Ausgabe 
10.9.1893 Zweites Blatt
 
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Die Gietzeuer

* «rbett dem Anzeiger ^..chenklich dreimal Angelegt.

Zweites Blatt. Sonntag deu 10. September

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger.

1893

8ierte(|41)ngtT JHexxeetttbiird»» 2 Mark 20 Psg. mtt Bringerlohn.

Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.

»edaction, Expedin« < und Drucker«:

gernsprech« 51.

Amts- und Anzeigeblutt für den Tireis Gieren.

Kratisbeikage: Gießener KamitienKtätter.

Annahme von Anzeigen zu bei Nachmittag» für den folgenden Tag erfcheinmden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Bureaux des In« und Auslandes nehm« Anzeigen für den@ie&enet Anzeiger- entgegen.

Indem wir noch auf unser Ausschreiben vom 24. März d. I. (Kreisblatt Nr. 73) verweisen, wonach die bei Ihnen zur Anmeldung kommenden Schäden in dem Formular ein­zutragen sind, ohne daß Sie die Feldgeschworenen wie früher zur vorläufigen Abschätzung heran­ziehen, beauftragen wir Sie, die nach Maßgabe der vor­stehenden Bestimmungen ausgefüllten Nachweisungen thunlichst bald und spätestens bis zum 27 September d. I.

Der vor einigen Tagen in Stuttgart abgehaltene allge­meine Bereinstag der deutschen landwirthschaftlichen Genossen- schasten hat ein recht erfreuliches Bild von dem fruchtbaren Wirken des Genossenschaftswesens in der Landwirthschaft und von der stetig fortschreitenden Verbreitung desselben gegeben. Es ist dies um so bemerkenswerther, als die neuerdings auch in den landwirthschaftlichen Kreisen durch eine teilweise mit höchst demagogischen Mitteln arbeitende Agitation gepredigte Lehre von der Wundermacht der staatlichen Gesetzgebung wohl die Befürchtung erregen konnte, daß dadurch die Bestrebungen zu einer Verbesserung der Lage der landwirthschaftlichen Be­völkerung aus eigener Kraft gelähmt werden würden. Der unbefangene Beurtheiler wird sicherlich nichts dagegen ein«

au die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.

Unter Bezugnahme auf unsere Bekanntmachung vom 16. d. M. (Kreisblatt Nr. 193) und die Bestimmungen im Reichsgesetzblatt Nr. 35 von 1887 S. 446 zu § 14 beauf­tragen wir Sie, die Grundbesitzer alsbald, nachdem die Hebungen innerhalb Ihrer Gemarkung beendet sind, durch ortsübliche Bekanntmachung zur Anmeldung ihrer Flurschäden

ein kurzes Protokoll aufzunehmen und der Nachweisung bei- zuschließen, in welcher das Ergebniß der Abschätzung mit be­sonderer Erwähnung Ihrer Verfügung wegen des Aberntens in Spalte 10 einzutragen ist. Zur Abschätzung sind

die Beschädigten zu laden.

Für ihre Thätigkeit in Flurschadenangelegenheiten be*

Das Genossenschaftswesen in der Land­wirthschaft.

Gang der Gesetzgebung möglichst in ihrem Interesse zu be­einflussen, aber es würde der Landwirthschaft, und insbesondere der bäuerlichen Bevölkerung, zu schwerem Schaden ausschlagen, wenn man sich daran gewöhnen wollte, alles- Heil von der Gesetzgebung allein zu erwarten. Unter dem Beifall der in Stuttgart Versammelten bat Herr Kreisrath und Landtags­abgeordneter Haas in Offenbach demfreudigen Bewußtsein" Ausdruck gegeben,daß die genossenschaftlich organisirte Selbst- hilse immer noch eins der besten Mittel zur Hebung der Landwirthschaft sei", und er hat sogar den Satz ausgestellt: In der deutschen Landwirthschaft wird starke» Genossenschafts­wesen sein, oder die deutsche Landwirthschaft wird nichts sein." Daß diese hohe Werthschätzung des landwirthschaftlichen Ge- noffenschaftswesens nicht etwa auf grauer Theorie beruht,

an uns einzusenden. , ,,4 ,

Sollte bis dahin die Zusammenstellung noch nicht be* endet sein, so ist uns jedenfalls anzuzeigen, daß Flurschäden zur Anmeldung gekomMn sind.

