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1893.
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Nr.. 291 Zweites Blatt. Sonntag den 10. December
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Siebener Anzeiger
Kemral-Anzeiger.
1893
VierteWlhrtger JHewxcnuxtoytfUt 2 Mark 20 Pf,- udt Bringerloha. Durch die Post be-og«
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Winterdienst im Feuerlöschwesen.
Die Tage werden kürzer, das Thermometer stellt sich tiefer und die Menschen treffen ihre Vorbereitungen, um die Unbilden deS Winters leichter zu ertragen. Auch für die Feuerwehren gilt es jetzt, Vorbereitungen zu treffen, um in der Winterzeit mit ebensolcher Schlagfertigkeit arbeiten zu können, wie im Sommer. Vor Allem ist dazu nöthig, daß daS gesammte Rüstzeug einer eingehenden Prüfung unterzogen und etwaige Mängel sofort abgestellt werden.
Die Spritze ist gründlich zu reinigen, die Radachsen zu schmieren, die Cyltnder blank zu putzen, nicht aber ein« zufetten. An den Druckstangen-Achsen ist alles verhärtete Fett zu entfernen. Die Ventile und Canäle sind sauber und trocken auszuwischen. Letzteres ist namentlich sehr wichtig. Die geringste Feuchtigkeit in der Spritze kann die Ursache sein, daß die Ventile fest frieren und die Spritze im Noth- falle versagt. Mit Schwamm und wollenen Lappen muß das innere Werk sorgfältig ausgetrocknet werden.
Die Schläuche müssen vor Eintritt des Winters nochmals auf ihre Brauchbarkeit geprobt und mangelhafte reparirt oder durch neue ergänzt werden. Die Gewinde der Schläuche mit Oel oder Fett zu schmieren, ist unsinnig- es genügt, wenn die Gewinde sorgfältig von Schmutz und Sand gereinigt werden. Die Schläuche müssen fest verschraubt auf den Schlauchhaspel aufgerollt und während des Winters mehrmals umgerollt und in andere Brüche gelegt werden. Nur wo Schlauchhaspel nicht vorhanden und das Spritzenhaus modrig und feucht ist, lasse man die Schläuche im Schlauchschacht hängen. ES wird die Herabnahme beim Brandfall das AuSrücken der Feuerwehr um einige Zeit verzögern und verstößt im Allgemeinen gegen alle Regel, allein so lange noch nicht überall luftige, trockene Spritzenhäuser vorhanden sind, können die Schläuche nicht aufgerollt bleiben.
An den Laternen sind die Scheiben zu reinigen, Kerzen einzusetzen und Reservekerzen beizulegen. Die Schachtel schwedischer Zündhölzer muß bereit liegen.
Hat man eine Ueberdecke, so bedeckt man die Spritze sorgfältig damit.
Die Feuere im er müssen mit derOeffnung nach unten aufgehängt werden.
Die Leitern sollen an einem Orte aufbewahrt werden, an dem sie vor Regen und Schnee geschützt sind. Neue Leitern werden mit einem in Leinöl getränkten Lappen tüchtig abgerieben, vorher muß aller etwa anhaftender Schmutz gründlich entfernt sein. Die Eisentheile werden von Rost befreit und geölt.
ES empfiehlt sich, die Lettern öfter umzulegen, um ein Verziehen derselben zu verhindern, etwa locker gewordene Eisentheile müssen angezogen werden, auch sind die Leitern vor der Winter-Aufbewahrung auf ihre Festigkeit zu prüfen. Diese Prüfung geschieht auf die einfache Art dadurch, daß die Leiter oben und unten auf Böcke wagrecht gelegt und mit ca. 80 Kilogramm (ein Mann) in der Mitte belastet wird | (Reitsitz). Hält die Leiter diese Probe aus, dann kann sie angelehnt bestiegen werden. Mechanische Schiebleitern werden j auf andere Weise geprüft, da dieselben aber meist nur von , geschulteren Freiw. Feuerwehren geführt werden, denen die PrllfungSart gewiß bekannt ist, so braucht sie hier weiter nicht erörtert zu werden.
