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Sonntag den 12. Februar
nt. 37 Drittes Blatt
Anrts- und Airzeigeblatt für den Kreis Grenzen.
chratisbeitage: chießener Kamikienökätter
)ick von 8 bis 9 Uhr unO 12 bis 4 Uhr, in Friedberg auf
Provinzen (Verwaltungsgesetz).
11 bis 4 Uhr, in Butzbach ebenfalls auf 8 bis 9 und 1H bis 4 Uhr gelegt. Der andere Theil der Commissionsmitglieder wünschte an dem bisherigen Ortsstatut nicht zu rütteln und legt großen Werth auf die Einheitlichkeit der Bestimmungen. Von den Vertretern der Manusactur- waarenbranche wurde nut Wärme für die Ausdehnung der Verkaufszeit bis 4 Uhr eingetreten- sie bezeichneten diese Stunden für ihre Branchen als unerläßlich, wenn sie ein Geschäft machen wollten, sie bedürften der Eigenartigkeit der Branche wegen zusammenhängender Stunden- die Vertreter der Colonialwaarenbranche wünschen, falls eine Abänderung des Ortsstatuts beschlossen, die Zeit von 8 bis 9 und von V212 bis 3 Uhr, im übrigen möge es tote seither belassen werden. Der Vertreter der kaufmännischen Angestellten legte in der Commission Gewicht darauf, daß den Gehilfen in den offenen Geschäften möglichst dieselbe freie Zeit und Gelegenheit, sich zu erholen, gegeben werde, wie den Gehilfen in den Comtoirs. Es wurde in der Commission nach eingehender Berathung auf Antrag des Herrn Stadtverordneten V o g t beschlossen, bei der Stadtverordneten- Versammlung zu beantragen, das Ortsstatut so zu belassen, wie es zur Zeit in Kraft ist. Betreffs der Ausnahmebestimmungen für Cigarrengeschäfte wurde eine Resolution gefaßt, dahin gehend, daß die diesen gewährte Bevorzugung aufgehoben werde, da sonst die Geschäfte, welche auch Cigarren führten, benachteiligt würden. Dem Wunsche der Conditoreien gegenüber, daß ihnen das Offenhalten bis 4 Uhr (also auf weitere zwei Stunden) gestattet werden möge, hat. die Commission die Ansicht ausgesprochen, daß auch die Conditoreien nur bis 2 Uhr offen halten dürften. Herr Beigeordneter Georgi bemerkt in Darlegung seines Standpunktes, daß er die Beschlüsse der Commission bedauere- ein Ortsstatut sowie das in Rede stehende könne nur dann werthvoll sein, wenn es allen Verhältnissen, besonders aber den örtlichen, Rechnung trage- diese Berücksichtigung der Verhältnisse lasse das Gießener Ortsstatut vermissen, in Friedberg und Bingen verstehe man die Verhältnisse der einzelnen in Betracht kommenden Interessenten wohlwollender zu vereinen, als dies hier geschehe. — Herr Oberbürgermeister Gnauth bemerkt, was oie bevorstehenden Berathungen betreffe, so würden die Anträge so zu ordnen sein, daß alle Anträge auf Aenderungen oder Zusätze zu dem Ortsstatut zuerst zur
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Bnngeclot;n.
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Zchulßratz« Kr.H.
Ferntprechrr 61.
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Cocates unfc provinzielles.
Gießen. 11. Februar 1893.
— Sitzung der Grohherzoglichen Handelskammer vom 7. Februar 1893. Anwesend waren bte Herren Scheel, Com- merziHnrath Gail, Katz, Klingspor, Kraatz, Wortmann. Seitens der Handelskammer zu Halberstadt ist der Kammer eine an den Herrn Minister für öffentliche Arbeiten in Berlin gerichtete Eingabe, in welcher beantragt wird, überall, wo Bezirks- oder Orts - Fernsprech-Einri chtungen bestehen, auch die Eil und Frochtgut-Absertig- ungsstellen an die Fernsprechstellen anzuichließen, zur Unterstützung übersandt worden. Die Kammer beschließt, sich diesem Anträge unterstützend anzuschließen. — Das Großherzogliche Ministerium des Innern und der Justiz theilt unter Bezugnahme auf Art. 9, Absatz 4, des Handels- und Zollvertrags zwischen dem Deutschen Reiche und der Schweiz vom 10. De- cember 1891 (Reichsgesetzblart 1892, Seite 195) der Kammer ein Verzeichniß der in der Schweiz zur Erthei- lung von Gewerbe - Legitimationskarten befugten Behörden mit. Interessenten können dieses Verzeichniß auf dem Bureau der Kammer einsehen.
