1893
Rr. 10 Erstes »Utt.
Amts- und Anz<ris«blatt für den ttreis Gießen.
chratisöeikage: Gießener Kamitienblätter.
Amttichep Theit.
FeniUeton
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Du wirst Isa
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Domerstag den 12. Januar
>es Beglichenen biene ter Nachricht.
Saiit,
Justizrath.
Der Oießener Anzeiger erscheint täglich, artt Ausnahme deS MontagS.
Die Gießener Dnmikie« d kälter werden dem Anzeiger «Schmtlich dreimal drigelegt.
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zeige.
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Stilllebens zu rauben?"
„Aber, Alfred, ich bitte Dich, sei nicht so schroff."
„Wenn ich geheirathet und eine Tochter hätte, stünde sie genau an Isas Stelle und Du vermöchtest sie nicht bei Seite zu schieben. Ich werde Isa Volkert adoptiren und wenn noch einmal eine solche herzlose Jntrigue von Dir gespielt wird, sind wir für immer geschieden."
„Das Mädchen war mir stets unsympathisch. Dies hohle Wesen, welches nur lachen, tändeln und reiten konnte —"
„Aber nie von seinem Nebenmenschen Bosts sagte, wie manche andere," unterbrach sie der Kranke streng und^die dicke Zornesader schwoll an seiner Stirn, ..
noch heute einige freundliche Worte der Entschuldigung
ige.
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Irrwege.
Novelle von F. von Pückler.
(8. Fortsetzung.)
„Fräulein Isa ist nicht da?" frug sie tonlos, „Du irrst Dich, Anna, und weßhalb sollte sie die Koffer gepackt haben ?"
Doch saft im selben Moment eilte Herrn von Waldsteins Diener herbei und meldete, der gnädige Herr wolle das Fräulein sogleich sprechen.
„Was ist geschehen? Sollte mein Bruder kränker geworden sein?"
Der Mann zuckte die Achseln, er sah sehr traurig aus. „Ich gehe zum Herrn Doctor, es ist für alle Fälle bester."
In seinem Bette lag der bleiche Mann, hilflos mit dem steif verbundenen Arme, saft verzweifelt immer von Neuem seines blonden Lieblings Brief durchfliegend.
„Fort," murmelte er, während über sein zuckendes Antlitz rin Thräne rann, „auch dieser Sonnenstrahl ist erloschen. O, Alfred, Du stehst im Schatten des Glückes und niemals wird Dein Auge einen Sonnenblick auffangen. Isa, armes Mädchen, ich sollte Dir zürnen, die nur kalte Lieblosigkeit und jenes Mannes kluge Berechnung aus meinen Armen rissen! Alice, ich habe nicht Wort halten können, habe Dein Kind nicht behütet vor den Dornen des Lebens, — aber ich laste es nicht! Ich hole sie heim in dies Vaterhaus und in meine Arme!"
Die Thür öffnete sich hastig, ganz verstört trat Fräulein Sophie ein.
„Lieber Alfred, was ist p°'chehen? Du siehst ganz entsetzlich aus."
Deutscher Reich.
Berlin, 10. Januar. Am fürstlichen Hofe von Sigmaringen fand am Dienstag die Vermählung des rumänischen Thronfolgers Prinzen Ferdinand mit d-r Prinzessin Marie von Edinburg im Beidin zahlreicher erlauchter Gäste, an ihrer Spitze der deutsche Kaiser und der König von Rumänien, statt. Ein Theil der fürstlichen Hochzeilsgäste verließ noch am Dienstag Sigmaringen, die übrigen Fürstlichkeiten reisen am Mittwoch Mieder ab. Unter ihnen befindet sich auch Kaiser Wilhelm, welcher sich zunächst nach Karlsruhe begiebt und daselbst dem ;roffherzoglichen Paare einen Besuch abstattet.
— Auf seiner Hinreise von Berlin nach Sigmaringen war Kaiser Wilhelm am Montag Vormittag in Ulm vom König von Württemberg begrüßt worden. Beide Monarchen pflogen im Salonwagen des kaiserlichen Zuges ein etwa halbstündiges Gespräch mit einander, worauf sich der König in herzlichster Weise vom Kaiser verabschiedete.
