treter der katholischen Presse Deutschlands, deren neuerdings geleistete hervorragende Dienste für die katholische Sache er hervorhob. Alsdann belobte er die Pilger, die aus allen Theilen der Welt zur Feier seines Bischofsjubiläums herbeigeeilt seien, und folgerte daraus das Erwachen des Glauben- unter den Völkern trotz der gegenteiligen Anstrengungen der Verbreiter von Irrlehren. Alsdann ermahnte der Papst die Pilger, sich mit der Arbeiterfrage zu beschäftigen, über welche er in seinen Encycliken sich ausgelassen habe, und die Der« ehrung der heiligen Familie zu verbreiten, deren Vorbild besonders für die Arbeiter heilbringend sei, sowie die Jugend im christlichen Sinne zu erziehen. Zum Schluß ertheilte der Papst seinen apostolischen Segen.
London, 10. Mai. Die „Times" veröffentlicht das Gespräch ihres Pariser Correspondenten mit einem Diplomaten, der Deutschland besucht hat und angeblich die Verhältnisse genau kennt- derselbe betrachtet die Ablehnung der Mi« lirärvorlage als Friedenspfand und hofft, ber neue Reichstag werde ebenfalls die Vorlage ablehnen.
Washington, 10. Mai. Nach dem Bericht des land- wirths chastlichen Bureaus beträgt der DurchschnittS- stand des WinterweizenS 75,3 Procent, also um 2,1 Procent weniger als am 1. April. Der Durchschnittsstand des WinterroggenS beträgt 72,9 Procent, derjenige für Gerste 88,6 Procent. In den für Winterweizen besonders maßgebenden Staaten wurde die Ernte durch kaltes Wetter schwer beschädigt- infolge deffen wurde ein großes Areal mit anderen Saaten bestellt.
Neueste Nachrichten»
Wolffs telegraphisches Eorrespondenz-Bureau.
Berlin, 11. Mai. Das „Reuter'sche Bureau" meldet aus Bathurst vom heutigen Tage, französische Offiziere hätten in Ni am b untang diebritischeFlagge nieder« geholt und gleichzeitig einen eingeborenen Häuptling fortgeschleppt. Niambuntang liegt in der Nähe von Panchang am Gambia innerhalb der britischen Grenze.
Bremen, 11. Mai. Die Direktion des „Norddeutschen Lloyd" teilt mit, daß die Meldung, wonach an Bord des in Newyork angekommenen Lloyddampfers „Gera" 130 Personen an den Blattern erkrankt seien, unrichtig ist. An Bord der „Gera" sei nur ein leichter Pockenfall vorgekommen. Dem Dampfer ist ein Aufenthalt dadurch nicht entstanden, die sämmtlichen Passagiere wurden unbeanstandet gelandet, bis aus 116 Personen, welche mit dem Erkrankten vor deffen Erkrankung in der gleichen Abteilung untergebracht waren. Diese Personen wurden zur Beobachtung nach Hoffmanns-Js« land überführt.
Paris, 11. Mai. Wie „L'Evönement" meldet, wird die Verstärkung derTruppen an derO st grenze methodisch und regelmäßig fortgesetzt, ebenso die Ausdehnung und Verbefferung der Concentrationslinien. — Das „Echo de Paris" berichtet, die Kasernirungen des verschanzten Lagers von Verdun werden beträchtlich vergrößert. — In Epinal sollen zwei neue Kasernen erbaut und die Garnison verstärkt werden. Zwischen Blesme und Revigny auf der Bahnlinie PariS-Nancy wird eifrigst an der Verdoppelung der Geleise gearbeitet, wodurch im Mobilisirungösalle zwei unabhängige Linien zur Verfügung stehen sollen.
Bukarest, 11. Mai. Aus der Provinz werden zahlreiche Ueberschwemmungen gemeldet. Der Schaden ist sehr beträchtlich, auch mehrere Menschen sind umgekommen. Viele Brücken und Straßen sind zerstört, zwei Stadttheile von Bukarest sind überfluthet. ES sind alle Rettungsmaßnahmen getroffen. Der Verkehr auf den Eisenbahnstrecken Bukarest- Jaffy und Bukarest-Severin wird seit heute früh durch Um« steigen ermöglicht.
Depeschen des Bureau „fcerolb*.
