♦ Köln, 8. Juni. Dem Schwimmen der Reiterei wird seit neuester Zeit große Aufmerksamkeit zugewandr und im Militäretat ist ein besonderer Posten zur Bestreitung der Kosten dieser Hebungen eingestellt worden. Die von un5 bereits erwähnte Anleitung für Arbeiten der Caoallerie tm Felde giebt ausführliche Vorschriften für den Betrieb dieses Dienstzweiges, der als geeignet bezeichnet wird, das Turnen und Voltigiren in den Sommermonaten zu ersetzen. 1870/71 bereiteren Flüsse und Wasserläufe der deutschen Reiterei vielfach Hindernisse, die sie gar nicht ober nur mit großer Anstrengung und Zeitverlust zu überwinden vermochte, weil ne im Frieden nicht daran gewöhnt und ohne die nöthigen Hülfs- mittel war. Die jetzt eingeführten Fallbovte, von denen jedes Regiment zwei auf besonderen Wagen bei sich hat, ermöglichen es geschlosienen Truppenkörpern, die Gewässer zu überschreiten, ohne auf die Brückentrains zu warten. Aber im SicherheitS- und Aufklärungsdienst vor der Front der Armee werden oft kleinere Abheilungen und Patrouillen an Flüsse gelangen, während die Boote noch zurück sind, und so gilt es dayn schwimmend hinüber zu gelangen. Im Frieden werden daher jetzt fortwährende Hebungen angestellt, um Mann und Roß an das Wasser zu gewöhnen und die Ergebnisse sind sehr zufriedenstellend. Schon im vorigen Jahre machte die „Köln. Ztg." einige Angaben über Versuche, welche daS C u i r a s s i e r-R egimentGraf Geßler (Rheinisches) Nr. 8 in Deutz gemacht hatte. Es handelte sich.um nichts geringeres, als den Rhein zu durchschwimmen. Diese Versuche fanden ihren Abschluß in der anerkennenswerthen Leistung, daß sämrnt- liche Pferde der 1. Schwadron unter Rittmeister v. Hänisch zu je sechs an einem Ponton den Rhein durchschwammen. Mit Recht machte diese Thatsachc damals großes Aufsehen. Das Regiment hat in diesem Jahre die Versuche fortgesetzt und dabei sein Streben darauf gerichtet, daß einzelne gut schwimmende Leute auf bezw. neben frei schwimmenden Pferden ohne Ponton das andere Ufer erreichten. Nach vielen, in den Anforderungen sich mehr und mehr steigernden Hebungen ist das gesteckte Ziel erreicht. Gestern schwammen zwei Offiziere, Rittmeister v. Hänisch und Lieutenant Lehmann, sowie vier Mann mit ihren Pferden ohne Unfall innerhalb der festen Brücke frei durch den Rhein. Die in nur fünf Minuten im Wasser zurückgelegte Strecke betrug etwa 650 —7t0m. Pferde nnd Menschen waren nicht überangestrengt. Die bisherigen Erfolge der Schwadron Hänisch stehen unerreicht da, gewiß dürfen sie mls mustergültig für andere Truppentheile gelten. Wir können uns Glück wünschen, daß in unserer Cavallerie ein solcher unternehm'ngslustiger Geist herrscht, der vor keinem Hinderniß zurückschreckt. Es muß für jeden Cavalleristen ein stolzes Gefühl fein, daß ihm kein Hinderniß unüberwindlich, kein Fluß zu breit ist. Wer den Rhein durchschwommen hat, dem wird eö ein leichtes sein, andere kleinere Flüsse zu durchqueren.
♦ Ertrunkene Pilgerinnen. Eine traurige Unterbrechung erlitt eine Pilgerfahrt von ca. 120 Personen aus der Umgegend von Köln. Dieselben fuhren am Sonntag Nachmittag mit dem Mülheimer Dampfer „Mülheim am Rhein" von dort nach Worringen, von wo aus sie nach dem nahegelegenen Gnadenort Nievenheim zu pilgern beabsichtigten. In Folge des niedrigen Wasserstandes konnte das Boot nicht in der Worringener Bucht landen. Die Pilger wurden daher vom Schiff aus in einem Nachen ans Land gerudert. Als der Nachen bereits zweimal gefahren war und seine Jnfaffen glücklich gelandet hatte, nahm er die dritte Ladung, 15 Frauen,
aus. Da es regnete, wollten sich diese, trotz mehrfacher Aus. J forberung des Capitäns, nicht setzen- der Nachen kam, als er vom Schiff abgewogen war, ins Schwanken, schlug um und die Jnfaffen stürzten ins Gaffer,- zwei Frauen aus Bensberg gingen vor den Augen der anderen Pilger in den Wellen unter und kamen nicht wieder zum Vorschein. Die übrigen dreizehn Frauen wurden vom Boot aus mit größter Mühe gerettet. Nievenheim gilt in der Rheinprovinz als Gnabenort, wo Augenleidenbe alljährlich hinvilgern, um dort Heilung vor dem Mmtergottesbilde zu erflehen.