Persönliche Ausrüstungen. Alle Gurten, Leinen, Schlauchschlingen, Gurtseile sind vor Beginn des Winters nachzusehen und auf ihre Tragfähigkeit zu prüfen, Leinen müssen ein Gewicht von 600 Kilogramm tragen, ebenso Gurt- * seile und Steigergürtel. Man macht diese Probe, indem man sie über einen Balken schlingt und vier Mann anhängt. Petroleumsackeln müssen stets gefüllt bereit stehen. ;
Das Geräthehaus muß blitzblank sein. Alles Ge- j rümpel, das an manchen Orten im Spritzenhaus so gern , überwintert, muß heraus. Die Geräthe müssen in musterhafter Ordnung zur Ausfahrt fertig stehen. Für zweckmäßige und zu jeder Zeit functionirende Beleuchtung muß Sorge ge- i tragen sein. ;
Schnee und Eis sind sofort vor dem Geräthehaus zu entfernen, damit die Thüren sogleich geöffnet werden können. Es ist ferner Vorsorge zu treffen, daß, wenn Schläuche rc. bei einem Brande gebraucht werden, diese in einem geheizten Raume (Schulsaal, Gemeindezimmer) getrocknet werden können. Oefteres Lüften des Geräthehauses an sonnigen Wintertagen i wird verhindern, daß das Rüstzeug verstockt und vermodert. j
Wasserbeschaffung. Der Wasserbeschaffung im ; Winter ist große Aufmerksamkeit zuzuwenden. Zugänge zu * Bächen, Teichen, Flüssen sind stets eisfrei zu halten. Jn^die Eisdecke sind Schöpflöcher zu schlagen. Wo sich Hydranten befinden, sind die Deckel mit Viehsalz zu bestreuen. Da die Wasserbeschaffung fast in jedem Orte eine andere ist, so muß eben die Feuerwehr je nach den örtlichen Verhältnissen darauf bedacht sein, daß ihr dieses nothwendigste Hülfsmittel im Nothfalle nicht versagt.
Uebungen. Die Uebungen im Freien werden im Winter nicht so häufig vorgenommen werden können, trotzdem soll die Feuerwehr nicht in einen Winterschlaf verfallen. Läßt die Witterung Uebungen im Freien nicht zu, so ver
sammele der Commandant die Mannschaft in einem geschlossenen, gewärmten Locale. Dort lese man die Dienstvorschriften aus unserem Uebungsbuche vor, mache die Mannschaft auch mit unserer Landesfeuerlöschordnung, ihren Ausführungsbestimmungen, der Kreisfeuerlöschordnung, den Bestimmungen über die Unterstützung bei Unfällen rc. bekannt und lese ihnen geeignete Artikel aus der „Feuerwehrzeitung" vor, die dann sachlich besprochen werden können. Ist eine Feuerwehrbibliothek beschafft, dann wird es ja Stoff genug geben, über den gesprochen werden kann. Eine solche Bibliothek sollte eigentlich keiner, namentlich freiwilligen, Feuerwehr fehlen. Wenn man mitunter sieht, für wie viel unnützen Kram Geld ausgegeben wird, so muß man staunen, daß bei vielen Feuerwehren nicht einmal ein ordentliches Buch, welches Belehrungen über das Feuerlöschwesen enthält, oder ein gebundener Band Feuerwehrzeitungen anzutreffen ist. Die Winterabende sind besonders geeignet, den Mannschaften die Signale einzuprägen. Es ist dies zu gleicher Zeit eine Hebung für die Signalisiert und den Leuten werden die Signale geläufig, so daß sie wie das Commando verstanden werden.
Brand im Winter. Bei einem Brande im Winter, namentlich, wenn Eis und Schnee die Erde bedeckt, ist für die Feuerwehr große Vorsicht geboten. Das Ausfahren nach der Brandstelle hat nur mit mäßiger Schnelle zu geschehen, damit, falls Jemand ausgleitet, er nicht unter die Räder kommt. Bei strenger Kälte bildet sich um die Spritze herum durch übergeschüttetes Wasser eine Eisdecke. Man sorge daher stets für Asche oder Sand, auf welchem die Pumpmannschaft steht. Verbleibt die Spritze längere Zeit an einem Standort, dann muß Stroh gelegt werden, um kalte Füße möglichst zu verhüten.
