Nr. 6L AweiteS Blatt
Sonntag den 12. März
1893
a.
statt.
2347
w* inneren nneskirche.
UM
jwje: baar 25 W. lug°ft° R°ll „jum eine goldene
x baat 20 Mk.
und Frau eine Wetth von 100 M. n nnd grau: eine M Tablettendeckchen
stein-Bergwerk), durch zur Stiftung des itftudaU Rückwand en, und zur Stiftung eche, mit Glasmalerei, ur demnächstigen Bc- r 100 M.
n wir auch auf dieser netten wir, daß n% cd Stiftungen banfbat ar sein muffen, um jt m lenntnitz geben wollen, Meister sichere Unte?
siirchenvorfiand: mann.
nW
ncii6
838 gegründeten, bei bietenden
Halt in M ttsicherung' und franco durch dm
Sehr»«-«esM .
Vogel, Dammstraß- --
klO.4*
-9T.20 93.08 21.50 6020
Ml-Üst.
1883.
92.58
AZ M i*2 iii-X 65.80
,oltr-9ltnU tcntt ^Mnopoi'^
’tüX
M
•ä*
---.---
heutigen * 2391
•er
MHI 'N *M*tt aWjnnt täglich, ■M lulna^mt bei •tonte gl
Mc Oirtzener »•«utteirattei Mrttn ttui »4ch«Utch buleel bdyltft
Gießener Anzeiger
Kmerat-Unzeiger.
8iert«ltähn-rr JHeewmreUytete i 2 Merk 20 Ptg. vr? Hringrrlobn
Durch dir Post bt)»f - 2 Mark 60
«Partien, mib Drudnti.
%tMk»rr$rr 61
Amts- und Anzeigeblntt für den Avers Gietzen.
•eeelee «-zeigt» |u ber «schmMagl für bei taltmbru Lag erfcheinmbrn Wummtr btl Bore, 10 llh«.
We=^l-.’JA1 a—fTWLL. ■-«■'. 'L ----
Hratisöeikage: Hießener Kamikieuökätter.
--LMIA-.'-lJ - „.IMJIBUUJ1 ' —IJ.
All- «ttnoRCttuButtauF bei In- trab «aMasbei »etzm« «n|Hgfb für bei «»,tiger' tntflfgre
n»etlicher Theil.
Bekanntmachung,
betreffenb den Ankauf von Remonten im Jahre 1893.
Nachstehende Bekanntmachung des Königlich Preußischen Krieg-Ministeriums, RemontirungS-Abtheilung, bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntniß.
Gießen, den 9. März 1893.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Bekanntmachung,
den Ankauf von Remonten für 1893 betreffend.
Zum Ankäufe von Remonten im Alter von drei und ausnahmsweise vier Jahren sind im Bereiche des Großherzog- hums für dieses Jahr nachstehende, Morgens 8 Uhr beginnende Märkte anberaumt worden und zwar:
am 6. Mai Lampertheim,
„ 8. „ Bickenbach,
„ 9. „ Groß-Gerau,
„ 10. „ Gernsheim,
„ 12. „ Reinheim,
„ 13. „ Rieder-Wöllstadt.
Die von der Remonte-Ankaufs Commission erkauften Pferde werden zur Stelle abgenommen und sofort gegen Quittung baar bezahlt.
Pferde mit solchen Fehlern, welche nach den LandeS- gesetzen den Kauf rückgängig machen, sind vom Verkäufer gegen Erstattung des Kaufpreises und der Unkosten zurückzunehmen, ebenso Krippensetzer und Klophengste sowie Wallache mit ausgeprägter Hengstmanier, welche sich in den ersten zehn bezw. achtundzwanzig Tagen nach Einlieferung in den Depots als solche erweisen.
Pferde, welche den Verkäufern nicht eigentümlich gehören oder durch einen nicht legitimirten Bevollmächtigten der Commission vorgestellt werden, sind vom Kauf aus- geschloffen.
Die Verkäufer sind verpflichtet, jedem verkauften Pferde eine neue starke, rindledcrne Trense mit starkem Gebiß und eine neue Kopfhalfter von Leder ober Hanf mit zwei minbestens zwei Meter langen Stricken ohne besondere Vergütung mitzugeben.