I. 93.: Dr. Melior.

frühen Morgen verließen die Ritter vorn Stahlroß die Räume des städtischen Saalbaues. Die Gunst des Publikums hat sich der leistungsfähige Club mit seiner Jubiläumsfeier von Neuem gesichert.

Am letzten Sonntag hat denn auch nach langer Pause unser Musentempel, das Großherzogliche Hoftheater, seine Pforten dem kunftliebenden Publikum wieder geöffnet. Trotz der zahlreichen gleichzeitigen Veranstaltungen waren alle Ränge dicht gefüllt. MeyerbeerSHugenotten" bildeten die Er­

öffnungsvorstellung, die uns mu der neugewonnenen Coloratur« sängerin Frl. Schickardt bekannt machen sollte. Die zum Ersatz für Frau Steinmann engagine Künstlerin sand er­munternden Beifall, reicht aber in ihren Leistungen an ihre Vorgängerin, die uns freilich wohl für immer unentbehrlich bleiben wird, nicht heran. Die ganze Vorstellung nahm einen sehr guten Verlauf, vor Allem errangen Frl. Roth und Herr Riechmann großen Beifall, Herr Baer war etwas indisponirt. Der Dienstag brachte uns Grillparzers wunder- volles TrauerspielDes Meeres und der Liebe Wellen." Hierin debütirte Frl. Cretius vom Lübecker Stadttheater als Hero mit freundlichem Erfolg. Auf dem Spielplan der nächsten Zeit stehen einzelne recht interessante Novitäten, so soll uns die Oper noch im September Berlioz'Benvenuto Cellini", das Schauspiel PohlsVasantasena" und Fuldas Talisman" bringen. Eine bemerkenswerthe Neuerung plant die Hoftheaterdirection laut einer von ihr veröffent­lichten Bekanntmachung, um das störende Zuspätekommen eines Theiles des Publikums endlich einmal zu beseitigen. Es sollen nämltch eventuell die Thüren bei Beginn der Vorstellung geschlossen und den zu spät Gekommenen der Eintritt erst nach Schluß des ersten Actes gestattet werden. Im Interesse

aufzufordern. c o r n .

Zu der von Ihnen zu fertigenden Zusammenstellung der angemeldeten Schäden ist das vorgeschriebene Formular zu verwenden, welches als Beilage E zur Instruction in dem vorgenannten Reichsgesetzblatt S. 481 abgedruckt ist. Die da­selbst gegebenen Anmerkungen Nr. 14 sind genau zu beachten.

Das Formular wird Ihnen auf Anftehen durch ,uns übersandt werden. Sie wollen dasselbe, so­bald Schadensanmeldungen bei Ihnen erfolgen, unter Angabe der ungefähren Zahl der beschä­digten Grundstücke schleunigst von uns erbitten. In dem Formular sind die erfolgenden Anmeldungen nach Flur und Nummer geordnet durch Ausfüllen, der Spalten 15 mit Tinte einzutragen, während die Spalten 69 mit Bleistift auszufüllen sind. Die Spalte 6 a, Forderung des Beschädigten, ist nur auszufüllen und zwar mit Tinte, wenn der Beschädigte thatsächlich einen bestimmten Anspruch erhebt. Bei Ausfüllung der Spalte 7 empfiehlt sich Angabe des Verlustes von Körnern, Heu, Kar­toffeln rc. in Gentnern. Die Spalten 7 und 8 sind so aus­zufüllen, daß die Entschädigungsbeträge im Wege der Be- r^nutit^ di- | ÄZ. V" b".