Der Aufsehen erregende P r o c e ß vor dem T r i e r e r Gerichtshof gegen den katholischen Pfarrer Stück wegen Entführung eines evangelischen Mädchens behufs Erziehung desselben in einem Kloster ist noch am Montag zum einstweiligen Abschlüsse gelangt. Der Staatsanwalt beantragt- gegen Stöck neun Monate Gefängniß, gegen die Mitangeklagte Mutter des entführten Kindes, Wittwe Ludwig, sechs Monate Gefängniß. Die Verkündigung des Urtheils erfolgt am Donnerstag. Der Kaiser soll sich über den Verlauf des Prozesses einen ausführlichen Bericht haben erstatten lassen.
Nun gut, Schwester, dann sind wir am längsten zusammen gewesen. Du willst behaupten, mich zu lieben und behandelst mein Pflegekind hinter meinem Rücken tote eine Magd. Entscheide Dich bis heute Mittag, schreibst Du nicht, — so sind wir für immer geschieden,- ich will keine boshafte, alte Jungfer zur Schwester. Nun geh!"
Wie vernichtet wankte Sophie aus dem Krankenzimmer - sie hatte nicht geahnt, daß ihr Haß gegen Isa einst die eigene Existenz gefährden könnte.
Stunde um Stunde verrann, sie saß unschlüssig, dte Hande
Gießener Anzeiger
General-'Unzeiger.
tollte da die norddeutsche Brauereitndustrie Deckung für die Ibr Äd«ffliÄui“« fufrn? Wie
möge, fie würde jedenfalls verderbenbr ngend ein, schon jetzt habe sie viel Unheil gestiftet. Man bereite ihr ein fröhes Besräbniß.
Staatsiecretär Frhr. vonMaltzahn verthetdigt die statistischen Grundlagen der Motive. Wenn in Bayern die Zahl der^Brauereien zurückaegangen fei, fo lei das keine Folge der SNuererböhung, viel- hnfrp flrf» ha§ arbfiere Gopital btr Brauereiindustrie bemächtigt und fo seien große Actiendrauereien an Stelle vieler kleinerer Brauereien
ftto bavr Finanzminister v. Riedel tritt der Behauptung dak in Bar) rn infolge des Malzsteuerzuschlags Taufende von Existenzen vernichtet worden seien. Nichtig sei, daß. die kleinerm und mittleren Brauereien sich heute in ^ner minder günstigen Lage befinden als früher. D-s ser aber eine Folge des Eingreifens ves (Nrostcavitals der Einstellung derEismafchinen in Großbetrieben u.s.w. ® geknüpften finamieUen E'wwtungen
hätten fi* im 3 Us< meinen erfüllt. Unrlitis feiern Goldschmidts über den Bierconfum in Boyern; es gebe rn Bayern fflroelben in benen überhaupt fein Bier getrunken werde, weder Vormittags noch Nachmittags. Der GcnfumtMpan8 in bm @^enbm, in d. neu Bier getrunken werde, sei gering und ein Zusammenhang desselben mit dem Malzsteue^uschlag ^nicknackwesbar. Dto Brauereiindustrie prospertre, Braucre Gesellschaften, die früher rewe Dividenden zahlen konnten, befinden sich letzt in angenehmer Lage, und das Bier sei besser geworden. (Beifall.)
Abg. Hug (Ctr.): Für dte nicht zur Brausteuergemeinschaft gehörigen deutschen Staaten erwachse durch die Vorlage eine erhebl che Erhöhung der SOialricutarbetträfle tie in «Hen nur durch die Er- »der directen Steuern gedeckt werden könnte. Er Hoffe, dtz litäroorlage soweit reducirt werde, daß diese Steuervorlagetr überflüssig werden.
Abg. Gamp (Np.): Von den Steuervorlagen Habe die Er- bübuna der Börsensteuer die volle Zustimmung feiner Freunde. Geoen^die Brausteuer beständen mancherlei Bederkm. Er IHatte die in Erwägung gekommene CHompagnersteuer für einen glucflidjen ®r ft gehalten; auch eine Quittung«- vnd Jnseratensteuer wmde fich m- pfohlen baden. Was die Brausteuer antelange, so sei diese l^onsum- fteuer und solle es auch sein; sie sei also in fitzter Linie von dm Eonfumenten zu tragen. Daß übrigens das Biauerergewerbe sehr einträglich fei, bewiesen die Bierpaläste, welche^den G'und und Boden steigerten so daß an der Friedrichstraße pro lH'Ruthe bis zu 30000 Mr. bezahlt würden.^ Daß die Norddeutschen Wicke Belaste veAanglm, jet nicht richtig; man gebe nur dasselbe Bier, das man ln München erhält, für einen billigen Preis, dann werde sich auck das etofache Local füllen Er verstehe nicht, weshalb man seinem schwachen Bierconsum in die $raufteuer0emelnf(6Qft bineto- ziehen wolle. Hebet die Uebergangsobgaben und den Zoll auf aus ländische Biere möchten besondere Bestimmungen \ blenn®° * fl6„ aufgenommen werden. In vielen Punkten konnte und soll e man den Brauereien entgegenkommen und ihnen Erleichterungen schaffen.
