Ausgabe 
12.3.1893 Zweites Blatt
 
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verpflichtet, für den rechtlich nachweisbaren Schaden im Falle der Beschädigung, Beraubung oder gänzlichen Verlust einer Sendung aufzukommen. Treten dabei Meinungsverschieden­heiten zu Tag, dann kann von dem Publikum sowohl wie auch von der Eisenbahn selbst verlangt werden, daß der an­gebliche Schaden durch Sachverständige abgeschätzt wird". Wenn daher, wie dies schon häufig vorgekommen ist, von Gewerbetreibenden behauptet wird, durch die Beseitigung der Werthversicherung hätten sich die Chancen für das Publikum -u Gunsten der Eisenbahnen bei derartigen Streit« fragen verschlechtert, so ist die- eine vollständig irrige Auf« fasiung.

Versammlung deutscher Historiker. In diesen Tagen ist daS Programm der Versammlung, die in der Woche nach Ostern in München stattfinden soll, versandt worden. Für die Hauptfrage der Tagesordnung, die Gestaltung deS geschicht­lichen UncerrichtS auf höheren Lehranstalten sind als Bericht­erstatter gewonnen: Gymnasial-Director Rich. MartenS in Marienburg, Prof. Al fr. Dove in München und Prof. Georg Kaufmann in Breslau. Ueber die Einrichtung historischer Seminare an den Universitäten referier Prof. Wilh. Arndt in Leipzig, über erleichterte Benutzung von Archiven und Bibiiotheken Prof. Karl Th. Hetgel in München. Die Sitzungen finden statt am 5., 6. und 7. April im Feftsaale der Akademie der Wisienfchaften. Am Abend deS 4. April geht ihnen eine zwanglose Zusammen­kunft voraus, am 6. soll bei günstiger Witterung Nachmittags ein Ausflug an den Starnberger See unternommen werden, den Beschluß bildet am 7. Mittags ein Festessen. Im Uebrigen ift eS vermieden, durch eine Häufung größerer festlicher Ver­anstaltungen die Derathungen und daS freie gesellige Bei­sammensein einzuengen. Anmeldungen sind an Prof. Felix Stiede, Heßftraße 3a, zu richten. Auskunft an Ort und Stelle ertheilt das Secretariat der Akademie.

Lohnzahlung am Freitag. Der Vorstand des Mittel­rheinischen Fabrikanten-Vereins hat, nachdem die Frage wegen Verlegung des Zahltages auf den Freitag schon früher an­geregt worden, ein darauf bezügliches Rundschreiben folgenden Inhalts erlassen:Dem in der Vereinsversammlung gefaßten Beschlüsse entsprechend gestatten wir uns hiermit darauf auf­merksam zu machen, wie sehr die wöchentliche Lohnzahlung am Freitag im Interesse der Arbeitgeber wie Arbeitnehmer gelegen ist, dadurch, daß a. alsdann die am Samstag noch fertiggestellten Maaren ungestört zum Versandt gebracht und die Comptoir^Arboiten ganz oder zum größten Theile erledigt werden können, sodaß der Sonntag-Vormittag von Prinzipal und Personal der Ruhe und Erholung gewidmet werden kann, was indirect wieder dem Geschäft zu Gute kommt - b. wenn ein Arbeiter, ohne gekündigt zu haben, am Samstag wegbleibt, alsdann am Sonntag Gelegenheit geboten ist, nach der Ursache deS Wegbleibens Erkundigung einziehen zu lassen - c. der Arbeitnehmer durch Ablieferung des erhaltenen Lohnes am Freitag Abend an Frau eventuell Ellern in der Lage ist, zu einem geregelten Hausstande wesentlich beizuttagen. Gegen­über diesen unanfechtbaren Gründen, insbesondere daß die Lohnzahlung am Freitag zur Förderung des Wohles der arbeitenden Klassen und deren Solidität sehr wesentlich bei­trägt, was zunächst diesen selbst, dann aber auch der vater­ländischen Industrie zu Gute kommt und für die ganze gesell­schaftliche Ordnung von höchstem Werthe ist, erlauben wir unS den verehrten Industriellen die Einführung der Freitags- löhuung angelegentlichst zu empfehlen." Der Vorstand kann mitthrilen, daß in vielen Betrieben die Lohnzahlung auf Freitag verlegt und in vielfacher Beziehung für sehr zweck­mäßig befunden wurde, sodaß man, wo dieselbe eingesührt, nicht mehr davon abgehen wird. Auch glaubt der Vorstand noch Hinweisen zu sollen auf die inzwischen eingeführte

Sonntagsruhe", welcher zu Folge eS den Arbeiterfrauen erschwert wird, die BedÜrfnifle für den Hauchalt am Sonntag zu beschaffen, weil die Geschäfte nicht mehr so wie früher geöffnet sein dürfen, an Feiertagen überhaupt ganz geschloffen bleiben müssen.

