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Erstes Blatt Donnerstag den 11. Mai
Gießener Anzeiger
Keneral-Wnzeiger.
1893
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2 Mark 20 Pfg. o* Bringrrloha.
Durch die Poft bqafei
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Rebactien, tprt*Ue mb Druckerei:
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2lrnts- und Auzeigeblutt fflr den Kreis Gietzen.
Hratisöeikage: Hießener Aamilineötätter
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Amtliche»' Theil
wir
Darmstadt, den 2. Mai 1893.
Gießen.
16. Mai
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Sinn tnnnnetfclyvtsfeste
und
de Beauclair.
v. Knorr.
17.
18.
19.
Beuern, Bersrod, ReinhardShain, Beltershain,
12.
13.
14.
15.
Wenn in das ruhelose Treiben, in die berückende Lust die erdrückende Last des Erdenlebens die Himmelfahrts-
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und die Gehöftsperre aufgehoben worden. Gießen, den 9. Mai 1893.
an die Schulvorstände des Kreises.
Nachfolgende Verfügung der höchsten Schulbehörde theilen Ihnen zur Kenntniß und Nachachtung mit.
v. Gagern.
dieselben von da ab auch auf die bereits untergebrachten Waisenkinder Anwendung finden sollen.
Gleichzeitig wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Unterstützungen der Waisenlehrlinge von dem genannten Zeitpunke an von 120 Mk. auf 150 Mk. erhöht werden.
Gießen, den 9. Mai 1893.
Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern.
Mai
//
Bekanntmachung,
betreffend Obstbauverein.
Herr Obstbautechniker Metz von Friedberg wird die nachstehend verzeichneten Orte des Kreises Gießen an den beibemerkten Tagen zum Zweck der Abhaltung von Versammlungen und von Uebungen in den Baumstücken besuchen. Alle Mitglieder des Obstbauvereins und Freunde des Obstbaues werden zu zahlreichem Besuche eingeladen.
Gießen, 9. Mai 1893.
Bekanntmachung,
betreffend Maul- und Klauenseuche.
In Wiesbach, Kreis Biedenkopf, und zu Hof Allenrod bei Hitzkirchen, Kreis Büdingen, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Gehöft- bezw. Stallsperre angeordnet worden.
Die zu Capell, Kreis Marburg, und zu Hainchen, Kreis
glocken hineintönen und uns verkündigen, daß der Auferstandene zu seinem himmlischen Vater heimgekehrt ist, so ist uns dies» Festgeläute ein Ruf nach oben. Schon der sichtbare Himmel, der sich über uns wölbt und geheimnißvoll eine höhere Welt uns ahnen läßt, weckt in weihevollen Momenten die in der Tiefe der Menschenseele ruhende Sehnsucht nach der ewigen Heimath und ihrem Gottesfrieden. Wessen Herz noch nicht im Irdischen erstickt ist, der versteht Goethes Sehnsuchtsruf:
Der du von dem Himmel bist,
Alles Leid und Schmerzen stillest, Den, der doppelt elend ist, Doppelt mit Erquickung füllest, —
in Lumda,
„ Geilshausen, „ Odenhausen, „ Keffelbach.
Bekanntmachung, betreffend das Pflegegcld für auf Kosten der Landeswaisenanstalt untergebrachter Waisenkinder; hier Anträge auf Erhöhung des Pfleggeldes.
Unter Bezugnahme auf unsere Bekanntmachung rubr. Betreffs vom 10. v. M. (Anzeigeblatt Nr. 85) bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß die durch Entschließung Großherzogl. Ministeriums des Innern und der Justiz vom 5. April l. I. genehmigten erhöhten Verpflegungssätze bezw.
Betr.: wie oben.
Das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz
(Abtheilung für Schulangelegenheiten)
an die Großh. Kreis-Schulcommifsionen.
In der Pfingstwoche, und zwar vom 22.—25 d. M., wird in Leipzig die 30. Allgemeine Deutsche Lehrerversammlung tagen.
Voraussichtlich werden auch Lehrer des Großherzogthums sich an dieser Versammlung zu betheiligen wünschen, und ermächtigen wir Sie hierdurch, allen Lehrern, welche Ihnen diesen Wunsch zu erkennen geben, den erforderlichen Urlaub zu ertheilen und das Aussetzen des Unterrichts an den betreffenden Tagen zu gestatten.