Berlin, 11. Mai. Gegen zwölf Anarchisten wurde Anklage wegen Verletzung bc8 § 130 beS R.-Str.-G. erhoben. Zwei Angeklagte sind flüchtig.
Localer unb provinzieller.
Sieben, 12. Mai 1893.
* * Behufs Bildung der Spruchliste für die am 5. Juni d. I. beginnende Sitzungsperiode des Schwurgerichts wurden folgende Namen aus der Urne gezogen: 1. Lorenz Kremer II. in Ober-Mörlen. 2. Jacob Appel II. in Eichelsachsen. 3. Beigeordneter Höhler in Angenrod. 4. Heinrich Korell in Eudorf. 5. Gemeinderechner Grcb in Altenschlirf. 6. Philipp Hofmann VI. in Heuchelheim. 7. Wilhelm Haustein in Gießen. 8. Jacob Wilhelm Bender in Dorf-Gill. 9. Heinrich Hofmann VIII. in LangSdorf. 10. Georg Seum II. in Wallernhaufen. 11. Christoph Schwalb VIII. in Großen-Buseck. 12. Johannes Müller II. ReinhardShain. 13. Andreas Karl Keller in AngerSbach. 14. August GroS in Reichelsheim. 15. Otto Karl Martin Henkel in Inheiden. 16. Johannes Frank II. in Stockheim. 17. Konrad Ohler in Gießen. 18. Peter Schmidt II. in Nieder-Ohmen. 19. Wilhelm Fehner in Bad-Nauheim. 20. Johannes Kromm in Nieder- Wöllstadt. 21. Heinrich Koch XIV. in Alsfeld. 22. Peter Philipp Schäfer in Höchst a. d. Nidder. 23. Wilhelm Althaus in Großen-Buseck. 24. Wilhelm Konrad Görlach in Eber- stadt. 25. Heinrich Ramspeck II. in Alsfeld. 26. Ludwig Hanner in Büdingen. 27. Louis Möller II. in Lauterbach. 28. Heinrich Schudt 11., Neumühle bei Muschenheim. 29. Erich Wasserschleben in Gießen. 30. Johannes Carle II. in Weber« Ohmen.
Neue« Theater. Der gestrige Abend brachte uns Hermann SubermannS neuestes Stück „Heimath". Der Inhalt desselben ist in großen Zügen folgender. Der in strengen, altmodischen Grundsätzen ausgewachsene Oberstlieutenant a. D. Schwartze will seine ältere Tochter Mazda zwingen, den Pfarrer ihres kleinen Städtchens zu heirathen. Doch diese, ein lebenslustiges Mädchen, widersetzt sich dem
väterlichen Willen und läßt sich lieber aus dem Vaterhause b erflogen, als daß sie die verhaßte Verbindung eingeht. In Berlin, wohin sie sich nun wendet, bildet sie sich zur Sängerin aus und feiert als glänzende „Diva- überall Triumphe, während ihr Vater sich zu Hause nur langsam von dem Schlaganfall erholt, der ihn ob ber „Schande", die seine Tochter dadurch, daß sie die Bühnenlaufbahn betreten, über fein HauS gebracht, getroffen hat. Heimweh und ein gewisser Trotz lassen sie dann eine Einladung zur Mitwirkung an einem Musiksest in der Vaterstadt annehmen, bei welcher Gelegenheit der Pfarrer ihre Wiederaufnahme inS elterliche HauS durchsetzt. Doch sie kommt nicht als verlorene Tochter dahin, sondern als selbstbewußte, stolze Künstlerin, deren verwöhnte, freie Lebensanschauung mit der steifen und altmodischen Sitte deS Hauses überall in Widerspruch geräth. Ein neuer, großer Conflict entsteht dadurch, daß sie mit ihrem früheren Geliebten, dem Manne, der sie schmählich betrogen und sie dann schnöde verlassen hat, zusammentrifft. Wundervoll ist die Begegnung der Beiden ausgemalt, jener der heuchlerische Streber und ängstliche Philister und sie, die selbstbewußte, überlegene und stolze Künstlernatur' So überrascht der Vater die Beiden und will den Versührer, trotz seiner Lähmung, zur Rechenschaft ziehen, jedoch dieser erklärt sich bereit, die frühere Geliebte zu heirathen, unter der Bedingung, daß die Frucht des früheren Verhältnisses, Magdas Kind, vom Hause fern bleibt. Der Vater ist mit dieser, der bürgerlichen Reputation genügenden Lösung natürlich höchlich zufneden, doch Magda, deren stolzer, freier Sinn sich schon gegen die