Friedberg, 7. März. Heute Morgen starb nach monake« lange« schweren Leiden im Alter von 60 Fahren der in weiten Kreisen bekannte und beliebte Arzt Dr. Heinrich Steinhäuser. Ein geborener Friedberger, studirte er in Gießen, wo er dem CorpS Teutonia angehörte, trat später als Sanitäts-Offizier in die hessische Armee em und machte als Feld Oberstabsarzt die Kriege von 1866 und 1870/71 mit. Er wurde dafür mit dem Eisernen Kreuz, mit dem ; Militär-SanitätSkreuz und zwei Kriegsdenkmünzen aus« gezeichnet. Darmst. Ztg.

P. A. Bäckerei AnSstellang in Mainz. Zu der in den Tagen deS 12. b^S 20. August I. I. stattfindenden internationalen Ausstellung für Bäckerei, Eonditorei und verwandle Gewerbe werden vorbehaltlich weiterer Aufnahmen zugelossen: die Mehl-, Hefe-, Obstcon- serven«, Kaffee- und Kaffeesurrogat«, Ehokoladen- und Kakao-, Tragant-, Marzipan-, Lebkuchen«, KakeS« und BiSquit-, Zucker­und Zuckerwaaren- und Liqueur« und Schaumwein-Fabrikation, sowie der Handel mit Thee und Deffertweinen. Ferner wird die Ausstellung dir für die vorgenannten Gewerbe erforder­lichen Betriebseinrichtungen, Maschinen und Grräthe, sowie die Hilfsgewerbe für Herstellung von Verpackungen u. s. w. umfassen. Endlich sollen die Fachliteratur, Statistik, Buch­führung, Wohlsahrtseinrichtungen, sowie daS Innnngs- und LehrlingSwesen in ihrer heutigen Entwickelung und ihrer ! Geschichte berücksichtigt werden. Die Ausstellung zerfällt in * folgende Abheilungen. A. Backwaaren. B. Conditoreiwaaren. ! C. Regelmäßig zur Verarbeitung bestimmte Hilssstoffe. j I). Hilfsstoffe zur Verarbeitung und zum sclbständigen Ger kauf. E. Maschinen, Geräthe und Betriebseinrichtungen. F. Packungen und sonstige Hilfsmaterialien. G. Historisches, Wohlfahrtseinrichtungen und Fachliteratur. Alle Anfragen über das Unternehmen, Anmeldungen u. s. w. sind an Herrn Amtmann Braun, Schillerstraße 44 in Mainz, zu richten. Gemeinschaftliche Ausstellung durch mehrere Gewerbetreibende, durch Verbände u. s. w. ift zulässig. Die Zugehörigkeit zu einer Innung wird nur bei der Preisbewerbung und auch hier nur für diejenigen Preise vorausgesetzt, welche ausdrücklich für JnnungSmitglieder bestimmt sind. Die Anmeldung sämmtlicher Ausstellungsgegenstände hat bis spätestens l.Juli 1893 zu erfolgen. Die Platzmiethe beträgt für den Quadrat­meter des angemeldeten oder thatsächlich benützten Raumes im Freien: a) für gedeckten Raum 9 Mk., b) für ungedeckten Raum 6 Mark - in der Stadthalle: 12 Mk. Alle verkäuf­lichen Gegenstände sind mit genauer Preisangabe zu versehen. Für die PreisveNheilung sind vorgesehen: Ehrenpreise, Medaillen und Ehrendiplomc. Für jede Abthetlung der Ausstellung wird ein besonderes Preisgericht aus bewährten Fachmännern bestellt. Die Preisvertheilung findet am 15. August durch den Ehrenausschuß statt.

" Vermischter.

