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11/05/1893 Erstes Blatt
 
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außer den Mitgliedern der Kapelle dem Dirigenten derselben, Herrn Musikdirector C. Krausse, der das Concert mit Umsicht und Verve leitete. Wir können einen Besuch dieser Goncerte angelegentlich empfehlen und versprechen im Voraus Genuß.

** Neues Theater. Sudermann ist gegenwärtig der Held des Tages. Wie es Bücher giebt, die man kennen, flelefen haben muß, so giebt es auch Bühnenwerke, die man gesehen haben muß, will man in Gesellschaft nicht in die Verlegenheit kommen, nichtmitreden" zu können. Suder­manns vorangegangene StückeEhre" undSodomS Ende" waren und sind der Hauptgesprächsstoff aller Kreise, die sich für die Vorgänge im öffentlichen Leben, speciell der deutschen Bühnenliteratur, interessieren. So ist nun auch ganz beson­ders das neueste Werk, SudermannsHeimath", derGegen- stand des regsten Jntereffes und der eifrigsten Discussion. Wo überall ein Stück Sudermanns seine Premiere feiert und sich natürlich auf dem Repertoire erhält, wird man ge­fragt, ob man es gesehen und welchen Eindruck man em­pfand rc. rc. So ist es zur Zeit mit derHeimath". Zu Berlin und Hamburg erreichte das Stück bis jetzt die statt­liche Zahl von 100 Aufführungen. Die bedeutenden Kosten, welche die Anschaffung eines solchen Epoche machenden Stückes verursacht, laffen in kleineren Städten gewöhnlich nur eine Aufführung zu, weil sich da nurein" Publikum findet. Daß es von unseren hiesigen zahlreichen Theaterfreunden kaum Jemand versäumen wird, dieHeimath" kennen zu lernen und ihre Darstellung, d. h. ihre Wirkung auf der Bühne zu sehen, ist zweifellos und es spricht dafür die be­deutende Zahl der schon gestern erfolgten Anmeldungen um Karten zum Besuche derselben.

Bei dem immer noch vorherrschend trockenen Wetter und dto. Winden sei die Bitte an die Directoren der Schulen gestattet, gefl. dafür Sorge tragen zu wollen, daß die Schulhöfe ausgiebig begossen werden, damit der eminente Staub, der bei dem Spielen der Schuljugend auf­gewirbelt wird, Augen und Lungen der Kinder nicht zum Schaden gereicht.

** Gießener Tnrnerschaft unternimmt Donnerstag oen 11. Mai einen Turngang mit anderen Vereinen des 2. Bezirks nach Kirchhain. Abmarsch Morgens 5 Uhr vom Wallthor aus, Sammelpunkt der Vereine in Lollar prücis 6 Uhr, Zusammentreffen mit dem 2. Bezirk Marburg gegen 12 Uhr.

** Der heutige Himmelfahrtwarkt ist im Gegensatz zu oem der letzten Jahre, Dank der überaus schönen Witterung, sehr zahlreich von den Bewohnern unserer nächsten und so­gar weiteren Umgebung besucht. Wir sahen Schwälmer Trachten neben oberhessischen und Wettekauer. Die Geschäftsleute dürften vermuthlich mit diesem Markte recht zufrieden sein.

Erwischt. Gestern Abend wurde in einem Garten an der Wilhelmstraße ein wilder Jäger auf frischer That von einem Schutzmann ertappt. Das geschossene Häslein und die Flinte wurden confiscirt.

** FUr die diesjährige Hauptversammlung des hessischen Hauptvereins der Gustav-Adolf Stiftung, welche bekanntlich in Friedberg abgehalten und mit der 50jährigen Jubelfeier des Vereins verbunden werden soll, sind jetzt endgiltig die Tage: Dienstag, 4. und Mittwoch, 5. Juli bestimmt worden. Die Festpredigt hält voraussichtlich Herr Prälat vr. Habicht, Superintendent der Provinz Oberhessen und eines der ältesten Mitglieder des Vereins.

* In Gebrauchsmustern wurden u. A., was im Groß- Herzogtum wohnende Personen betrifft, letzthin folgende Ein­tragungen vollzogen: Kochkachel mit Ventilation an Zimmer- öfen: Eisenwerk Hirzenhain, H. R. Bud e r us in Hirzenhain. Katalogkapsel mit schräg zu stellenden, durch Auszüge gehal­tenen Seitenwänden: I. P. Sann, Buchbindermeister in- Gießen. Patronen aus gepreßtem Mehlpulver in nicht hygro- skpopischer Umhüllung: I. W. Küchel in Butzbach.