* Lehrerverhaltttiffe in Nordamerika. Auf wenig Dinge sind die Amerikaner so stolz, als auf ihre öffentliche Schule. Recht unangenehm hat es darum berührt, als kürzlich bekannt wurde, daß in vielen ländlichen Distrieten infolge kärglicher Besoldung der Lehrer oder Lehrerinnen eine große Lehrernoth herrscht. In einem einzigen County sind die Schulen in 14 Distrieten geschloffen, weil es unmöglich war, Lehrerinnen zu bekommen. Das ist auch sehr erklärlich, wenn man liest, daß das Gehalt 20 Dollar den Monat nicht übersteigt. Dabei muß noch berücksichtigt werden, daß in den Ferien kein Gehalt bezahlt wird, so daß die Lehrer genöthigt find, sich anderweitig ein Verdienst zu suchen. Es nimmt sich seltsam aus, daß, während man einem Knecht 25 bis 30 Dollar per Monat zahlt, ein Lehrer sich mit weniger begnügen muß; Schuld daran ist theils der Geiz der Stimmgeber, theilS der fortwährende Wechsel, denn die Lehrer werden nur auf 1 Jahr ober kürzere Zeit angefteüt ober „gebingt", wie es vielfach bezeichnet wirb, theils bas numerische Hebergewicht der Lehrerinnen über bie Lehrer: junge Männer finben leicht lvhnenbere Beschäftigung, darum haben sich die Lehrerinnen fast gänzlich der Elementarschule bemächtigt.
* Seltene Jdentificirung. Der Zahnarzt Dr. Palton aus Omaha war dis nach Detroit berufen worden, um einen seiner Patienten, ter in einem See ertrunken war und eine Lebensversicherungspolice von 60000 Dollars hinterließ, zu ibentificiren. Die Plomben unb Arbeiten im Munde stimmten vollständig mit dem Buche des DoetorS überein und so mußte die bisher beanstandete Versicherungssumme auf diese Jdenti- fieirung hin ausbezahlt werben.
* Trier, 7. Juni. Das Problem der Kostendeckung für die Militärvorlage hat der Baurath Müller hier spielend gelöst- er meinte: „Können wir die Kosten aufbringen? Das ist eine Kleinigkeit. Wir Deutsche pflegen, wenn wir Abends unser Glas Bier getrunken haben, dem Kellner 5 Pfennig zu geben; wenn er weiblich ist unb bazu schön, kommt es uns auf 10 Pfennig nicht an. Mehr als bisses kostet die Mehrforderung nicht."
* Unter guten Freunden. A.. „Gestern hob ich gipaist in ainem fainen Hotel. Es wurde gegessen mit silbernem Besteck!" — B.: „Zaig her!"
* Ans dem medicinischen Gramen. Professor: „Was würben Sie thun, wenn Sie beim Seeiren bes Körpers eines Menschen noch Leben verspürten?" — Stubiosus: „Natürlich würbe ich mich vor Allem bei bem Betreffenden höflichst entschuldigen!"
verkehr, 6an6< «nd volkswirthschaft.