Der Vorsitzende des Vereinsbezirks Nebel, Amtmann.
Bekanntmachung, betreffend Maßregeln gegen die Maul- und Klauenseuche, hier den Besuch der Märkte.
Nachdem unsere Verfügung vom 21. April l. I. — Kreisblatt 95 —, durch welche mit Rücksicht auf die zur Zeit in erhöhtem Maß wieder bestehende Seuchengefahr der Zeugnißzwang für die aus Märkte geführten Viehstücke angeordnet wurde, mißverstanden worden und hierdurch eine Anzahl von Landwirthen auf den heutigen Gießener Markt ohne Zeugniß gekommen ist, wiederholen wir hiermit nachstehende Verfügung:
Alle diejenigen, welche die im Kreis Gießen statt- nndenden Märkte mit Rindvieh, Schafen, Ziegen, Schweinen befahren wollen — einerlei, aus welchen Orten, und einerlei, ob Händler oder Landwirthe, — müssen im Besitz thierärztlicher Gesundheit» scheine sein. Zuwiderhandlungen werden bestraft.
Gießen, den 10. Mai 1893.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Gießen, den 10. Mai 1893. Betreffend wie oben.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießeu
«m die «rstzh. Bürgermeistereien de» «reise».
Wir beauftragen Sie, vorstehende Verfügung alsbald zur Kenntniß Ihrer Ortsangehörigen zu bringen, und hierbei besonders darauf aufmerksam zu machen, daß die angeordnete Maßregel sich nicht nur auf die Märkte in der Stadt Gießen, sondern im ganzen Kreis Gießen, besonders auch auf den am 15. d. M. zu Hungen stattfindenden Markt bezieht.
v. Gagern.
Büdingen, ausgebrochene Maul- und Klauenseuche ist erloschen I Unterstützungen während der Lehrzeit erst mit Beginn des unh s.» ßinMfif«.... —c—k— nächsten Budgets (1. April 1894) berechnet werden und daß
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
________ v. Gagern.
Gießen, den 9. Mai 1893.
Betr.: Die 30. Allgemeine Deutsche Lehrerversammlung zu Leipzig im Mai 1893.
Die
Großh. Kreis-Schulcommission Gießen
Fe»»illeton.
Duseckkns Daran.
Von E. Reinhold.
(Schluß.)
Vor der Thüre stand er einen Augenblick still. WaS nun? Da näherte sich etwas schwankend eine kleine, kugelrunde Gestalt.
„Nanu?"
Und: „Dusecke !" schrie Frau Dusecke, „Jorte doch, Mensch, wie ville haste denn Widder runterjejossen? Wo ist der Baron?"
Dusecke war in einem Stadium übernatürlicher Seligkeit.
„Der Baron, ein Staatskerl! Ick soll hier aus'u warten. Er kooft jetzt für Meeri eenen Brillantschmuck —"
„Dusecke, for sein Jeld?"
„Jott bewahre. Na ja, 'S is ja doch sein's. Wat meins is, is ooch sein's."
„Dusecke, so'n — na —"
„Wann kommt der Baron zurück?" mischte sich jetzt Herr Vollert ein.
„Um Uhre elfe, er hätt noch ’nen Besuch zu machen —"
„Dann vorwärts, hier in die Droschke, unterwegs sollen Sie alles erfahren."
„Aber Herr, ick weeß nicht — "
„Ach, vorwärts 'rin, Dusecke," commandirte hier die Ehehälfte, und das Trio bestieg den Wagen, den Herr Vollert nach seiner Wohnung fahren ließ. Die verheißene Aufklärung konnte nun Herrn Dusecke unterwegs allerdings nicht gegeben werden, denn er verfiel sofort in einen tiefen Schlaf, aus dem er erst erwachte, als die Droschke vor Herrn Vollerts Hause hielt.
Wally batte, bald nachdem der Papa das Haus verlassen, der Mama hoch und heilig versichert, daß sie von der ganzen Geschichte kein Wort glaube, sie hatte diese Versicherung unzählige Male wiederholt, schließlich von der Mama die Erklärung erpreßt, daß auch sie nicht daran glaube, und
auch mit diesem Erfolge noch nicht ganz zufrieden, zu allerletzt erklärt:
„Du sollst nicht blos sagen: ich glaube nicht daran, sondern sollst auch wirklich nicht daran glauben, so wie ich."