unnatürliche Verbindung mit dem „fremden Manne" gesträubt hat, jagt den Feigling, der ihr ihr höchstes Gut nicht lassen will, aus dem Hause. Der Vater will sie mit der Pistole in der Hand zur Nachgiebigkeit zwingen, um ihre verlorene bürgerliche Ehre wieder herzustellen, doch da schleudert sie ihm in höchster Noth die Worte ins Gesicht: „Wer sagt Dir denn, daß dieser Mann nach den Gesetzen Eurer Moral mich heirathen muß, daß er mich heirathen kann? Wer sagt Dir denn, daß er mein Einziger mar?" „Dirne!" ruft der Vater und erhebt die Waffe von Neuem, aber ein weiterer Schlaganfall macht seinem Leben ein Ende. Niedergedrückt durch das Gefühl, den Tod des Vaters verschuldet zu haben, will die Sängerin nur noch der Bestattung beiwohnen und dann wieder hinausziehen aus ber Heimath, ber sie so tierberbenbringenb war, in bie Frembe, die ihre eigentliche Heimath Ist. — DaS Stück ist eine sociale Dichtung von seltener poetischer Kraft, ausgezeichnet durch eine große, oft vielleicht übergroße Schärfe in der Zeichnung der Charaktere. Besonders fesselnd ist die Schilderung unseres deutschen Beamtenlebens. Der beste Theil ist vielleicht der zweite Act, während im dritten die Effecte schon mehr „gemacht", allerdings genial „gemacht" erscheinen. Der letzte Act jedoch fällt riesig ab. Mit allzu großer Genauigkeit zeigt er den Kampf der beiden feindlichen Lebensanfchauungen, der zwar ungemein geistreich begonnen, aber zu keinem befriedigenden Ausgleich gebracht wird. — Die Hauptrolle des Dramas, die der „Magda", hatte Frau Director Baars übernommen und führte sie mit vollendeter Slunft durch. Ihre Auffassung ber äußerst schwierigen Partie und ihr herrliches Spiel rissen alle Zuschauer in ehrlicher Bcwunberung fort. Schabe ist, baß die Stimme ber hochbegabten Künstlerin im Affecte sich nicht noch etwas mehr bem Spiel anpassen läßt, das heißt in ihrer Klangfülle mächtiger werden kann. Den „Oberstlieutenant Schwartze" verkörperte Herr Hertzog in musterhafter Weise, nur hätten wir gewünscht, daß die Lähmung deS rechten Armes etwas mehr zur Geltung gekommen wäre, daß also beispielsweise dessen Bewegungen nach dem Kopfe hin unterblieben wären. Herr Hobö als „Pfarrer", Herr Beer mann als „Regierungs- rath" und Fräulein Hofmann als „Marie" verdienen unser uneingeschränktes Lob. Die undankbare Rolle der „Auguste" lag in Händen des Fräulein Schuhmacher I. Obwohl die Leistung der Dame redlichen Willen und tüchtiges Studium zeigte, können wir doch nicht umhin, zu gestehen, daß die Durchführung derselben matt und farblos war. Aus der vollständig aus dem Ton des Stückes fallenden, possenhaften Figur der „Franziska" wird sich nie etwas Besonderes machen lassen, wir können daher mit der Wiedergabe derselben durch Frau Hein ganz zufrieden fein. Herr Alsdorf („Max") zeigte sich seiner Aufgabe nicht gewachsen- das HauS war ziemlich besucht und spendete der mit großem Interesse hingenommenen Aufführung reichen Beifall. Z.
* ♦ Eisenbahnfrevel. Dor einigen Tagen wurde an der Oberhess. Eisenbahn, Strecke Lich, in der Gemarkung Gießen, von zwei jungen Leuten ein Baumpfahl vor einen ankommenden Zug auf bie Schienen gelegt. Der Zug ging über ben Pfahl weg, ohne Schaben zu nehmen. Als die Thäter wurden zwei Studenten ermittelt) und verhaftet. Einer derselben durchschnitt sich im Haftlocal mittels einer Glasscherbe die Pulsadern und wurde, da es rechtzeitig entdeckt wurde, in die Klinik verbracht, woselbst er bis zu seiner Wiederherstellung überwacht wird, um dann dem Gericht übergeben zu werden.