— Ueber bie eben auf der Münchener landwirthschastlichen Ausstellung befindlichen Erzeugnisse der Firma PH. Maysarih 8c Co., Fabriken landwirthschasUicher Maschine«, Eisengießerei
und Pflug-Vauanftait, Frankfurt <u wird u. A. wie folgt berichtet: Zn der Thal eine brillante Ausstellung, die als die imereffantefie von allen bezeichnet werden darf. Äetn Wunder, daß der mißbegieriae Landwind die Ausstellung der erwähnten Firma immer zuerst mutiert, ist eS doch beulte »um stehenden Gebrauche geworden, daß ihm bin alljährlich eine angenehme Ueberraichung geboten wird. Er weiß, daß PH. Mayf arth A Co. sich nicht mehr damit genügen lasten, die bekannten Maichinen,ur Bodenbearbeitung. Aussaat und Ernte, die Treichwerke und die Futter,udereitunae Maschinen :c. in möglichster Vollendung zu bauen, iondern, daß ne auch unablästig daran arbeiten, gaiu neue Apparate zu bringen, dazu bestimmt, dem Landwirth die oft müdiame Arbeit zu erleichtern unb zu verbilligen oder ihm ganz neue Ouellen der Einnahmen ju e schließen. Patent-Obst- und Gemüse-Dörropparate, Patent ®rür futter Feimen-Pressen, Patent-Dvvdonia-Reben und Pflanzenfvrihe. Patent-Automat, Apparate zur Fadrikation von Weichkäsen, fowre die zahlreichen Ma'chinm und Pressen zur Obstwein-, ^ruchstaft» und Weinbereitung sind in so vorzüglichen Exemplaren vertreten, daß sie sicher Käufer finden werden. Die Apparate zur Verstellung von Weichkäse erregen besondere Aufmerksamkeit. Das Eigenthum- liche und 9teue an diesem Apparate ist, daß er auf mechanischem Wege eine Arbeit verrichtet, die bisher nur von Hand bewirkt werden konnte, daß er diese Ardeil tm zehnten Theil der Z.ir verrichtet, die bisher nölhig war, daß dabei deS Käfers Hände mit den xaftn in keinerlei Berührung kommen, daß dadurch schöner« und gesundere Producte gewonnen und der ganze Hcrstellungsproceß derart verbilligt wird, daß sich fortan die Fabrikation folcher Käse am W Einträglichste gestaltet. Sie außerordentlich schön die mittelst dev Patent-Automaten hergestellten Räte sich vräfenttrm, zeigt die Ausstellung der Damvf-Molkerei Badenhausen E. in Badenhausen. Es herrscht darüber einstimmige- Lob.
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Unterhaltungen zu Bad Nauheim
von Sonntag den 11. Juni bis Freitag den 16. Juni
Die Rurcapelle spielt täglich Morgens von 7—8 Uhr an der Rurquelle, Nachmittags und Abends siehe unten. Bei weniger als 10° R. Wärme spielt sie im großen SpeUefaale des Rurtaufe« Sonntags unb an den Feiertagen Nachmittags werden 30 P'g Eintrittsgeld für den Besuch der Derr affe gegen Abgabe <tmr Karte erhoben. Nur die Besitzer von Kur- oder Tageskarten Haden gegen Vorzeigen derselben freien Zutritt.
Sonntag den 11. Juni, Nachmittags von 3yt dis b Ubr auf der Terrasse: Concert der Capelle des Füsilier-Regiments Nr. 80 (o. SerSdotff) auS Homburg, unter Leitung des Capellmeisters Herrn Haberianb. Eintritt 50 Pia. gegen Karte. Gelbe Kur- und läge» karten frei. Abends von 8</t bi« 10»/, Uhr: Wagner-Concert der Kurcapelle auf der Terrasse. Montag den 12. Juni, Nachmittags von 4 bis 6 unb von 7 bis 8 Ubr: Concert ter Rurcapelle aut der Terrasse. Abends 8 Uhr im Saale: Theatervorstellung. Der Mann im Mond. Dienstag dm 13. Juni, Nachmittag» von 3 di« 8 Uhr auf der Terrasse: Concert der Capelle de« Pionier-Bataillons Nr. 16 aus Metz. Eintritt 50 Psg. gegen Karte. Gelbe Kur- unb Tageskartm frei. AbmbS von 8 bis 10 Uhr: Linfonie-Concert ber Kurcapell auf der Terrasse. Mittwoch dm 14. Juni, Nachmittags oon J btt• unb von 6'/, dis 7 Uhr: Concert der Knrcapelle auf der rerrav Abends 8 Uhr im Saale: Theale- Erstellung. Ssioßsiadttu' Donnerstag ben 15. Juni, Nachmittag« von 4 bi« 6'/,,Uhr: i'Oruei ber Rurcapelle auf ber Terraste. AdGdS 8 Uhr im oaale: Ian. Freitag ben 16. Juni, Nachmittags von 4 bi» 6 Uhr. 'ordert d. Kurcapelle auf ber Terrasse. Für den ber Fertigstellung d. electrifchen Beleuchtung findet Abends 8 Ubr Eröffnung dn'^den m Concertfaale statt. Daselbst: Prolog, gesprochen von Frl. ll.fiuia Teschner. Jubel-Ouvertüre von Weber, vorgetragm voni du ' capelle. Theater-Vorstellung Mamas Augen. Zehn Mädchen unv kein Mann.
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Gießen, den 7. Juni 1893.
Großh. Bürgermeisterei Gießen.
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