§ Herbstein, 7. Mai. Gestern Nachmittag wurde die hiesige Feuerwehr allarmirt. Es brannten in einem zwischen hier und Eichenrod gelegenen Wald etwa 150 Stück gefällte \ und geschälte Baufichten. Der Schaden beträgt ungefähr I 1000 Mark. Als Ursache des Brandes wird Fahrlässigkeit I van Holzhauern beim Kaffeekochen vermuthet.

Aus dem Großherzoglhum Hessen, 9. Mai. Die Er- gänzung swahlen zur Zweiten Kammer werden, wie bestimmt verlautet, bald nach des Reichstagswahl vor­genommen werden.

Darmstadt, 8. Mai. Der bisherige Vertreter des sechsten hessischen Wahlkreises, Bensheim-Erbach, der national- liberale Gutsbesitzer Scipio-Mannheim, hat, demBerl. Tagebl." zufolge, erklärt, daß er auf eine weitere Candidatur verzichte.

Darmstadt, 9. Mai. Der Vorstand des hiesigen natio­nalliberalen Vereins beschloß die Wiederaufstellung des seitherigen Reichstagsabgeordneten Osann.

BenSheim, 9. Mai. Der ©ecretär des Mitteldeutschen Bauernvereins, H ir sch e l - Frankfurt, wird seitens der Anti­semiten im Wahlkreise Bensheim-Erbach gegen Profeffor Stengel-Marburg (freis.) canbibiren.

Mainz, 9. Mai. Die Agitation für die bevorstehenbe Reichstagswahl ist im diesseitigen Wahlbezirk bereits im vollen Gange. Wie immer waren die Socialdemokraten zuerst aus dem Plan und haben dieselben in einer gestern stattge- babten Versammlung beschlossen, schon auf den nächsten Sonntag eine Conferenz der Vertrauensmänner des Wahl­kreises einzuberufen, welche sich mit der Candidatenfrage, sowie mit dem Plan der Agitation beschäftigen soll. Unzweifelhaft wird von dieser Seite der bisherige Abgeordnete Jöst wieder als Candidat ausgestellt werden. Die Centrumspartei hat gleichfalls bereits zwei Wahlversammlungen einberufen, die eine für den nächsten Montag und die zweite für den Pfingstmontag. Man giebt sich in Centrumskreisen der Hoffnung hin, den vor drei Jahren gegen eine kleine Majorität verlorenen Wahlkreis Mainz-Oppenheim bei der bevorstehenden Wahl für die Centrumspartei zurückzuerobern. Voraussichtlich werden in dem diesseitigen Wahlkreise fünf Candidaten aus­gestellt werden und zwar von der Centrumspartei, den Socialdemokraten, den Deutschfreisinnigen, den National- liberalen und den Antisemiten. Letztere werden Herrn D r. Böckelin Marburg als Candidat aufstellen. Wie die Verhält- niffe liegen, streiten sich nur zwei Parteien ernstlich um den Wahlkreis: die Centrumspartei und die Socialdemokraten/ die Candidaten der übrigen Parteien können nur als Zähl- canbibaten betrachtet werden.

Bingen, 9. Mai. Der Reichstagsabgeordnete Dr. Lud­wig Bamberger hat aus Alters- und Gesundheitsrücksichten eine Wiederwahl abgelebt.

Vermischtes.

* Berlin, 9. Mai. Bei der Di stanz fahrt Berlin- Dresden blieb Louis Meyer, welcher um 4 Uhr 10 Min. heute früh abgefahren war und um 5 Uhr 40 Min. heute Nachmittag in Dresden als Erster anlangte, Sieger. Die Pferde waren in vorzüglicher Verfassung.

* München, 8. Mai. Der Ernst der Zeiten hat den Münchenern den fröhlicher Durst nicht geraubt. In acht Tagen haben sie den Hofbräuhaus-Bock (50000 Liter) vertilgt. Es genirt sie dabei nicht, daß im Hofbräuhaus auf bie Bedürfnisse des Publikums wenig Rücksicht genommen wird. Obwohl man dort weiß, welche Massen von Trinkern täglich kommen, sind die vielbegehrten Bock- und Weißwürste um 10 Uhr regelmäßig schon vergriffen und man fühlt sich nicht bemüßigt, das nächste Mal mehr in Vorrath zu halten. Ein- geschänkt wurde der Bock, namentlich im Hofbräubauskeller, so schlecht, daß von der Aiche des Halbliters häufig ein halber Schoppen fehlte.