♦ * Einbrüche. In der Nacht vom 9. auf 10. wurden zwei Einbrüche in hiesiger Stadt verübt und zwar einer bei einem Wirth in der Marburgerftraße und der andere bei einem Wirth in der Frankfurterstraße. In beiden Fällen hat der Dieb nur geringe Beute, wenig Geld und einige Kisten Cigarren, gemacht. Der Thäter ist noch nicht ermittelt.
* * Keilerei. In verflossenen Nacht fand in der Nähe des Bahnhofs zwischen Studenden eine Keilerei statt, wobei es einige blutige Köpfe absetzte.
* * Bei ber heute morgen stattgehabten Milchrevisiou würbe schlechte Milch angetroffen und beschlagnahmt. Anzeige gegen den Verkäufer wurde erhoben.
* * Ein Ladeabrand in ben Neuen-Bäuen würbe gestern Nachmittag zwischen 4 unb 5 Uhr von ber Nachbarschaft wahrgenommen unb gelöscht, ehe berselbe zu größeren Dimensionen sich auSbehnen konnte.
* * Schwer verwundet. In bie hiesige Klinik wurde gestern ein Junge von 11 Jahren gebracht, welcher in seiner Heimath Philippstein bei Weilburg mit einer Dynamitpatrone
gespielt. Durch die Exploston derselben wurden dem Jüngere an der einen Hand drei, an ber anderen Hanb zwei Finger abgerissen.
* e Kirchliche Tienstnachricht. Psarrverwalter Friedrich Althen zu öberftabt ist zum Pfarrer ber Gemeinbe Eber- stadt ernannt worden.
* • In den fünf hervorragendsten Steuerrommiffariat»- bezirken de» Landes betragen für da« Etatsjahr 1893/94 die NorMalstenercaPitalien, und zwar bei ber Gewerbesteuer, Grundsteuer, (Kapitalrenten ft euer unb (Sin« kommen ft euer. 1) Darmstadt bezw. 718,344 1,470,920, 572,279, 4,317,145 Mark, 2) Gießen bezw. 285,227, 711,840, 137,813, 1,497,545 Mk., 3) Mainz bezw. 1,709,127, 2,236,613, 507,845, 6,959,825 Mk., 4) Offenbach bezw. 628,275, 887,723, 155,054, 2,492,405 Mk., 5) WormS bezw. 464,593, 1,190,723, 149,112, 1,787,050 Mark. Des weiteren ergeben sich als Steueransätze bei .ben vorftehenb genannten vier Categorien von Steuern: 1) Tann« stabt bezw. 114,935.04, 205,928.82, 97,287.42, 690,743.22 Mark, 2)Gießen bezw. 45,636.30, 99,657.60, 23,428.20, 239,607.18 Mk., 3) Matnz bezw. 273,460.32, 313,125.78, 86,333.64, 1,113,571.98 Mk., 4) Offenbach bezw. 100,524, 124,309.20, 26,359.20, 398,725.62 Mk., 5) WormS bezw. 74,334.84, 166,701.24, 25,349.04, 285,928.02 Mark. Die gesammten Normalsteuercapilalien des Landes belaufen .sich auf 59,698,848 Mark, bie gesammten Steueransätze auf 9,135,691.50 Mark.
* * Die Socialdemokraten haben bis jetzt in hessischen Wahlkreisen folgende Qanbibaten proclamin: Prinz für Friedberg-Bübingen, Orbig für Gießen, Ulrich für Offenbach-Dieburg.
