Ausgabe 
12.2.1893 Drittes Blatt
 
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zur Zett an der Berliner Börse etn besonderer Sport getrieben wird, und die zu werten ganz phantostl'che Projecte zum Gegmstand wählen.

Im M ntanmarkt Hal stch die Stimmung weiter »erbessert zum großen L hell teßhalb" weil die Zveifel, die man hinsichtlich der Bildung d<- KohlenfyndicatS noch gedegl hat, mehr unb mehr geschwunden sind- Nur an emlgen Zagen legte die be- aofichtigte Ermäßigung der Eokespreise einige Zuiückhaltung out; und da- ist vlei- lcrch! dankbar zu begrüßen, da man In der Genugrhuung über bat Zustandekommen bf» SondtcatS ganz zu vergessen scheint, daß dieses auf geraume Zett hinaus keine Erhöhung der ^ohlenpreite wird bewirken können, well die Production in der Haupt­sache auf lanze Termine verschlossen ist. Nicht wenig tragen auch die stimultrenden Gerüchte welche über die Aussichten des deutsch-russischen Handelsvertrag» in Um­lauf kommen, zur Le'eftigung der Stimmung im Momanmarkt der. Dieselben | wütfli namentlich auf E senwerthe, denn man hofft gerade für dies«, ^nbuftrie« 1 zweig erhebliche ErpoNerleichterungen w erwirken. In wie weit die» der yaU tetn > wird, muß bahingenellt bleiben, denn die Gerüchte sind vollständig unconttollrrbar; 1 ober e» ftebt zu befüichten, daß auch hier die Hoffnungen über da» Ziel htnautz- schießen. Jedenfalls sollten bte Erfahrungen, die man mH der Wirkung früherer Handel»oerrräge gemacht hat, nicht vergessen werben; unb ebenso könnte batz Studrum de» Semestralderichtc» der LaurahüNe etwa» zur Ernüchterung beitragtn.

Die Eourfe weisen durchweg und theilweise sehr beträchtliche Eihödungen auf. Am meisten vielleicht im Montanmarkt, aus dem Bochum r 10 7e. Laura 3*/», Gelsenkirchener 5 «7», Hat pener und Hibernia tio/o und Eoncorbia gar 15«/, ge­wonnen haben. Mit dem Bochumer Verein beichäfttgten sich die erwähnten Fusion», projecle mit Vorliebe, unb baher rührt deren große Steigerung. Eoncordm- Lergwerk Actien verdanken ihre Wertherhöhung einem über Erwarten gunfttgen 3a^t93mdSanrenmarft beschräokte sich die Bewegung anfänglich saft ausschließlich auf Dteconlo-E ommandit Anthelle, erst später kamen die anderen Actien nach, ne stehen aber heute, wo» die Höhe der Gewinne anbelangt, hinter den ersteren kaum zurück. Im Durchschnitt beträgt die Steigerung etwa 34°/, für die sog. führenden Actien. Bemerkenswerth ist aver, daß auch eine Reihe von Easiawerthen rletnctc Gewinne zu erzielen vermochten. Die Wiener Actien lagen ausiälllgerweise etwa» schwerfällig und konnten mit bet Werthsteigerung bet brutschen Aktien nicht schritt halten; erst am Freitag vermochten O'TCbit eine Steigerung zu erzielen, die fast bereu ganzen Wochengewtnn auSmacht. , u, .. .

Die feste Haltung ber östlichen Bahnen ist auf die etoabnlat deutsch- russischen HanbelSvertragSverhanblungen zurückzuführen. Im Uebrigen fand aber baS Gebiet ber lTan»porte am wenigsten Beachtung unb schweizer Bahnen lagen sogar an verschtebenen Tagen in Erwartung ungünstiger Betriebsausweise ausgesprochen schwach.

Im Rentenmatrt übten der große Erfolg der Eonversiouen unb bte fort­dauernden Käufe die günstigste Wirkung. Die Emissionen, welche die Woche gebracht hat, wurden in fast allen Fällen vielfach überzeichnet, unb selbst bte eubkdption der Bulgaren-Anleihe scheint ein günstiges Resultat gehabt zu haben. Sehr bc« merkenSwerth ist, daß die Nachffage stch wieder mebr den 3Ve «/otflen Werthen^ zu- menbet unb bie Eourse derselben thellwerse sehr beträchtlich in die Höbe treibt. L bne Zweifel wird btefer TypuS in der nächsten Zell wieder größere Bedeutung ge- , wtnnen, als er in den letzten Jahren gehabt hat.

Börsenwocdenbericht

?on E. WasserNtiileben, Bankgeschäft.