Betheiligten Ihre Entscheidung darüber anzurufen, ob und inwieweit die Aberntung der beschädigten Felder einzutreten hat. Letztere ist anzuordnen, insoweit beim Verbleiben der Früchte auf dem Felde ein höherer, als der durch die Truppen verursachte Schaden entstehen würde, namentlich also bei FrEen, welche dem Verderben ausgesetzt sind. Wird die Aberntung demgemäß vor dem Eintreffen der Abschätzungs­commission angeordnet, so Haden Sie sofort unter Zuziehung zweier, der Abschätzungen dieser Art kundigen, unparteiischen Personen den Stand der beschädigten und abzuemtenden Felder, das Quantum (Fuder u. s. w.) und die Qualität der übrig gebliebenen Früchte und deren etwaige weitere Ver­wendbarkeit (z. B. als Viehsutter) und den sich hiernach er­gebenden Umfang des Schadens festzustellen. Es ist hierüber

Feuilleton.

Wochendriefr aus der Residenz.

(Originalbericht für denGießener Anzeiger".)

Darmstadt, 8. September 1893.

Sedanftier. Zubilau» be8 BicycleclubS. Eröffnung deS Hoftheaters. Verschiedenes.

Das nationale Fest der Sedanfeier pflegt in der Residenz des Hessenlandes stets würdig begangen zu werden, die Stadl prangt im bunten Festkleide, Fahnen in den deutschen und hessischen Farben grüßen von allen öffentlichen und vielen privaten Häusern, das Landeskriegerdenkmal auf dem Parade- platz ist festlich bekränzt, dazu werden in den Schulen, in einzelnen Vereinen Festacte gehalten und am Abend beschließt die Serenade und das Feuerwerk vor dem Landeskrieger- denkmal die Feier. In den vergangenen Jahren hatte man das Festprogramm auch noch durch Veranstaltung eines großen Dolkssestes aus dem Exercierplatz erweitert, diesmal war hiervon abgesehen worden. Das Ludwig-Georgs-Gymnasium hielt zuvor am Freitag Mittag für seine Schüler eine dem letzten Volksfest ähnliche Feier im Walde bei der Ludwigs­höhe ab, in den anderen Schulen begnügte man sich jedoch mit Festacten, Ansprachen usw. So war denn auch der äußere Verlauf der Sedanfeier diesmal viel stiller als in den beiden Vorjahren. Das Concert am Nachmittage, von der Capelle des 115. Infanterie Regiments vor dem Hostheater ausgesührt, und ebenso die Serenade und das Feuerwerk am Abend hatten wie immer eine große Menschenmenge angelockt. Den Schluß des Tages bildete eine gesellige Vereinigung im

Rummelbräu", bei der mehrere patriotische Ansprachen ge- I halten wurden. |

Besonderes Interesse fand beim Publikum die Jubiläums­feier des Darmstädter Bicycleclubs am Sonntag. Der Rad­fahrsport wird in unserer Stadt außerordentlich eifrig gepflegt, das Interesse deS Publikums scheint durch die sehr zahlreichen Veranstaltungen der hiesigen Radfahr-Dereinigungen in feiner Weise ermüdet zu werden, wie man aus der regen Antheil- nahme ter Bevölkerung an der Jubiläumsfeier entnehmen konnte. Schon am Samstag Abend hatte ein Fackelcorso durch mehrere Straßen stattgefunden, daran schloß sich ein großer Festcommers in derStadt Pfungstadt". Der zweite Tag brachte Morgens den Empfang der zahlreich angemeldeten Festgäste, bann Mittags eine Corsofahrt und endlich das große Wettrennen auf der prächtigen, dem Club gehörigen Rennbahn am Carlshof. Eine außerordentlich große Menschen- menge hatte sich zu dem Rennen eingefunden und folgte dem Verlauf der einzelnen Sportskämpfe mit regstem Interesse. Mit der Aufzählung der einzelnen Rennen und ihrer Ergeb­nisse will ich Ihre Leser nicht belästigen, nur sei bemerkt, daß Herr Fritz Opel aus Rüsselsheim ganz glänzende sportliche Leistungen vorführte und sich unter jubelndem Beifall des Publikums mehrere Preise, darunter den Hauptpreis des großen Jubiläumsfahrens, holte. Am Abend fand dann noch eine interne Nachfeier im Saalbau statt, die gleichfalls prächtig verlaufen sein soll. Besonderen Beifall sollen sich nach den Berichten der Presse die Leistungen des Kunstfahrerquintetts vom Hanauer RadfahrvereinVorwärts" errungen haben. Zwei Mitglieder desselben halten übrigens schon am Nach­mittage beim Rennen staunenerregende Kunststückchen aus­geführt. Ein solenner Festball beendete die Feier, erst am

die Abschätzung der Flurschäden. Für ihre Thätigkeit in Flurschadenangetegenyeiren oe-