* Dresden, 9. Mai. Das Schwurgericht verurtheilte den Wirthschastsbesitzer Petrig aus Halbstadt bei Königstein, der seinen Schwiegervater erschossen hatte, um dessen Spar­kassenbuch zu stehlen, zum Tode.

* Die ersten deutschenPhilister". Die bei den Studenten übliche RedensartPhilister" ist im Jahre 1693 zu Jena entstanden, als im GasthofZum gelben Engel" vor dem Löbdauer Thore Streitigkeiten zwischen Studenten und Bürgern ausbrachen, wobei ein Student so geschlagen wurde, daß er tobt auf dem Platze blieb. Den Sonntag darauf predigte der Superintendent heftig gegen diese That und sagte: es sei bei diesem Mordhandel hergegangen, wie in der Schrift geschrieben stehe:Philister über dir, Simson". Kaum brach der Abend heran, so liefen die Studenten durch die Gaffen und schrieen:Philister über dir, Simson". Von dieser Stunde an wurden die jenaischen Bürger Philister ge­nannt, welche Benennung dann auf andere Universitäten und ins bürgerliche Leben überging.

Derfrier, £anö- unb Dolfswirtbjcbaff,

vom frankfurter Markte. Von Obstsorten waren vor­gestern am Markte vorhanden: Rohäpsel zu 16 bi8 18 Pf., Gold- reinetten 25 Pf., ©rauretnetten 18 bis 20 Pf., Kochbirnen 25 Pf., Tafelbirnev 50 Pf., französische Kirschen, große Mk. 1, kleinere 60 Pf., Stachelbeeren 50 Pf., Trauben Mk. 3 bis 3.50 daS Pfund: Erd- beerm Mk. 8 bis 10 für 100 Stück, Aprikosen 15 Pf., Pfirsiche Mk. 1 und 1.50 das Stück. Ausländische Gemüse wurden zu fol- flenben Preisen verkauft: Zuckerschoten 80 Pf. bis Mk. 1, Malteser Kartoffeln, neue 15 Pf., alte 9 Pf., Petersilie Mk. 1.50, Grüne Bohnen Mk. 2.50, dicke Bohnen (Saubohnen") 70 Pf., Erbsen 60 bis 70 Pi. das Pfund, Artischoken 40 und 60 Pf., Pariser Häupler- salat 15 Pi., Blumenkohl 40, 60 und 80 Pf. das Stuck, rother eng­lischer Rhabarber 60 Pf. das Packet. Der gestrige Hauptvieh­markt im Viehhof brachte wieder höhere Preise bei Hornvieh. Von ausländischen Viehsorten waren 53 österreichische Ochsen vor­handen. Am Schluffe deS Marktes blieben 23 Stück Großvieh unverkauft.

Wöchentliche Ueberstcht der TodeSsälle in Gießen.

18. Woche. Dom 30. April btS 6. Mai 1893. Einwohnerzahl: angenommen zu 21100 (incl. 1600 Mann Militär). SterblichkeitSztffer: 54,22°/« bezw. 29,37 nach AuSschl. der Ortsfremden.

Kinder

ES starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom

1. Lebensjahr: 2.15. Jahr:

Diphtherie 5 (3)

- - 5 (3)

Lungenschwindsucht 6 (2) Tuberkulose anderer

6 (2)

Organe 4 (1)

Sonstige entzündliche

Erkrankungen der

1 (1) 1 2

AthrnungS-Organe 2 (1)

1 (1) 1 -

Neubildungen 2 (2)

Andere bekannte

2 (2)

Krankheiten 3 (1)

1 (1) 1 1

Summa: 22 (10) 11 (7) 3 8 (3)

Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben en, wie viele der TodeSsälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

kirchliche Anzeigen der Stabt Gietzen.

Evangelische Gemeinde.

Gottesdienst.

Donnerstag den 11. Mai: Himmelfghrtfest:

Vormittags 9V» Uhr in der Stadtkirche: Pfarrer D r. Nau­mann.

Nachmittags 2 Uhr in der Friedhof Scapelle: Pfarrer Dingeld ey.

Katholische Gemeinde.

Donnerstag den 11. Mai, Christi Himmelfahrt:

Mittwoch: Nachmittags um 4/i Uhr und Abends um 8 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte.

Donnerstag: Vormittags von 6 Uhr an Gelegenheit zur hl- Beichte; um 6V2 Uhr erste heilige Meffe; um ?/2 Uhr AiS- theilung der hl. Communion; um 8'/, Uhr zweite hl. Messe; Miliiär- gotteSdienst mit Predigt; um 10 Uhr Hochamt mit Predigt: Nach­mittags um 2 Uhr Festandacht.