* Die Vergnügungssteuer in München. In der bayrischen Hauptstadt flieht es sehr gepfefferte Taxen für die Abhaltung von Gesellschaft s Vergnügungen. Die Vergnügungs­steuer hat der städtischen Armenkasse in München im Jahre 1892 das nette Sümmchen von 31 740 Mk. eingebracht, und zwar hauptsächlich von Vereinen und Gesellschaften, welche jeden Athemzug, den sie außerhalb ihres VereinSlocals thun, sofort besteuert sehen. Dieser Armensteuer schließen sich aber regelmäßig die Polizeistrafen für daS geringste Über­schreiten der Polizeistunde oder für ein Tänzchen in sogenannter

geschloffener" Zeit an. Zum Beispiel: Ein verein hält in irgend einem Saale eine Festlichkeit ab, wofür er 5 Mark Armentaxe und außerdem noch 2,20 Mk. für Derlängcrim- der Polizeistunde zu zahlen hat. Nach ein paar Wochen wird .der Verein vom Amtsgericht mit einem Strafmandat von 9 Mk. bedacht, weil die Festlichkeit noch ein paar Minute« über die ver'ängerte Psiizelstunde hinau-gedauen Hane. G.e.ch darauf jedoch erscheint ein weiteres Strafmandat von 6 Mk., weil bei der Festlichkeit ein kleines Tänzchen riskirt worden war, während doch an dem betreffenden Tage gerade der Namenstag dieses oder jene- Localheiligen und hiermit geschloffene" Zeit jrmr. Demnach kostete dem Verein die Festlichkeit an Taxen 22,20 Maik.

* Arbeitsbörsen! Daß eS zur Beseitigung der socialen Nolh ganz besonders auf Herstellung deS Arbeits­nachweises im allergrößten Maßstabe ankommk, ist keine Frage mehr. Mit einem sehr beachten-wenhen Versuche ist in dieser Hinsicht der Staat Luxemburg jetzt oorangegangen. Seit dem 1. December 1892 sind bei allen luxemburgischen Postämtern und Postagenturen ArbeitSnachwe«Sstellen bouraes de travail, wie sie amtlich heißen eingerichtet worden und zwar in folgender Weise diejenigen Arbeitgeber und Arbeiter, welche Arbeiter refp. Arbeit suchen, schreiben ihr Gesuch auf eine Postkarte, welche dem Postamt in Luxemburg als HauptoermittiimgSamt zugeht. Hier werden sämmtliche Gesuche rcgiftrirt. Am Abend, nach Eingang der letzten Tagespost, wird eine Zusammenstellung aller ein­gegangenen Gesuche gedruckt und am folgenden Tage allen Postämtern znqestellt. Die Postämter hängen dir betreffende L'ste an den Schaltern auf. Man verspricht sich von die'er Einrichtung, durch die Jeder vom Stand de» ArdeitSmarkreS Kenntniß nehmen kann, großen Nutzen für da» Land.

Citeratar und Kunft.

Unter den IBuftriricn Familien»eitschristen zeichnet sich da» in Dresden erscheinendeUniversum" durch die Fülle an ge­diegenem UlitrrhaliungSftoff und gewähltem dlldltchen Scho uck vor allen anderen oorthrtlhafl au». Mit großem Interesse Haden wir die Betttä^e diese» UnterhaltungSblattes in den letzten Monaten verfolgt und gesunden, daß da» Streben der Ridacllon durch die Mannigfaltigkeit de» Inhalt» allen Ansprüchen gerecht wird. Marie Bernhards mit vielem Beifall begrüßter neuer Roman .Unweidlich' wird in den nächsten Heften zu Ende geführt und ,4 beginnt berett» der Abdruck einer feingestimmten. höchst fesselnden Erzählung Rudolf Lindau« unter dem Titel .Liebe»heirathen". Wir fühlen uns ver­anlaßt, au» dem reichen Inhalt de» vierzehnten Hefte» den interessanten Aussatz de» bekannten Berliner Profeffor» Dr. A. 0ulenburg über Hypnotismus, Suggestion und Suggestionsheilung hrrvorzuheben, sowie auch die künstlerische Ausstattung durch Lichtdiuck und Voll­bilder, ferner die mannigfaltigen Text Illustrationen in meisterhaften Holzschnitten nach Original-Beiträgen beliebter Maler.