Das Grotzherzogliche Kreisamt Gietzeu nahme^bei der^Abschätzung gehört zu Ihren Pflichtgeschäften.

Theil.

Gießen, den 18. August 1893. Betr.: Die Herbstübungen der Großh. (25.) Division; hier

zeige« die aller Welt bekannten Thatsachen. Nicht nur die Bildung von landwirtschaftlichen Creditvereinen und Genossen­schaften zu gemeinsamem Bezug von Rohstoffen, namentlich von Dungmitteln und Samen, hat einen erstaunlichen Umfang gewonnen, sondern auch die auf dem Gebiete deS Handwerks und der Industrie mit so großen Schwierigkeiten und Hinder­nissen umgebene Form der Productivgenossenschast hat in der Landwirthschaft zu den schönsten Erfolgen geführt. Oder will Jemand befreiten, daß die Molkereigenossenschaften ganzen Landstrichen zum größten Segen geworden sind?

UederauS lehrreich war das in der Stuttgarter Ver­sammlung entwickelte Bild von der großartigen Entwickelung, welche das landwirthschastliche Genossenschastswesen in Württem­berg im Laufe zweier Jahrzehnte genommen hat, lehrreich besonders deshalb, weil man es dort ganz überwiegend mit einer Bevölkerung von selbstständigen Bauern zu lhun hat. Der Großgrundbesitzer als solcher hat an dem Genossenschafts­wesen naturgemäßen geringes Interesse- überall aber, wo die Verhältnisse ähnlich liegen, wie in Württemberg, kann das Beispiel dieses Landes nicht genug empfohlen werden. Je umfassender und träftiger die landwirthschaftlichen Genossen­schaften sich entwickeln, um so vielseitiger wird auch ihre Fruchtbarmachung für die verschiedensten Zwecke werden. Die in Stuttgart angenommenen Resolutionen über die Verwerthung der Genossenschaft zur Erzielung eines rationellen Viehverkauss, zur Viehversicherung, zum gemeinschaftlichen Butterverkauf sind Fingerzeige dafür. Möge die Zuversicht, welche die Stuttgarter Versammlung beseelte, eine gute Vorbedeutung für den weiteren segensreichen Fortgang des Genossenschafts­wesens sein!

Marburg. 7. September. Pf erdemarkt. Ein Ehrentag für die Landwirthschaft, insbesondere für die Pferde- zücht treibenden Bewohner unserer Umgegend war der heutige, der Tag des zweiten Marburger PferdemarkteS. War auch daS Wetter vom frühen Morgen ab kein besonders günstiges, so war doch der Besuch ein überraschend zahlreicher und trotz strömenden Regens bildete der Kämpsrasen, sowie der ge­räumige Platz deS HolzmagazinS den Sammelpunkt einer aus Nah und Fern herbeigeströmten großen Anzahl der am Markt Jnteressirten, sowie vieler Neugieriger. Daß fast sämnttliche Biehstände von Pferden überfüllt waren, dürfte wohl nicht wundern, wenn wir berichten, daß die Zahl der angetrtebenen Pferde die enorme Höhe von 263 erreichte. Die Mehrzahl derselben vertheilten sich auf Arbeitspferde und Fohlen, und wenn auch Prachtexemplare von LuxuSpferden in nicht ge­ringer Anzahl feilgeboten wurden, so muß es doch füi einen Pferdekenner eine wahre Befriedigung gewesen fein, zu sehen, daß angesichts des im allgemeinen prachtvollen Pferdematerials der Aufschwung der Pferdezucht in hiesiger Umgegend tm erfreulichen Fortschreiten begriffen ist. Wie nach alledem