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12.7.1893 Erstes Blatt
 
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Nr. 161 Erstes Blatt. Mittwoch i>tn 12. Juli

Ter ferner Anzeiger erscheint täglich, mit Nilsnahiitk deS Montags

'Die-Gießener M-mikiendsätler Werden dem Anzeiger -»Schenllich dreimal

Heigelegt.

Sießener Anzeiger

Kenerat-Anzeiger.

1893

Vierteljähriger ASonncmcntsprei» t 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.

Durch die Poft bezöge« 2 Marl 50 Pfg

Siedaction, Erpedittt"i und Trnüerei:

Schu lftratze T".7. i5<rnfpiechci .

Zlints- unb Zlnzeigeblcrtt fiw den Kreis Grefzen.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.

Gratisöeil'age: Gießener Kamii'ienökätter.

Alle Annoncen-Burcanx deS In« und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Amtlicher- Theil.

Bekanntmachung.

Die nachstehende Verfügung des Großh. Ministeriums der Finanzen, Abtheilung für Forst« und Cameralverwaltung, an die Großh. Forstämter, Rentämter und Oberförstereien wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht.

Gießen, den 10. Juli 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Darmstadt, am 7. Juli 1893. Betreffend: Den landwirthschaftlichen Rothstand.

Das Großh. Ministerium der Finanzen

Abtheilung für Forst- und Cameralverwaltung an die Großherzoglichen Forftämter, Rentämter und Oberförftereien.

Unter Bezugnahme auf den vierten Absatz des Landtags« abschieds vom 28. v. Mts. verfügen wir mit Genehmigung Großh. Ministeriums der Finanzen das Nachstehende:

1. Als Zahlungstermin für die diesjährigen Handabgaben von Waldstreu wird der 1. December 1894 bestimmt.

2. Die Abgabe von Futterlaub und Rupfgras aus den Domanialwaldungen soll mit Wirkung vom 1. d. MtS. an für das laufende Jahr vorerst unentgeltlich geschehen.

L. Bei den Handabgaben von Waldstreu ist Privatbürg­schaft in gleicher Wiese zuzulaffen, wie dies bezüglich der versteigerten Waldproducte angeordnet ist (ok. Seite 515 des Handbuchs für die Forst- und Cameralverwaltung).

-4. Für diejenige aufgearbeitete Waldstreu, die seit dem

12. v. Mts. versteigert wurde, ist nur der halbe Tarif­preis nebst 1 Erntekosten pro Haufen ä, 5 cbm zu zahlen.

5. ES wird empfohlen, mit den Waldarbeiten im Herbste d. IS. möglichst frühzeitig zu beginnen, um der Be­völkerung Gelegenheit zum Arbeitsverdienst zu ver­schaffen.

Für die Ausfertigung: Dölp.

Gießen, den 10. Juli 1893.

Betreffend: Die Errichtung eines Landesdenkmals für weiland Se. Königliche Hoheit den Groß­herzog Ludwig IV.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

<m die Grotzh. Bürgermeistereien de- Kreises.

Da der Landesausschuß für das rubricirte Denkmal um Uebersendung der Sammellisten aus den einzelnen Gemeinden gebeten hat, sehen wir deren sofortigen Wieder­vorlage entgegen.

v. Gagern.

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Auf­schlags von Fünf vom Hundert, pro Monat Juni 1893 für den Lieferungsverband Gießen pro 1OO kg betragen:

Hafer JL 20.80, Heu JL 16.80, Stroh Jt 7.40.

Gießen, den 10. Juli 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

Ausschreiben.

Wir bitten um Auskunft über den derzeitigen Aufent­halt der Dienstmagd Marie Welker, geboren am 13. März 1869 zu Gladenbach, Kreis Biedenkopf, seither zu Gießen.

Gießen, den 6. Juli 1893.

Großh. Staatsanwaltschaft. Schilling-Trygophorus.

Deutsches Reich.

Darmstadt, 11. Juli. Seine Königliche Hoheit der Großh e.rzog nahm am Samstag das Frühstück mit Ihrer Majestät der Königin in Frogmore, Nachmittags den Thee und Abends das Diner im Schloß zu Windsor. Am Montag Abend fand im Buckingham Palace Staatsball statt.

Berlin, 10. Juli. Aus Berlin wird osficiös die Nach­richt verbreitet, daß der Kaiser in diesem Sommer seine» geplante Nordlandsreife aufgegeben habe, aber im August eine Reise nach den Ostseegestaden zu unternehmen gedenke. Diese Aenderung in den Reiseplänen des Kaisers dürfte allem Anscheine nach mit der Sommersession des Reichstages und der von der Reichsregierung mit aller Energie betriebenen Durchführung der Heercsreform Zusammenhängen.