Für die herannahende Oster,eit Mächten wir die Aufmerksamkeit aller unserer Leser nochmal» aus die prächtige etmibiM* (Verlag von I. 6. Hinrich« in Leipzig, Preis geb 40 Dtarl) lenken. Sie eignet sich vortresfltch al« SrinnerungSgade zur Konfirmation. Lus die weiteste Berdreitung wird aber noch besonder« die Einzelausgabe d,4 Reuen Testamente» rrdmen können. Diese hat den gleichen, großen und klaren Druck wie da« Haupt­werk: sein Bilderschmuck aber besteht auSschlirhttch aut den kSNlichcn H.inrich Hosmann'fchen Blättern Der nkbrtgc^rde von 15 Mark tüt ein geschmackvoll gebundene» Exemplar mit Goldschnitt «rmögltcht die Verwendung de» wirklich selten 'schönen Prachlwerke« bet zahl­reichen Gelegenheiten. Er wird ein weiterer Grund dafür sein, daß

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stange eingekeilt oder an einem Stock befestigt waren, und so entstand ein Beil, das nicht nur zum Fällen von Bäumen, sondern auch zum Niederschlagen eines Menschen oder großen Thieres geeignet war. Lanzen- und Pfeilspitzen aus Stein waren seltener im Gebrauch. Dafür eigneten sich besser ge­wisse zugeschliffene Knochen. Derartige einfache Waffen mögen auch bei den Menschen häufiger die Ursache deö Todes ge­wesen sein, als Krankheit oder Altersschwäche.

Die Frau aber mit ihren Töchtern hatte für den Haus­halt zu sorgen und für die Bestellung der geringen urbar gemachten Bodcnflächen. Da wurde gekocht und gebraten, aus Thon einfache Gefäße geformt und diese gebrannt, Wolle und Pflanzenfasern wurden gesponnen und gewebt und daraus Kleider gefertigt, diese auch durch bunte Fäden und Borten verziert.

War aber ein Todesfall eingetreten, so erschallten im Walde weithin tönende SHagclautc und Trauergesänge. Die Nachbarn des ganzen Stammes versammelten sich um die Leiche, diese wurde auf einen mächtigen Scheiterhaufen gelegt, Waffen und Schmuck, sowie Gefäße und Gaben für die Reise nach Walhalla wurden beigegeben, und unter den Klagen der Zurückgebliebenen prasselte die lohende Flamme -zum Himmel. Bon der Leiche blieben nur wenige Knochensplitter, die mit der Asche des Körpers und des Scheiterhaufens in ein großes Thongefäß gesammelt wurden. Dieses fand dann seinen Platz in der Mitte der Brandstelle, die mit einem Ring von großen ^lüiheit umgeben wurde. Dann häufte der ganze Stamm gemeinsam über der Brandschicht Steine und Erde innerhalb deS Steinringes zu einem mächtigen kreisförmigen Hügel.

Nicht an allen Orten und zu allen Zeiten wurden die Leichen verbrannt. Nicht selten auch wurden sie im Walde mit Kleidern und Waffen auf dem gewachsenen Boden, auf dem Rücken liegend, mit einer trockenen Mauer auS großen Steinen umgeben, darüber ein starkes Geflecht von Zweigen oder auch plattenförmige Steine gelegt, Urnen und kleine Gefäße mit Gaben ringsum gestellt, oft auch Topsscherben dazwischen gestreut (wir wiffen nicht, welche symbolische Be­deutung dieselben hatten) und dann ebenfalls wieder der Grabhügel aufgeschichtet.

Derartige Grabhügel,Hünengräber" nennt sie das Volk, sind in einzelnen Theilen des Vogelsberges sehr häufig, namentlich in den äußeren Theilen unseres Gebirgslandes. Aus deut Vorkommen der Hünengräber und ihrer Anzahl können wir einen Schluß ziehen auf die mehr ober weniger starke Bevölkerung einer Gegend in alter Zeit, und wo keine Hünengräber gefunden werden, da war ohne Zweifel gar kein Volk ansässig ober nur in geringster Anzahl. So finben wir von Laubach unb Grllnberg in östlicher Richtung über bie Felbrücker Höhe unb ben Oberwald weg bis in die Gegend von Herbstein gar keine Hünengräber, ohne Zweifel, weil dieser weit ausgedehnte unb unwirtliche Urroalb nicht bewohnt war. Auch in bcm oberen Ohmthal fehlten Be­wohner, währenb im Fulbathal nur einzelne Ansiedelungen sich vorfanden. Nach Süden zu aber schloß sich das lange Thal deö niederen Wassers, der Nidda, mit einer zahlreichen Bevölkerung an. Im oberen Thale der Nidder dagegen waren wieder nur sehr vereinzelte Bewohner und erst in der Nähe deS Austritts der Nidder aus dem Gebirge in die wellige Ebene der Wetterau mehrt sich' wieder die Anzahl der An­wohner in alter Zeit.