Abg. R 8ficke (wildliberal): Durch die Vorlage werde die norddeutsche Brauereiindustrie zu Gunsten der suddeutscheu! denoch- tbeiligt; es sei deshalb nicht zu verwundern, daß die süddeutschen bkinan »Minister so rasch für bie Vorlage gewonnen werben konnten. Bisher bade noch nie eine Regierung, wenn sie eine einzelne Kategorie von Gewerbetreibenden besonders hoch besteuerte, derselben die Abwälzung zu untersagen gewagt, das geschehe erft In tiefer »or 13 . Die beantragte Steuererhohung werde zur Vernichtung bet*tletnen 1 Brauereien führen. Die Brauereien auf dem Lande wirkten am beftm
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Verlar.
im Schooß, und kämpfte heftig mit sich, aber gegen Mittag sandte sie den geforderten Brief doch ihrem Bruder sie hatte doch nachgegeben. Dem treuen alten Arzte thetlte Waldstein die ganze Angelegenheit mit, er mußte einige warme Zeilen an das junge Mädchen medersch^tben, die thm der Kranke dictirte; dann ward auch Sophies Brief beigefügt und die Adresse darauf gesetzt.
„Sie wußten wohl nicht, daß Volkert in der Kretsstadt mit seinem Eircus war?" frug der Doctor ernst, „heute wollte er nach der Residenz aufbrechen."
„Nein," antwortete Waldstein traurig, „ich ahnte nichts Schlimmes, aber ein Unglück kommt nie allein, das meine war noch das kleinere. O, und wie gern hätte ich den Arm ganz geopfert, wenn ich dagegen meinem armen Liebling die Erfahrungen hätte ersparen können, denen sie nun entgegengeht. Golt schütze sie!"
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Der Circus Volkert machte seit etwa vier Wochen in der Residenz viel von sich reden- die Leistungen waren unübertrefflich, die Ausstattung brillant und stets abwechselndes Programm. Besonders die schöne Schulreiterin, Fräulein Bella genannt, Tochter des Circusdirectors selbst, erregte enthusiastische Bewunderung- ein nicht enden wollender Beifallssturm brach los, sobald sie hoch zu Roß in der Manege erschien und das blonde Haupt nach allen Seiten neigte.
Keines der vielen Bouquets, kein einziger der aristokratischen Besucher ward von ihr in ihrer Wohnung angenommen, auch in den Zwischenpausen blieb sie unsichtbar, ein unbestimmtes je ne sais quoi umgab sie trotz aller Höflichkeit gegen die College» und errang ihr denn auch von denselben ein achtungsvolles Benehmen, wennschon sie heimlich spöttisch „Bella Donna d'e Giftige" genannt ward.
Heute sollte sie ihr Benefiz haben und bereits als sie mit dem Vater beim Frühstück saß, trafen die ersten Geschenke
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„Niemals! Ich werfe mich nicht weg um em Kunst-
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10.3«*' 1893’
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Deutscher Reichstag.