Da schlug es acht Uhr und bald darauf klingelte es. Dieses Mal war es wirklich „Er", noch im Frack und weißer Cravatte. Glückstrahlend trat er in den SaloN.
„Geliebter, endlich, endlich! Ach, was war das für eine böse Stunde!"
„Mein theures Lieb!"
Die Mama verließ leise das Zimmer. Jetzt glaubte auch sie wirklich nicht daran, und wenn, diesen Augenblick zu stören, hätte sie nicht übers Herz gebracht.
Die Seligkeit der Liebenden wurde bald unterbrochen. Papa Vollert trat herein mit seinen beiden Trabanten.
Herr Dusecke wurde der Situation durch ein lang- gezogenes „Nanu!" gerecht, während seine Ehehälfte sich vorläufig begnügte, ein dummes Gesicht zu machen. Endlich that auch sie den Mund auf:
„Dat is feen Baron!"
Jetzt war es Dagobert, der ein verwundertes „Nanu?" hören ließ. Herr Vollert aber brach in ein herzliches Lachen aus.
„Beinahe wäre ich wahrhaftig auf den Leim gekrochen und hätts geglaubt!" rief er.
Dagobert runzelte ein wenig die Stirn bei der nun folgenden Aufklärung: man hätte ihn doch eigentlich besser kennen sollen- aber die Falten glätteten sich sofort, als Wally ihn mit strahlenden Augen ansah und stolz behauptete, sie habe es von Anfang an nicht geglaubt. Aber wer ist der andere?
„Wer?" sagte Dagobert lachend, „irgend ein Gauner, der fick den richtigen Gimpel herausgesucht hat —"
„Siehste, Schafsdämel, Du!" schaltete hier Frau Dusecke ein, auf ihren Mann blickend, der völlig zusammenknickte.
„Aber diesem geehrten Herrn, der mit meinen Visitenkarten paradirte, werden wir doch die Polizei auf die Spur fetzen und zwar sofort."
EinCriminaleommissarius erschien bald darauf auf erfolgte Requisition und ließ sich den Fall vortragen.
„Da ist nicht mehr viel zu wollen, der ist längst über alle Berge. Herr Dusecke hat ihm gerade noch das Reisegeld gegeben. Wir wollen aber wenigstens feststellen, wer er ist. Kommen Sie mit, Herr und Frau Dusecke, aufs Bureau, wir werden Ihnen dort das Verbrecheralbum vorlegen."
Es war sehr spät Abends, als das Ehepaar Dusecke in seinem Hause auf der Skalitzer Straße anlangte. Schweigend stiegen beide die Treppe hinan; er hatte den ganzen Weg über den Mund nicht aufgethan, sie hatte sich ausgesprochen. Als sie in der Wohnstube Licht angezündet hatten, sahen sie auf dem Tische einen Brief liegen: „An meine Eltern. Ich mag den Baron nicht, ich bleibe Roberten treu. Ich gehe nicht ins Wasser, aber ich gehe zu einer Freundin und bleibe dort so lange, bis Ihr erlaubt, daß ich Roberten heirathe. Eher kehrt nicht zurück zu Euch Eure dankbare Tochter."
„Mann I" sagte Frau Dusecke, nachdem sie die Epistel der dankbaren Tochter gelesen, „bat is Dein Werk, Du hast unser Kind aus'm Hause jetrieben, aber ick werde es wieder zurückbringen. Und nun rede (eenen Ton dajejen."
„Mach, wat Du willst," war alles, was Dusecke entgegnete.
Er fühlte, feine Tyrannenmacht war zu Ende, so wurde er zum ergebungsvollen Selaven. Dieser Schritt ist ebenso klein wie der vom Erhabenen zürn Lächerlichen.
Und Duseckes Gattin ging hin und that, wie ihr Mann ihr geheißen, d. h. sie machte, was sie wollte.
Am nächsten Tage erschien an den Litfaßsäulen ein mächtiges gelbes Plakat, dessen stilistische Fassung dem Kundigen sofort die redaetionelle Thätigkeit der Frau Dusecke verrieth. Dasselbe hatte folgenden Wortlaut:
Liebe Meeri!
Vater hat nu nischt mehr dagegen mit Roberten, seit der Baron feener is. Kehre zurück zu Deine Eltern, alles soll Widder jut sind.