An ber Börse hat sich In der vctflosienen Woche eine außerordentliche Festig­keit entwickelt, und es berrschte eine gehobene Stimmung und eine Zuversicht, wie man sie seit Jahren nicht gekannt hat. Der Grund derselben liegt ncmentltd) in Der Wahrnehmung, daß der Börse wieder au8 Kreisen des Publikums größere Auf- träge zufließerr. Diese Erscheinung ist allerdings schon in den vorhergegangenen Wochen hei vorgetruen, ohne solche nachhaltige Wirkung auf die Tendenz auszuüben, aber die Aufmerksamkeit wurde diesmal in erhöhtem Maße auf sie dingelenkt durch Berichte auS Bankkrersen, welche das starke Anwachsen der Aufträge besonders betonten und zugleich anfügten, daß es in der letzten Zest möglich gewef.n fei, alle feit Iah, en unverkäufliche Effec'enbestände zu steigenden Eourfen loszufchlagen. Es ist nicht zu bezweifeln, daß diese Angaben auf Wahr bell beruhen, denn die Ver­legenheiten, eine irgendwie annehmbare Anlage zu finden, sind zur Zeit außer­ordentlich groß und sie drängen daS Publikum zuletzt «otbgebrungen wieder auf Anlagen, die cs noch vor Kurzem selbst bei billigeren Eourfen weit von sich gewiesen Hal. Ist doch sogar schon wieder zu bemerken, daß Jndustrieaclien vom Publikum al» Anlagewerthe gekauft werden. Etz kann kein Zweifel darüber berrschen, daß der BIitzw^chiel, zu welchem die öfterreich,ich ungarischen Conoerfionen Anlaß bieten, zum größten Tbeil diesen dringenden Anlagebedarf verursacht hat, und eS wleder- bolt sich also hier die Erscheinung, die noch bei jeder Eonversion zu beobachten war, daß derartige Finanzoperationen stets eine Zeit lebhafter Börfenbeweaungen im Gefolge haben, bie letbtr m gar vielen Fällen zu AuSfchreilungen unb fchweren Rückichlägen geführt bat. Daß bietz auch gegenwärtig der Fall fein könnte, ist nicht zu befürchten, bazu stehen bie Erinnerungen an bte erlittenen Ver'n'ie noch zu irisch im Gebächtniß und verbürgt dies auf der einen Seite die Solidität der Be­wegung, so wirb etz auf ber anberen Seite doch auch wieder dahin wirken, bah nach Befriedigung de« gegenwärtigen Anlagebedarfs batz Gefchäll auch wieder in stillere Bahnen einlenkt und nicht zu einer ähnlichen Periode gesteigerter Emiffions- tdätigkeit Deranlaffung glebt, wie dies bei früheren Eonversionen ber Fall war. 5)er SanguiniSmus der Börse sieht freilich über solche tieferliegerde Behältnisse gern hinweg. Man ergiebt sich ganz den Illusionen, welche der gegenwärtige stottere Geschäftsgang hervorzurufen geeignet ist. glaubt jedenfalls baft Schwerste überwun­den und schenkt daher auch den Abschlüssen der Banken keine Beachtung, die von dem starken Rückgang der Umsätze und der Ertragfähigkeit des Bankgeschäfte» «n fo beredtes Zeugniß ablegen. Man wird bte« nachholen müssen, wenn da« Geschärt wieber in ruhige Bahnen eingelenkt ist. Ein weitere«, sehr starke« Simulation^ mliiel liegt in dem günstigen Verlauf der österreichisch-ungarischen Eonversionen. Nach bisher vorliegenden Meldungen fallen über 90»/o ber aufgerufenen Anleihen jur Eonversion gekommen fein. Da« ist ein sehr günstige« Resultat, spricht aber natürlich nicht gegen bte Wahrnehmung, baß viele beutsche Besitzer den Verkau vorgezogen baden. Der größte Thetl diese« verkauften Material» wird nach Oester­reich geflossen sein, und bte dortigen Käufer waren zur Eonversion gleichsam gezwungen, weil ber Wiener Markt, besten Verkehr sich fast ausschließlich auf heimische Wert he beschränkt, keinerlei concurrenzfähige Anlagen aufweift. Trotzdem bedeutet da« Resultat ber Eonversion noch nicht, baß bte conoertirenben Staat«- Gläubiger nun auch thatfächlich Besitzer ber Anleihen bleiben wollen. aber auch wenn erhebliche Beträge derselben zum Verkauf kommen sollten, so rotrb bie« vor. aussichtlich auf bie Eourse bcrfelbcn wenig Eindruck machen, denn bie große Eopital- traft ber emitttrenben Gruppe unb ihre geschickte Leitung, bte sich wohl bewußt ist, daß allein steigende Eourfe die Anleihen populär machen können, bürgt dafür, das der gegenwärtige EourSstand zum mindesten behauptet bleibt. Der Erfolg der Eonversion Ist ed, ber namentlich bem Eour« ber Dikconto Eommanbit Antheile zu Gute kommt, aber auch hier scheinen sich Ueberlreibung<n geltnib zu machen, benn 1 schwerlich wird bie Gesellschaft in der Lage sein, auf diesen Erfolg hin die Divi herbe um 2°/o über die ursprüngliche Schätzung zu erhöhen. Die btetzbezügltchen Gerüchte sind jeb.nsall« febt mit Vorsicht aufjunebmen, denn sie sinb offenbar nur - erfunden, um bte gegenwärtige Bewegung weiter zu schüren. Denselben Zweck verfolgen offenbar auch bie Gerüchte über Fusionen großer Gesellschaften, mit oenen

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97.

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154 80

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