Die Steiger haben mit großer Vorsicht zu Werke zu gehen. Das Anstellen der Leiter wird mitunter durch mehr Leute, als sonst, geschehen müssen und es muß darauf geachtet werden, daß ein Abrutschen der Leiter nicht vorkommen kann. Die Dachleitern sind nur mit Vorsicht zu betreten. Dte Rohrführer sollen sich für Handschuhe sorgen, auf alle Fälle aber sollen die Strahlrohre mit Bindfaden verschnürt sein.
Um ein Einfrieren der Spritzen und der Schläuche möglichst zu verhindern, muß die Spritze, auch wenn der Strahl augenblicklich nicht gebraucht würde, in kurzen Zwischenräumen langsam gepumpt werden. Ist die Spritze dennoch eingefroren, dann gieße man heißes Wasser in den Spritzenkasten und bewege die Druckhebel. Im Nothfalle kann auch Spiritus in den Wasserkasten gegossen und angezündet werden,
Fruilleton.
Wochrnbriese aus der Residenz.
(Originalbertcht für den „Gießener Anzeiger".)
Z. Darmstadt, 8. December 1893.
Besuch des Herzogs von Sachseu.Coburg.Gotha. — Ein journalistisches Jubiläum. — Concette und Vorträge. — Allerlei.
Nur wenig Tage sind seit dem Besuche des Prinzregenten Luitpold von Bayern verflossen und schon wiederum dürfen wir von einem hohen fürstlichen Besuche berichten, der unserer Residenz galt. Seine Königliche Hoheit der Herzog von Coburg kam am vergangenen Samstag zu eintägigem Besuche an den Darmstädter Hof. Der hohe Herr wurde von unserem Großherzog und dem Prinzen Wilhelm am LudwigSbahnhof empfangen und auf der Fahrt durch die Stadt nach dem Residenzschlosse vom Publikum mit lauten Bivatrufen begrüßt. Die Straßen der Stadt zeigten sich aus Anlaß des hohen Besuches wieder in buntem Flaggenschmucke. Im Schlosse fand ein Festmahl statt, am Abend folgte dann als Galavorstellung vor einem zum großen Thetle wiederum geladenen Publikum die erste Aufführung von Delibes Oper „Lakme". Das Haus bot in der wundervollen von vielen Hunderten von electrischen Lichtern ausstrahlenden Beleuchtung einen prächtigen Anblick. Die Festvorstellung selbst nahm einen schönen Verlauf, war aber allerdings durch Erkrankungen im Personal, die zu unliebsamen Mrzungen führen mußten, etwas beeinträchtigt. Die Handlung spielt in Indien. Dort bricht eine muthwillige englische Reisegesellschaft in den gleich einem Heiligthum geachteten Garten eines Brahmanen ein, den erst kurz vorher Lakme, die Tochter des Brahmanen, verlaffen. Nach kurzem Verweilen entfernen sich die Fremden wieder, nur ein junger englischer Offizier, Gerald, bleibt zurück, um die Besitzerin einiger kostbarer Schmucksachen, die er im Garten vorgefunden, kennen zu lernen. Bald darauf kommt denn auch Lakme und ihre Schönheit bezaubert den fremden Eindringling augenblicklich.