nn. Darmstadt. 10. Februar. Zweite Kammer der Stände. Die Generaldebatte über das Kunststraßengesetz wird heute fortgesetzt. Abg. Möhn wendet sich mit Entschiedenheit gegen die Ausschußanträge, aber auch gegen die Vorlage der Regierung, welche ihm nicht die Gewißheit biete, daß mit den Kreisstraßen auch die Staatsstraßen auf die Provinz übergehen sollen. Abg. Gutfleisch glaubt, die Stimmung im Hause sei der Art, daß die Kunststraßen der Selbstverwaltung erhalten bleiben sollen - es liege kein Grund vor, diesen dieselbe zu entziehen. Er ist auch dafür, daß die Staatsstraßen der Selbstverwaltung überwiesen werden. Sympathischer scheine ihm die Erklärung der Regierung, einen einzigen Straßenverband für das ganze Land zu bilden. Ebenso sei die Trennung des Hochbauwesens vom Straßenbauwesen erforderlich. — Abg. Haas spricht für den Ausschußantrag. — Ministerialrath Schäffer gibt Erläuterungen über die Verhältniffe des Straßenbaues in Baden und Württemberg. — Für den Ausschußantrag sprechen noch die Abgeordneten Mö Hing er und Berg st räßer. — Abg. Haas weist die Behauptung des Abg. Ullrich aus der gestrigen Verhandlung zurück, als feien die Mitglieder des KreiS-
। ausschusses Kopsnicker, welche mit dem Kreiöratbe durch Dick 1 und Dünn gingen. Ebensowenig sühre der Kreisrath eine Paschawirthschast. Es erfolgte hierbei eine heftige persönliche Auseinandersetzung zwischen den Abgeordneten Haas und Ullrich über diesen Vorwurf der Kreistagsabgeordneten. — Staatsminister Finger plaidirt nochmals sür die Vorlage der Regierung. — Abg. M öllinger als Berichterstatter gibt einen historischen Ueberblick über die Entwickelung des hessischen Straßenbauwesens vor 1881 und spricht gegen die Regierungsvorlage, welche keine Verbesserungen der jetzigen Zustände herbeiführe. Bei der nun stattfindenden Abstimmung ergibt es sich, daß zunächst die Ausschußanträge mit 23 gegen 19 Stimmen, sowie die Regierungsvorlage einstimmig von der Kammer abgelehnt werden. Damit ist das ganze Gesetz gescheitert. — Morgen früh erfolgt Berathung des Gesetz- Entwurfs über die innere Verwaltung rc. der Kreise und
Gießener Anzeiger
Kenerat-Anzeiger.
Sitzung -er Stadtverordneten
am 9. Februar 1893.
(Fortsetzung.)