Wie man jetzt klar und deutlich übersehen kann, ist das Resultat der ersten Berathung der Militärvorlage im Reichstage die wachsende hohe Wahrscheinlichkeit, daß Ende dieser oder Anfang nächster Woche die Militärvorlage im Sinne des Antrages Huene, also mit einem Sechstel Er­mäßigung, mit einer ziemlichen Mehrheit vom Reichstage angenommen wird, denn zu den Stimmen der Conscrvativen, der Reichspartei, der Nationalliberalen, sowie zahlreicher Wilden sind auch im Princip für die Vorlage die Stimmen dec Polen, der Antisemiten (Deutschsocialen) und der Frei­sinnigen Vereinigung hinzugetreten. Vom staatsmännischen Gesichtspunkte trat sehr gewandt der Führer der National- liberalen, Abg. v. Bennigsen, für die Vorlage ein und gipfelten feine Ausführungen vor allen Dingen darin, daß die ver­bündeten deutschen Regierungen in der großen Frage des Schutzes der Unabhängigkeit des Vaterlandes großherzig vom Reichstage unterstützt werden müßten. Großen Eindruck machten auch die Ausführungen des Führers der Freisinnigen Vereinigung, des Abg. Rickert, welcher betonte, daß, wenn einem Abgeordneten die bessere Eckenntniß komme, er auch danach seine Abstimmung einrichten und jeden Fractionszwang ablehnen müsse. Auch stände die Militärvorlage, weil sie die zweijährige Dienstzeit und möglichste Heranziehung aller Wehr­fähigen erstrebe, nicht im Widerspruch mit dem freisinnigen Programm.

Der deutsche Journalisten- und Schrift­stellertag, welcher am 9. und 10. Juli in München abgehalten wurde, hat durch eine Rede, welche Prinz Ludwig hielt, eine für die Presse und ihre Vertreter, sowie auch für die Behandlung der politischen Angelegenheiten hochwichtige Bedeutung erlangt. Im Festsaale des Odeon sand die Fest- Versammlung des Journalisten und Schriftstellertages statt, der Prinz Ludwig und die Minister Crailsheim und Feilitzsch beiwohnten. Prinz Ludwig hielt eine warm empfundene, stellenweise hochpolitische Rede, die oft von großem Beifall begleitet wurde. Das Zeitungslesen sei eine Kunst, besonders für allerhöchst gestellte Personen des Staates. Wenn sie diese Kunst verständen und die Blätter aller Parteien b.rücksichtigten, sei das Zeitungslesen das beste Mittel, sie der mit dem fürst­lichen Stande verknüpften Jsolirung und dem übermäßigen Einfluß ihrer Umgebung zu entziehen und ihnen ein eigenes, selbstständiges Urtheil zu ermöglichen. Gelegentliche Irr« thümer der Journalisten seien wegen der schnellen Arbeit verzeihlich, nie aber dürfe ein Journalist wissentlich die Un­wahrheit sagen oder Jemand verleumden. Das höchste Ziel des Schriftstellers, des Journalisten sei die Wahrheit. Die deutsche Journalistik habe eine über die Grenzen Deutschlands hinausgehente nationale Bedeutung, indem sie im Sinne des Schulvereins ein Band bilde mit den außerhalb Deuischlands lebenden Deutschen. Auf osficiellem Wege könne nichts für die Erhaltung des Deutschthums geschehe«, Vieles aber durch eine patriotische Journalistik. In Anbetracht der Bedeutung des einflußreichen Standes habe er gern das Protectorat über den Journalisten- und Schriststellertag übernommen.

Aus Karlsruhe wird gemeldet, daß zuverlässigen Nachrichten zufolge die Kaisermanöver des 13. und 14. Armeecorps (Baden und Württemberg) wegen der Futter- noth und des daraus entstandenen landwirthschaftlichen Noth- standes nicht stattfinden werden.

Berlin, 9. Juli. Dem BundeSrath sind gestern der Nachtragsetat und das Anleihegesetz zur Durchführung der Militärvorlage zugegangen. In der am 6. d. M. statt­gehabten Sitzung erklärte sich der Bundesrath mit dem Vor­schläge des Reichskanzlers, betreffend eine veränderte Einrichtung der Quittungskarten für die Jn- validitäts- und Al ter so er si ch erun g einverstanden.

Berlin, 9. Juli. Man rechnet jetzt aus eine Mehrheit von etwa 30 Stimmen für die Militärvorlage. Der Schluß der Reichstagssefsion wird schon am nächsten Samstag, spätestens in den ersten Tagen der duraus folgenden Woche erwartet. Von den Anträgen aus dem Hause würden alsdann nur die auf die-Futternoth bezüg­lichen zur Verhandlung kommen.

Nenstettin, 9. Juli. Die Nachwahl für Ahlwardt ist auf den 18. Juli festgesetzt. Antisemitischer Candidat ist Professor Förster. Ahlwardt wird für seinen Freund sprechen, dessen Sieg wahrscheinlich ist.

Ausland.