Die Rückkehr des alten Brahmanen, der sofort bemerkt, daß Unberufene in sein Heiligthum eingedrungen sind und sich dafür zu rächen gelobt, beschließt den ersten Act. Der nächste Anfang zeigt uns den Schauplatz eines großen indischen Festes, das die Möglichkeit großer scentscher Prachtentfaltung gewährt. Lakme kommt mit ihrem Vater, der als Bettler verkleidet den Störer des Friedens seiner Hütte zu finden hofft. Dies gelingt ihm auch und er stößt Gerald, den Lakmes Erscheinung und ihr wunderbarer Gesang alle Vorsicht vergessen ließ, mit einem Dolche nieder. Doch sein eigen Kind trägt nun für die Heilung des Geliebten Sorge. Im indischen Waldesdunkel gesundet Gerald Dank der liebevollen Pflege der Brahmanentochter, der zu Liebe er seine Stellung und seine Soldatenehre opfern will. Doch die Jndierin glaubt nicht an die Möglichkeit des Glückes einer dauernden Vereinigung mit dem Geliebten, sie gibt sich mit einer giftigen Blume den Tod. — Man sieht, die Handlung der Oper ist eben nicht gerade sehr geistvoll oder abwechselungsreich, die Musik hat dagegen recht gut gefallen, doch bezweifelt die fachmännische Kritik, ob sie sich eines dauernden Erfolges erfreuen werde. Ganz wunderbar war wiederum die Ausstattung der trotz ihrer Mängel jedenfalls sehr interessanten Novität, die uns die Festvorstellung bescheerte.
Im heutigen Brief wäre dann der Feier des 25jährigen Amtsjubiläums des Chefredacteurs der sehr beliebten und verbreiteten „Neuen Hessischen Volksblätter" zu gedenken. Im „Gießener Anzeiger" ist auf die Verdienste des Herrn Rudolf Ramspeck als Leiter seiner Zeitung schon gebührend hingewiesen worden und es erübrigt uns an dieser Stelle nur noch feftzustellen, daß die Jubiläumsfeier in Darmstadt die lebhafteste Theilnahme in allen Kreisen gefunden hat. Der allbeliebte Redacteur empfing mächtige Glückwunschschreiben, Telegramme, kurz Sympathiebeweise aller Art, dte ihm gesagt haben werden, daß der Cours, den er den „Neuen Hessischen Volksblättern" gegeben, ein richtiger und zielbewußter ist, das wurde auch von allen hier erscheinenden Tagesblättern anerkannt und ausgesprochen.
Ueber den Verlauf der schönen Feier im Einzelnen haben die Volksblätter berichtet, an dieser Stelle darauf näher einzugehen, verbietet uns der Raum.
Am vergangenen Montag brachte uns die Hofmusik ihr letztes großes Symphonieconcert für dieses Jahr. DaS Programm war wiederum sorgfältig zusammengestellt und hatte eine außerordentlich zahlreiche Zuhörerschaft im Hoftheater versammelt. Von größeren Orchesterstücken kam Schumanns I. Symphonie in B-dur zur Ausführung, die von unserer Hofmusik unter de Haans Leitung gleich den übrigen Programmnummern vorzüglich wiedergegeben wurde. Die Solisten des Abends waren die unserem Concertpublikum von früheren Jahren her wohlbekannte Coloratursängerin Frau Emma Baumann aus Leipzig und der Pianist Alexander Siloti. Beide Mnstler fanden eine sehr beifällige Aufnahme, namentlich Frau Baumann wurde für ihre ausgezeichneten Darbietungen jubelnd gefeiert.
Von Vorträgen der vergangenen Woche sei der hochinteressante Bericht des bekannten Darmstädter Alpinisten, des Herrn Wilh. Dieter, erwähnt, der in der Section Darmstadt des Alpenveretns eine im vergangenen Sommer von ihm ausgeführte schwierige Hochtour schilderte.
Im Hofthea-ter hat dann endlich Herr William Büller am Dienstag ein größeres Gastspiel eröffnet und er wurde freundlich bewillkommt.
Nicht vergessen fei aber in unserem Briefe zum S-ülusse noch zu erwähnen, daß die Darmstädter mit lebhaften Interesse die Berichte über die Einweihung der neuen Johanneskirche in Gießen ausgenommen haben. Ausführliche Berichte in der hiesigen Presse berichteten genau über den Verlauf der schönen Feier und über den festlichen Empfang, den Gießens Bewohner dem jugendlichen Landesfürsten bereitet hat. Auch wir hoffen bald unsere neue Johanneskirche auf dem Wilhelmsplatze einweihen zu können, der stattliche Bau ist bereits sehr weit gediehen und der Vollendung nahe.