Bevor in die Verhandlungen über die von Seiten der Manufacturwaaren-, Kurz-, Wollwaaren- und Kleiderhändler beantragte Verlängerung der Verkaufszeit an Sonn- und Festtagen und demzufolge Abänderung des Ortsstatuts, betreffend die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe, eingetreten wurde, erstattete Herr Beigeordneter Georgi Bericht über die Verhandlungen und Beschlüsse der Sonder-Commission. Herr Georgi bemerkte, daß von Seiten einer anderen Partei, welche ca. 180 Firmen repräsentire, ein Gesuch eingegangen sei, dahin gehend, es möge entgegen dem Anträge der Manufaeturisten auf Verlegung der Verkaufszeit auf die Stunden von ya 12 bis 4 Uhr, beschlossen werden, entweder es bei den seitherigen Bestimmungen zu belassen, oder es möge die Verkaufszeit auf die Stunden von 8—9 Uhr Vormittags und 11 bis 3 Uhr Nachmittags gelegt werden, ohne einigen Branchen besondere Vergünstigungen durch Verlegung der Verkaufsstunden auf spätere Zeit zu gewähren. Was die Verhandlungen der Commission betrifft, so erkannte ein Theil ihrer Mitglieder die Berechtigung der Wünsche der Manufaeturisten an- es seien in Bingen die Verkaufsstunden auf die Zeit
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abmt »ob AnzrigeN ju der NachmittaS» sür ba ■tumben Zag ^scheinenden Nummer bil Bor«. 10 Ubi.
Der
^wiener «Miete« erscheint täglich, rott Ausnahme de- Montags.
Die Gießener
werben dem Anzeiger Amtlich dreimal Ltiyltgt
Feuilleton.
Meine erste Reise.
Humoreske von Herm. Streich.
(Fortsetzung.)
„Sie scheinen sehr ermüdet zu sein,'soll ich Ihnen Ihr Zimmer zeigen?" frug der Gauner weiter.
„Ach," dachte ich, „die können nicht erwarten, bis sie mein Geld haben."
Ich beantwortete auch diese zweite Frage mit Ja, obwohl mir das Wort beinahe in der Kehle stecken blieb. Ich glaube, ich hätte in meiner Herzensangst auch ja gesagt, wenn er mich gefragt hätte, ob ich der Sultan von Fez und Marokko wäre. Dann ließ ich mich von dem Wirth in die für mich bestimmte Stube führen, sie lag hoch oben im zweiten Stockwerk - dabei kam ich mir vor wie ein Verbrecher, den man zum Schaffst bringt, oder — bester gesagt — wie ein Schaf, das man zur Schlachtbank führt.
„Sie haben da ein nettes Sümmchen Geld," meinte der Besitzer der Mördergrube, indem er mit der Hand auf meine Geldkatze klopfte, daß die Thaler darin kimperten und mir der kalte Angstschweiß auf die Stirne trat.
„Na, gute Nacht, schlafen Sie wohl!" rief der satanische Mensch bann und verschwand mit einem freundlichen Lächeln.
Jawohl, gute Nacht — gute Nacht, Welt! hieß es jetzt. Hahaha, schlafen Sie wohl, ja, wohl schlafe ich wohl, den ewigen Schlaf!
Schnell schloß ich die Thür, verriegelte dieselbe, thürmte bann das ganz bescheidene Mobiliar des Stübchens, bestehend in Bett, Tisch und zwei Stühlen, vor der Thür auf und setzte mich zuletzt selbst auf die Barrikade. Freilich war diese ganze Schutzvorrichtung ziemlich problematischer Natur, denn wenn sich die fünf handfesten Kerle gleichzeitig auf die Thüre werfen, ist es um mich geschehen. Aber man hat sein bischen Leben eben zu lieb, um nicht alles zu seiner Erhaltung zu versuchen, ein Ertrinkender greift ja sogar nach einem Strohhalme.
Was wird das Haus Eberhard Christoph Winkler Söhne von mir denken, wenn ich mit dem vielen Gelde spurlos ver
schwinde? Die Meuchelmörder werden meinen Leichnam sicher im tiefen Keller oder sonst an einem verborgenen Orte verscharren oder ihn gar in kleine Stücke zerhacken! Die Haut schauderte mir.
Kaum hatte ich einige Minuten die Thüre verrammelt, da kam auch schon die Bande tripptrapp die Treppen herauf.
„Jetzt gehts zu Ende!" dachte ich.
Doch die Herren Banditen hatten es nicht besonders eilig, denn unmittelbar vor meiner Thüre hielten sie erst eine Berathung ab. Was ich da vernahm, machte mir beinahe das Blut in den Adern stocken.
„Glaubt Ihr denn, daß der Kerl wirklich so viel Geld bei sich hat?" frug einer.