Paris, 9. Juli. Da am Sonntag und Montag in Paris keinerlei Ruhestörungen vorgekommen sind, so darf die Ruhe in der französischen Hauptstadt als vollständig wiederhergestellt erscheinen. Erwähnt muß aber doch werden, daß die Unruhen sehr deutliche Symtome des Anfanges einer socialistisch-anarchistischen Revolution waren und daß die fran­zösische Regierung gegen diese Fanatiker, deren es in Paris wohl mehrere hundert tausend giebt, dauernd auf der Hut fein muß. Zweifellos ist es auch, daß das Heranziehen vieler Regimenter Cavallerie und Infanterie in die Hauptstadt den Aufruhr im Keime erstickt hat, also auch in Paris eine starke Waffengewalt in der Hand der Regierung das beste Mittel gegen die Revolution ist. Das Geschick und Glück, welches die französische Regierung bei der Bewältigung der Unruhen in Paris zeigte, hat sie aber nicht in den letzten Kammer­sitzungen gehabt, denn der Finanzminister Peytral hat wegen der Vertagung der Interpellation über die gesetzliche Stellung der Ordensgesellschaften seinen Abschied eingereicht, und es ist darüber eine Ministercrisis ausgebrochen, da Peytral sein Entlassungsgesuch nicht zurücknehmen will.

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphische« Correfpondenz-Bureau.

Berlin, 10. Juli. DieNorddeutsche Allgem. Zeitung^ bezeichnet die Blättermeldung von Schwierigkeiten, welche bei den Unterhandlungen über die Abgrenzung der deutsch englischen Interessensphäre am Kilimandjaro entstanden seien, als unbegründet. Die Verhandlungen verlaufen durchaus befriedigend und erfordern nur so viel Zeit, als zur Einholung der Instructionen seitens des englischen Commissars Smith geboten ist.

Paris, 10. Juli. Der Munizipalrath nahm eine Tagesordnung an, worin die Pariser Bevölkerung aufgesordert wird, sich der Theilnahme an den Festlichkeiten am 14. Juli zu enthalten.

Petersburg, 10. Juli. Die amtliche Publikation der Gesetze zur Bekämpfung der Börsenspeculation erfolgt dem Vernehmen nach in diesen Tagen. Die Böcsen- geschäste in Fonds werden durch diese Gesetze nicht berührt.

Chicago, 10. Juli. Gestern wüthete auf dem Michigan- fee und in Chicago ein heftiger Sturm. Auf dem Michigansee (enterten mehrere Boote. 30 Insassen werden vermißt. Man befürchtet, sie seien ertrunken.

Depeschen be8 Bureau »Herold*.

Berlin, 10. Juli. Das Reichstagspräsidium wurde gestern vom Kaiser empfangen. Die Audienz dauerte eine Stunde. Der Kaiser berührte in der-Unterhaltung die Militärvorlage. Er wies auf die militärischen Verstärkungen hin, welche die Nachbarreiche vornehmen. Er besprach auch die Futternoth und meinte, was möglich sei, müsse durch die Reichs- und Staatsbehörden geschehen. Das Präsidium wurde sodann von der Kaiserin empfangen.

Berlin, 10. Juli. Heute Mittag wurde die Nr. 28 des Sozialist" polizeilich beschlagnahmt auf Grund des § 130 des Reichsstrafgesetzbuchs wegen Aufreizung zum Klassenhaß. Gesunden wurden 20 Exemplare.

Berlin, 11. Juli. Der Kaiser gedenkt in der ersten Hälfte des Monats August den großen Cavallerie-Manövern, welche in der Nähe von Salzwedel stattfinden, beizuwohnen. Diese Manöver werden von demJnspector der Cavallerie, General v. Krosigk, geleitet.

Berlin, 11. Juli. Das Auftreten der Cholera in Südfrankreich gab der deutschen Reichsregierung Anlaß zu einem Rundschreiben an die Medicinalbehörden der Bundes­staaten, worin strenge Ueberwachung der Herkünste aus den Häsen der französischen Südküste zur Pflicht gemacht wird.

Chemnitz, 10. Juli. Das 7 50jährige Jubiläum der Stadt ist auf das Prächtigste unter großer Theilnahme der Bevölkerung verlaufen.

Wien, 10. Juli. Sämmtliche heute erschienenen Blätter drücken ihre Genugthuung über die ruhige Haltung in der gestern zu Gunsten des Wahlrechts abgehaltenen Volks­versammlung aus. DieMontagsrevue" findet es vernünftig, daß der Stadtrath den Socialisten die Rathhausräume zur Verfügung gestellt hat, da die Arbeiter mehr politischen An­stand als die Antisemiten zeigten. Das Blakt räth den Ar­beitern schließlich, bescheidener auszutreten, womit mehr als bisher erreicht würde.

Paris, 10. Juli. Für den morgigen Todestag Ravachols werden Unruhen befürchtet. Eine strenge Ueberwachung von St. Denis und Levallots-Perret, wo die Anarchisten wohnen, wurde angeordnet.