Zahl der hiesigen Arbeitslosen wird auf 50 OOO, darunter etwa die Hälfte gelernte Handwerker, geschätzt. — In Cincinnati gehen etwa 5000 Zimmer« leute arbeitslos, ebensoviel werden aus San Francisco ge«
eine angeblich auch für den Süden acceptable Farm erhalten wird. — Von anderer Seite gehen uns noch folgende Mit- theilungen zu: Die heutige Berathung der speciellen Besteuerungs- objecte beschäftigte sich ferner namentlich eingehend auch mit der Wehrsteuer und der Besteuerung der Zeitungsannoncen. Dem Vernehmen nach wären die Bedenken gegen die Wehrsteuer sehr überwiegend gewesen, insbesondere auch, weil sie eine unverhältnißmäßige Belastung der minder besitzenden Volksklassen mit sich brächte und als eine Kopfsteuer der schlimmsten Art angesehen würde, als welche sie sich auch in Frankreich und der Schweiz darstelle. Außerdem |ei die Veranlagung nach den verschiedenen Steuersystemen der Einzelftaaten ungemein schwierig, von denen eine erhebliche Anzahl ja überhaupt keine Einkommensteuer Habe. Ferner wurde in Betracht gezogen, daß dadurch die Grenzen zwischen directer und inbirecter Besteuerung in Einzelstaaten und Reich alterirt werden würden. Endlich sollen auch die Schwierigkeiten einer gerechten Durchführung für biete Steuer betont worden sein, insofern es kaum möglich sein würbe, b.e richtige Grenze zwischen Felbbienftuntanglichkeit und Erwerdsunfahigkett festzustellen. Ein definitiver Beschluß wurde jedoch noch nicht gefaßt - In ähnlicher Weise wurde die sogenannte Inseraten st euer behandelt - weitere Erörterungen in dieser Beziehung bleiben Vorbehalten, lieber den allgemeinen Eindruck unter den Betheiligten hören wir noch, daß er em .höchst befriedigender" sein soll. Es habe sich, worauf an manchen Stellen immer wieder Gewicht gelegt wird, betreffs der Hauptziele und der Art ihrer Erreichung im Wesentlichen eine Uebereinftimmung ergeben, und in dieser Hinsicht hat sich die mündliche Aussprüche zwischen den Organen des Reiches und der Einzelstaaten bewährt, weil sie, wie man betont, die geeignetste Methode sei, mißverständliche Auffassungen zu corrigiren. ES habe sich auch gezeigt, daß selbst verschiedene Interessen von Staaten und Landestheilen lehr roolit auszuglelch-n feien, w-nn gegenseitiges Entgegen- kommen, allseitige Würdigung der JntereNen des Reiches und die Erkenntniß obwalteten, daß diese im Wesentlichen identisch seien mit den Interessen der Einzelstaaten. (Frkf. Ztg.)
Deutsche» Reich-
Berlin 10. August. Seine Majestät der Kaiser und König haben, wie das „Militär-Wochenblatt" meldet, Aller- anädigst geruht, dem Capitän zur See Prinzen Heinrich von Preußen, Königliche Hoheit, das Dienstauszeichnungskreuz " Das Befinden des Reichskanzlers Grafen v. Caprivi hat sich derartig gebessert, daß er heilte zum ersten Male rtieber in Begleitung seines Adjutanten Majors Ebmeyer einen einundeinhalbstündigen Spazierritt im Thiergarten machen konnte. Am 2. September wird er zu den Manövern reisen und bann feine Kur in Karlsbad antreten.
Frankfurt, 10. August. Die Berathungen der deutschen Finanzmini st er haben heute ihr Ende erreicht. In der van 10 bis nach 4 Uhr dauernden Sitzung ist es gelungen, sämmtttche Fragen zu erörtern und soweit zu erledigen, daß eine vorläufige und grundsätzliche Einigung — wie es heißt — in allen Punkten erzielt wurde. Es bleibt, nachdem man zu diesem Abschlüsse gekoyimen ist, noch übrig, die verschiedenen Steuerpröjecte, hinsichtlich deren natürlich noch einzelne Meinungsverschiedenheiten bestehen, in eingehenden Verhandlungen durch eine besondere Commission b-rathen zu lassen. Die Commission soll in Berlin zusammen- treten und aus den Vertretern der Regiernngen und den Eommissaren der Reichsvertoaltuirg bestehen,- eine beschleunigte Behandlung der Einzelfragen ist vorgesehen und es sollen die Entwürfe dem Reichstag bei seinem nächsten Zusammentreten zugehen. Diese commissarische Berathung dürfte da gerade von besonderer Wichtigkeit sein, wo, wie das bezüglich der Börsen st euer und der Q ui ttungs steuer der Fall ist, die ganze Frage sich noch im Flusse befindet,- es steht zu hoffen, daß die aus den Jntereffentenkreifen kommenden Einwände, deren Bedeutung man nicht verkannt zu haben scheint, eine einigermaßen entsprechende Berücksichtigung erfahren. Die für den Süden ganz besonders wichtige Weinst euerangelegenheit soll ebenfalls eine „befriedigende Erledigung finden. Wie hervorgehoben wurde, ist der Widerstand, den die Regierungen der Weinbau treibenden Staaten gegen das Reichsweinsteuerproject — abgesehen von den formalen, auf den Zollvereinsvertrag sich stützenden Bedenken — geltend machten, darauf gegründet, daß der Uebergang der Weinbesteuerung an das Reich den Einzelstaaten ein auSbtldungöfähigeS Steuerobject entziehen und den Süden unverhältnißmäßig hoch zu Gunsten des Nordens belasten würde, und daß ferner bte Durchführung bes Pro,ectes ben Wein auch da, wo er birect Nahrungsmittel ist, treffen müßte. Gutem Vernehmen nach hat nun bte heutige Beratung zu bem Ergebniß geführt, baß bas Weinsteuerproject
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