„Mehr als nöthig ist, den halben Heiligenwald dafür abholzen zu lasten," lautete die Antwort. „Uebrigens hat sich der Wirth überzeugt, er sagte, er habe es wohl gefühlt, es feien nur große Goldstücke in der Katze, lauter Zweigulden- stücke und Kronenthaler."
„Und in der Brieftasche werden wohl auch ein paar Banknoten stecken," warf ein Dritter ein.
„Dann müssen wir den Burschen unbedingt bei Seite schaffen," sagte der erste wieder, während es mich bald eiskalt, bald siedendheiß überlief.
„Das mußt Du besorgen, Blasi," hörte ich dann weiter, „Du hast das los, wirst schon mit ihm fertig werden, und im Nothfalle sind wir anderen ja auch da."
„Na, meinetwegen, mir solls Spaß machen!" sagte jetzt einer, offenbar der Blasi, mein Mörder. „Was solls denn gelten, wieder hundert Gulden, wie voriges Jahr bei dem Karlsruher Agenten?"
Die Bande stimmte zu.
„Schade, daß er schon schläft, sonst hätten wir die Geschichte noch heute Abend abmachen können, morgen früh müssen wir aber bei Zeiten daran," sagte noch einer, während sich die Bande wieder entfernte, „wäre jammerschade, wenn der Vogel ausgeflogen wäre, denn draußen läßt sich nichts mehr machen, die Forstleute passen gewaltig auf."
Dann wurde es still, die Banditen legten sich zur Ruhe.
O, diese Elenden! Um hundert Gulden will mir einer den Garaus machen! Und wie human die Bande ist, sie
wollen mich nicht schlafend ins Jenseits befördern. Humane Meuchelmörder! Ben Akiba, wenn Du davon gewußt hättest! O, hätte ich nur Waffen gehabt, ich hätte den Mördern dann gezeigt, daß es kein Spaß ist, mich zu tödten oder mich nur so abzuthun, wie man etwa eine Fliege mit einem einzigen Klapps todtschlägt.
Waffen! — Dies Wort gab mir mein guter Genius ein. Hastig durchsuchte ich das Zimmer und zu meiner Beruhigung fand ich einen Feuerhaken und einen hölzernen Stiefelknecht, beides von gröbstem Caliber.
Also bewaffnet setzte ich mich nun wieder auf das Bett. Lange saß Ich so da, in meines Nichts durchbohrendem Gefühle, da fielen meine Blicke auf das einzige Fenster des Gemaches.
„Wenn die Mörder dort herein kämen?" dachte ich.
Schnell, wie der Gedanke gekommen, sprang ich vom Bette herunter und öffnete das kleine Fenster, den Feuerhaken schlagbereit in der erhobenen Rechten. Draußen war alles still, ringsum pechrabenschwarze Nacht. Ich holte das Licht und leuchtete hinaus.
„Gerettet, gerettet!" hätte ich aus voller Kehle hinausjubeln mögen, aber ich fand es geratener, meinen Jubel zu unterdrücken. Unmittelbar bis an das Fenster reichte ein Dach, wahrscheinlich zu einem Stallanbau gehörend. Von diesem Dache aus mußte man gewiß mit leichter Mühe zur Erde gelangen können.
Neue Lebenshoffnungen zogen in meine Brust und bald krabbelte ich vorsichtig auf dem Dache umher. An den Rand desselben hinabgerutscht, unterließ ich inbeffen den rettenden Sprung, denn die undurchdringliche Finsterniß ließ mir die Sache doch zu gewagt erscheinen.
Ich blieb nun auf dem Dache sitzen, in einer ähnlichen Stimmung wie jener Greis, von dem in dem berühmten Liede von der großen Seestadt Leipzig die Rede ist. Die Nacht war kühl, doch das Gewitter war längst vorüber und der Regen hatte längst aufgehört. Da draußen fühlte ich mich noch am sichersten, zudem brannte drinnen noch das Licht, so daß ich jeden Winkel des Gemachs beobachten konnte. Sollten daher die Räuber in das Zimmer eindringen, so hatte