• • Einen schönen Ansang im Bau von Arbeiterwohnungen nach Bodelschwingh'schem Muster hat ber evangelische Arbeiter- Verein zu Friedberg i. b. Wetterau gemacht. Derselbe baute im vorigen Jahre vier Doppelhäuser, also acht Arbeiterwohnungen. Jede Wohnung ist einstöckig unb enthält brei Zimmer unb eine Küche. Außerbem ist im Bodenraum ein weiteres Zimmer unb im Kellerraum eine Waschküche mit Kessel angebracht, au den Hosraum, in welchem sich Stallungen unb Brunnen befinden, schließt sich ein Gärtchen an. Die Bewohner halten Z'egen, Schweine unb Hühner. — Der Preis einer Wohnung beträgt 4100 Mark, 300 Mark muß der Käufer anzahlen, 3800 Mark werden mit 6 pCt. verzinst, 2 pCt. gehen von ben 6 pCt. vorn Kapital ob; die Leuts wohnen demnach für 152 Mark- sie sind sehr glücklich und zufrieden in ihrem eigenen Heim unb erweisen sich dankbar für die Wohlthat. In 1893 will ber evang. Arbeiter-Verein in Friebberg, bessert vermögenbere Mitglieder gegenwärtig eine Baugenossenschaft bilden, zwei weitere Doppelhäuser bauen, wozu Gott seinen Segen geben wolle! Möchte Fried- berge Vorgang recht viele Nachfolge finben'
** Eine für Eisenbahnreisende interessante Entscheidung ist kürzlich in Hamburg in brr Berufsinstanz bestätigt worden. Ein Schneidermeister fuhr nach dem dortigen Berliner Bahnhof unb übergab einem Kofferträger seine beiben Koffer, während er sich selbst ein villet löste. Inzwischen war ein Koffer im Gedränge verschwunden. Der Reisende verklagte den Träger aus 80 Mark Entschädigung, aber die Gerichte wiesen bie Klage ab. Die Ueberwachung des Gepäcks bis zur Einlieferung an die Expedition sei Sache des Reisenden.
Lang GonS, 10. Mai. Heute Morgen, kurz nachdem der Schnellzug vorbei war, brannte eS an der Böschung ber Main-Weser Bahn bei ber Lochmühle. Dem schnellen Eingreifen des GenSdarmen Schwarz gelang es, das Feuer von dem Walde abzuhalten und zu löschen. Derselbe hatte sich Leute von der Lochmühle zur Hilfe genommen. Ebenso war die Frau deS Bahnwärters Luh bereits mit AuSmachen deS FeuerS beschäftigt. Daffelbe ist anscheinend durch Funken oder herauSgesallene Schlacken der Locomotive entstanden.
Vom Lande, 8. Mai. Der diesjährige Honig wird von Sachkennern als ein sehr edles Product bezeichnet. Biele Bienenzüchter haben bereits bei dem blüthenreichen Lenz größere Mengen Honig geschleudert und durchweg ist derselbe sehr zähflüssig, hat wenig Waffergehalt und hat eine nie da- gewesene Süßigkeit unb hochfeines Aroma unb canbirt sehr leicht, schon nach wenigen Tagen. Die vorzügliche Qualität des Honigs ist wohl gerade eine Folge der Trockenheit. Der Preis beträgt Mk. 1.20 per Pfund.
Dermifcbtci.
* Berlin, 7. Mai. Daö Gerücht von dem Selbstmorde eines Garbeoffiziers, der sich bei Rahnsdorf baS Leben genommen haben sollte, weil ihm wegen Miß- hanblung seines Burschen eine harte Bestrasung bevorftänbe, ging vor einigen Tagen durch die Presse. Auch fehlte eS nicht an dunklen Andeutungen, daß der Vater des Offizier» eine Begnadigung seines Sohnes leider zu spät erwirkt habe. Wie nun auS FriedrichShagen verlautet, wird der Müggelsee fortdauernd nach einer Leiche abgefischt, und dieser Umitanb wird dort mit dem Selbstmord deS Offiziers in Verbindung gebracht. ES hat sich nämlich herauSgestellt, daß ber Lieutenant M. von der 8. Batterie eines Anillerie Regiments im Osten der Monarchie wegen des vorerwähnten Geschehnisses eine FeftungSstrafe zu verbüßen batte. Nach einem hinterlassenen Schreiben hat ber blutjunge Offizier beschlossen, den Tod der Strafe vorziehen unb seinem Lebe» in Müggelsee ein Ende zu machen. Er vertauschte die Uniform mit bem bürgerlichen Kleide und kehrte in seine Wohnung nicht mehr zurück. Kurz nach seinem verschwinden traf die Be- gnabigung ein.
• Nasch entschlossen. Folgende kleine militärische Be- gebenheit wird auS Schweidnitz erzählt: Bei der Bc- sichtigung des bortigen Jnfanterie-RegtmentS Gras Moltke durch ben DivisionScommandeur v. Liegnitz stellte Letzterer an die Mannschaften die Frage: „Kinder, was würdet Ihr