Um bie Abstammung ber vorgeführten Pferbe feststellen zu können, sinb bie Deckscheine rsep. Füllenscheine mitzubringen, auch werben bie Verkäufer ersucht, bie Schweife ber Pferbe nicht zu coupiren ober übermäßig zu verkürzen. Ferner ist es bringenb erwünscht, baß ein zu massiger ober zu weicher Futterzustanb bei ben zum Verkauf zu stellenden Remonten nicht stattfindet, weil baburch bie in ben Remontebepots vor- kommenben Krankheiten sehr viel schwerer zu überstehen sinb, als bies bei rationell unb nicht übermäßig gefütterten Remonten ber Fall ist. Die auf den Märkten vorzustellenden Remonten müffen daher in solcher Verfaffung fein, daß sie durch mangelhafte Ernährung nicht gelitten haben und bei der Musterung ihrem Alter entsprechend in Knochen und Muskulatur ausgebildet sind.
Berlin, den 25. Februar 1893.
Königlich Preußisches Kriegsminifterium; RemontirungS- Abtheilung.
(gez.) Hoffmann-Scholtz.
Zur Hebung der landwirthschaftlichen Ausfuhr.
Die mächtige Reformbewegung, welche durch die Gründung des „Bundes der Landwirthe" in den Kreisen unserer Ackerbau treibenden Mitbürger hervorgerufen worden ist, hat auch die Förderung der landwirthschaftlichen Ausfuhr als eine wichtige Forderung aufgestellt, und in Hinblick aus den internationalen Character des Güteraustausches kann man dieses Bestreben der Landwirthe nur billigen, denn die vermehrte Ausfuhr landwirthschaftlicher Producte würde ja nicht nur den Land« wirthen, sondern auch dem Handel und Verkehre Nutzen bringen. Nun liegen aber leider für die Landwirthschast in Deutschland die Verhältniffe für die Ausfuhr theils so ungünstig, theilS so schwierig, daß eine Vermehrung der Ausfuhr von Producten der Landwirthschast nur dann erreichbar ist, wenn die Genossenschaften ber Landwirthe das Augenmerk ihrer Mitglieder nur auf ganz bestimmte zur Ausfuhr lohnende Erzeugnisse lenken. Auf eine Ausfuhr deutschen Getreides ist gegenüber den günstigeren Productionsbedingungen des Auslandes fast gar nicht zu rechnen, höchstens daß gute deutsche Maare zuweilen in kleinen Posten ausgeführt werden kann. Ganz ähnlich liegen auch die Verhältnisse für den Viehexport, obwohl sich derselbe noch eher wieder heben kann, da die Vorzüglichkeit der deutschen Mastochsen und Mastschafe in Frankreich und England anerkannt wird. Am Günstigsten
liegen noch die Exportaussichten für die Kartoffeln, welche in Deutschland im Allgemeinen vorzüglich gerathen und durch rationelle Cultur noch großer Steigerungen in Bezug auf Qualität und Quantität fähig sind, und für den aus den Kartoffeln zu gewinnenden Spiritus. Für den deutschen Spiritus müsse daher vor allen Dingen die Handels- und Mirthschastspolitik beffere Ausfuhrbedingungen zu gewinnen suchen. Von noch größerer Bedeutung für den landwirth- schastlichen Export ist aber die Hebung der Zuckerausfuhr, welche leider durch Handelskrisen und Ueberproduction bedeutend gesunken ist und deshalb die Rente aus den Zuckerrübenfeldern bedeutend geschmälert hat. Auch sei erwähnt, daß Deutschland ea. 60 Millionen Mark mehr für Obst, Hanf, Flachs und Eier im Jahre an das Ausland bezahlt, als wir für diese von uns ausgeführten Produete vom Auslande bekommen, daß also zur Hebung der landwirthschaftlichen Ausfuhr auch Hanf- und Flachsbau, Obstzucht und Eierproduetion empfohlen werden kann.
- 1 1 ■ --------- ------------
Locales rind provinzielles.
Gießen. 11. März 1893.