Anmerkung: Freitag Abend um 6r2 Uhr ist Maiandacht.

Für die Abgebrannten in Zell bei Alsfeld sind bet uns eingegangen : Von Paul Richter 2JI, Anna Roth 2^l, Provinzialdirrctor Freiherr 0. Gagern 20 JL, M. H. 6 Zu­sammen 30 JL

Wettere Gaben nimmt berettwilligst entgegen

Die Expedition desGießener Anzeiger".

a Diejenigen, welchedie Schmückung von «ravstLite« beab- sichtigen, seien aus das tirabsteln-Geschätt, verbun­den mit Bildhauerei, deS Herrn Emil Kalbfleisch, Licherstraße 1, aufmerksam gemacht, welches wohl als das grüßte dieser Branche am hiesigen Platze genannt werden kann. In ihrem Verkaufslocale, sowie in einem weiteren Lagerräume bringt gen. Firma nahezu 200 fertige Grab-Monumente, Grad kreuze, Grabsteine u. s. w. in allen Stetnarten zur Ausstellung, welche in ihrer Ausführung als künstlerisch zu bezeichnen sind, und durch die reichhaltige Auswahl kann sowohl den bescheidensten, als auch den weitgehendsten Anforderungen Rech­nung getragen werden. Auch in Grab- etnfassungen befindet sich daselbst ein großes Lager. Wir können deshalb allen r. r Interessenten eine Besichtigung dieser Aus­

stellung heftens empfehlen. Sehr schön ausgesührte Gutwürfe liegen ebenfalls zur gefälligen Ansicht auf und werden etwaige Aufträge in kürzester Zett ausgefuhrt bei billigster Preisberechnung. 2389

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Bekanntmachung.

Samstag den 13. Mai l. I., Vormittags 10 Uhr, soll ein der Gemeinde Bersrod zustehender, in vortrefflicher Aussicht stehenderLung- Stein-Bruch" auf unserem Bureau öffentlich verpachtet werden.

Bersrod, am 8. Mai 1893.

Großh. Bürgermeisterei Bersrod. ___________Bocher._______4323

Bekanntmachung.

Im Concurs über das Vermögen des Karl Stiasny ist Schluß­rechnung gestellt und der Vertheilungs- Plan auf der Gerichtsschreiberei Großh. Amtsgerichts niedergelegt. Der Maffebeftand ist 1149,37 Mk., die zu berücksichtigenden Forderungen 9436,68 Mark. [4401

F. Hoffmann

Concursverwalter.

Bekanntmachung.

Die für das Rechnungsjahr 1892/93 rückständigen Capitalzinsen, sowie die für ersteigerte Früchte des landwirth- schastlichen Versuchsfeldes noch nicht berichtigten Beträge sind

innerhalb der nächsten 14 Tage

zur Universitätskaffe zu bezahlen.

Gießen, den 9. Mai 1893.

Großh. UniversitätS-Rentamt.

__________Schmitt.______4395

Bekanntmachung.

Hermann Goldschmidt be­treibt dahier unter der Firma feines Namens eine Handlung mit Putz- und Kurzwaaren. Eintrag im Handelsregister ist erfolgt.

Lich, den 9. Mai 1893.

Großh. Amtsgericht Lich.

Langermann. 4386

Bekanntmachung.

Die Procuristin der Firma Aron Engel zu Grüningen, Aron Engels Ehefrau Amalie, geb. Mendelssohn, ist gestorben und die Procura hier­nach erloschen.

Lich, den 9. Mai 1893.

Großh. Amtsgericht Lich.

_______Längermann. 4385

Versteigerung.

Freitag den 12. Mai 1893, Mittags 12 Uhr, in bet Hofratthe des Herrn Spediteur Lynker sollen durch den Unter­zeichneten öffentlich gegen Baarzahlung versteigert werden:

1 Faß Bleigelb, 110,5 kg,

1 Faß Bleiweiß in Oel, 160 kg,

1 Faß Leinölstrniß, Ta. 105,5 kg.

Versteigerung bestimmt.

Eugel, 4399 Gerichtsvollzieher.

Montag, den 15. Mai, Nachmittags 2 Uhr, werden Gartenstrasse 21 111. versteigert r

1 Blüthnerscher Flügel (kreuzsaitig),

vorzüglich gut gehalten; ferner r

2 Sophas, Tische, Stühle, Spiegel, Haushaltungs-Ge­genstände, Küchengeräthe, ein completes Bett mit Matratzen rc.

3. «.r [4379

Louis Rothenberger, Gerichts Tarator.

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