Diese Hünengräber mit ihren Beigaben an Thongefäßen, Arm-, Bein«, HalS- unb Kopsringen, Gewandnadeln, Bern steinketten, Thon- unb Steinwirteln, bie beim Spinnen unb Weben, sowie beim Fischen zum Ausspannen der Netze dienten, Waffen verschiedener Art u. a. m. sind nicht die einzigen Ueberrcftc, welche uns von jener fernen Zeit Kunde erhalten haben. Da sind besonders noch die Opfer steine zu er­wähnen, von denen im Laufe der Zeiten die meisten bei Ein­führung des Christenthums zerschlagen worben sind, einzelne derselben aber haben sich erhalten biö auf unsere Tage, wenn auch nicht in unserem Gebiet, obgleich sich mit höchster Wahr­scheinlichkeit solche Opserslätten auch da nachweisen lassen.

Unsere heidnischen Vorfahren verehrten ihre Götter im Walde, der ihr Tempel war. Diese heiligen Haine, die von hochgewachsenen Bäumen gebildet und von Menschenband un­berührt waren, wurden als Wohnstätten der Gottheit an­gesehen, da birgt sie ihr Bild in den rauschenden Blättern der Zweige, da ist der Raum, wo ihr der Jäger baß gefällte

Wild, ber Hirte bie Rosse, Rinder und Widder seiner Herde darzubringen hat. Aber nicht Thiere allein, wie bei den alten Juden, auch Menschen, gefangene Feinde wurden von den alten Germanen ihren Göttern geopfert, doch bie heiligen Haine und die mächtigen Linden und Eichen mit ihren Götter­bildern und Abzeichen sind längst verschwunden. Eine solche Opferstätte war der Bockzal und der Heilluch nahe bei Schotten, beide zugleich der Götterverehrung geweihte, ge­heiligte Friedensplätze. Während der Heilluch, der heilige Wald, im Allgemeinen der Götterverehrung gewidmet war, galt der Bockzal ganz besonder» als Heiligthum de» Gotte» Donar ober Thor, dem Sohne Odin», dem Gotte der physischen unb sittlichen Cultur; er erzeugte die Gewitter und reinigte die Luft und machte die Erde sruchtbar, er begrün­dete und beschützte bas friedliche und sittliche Familienleben. Er ist aber auch der Gott des Zorns unb ber Strafe. So war er hoch unb heilig verehrt; unter mächtigen Eichen stand sein Bild, hier würben ihm die Opfer gebracht. Wamcntlid) ber Bock war ihm geweiht, zog er ja boch auch seinen Götter» wagen. Die Schwänze aber der geopferten Böcke wurden an ben Stämmen ber Eichen aufgehängt. Unb diese durch unmeßbar lange Zeit im Herzen deö Volke» seitgeimtrzelte Anschauung wurde auch nicht durch die Einführung de» Ehristenthums rasch beseitigt- sie erhielt sich yierft öffentlich, und al» die Macht der christlichen Priester soweit gefrhtgt war, baß sie mit Strafen gegen heidnische Gebräuche Vor­gehen konnten, so wurde noch heimlich in der Nacht ber Eultu» deS Donnergottes unter ben Eichen bei ben Bock»- schwänzen weiter erhalten, bi» er langsam nach und nach er­losch. Nichts hat sich bavon erhalten al» der Name- an» Bocksschwanz, alt Bockzagel, ist allmählich da» unverständliche Bockzal geworden.

Der Name deS Dorfes Götzen bei Schotten aber hat nichts mit der altheidnifchen GStterverehrung zu schaffen.

(Fortsetzung folgt.)