** Das neue Frachtbriefformular, welches am 1. Januar ds. Js. zur Einführung gekommen ist, und gegenüber dem früheren mancherlei A en derungen mit sich brachte, gibt zuweilen noch zu Mißverständnissen im Handelsstande Anlaß, welche jedoch größtemheils daher rühren, weil die hierauf Bezug habenden Bestimmungen der neuen Verkehrsordnung dem Publikum nicht genügend bekannt sind. Am Meisten wird beanstandet, daß es nach den neuen Bestimmungen nicht mehr möglich ist, die Sendungen durch Angabe des MertheS gegen Beschädigung oder gänzlichen Verlust zu schützen und eine Rubrik im Frachtbrief hierfür vollständig fehlt, eine Werthversicherung daher überhaupt nicht mehr zulässig ist. Trotz gänzlicher Aufhebung dieser bisherigen Bestimmung hinsichtlich der Werthversicherung ist die Garantieleistung der Eisenbahnen gegenüber dem Publikum nicht im Geringsten vermindert. Es muß im Gegentheil zugegeben werden, daß das Reclamationswesen in dieser Hinsicht durch die hieraus Bezug habenden Bestimmungen der neuen Verkehrsordnung eine weit bestimmtere und für das Publikum eher günstigere Regelung erfahren hat. Die hierfür maßgebenden Bestimmungen nach den verschiedenen Paragraphen einzeln aufzuführen, gestattet der Raum nicht, im Allgemeinen dürfte jedoch das Nachfolgende genügen. „Die Eisenbahnen sind
Feuilleton«
Geschichtsbilder sus dem Vogelsberg.
Von Dr. (5. L. Otto.
I.
Aus der Heidcnzeit.
Lassen wir jetzt unseren Blick von einem hohen Punkte des Vogelsberges über die weite Gegend hinschweifen, so begegnen wir ausgedehnten Waldflächen, die unterbrochen sind von wohlangebauten Feldern oder weiten Triften, auf denen zahlreiche Viehherden würzige Nahrung finden. Zahlreich sind die in den Thälern zerstreuten Dörfer mit ihren bescheidenen Wohnhäusern, Ställen und Scheunen und ihren genügsamen, oft recht dürftigen Bewohnern. Mit Mühe und Sorgen ringt der Bauer dem steinigen Boden die für das Leben nothwendigsten Bedürfnisse ab, und das ungünstige Klima erschwert ihm diesen Kampf um das Dasein noch mehr.
Wie ganz anders aber sah unsere Gegend aus, wenn wir uns in frühere Zeiten versetzen, wenn wir zurückschauen ans den Vogelsberg vor ungefähr 2000 Jahren.
Da war die weite Gegend bedeckt mit endlosem Urwald, der sich weiter erstreckte, als jetzt unsere Blicke zu schweifen vermögen. Vorwiegend Eichen und Buchen bildeten denselben, doch traten dazwischen auch andere Laubbäume, selten Nadelhölzer auf; darunter waren riesige Stämme, die, wenn sie altersschwach vom Sturme gebrochen oder vom Blitz zerschmettert waren, an derselben Stelle auch vermoderten und der jungen Saat wieder als Pflanzbeet dienten.
Nur an wenigen Stellen durchzogen den ungeheuren Wald schmale Pfade, die von dem zahlreichen Wild getreten waren, aber auch von den wenigen Menschen benutzt wurden, die da und dort in einzelnen Waldblößen ober am Raube ber felSbebeckten Triften sich niebergelafsen hatten unb vorwiegend von Jagd und Viehzucht lebten.
Die Bäche durchzogen bie Thäler wie noch jetzt, aber oft traten sie aus ben Ufern unb setzten die Niederungen weithin unter Wasser. So entstanden tückische Sümpfe, die
selbst für vieles Wild nicht zugänglich waren. Nur für bie zahlreichen Wilbschweine bildeten ihre Ränder ben begehrtesten Tummelplatz, auch der Auervchs unb bas Elenn suchten sie mit Vorliebe auf, aber ber Bär unb ber Wolf, ber Hirsch unb bas Reh mieden solche nassen Stellen.
Minder zahlreich als das Wild fand sich im Walde der Mensch. Von unseren Vorfahren in jener fernen Zeit macht man sich gewöhnlich ein ganz falsches Bild. Auch schon vor länger als 2000 Jahren waren die Bewohner des Vogelsberges, wenn auch nicht auf einer hohen Stufe ber Cultur unb Gesittung, aber weit bavon entfernt, halbnackte Wilbe zu fein. Zwar war bie Kleibung einfach, genügte aber, gegen bas rauhe Klima zu schützen. Bei Männern unb Weibern beftanb sie mit wenigen Unterschieben aus Hemb, Leibrock, Hosen, Mantel unb Schuhen unb war vorwiegend aus selbstgesponnenem unb selbstgewebtem Linnen gefertigt; Pelzwerk würbe fast nur zum Schmuck verwenbet. Bei ben । Freien würben bie Haare lang unb unverschnitten getragen unb sorgfältig mit dem Kamm geglättet. Quellen, Bäche unb Teiche gaben Gelegenheit zur Körperpflege unb Reinlichkeit auch im Winter.
