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11/10/1893 Zweites Blatt
 
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1«93

^tmfpcedx M-

Amts- und Anzei^eblutt süv den Äveis Gieren

Hratisöeitage: chießener Aamitienölatter

FeuiUeton

Moei Pfarrherrn sah ich gestern alte, bestaubte, ernste | Liddy AureUe teuia «svliänten- ich entfloh vor ihnen, denn die Sonne schien und ; in hundert Jahren. trüben über den Feldern sang eine Lerche. Aber heute? Aber weiter -

In diesen

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b» J. Seng, Seltersweg 50.

Der 5lche»«r A«»eiger ccschernl täglich, i«rl Ausnahme de« MontagS.

Di« Gießener yewltiteltiUex trtt-m dem Anzeiger ^tathd) dreimal tz eigelegt.

L-Arntt de Mopol-Ävl-

Dampfziegelei C. Ziileiiner d- Co., Cassel, empfiehlt Handsteine, Maschinensteine, Zorm- fleine, Ial??iegel etc.

Sommerfrische und Regen! Es regnet, es regnet foor den ganzen Tag und die Georginen im Psarrhaus- gstten senken betrübt die naffen, schweren Köpfe. Ab und zu bricht ein Sonnenstrahl leuchtend und glitzernd durch die Lslken, aber es regnet weiter. Was thun?

«ine Regen stunde in der Sommerfrische.

Don Rudolph Bätz.

(Nachdruck verboten.)

Viertefirhriger Abonnemeatspret»» 2 Mark 20 Psg. mit

Bringerlobn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 W

Akdaction, Expeditia» und Druckerei:

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1889r Riersteiner Rheinheff.

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1890t Rackexheimer Berg do.

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1989t Rüdesheimer Berg do.

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!ir. 239 Zweites Blatt. Mittwoch dm II. Oktober

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Äüf Ännoncm-Burteur de« Ja- und Auslände« nchmen Anzeigen.fiir denGießener Anzeiger- entgegen.

18972t Italienischer Wermuth-

Wei« *

1892r Asti spermante L75

Itti Fracht und Octroi Gieren. Flaschen nchme ich zu 10 Pfennig das Stück tret lurftcf. Probe« werden tn meiner Wein» tobe verabreicht. Aür Weine im Aaffe kfonbere Liste. Bei größere« Bezügen «ntßprechender Nachlaß.l

Ö*

MgrM

jer 1893.

Kirchenbuch der Gemeinde L., von 1785 vom Magister Lriatian Traugott D., Pfarrer zu X. und Y." Nicht mit chcologischem Auge kann ich euch betrachten, ihr alten ver- gilbten Blätter, auch Atterthumssorscher bin ich nicht- aber ihr übt auf mich einen Zauber aus mit euren blassen Schrift­zügen und eurem ehrwürdigen Staub, der seit vielleicht Jahr- zkhnten auf euch seinen Herrschersitz unangefochten inne hat. Fremde und Leid ward von gewisienhastcr Hand getreu ge­bucht in diesem schweinsledernen Bande - Frühling, Sommer unb Herbst der) Geschlechter ist ausgezeichnet worden fürs Hedachtniß der Kinder und Enkel.

Es stimmt wehmüthig, die alten Folianten zu durch­blättern - gewaltig redende Zeugnisie sinds für die Vergäng­lichkeit des kleinen Menschengeschlechts.Taufregister". Man mar teilnehmender, gemüthooller vor hundert Jahren als heute. Tag und Stunde, da ein Kind geboren, bucht man notfi heute- aber hier, vor hundert Jahren, schrieb der milde Psacrherr dazu noch einschwer, sehr schwer geboren". Im 1 heutigen Buche ist eine gedruckte Rubrik und amtlich gewissen- i hast stehen da die trockenen Zahlen. Man sieht es ihnen l

an, daß sie der pedantischen prosaischen Frau Statistik dienen- * hör hundert Jahren schrieb sie der Pfarrer auf, damit er klutuvort geben könnte, wenn einer ihn fragte:wann bin ich gefroren ?"Getauft den 19- Septembris , natus den 17. ejusdem, Nachmittags um 2</4 Uhr, und schwer, sehr schw<r seid Ihr Eurer Frau Mutter geworden." Man war

Gießener Anzeiger

Keneral-Wnzeiger.

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verkauft, um möglichst rasch damit zu raumen. 83 4

§ Hermann Katz, Mäusburg 5. *

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

....... ob auch das Trauregister reden kann? Mit seltsamem Gefühle betrachte ich diese Nachrichten, deren jede den Abschluß einer Maienzeit, einer Brautzeit, eines Liebesfrühlings bedeutet. Die verblichenen Buchstaben ver- rathen nichts, ob die Liebe friedvoll oder stürmisch, ruhig und glücklich oder voll Kampf und Leid gewesen, nur hier und da fliegts einem in den Kopf wie eine Ahnung. //Sind aus hoher obrigkeitlicher Consistorialverordnung nicht auf- geboten worden" warum nicht? Konnten sie nicht warten die kurze Zeit dreier Sonntage? Galt es, einem miß­günstigen Gegner ihrer Vereinigung zuvorzukommen? Sie habens nicht geahnt, daß fich nach hundert Jahren nach Emer den Kopf zerbrechen würde, weßhalfr sienicht aufgeboten worden sind! Allein, nicht nur gemüthvoll-sentimentale Be­trachtung weiß das Trauregister anzuregen, nein, es berichtet auch von den Fortschritten in hundert Jahren. I« diesen alten, vergilbten Blättern, da heißts:copulirt tn der Kirchen zu X.", auf dem jungen, glatten Papier steht in der vor­geschriebenen Rubriköffentlich mit Feierlichkeit! Und allt auch hier das Auge einmal auf das wohlthuend gemüthliche in der Stille", so liest es unwillkürlich weiter und findet bald die traurige Ursach:es war die Braut es nicht mehr werth gewesen, den grünen Myrthenkranz zu tragen. .ja, man hat Fortschritte gemacht in hundert Jahren!