17. Sitzung. Dienstag, 10. Zanuar 1893.
Am Bunbesrathstische: Reichskanzler Graf Caprivi, Staats- tocretär Freiherr v. Maltzahn-Gültz, bayrifcher Finanzminister V' ^^Lsidknt v. Levetzow gedenkt mit waimen ^bUen des Ab- der Abaa. Lange und Dr. Peter Reichenlperger. Das Haus ehrt das Andenken der Verstorbenen durch Erheben von den
der Tagesordnung steht die erste Berathung der Brau-
CUe^taotMecretär Freiherr v. Maltzahn: Die Steuervorlagen bezweckm die Mittel für die Durchführung der neuen MlUai Vorlage zu beschaffen, da es nicht angängig fei, die Mittel dazu durch Erhöhung der Matricularbeiträge zu decken. Die Regierung habe diesen Standpunkt von vornherein eingenommen und es sei unrichtig, daß die Deckungsfrage erst in letzter Nummer erwogen wordxn sei. Die gtortoaen bezögen sich nur auf das momentane Bedürfniß, nicht auf bie no6 (Pikt bemrhdenben «ebüifniffe ba st» bie «utünftige Entwicklung der Finanzen nicht übersehen lasse. Die dem Reiche zur Verfügung ^stehenden Einnahmequellen seien noch keineswegs voll ausgmützt. Die beantragte Erhöhung der Brausteuer wurde di Deckung der Hälfte des aus der Militärvorlage erwachsenden Mehrbedarfs ergib n. Gegen die Erhöhung der $raufteuer fit in letzter Stunde eine lebhafte Agitation entstanden; «der wenn man erwäge, daß im Gebiete der Brausteuergemeinschaft 0.79 Mk-, in Baden aber 3 34 Mk, in Württemberg 4.25 Mk. und in Bayern 5 53 Mk. Brau- steuer auf den Kopf der Bevölkerung entfallen, werde man ^örten müssen, daß im Gebiete dir Brausteuergemeinschaft eine schärfere Heranziehung des Bieres sehr wohl ertragen w.rden könne Der Consument werde von ber ©teuer gar nicht betroffen werden. Einzel, betten müßten für bie Commission vorbehalten bleiben.
° Adg. Golbfchmidt (bfr.) bekämpft die Erhöhung ber Brau- fieuer, zu bereu Gunsten ber Hinweis auf Südbeutfchlanb keineswegs spreche. Die dortigen Steuererhöhungen seien von den besser fituhten Brauereien allerdings ertragen worden, hätten aber viele kleine Existenzen vernichtet. Dann fanden jene Erdöbungen unter günstigen wirthfchaftbch'N Verhältnissen statt, während'wir^uns fitz in einer Periode des Niederganges btfinben. Der Reickskanzler hoffe auf eine Besserung, wir auch; aber wie solle die Besserung kommen, wenn man die^Jnbustrie fcr.’geW b-nnruhig-. Di-d-°nira»i° Er- böhung würde den Bierconsum beschranken und die vom Staats- fecretär im Riichsschatzamt erhcfft.n Mehriinnahmen würdcn sich erheblich reduciren. Man berufe sich immer auf Bayern, vergiss- aber dast dort zwar mehr Bier, dafür aber weniger Kaffee, The- und'Branntwein getrunken werde, a^.^.Vorddeutschland. In Boyern sei die Brausteuer die Haupteinnabmequelle. während sich Preußen auf die directen Steuern stütze. Die vorddeutfcken Gast- roirtbe hätten viel erheblichere Unkosten al§ bie fubbeutfdien. Wer soll bie Verboppelung ber Brausteuer tragen? Das Publikum wirb nicht wollen, die Schankwirihe können e§ nicht -.bleiben nur die Brauer. Ader viele, namentlich kleinere Brauereien können die Mehrlast auch nicht tragen; sie werden bann ohne Gewinn, ja mit Verlust «Selten. Der Malzsteuerzuscklag in Bayern habe ein sta'kes Sinken des Confums zur Folge gehabt unb heute noch, nach 12 Jahren, sei der Consum dort geringer, als vor der Erhöhung D e Production habe sich allerdings erhöht, aber nur infolge des Exports nach Nord- beutfdjlanb, zu dem die bayrifcken Brauereien gezwungen seien. Der deutsche B erexport nach dem Zollausland sei zuruckgegangen; wo
Schweigend, aber mit einem so vernichtenden Blicke zeigte er ihr Isas Bries, daß sie erbebte- sie las, rothe Flecken traten auf ihre fahlen Wangen, sie ließ das Blatt finken. „Wie kann das Mädchen eine gelegentliche Bemerkung meinerseits —"
„Isa ist ein offener Character, Sophie, und Du mutzt sie tief getroffen haben, daß sie dies mir gegenüber erwähnt. Willst Du mir sagen, was Du damit bezwecktest, mir tn diesem Mädchen das einzige Glück, die schönste Freude meines
Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgegen.
Bekanntmachung,
betreffend Schafräude zu Alten-Buseck.
Rach Beseitigung der an der Räude erkrankt gew^enen ! Schafherde zu Alten-Buseck und, nachdem der bezuguch der beiden anderen Schafherden bestehende Raudeverdacht sich nicht bestätigt hat, haben wir die über die Gematkung Alten- Buseck verhängten Sperrmaßregeln wieder aufgehoben.
Gießen, den 9. Januar 1893.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.