Nur ausnahmsweise bewohnte ber Mensch Höhlen, um deren Besitz er vorher mit den wilden Thieren einen Kamps zu bestehen hatte. Selten auch grub er sich Erdlöcher als Wohnstätten, die er mit Stämmen unb Aesten überbeefte. Meist besaß eine Familie eine Hütte einfachster Bauart, wie sie auch jetzt noch bei Naturvölkern gefunben wirb. Leicht würbe sie aus Balken und lockerem Flecht- unk Fachwerk errichtet unb mit Moos unb Lehm gebichtet, leicht aber auch wieder verlassen, um an einer anderen Stelle wieder errichtet zu werden.
Die Grundform war kreisförmig ober viereckig, Stroh unb Schilf bilbeten bas Dach, durch welches ber Ranch des fast nie verlöschenbcn Feuers seinen Abzug fanb. Es brannte auf bem aus roh aufeinander geschichteten, plattenförmigen Steinen errichteten Herbe, ber zugleich Hausaltar war. Hier bereitete auch bie Hausfrau die einfachen Speisen. Nahebei, dem Eingänge gegenüber unb um einige Stufen erhöht, stand ber Hochsitz des Familienvaters. Das Hirtenzelt anberer
Naturvölker aus Stangen unb Häuten war unbeweglich geworben, aber nicht so fest, um bie Bewohner bauernb an bie Scholle zu binben. Nur kleine Strecken Walbboben waren nahebei umgebrochen zum Zwecke einfachsten Ackerbaues, ben bie Weiber besorgten. Nur wenige Nahrungspflanzen würben gezogen. Die meiste Nahrung bot bas Fleisch ber erlegten Thiere, boch würben auch nicht die Früchte bes Walbes, Beeren, wilbe Aepfel unb Birnen verschmäht ; ber Honig ber in hohlen Bäumen hausenden wilden Bienen lieferte den Stoff zur Bereitung eines wohlschmeckenden, berauschenden Getränks.
Hier lebte der alte Germane mit Frau unb Kinbern für sich. Die Nachbarn wohnten weit auseinanber, nicht in geschlossenen Dorfgemeinben. Die Jagbgründe ber Umgegenb boten ben Männern reiche Beute; bas Fleisch bilbete ben Haupttheil ber Nahrung, bie Felle bienten zur Bekleibung ber Wohnräume unb ber Lagerstätten. War ber Mann nicht auf ber Jagb, fo bereitete er seine Waffen vor, ober er lag auf ber Bärenhaut und erfreute sich mit den Nachbarn am Methgenuß und Würfelspiel. Doch auch die Dichtkunst wurde gepflegt und ben Gesängen gelauscht, welche bei Harfenklang die Heldenthaten der Vorfahren verherrlichten. Bei besonders festlichen Gelegenheiten erfreute man sich auch am Schwerttanz der Jünglinge; war er doch für sie eine Schule der Gewandheit, der Geistesgegenwart, der Tapferkeit und der Uebung in den Waffen.
Diese bestanden nur ausnahmsweise aus Metall. Gcweih- stücke, Knochen und große Zähne wurden zu Waffen unb wohl auch zu Schmuckgegenstänben verwenbet. Für letztere wurden aber vorwiegend kostbare Bronceringe verwenbet unb biete um ben Hals, um Arme unb Knöchel gelegt ober in ben Ohren befestigt. Spangen von kunstvollem Bau schlossen bie Grwanbtheile auf bet Brust. Nur ausnahmsweise verirrte sich auf ben Hanbelswegen ber geschätzteste und werthvollste Schmuckgegenstand, ber Bernstein, bis in ben Vogelsberg.
Aber bie am häufigsten benutzten Waffen unb Werkzeuge bestauben aus künstlich zugeschliffenen Rollsteinen bes nächsten Flusses ober Baches, bie geschickt in die Krone einer Hirsch