Und nun die letzten Fol. 124 des alten Folianten, das Todtenregister. Das Wort hat sür mich einen schauer­lichen Klang, obschon ich gar nicht furchtsam bin. Da stehen

fie nun alle ausgezeichnet, die der klappernde Sichelmann mit sich von dannen geführt. Getreu ist wieder Tag und Stunde gebucht - man zeichnet heutzutage auch des Todes Ursache aus, vor hundert Jahren that mans nicht. Ein Zeugniß, daß die Menschen prosaischer geworden und ärmer an Ehrfurcht, Pietas und Scheu. Dor hundert Jahren kam der Tod in« Dorf und führte seinen Mann und riß ihn mit sich und man bekreuzte sich und trug ihn schweigend in stillem Gebet hinaus zum Gottesacker. Heute bekreuzt man sich nicht, man reitet zur Stadt und holt den Arzt und steht um da« Tobten- bett und fragt und fragt, und wennS vorbei ist, fragt man immer noch, halb weinerlich, halb trotzig:Warum ist er gestorben?" Und weil die Frage unS zur anderen Natur geworden, verzeichnet der Pfarrherr auch im Todtenregister die Antwort darauf:am Schlagfluß",an Krämpfen ,an Altersschwäche". Ja, wir sind ärmer geworden bei allen Fortschritten. Jndeß nicht unsere Generation trft frat diesen Fortschritt auf dem Gewiffen: schon in den Tobten- regiftern von vor neunzig Jahren steht zaghaft hier und da: ,,-s an der Auszehrung",t am faulen Fieber Uber einen anderen Fortschritt haben erst wir gemacht. Ich habe gezählt: es sind in 14 Jahren im vorigen Jahrhundert 177 Personen gestorben, und Keiner war darunter, der selber das ihm von Gott gesetzte Ziel seiner Tage sich näher ge- rückt hätte- und ich habe sie gezählt, die Todten von vier» zehn Jahren in unserem Säculum, und es waren 97, aber darunter: ein Kind, gemordet von der eigenen Mutter, em Vater, der erst sein Kind und dann im Kerker sich selbst ge« tödtet, und fünf (zwei Männer, drei Frauen), dte sich mtt eigener Hand den Tod gegeben. DaS ist auch ein Fortschritt in hundert Jahren, ein gewaltiger, schreckenerregender, über den andere, gewichtigere Zeugen schon Vieles und Furchtbares gekündet haben, so daß ich nicht weiterzuzählen brauche in der schrecklichen, grausigen Liste, da draußen scheint die Sonne wieder, es regnet nicht mehr, ist wiederL-ommer­frische". Gehe zurück an deinen dunklen Platz im alten, wurmstichigen Holzschrank, du brauner Foliant, hülle dich wieder ein in Staub und Spinngewebe, liege tn Frieden, vis wieder einmal an grauwolkigem Regentag dich Einer hervor- holt und in dir blättert und liest und Stoff sammelt zu einem Loblied auf die gute, alte Zeit.

für jede Er n den GyiW Schüler des kieste

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MiimM

gesucht.

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)t, ikMi m W ttgn'jchrn aliet.

Mk. 8.- in br Hmittel voirchg hat [8495 igraphen-Bncks. Methode Prüfer ause-leipzig -8

ertheilt

Mr Piesporter Moselwein 1.

Mr «eiSderger Saarwein toi i Chlifl«ber0er Wach8- thum Puricelli Moselw.

1886r vberemmeler Rosen-

theilnehmender, man war auch frömmer dazumal. Man eilte sich mehr, mit dem heiligen Wasser der Taufe des Neu­geborenen kahles Köpflein zu besprengen. Selten that man es später als am dritten Tage. Jetzt thut mans gar nicht oder nach vier Wochen, sechs ja gestattet daß Gesetz! Vor hundert Jahren wählte man drei Pathen jetzt wählt man zwei, weils janicht darauf ankommt", ober vier, weils mehr einbringt!" Vor hundert Jahren taufte man den SohnJohann Christian" oberTraugott Gottlieb" ober Ehregott Gottfried" heute nennt man ihnCharles Eugen Erich" oberEduard Oskar Ottomar Sepp" - nicht mehrMaria Rosina" oderJohanna Christiane" nennt man Hn de" malerisch" unordentliche« Swdirftube des wür- ' die Tochter, sondernAlwina Paula Minna" oderH'lma jn oer maieri^ umn n , bestaubte, ernste | Liddy Aurelie Leulalia". Ja, man hat Fortschritte gemacht

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