Ausgabe 
10.5.1893 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

N.

Ilü

7^0

»1.

28-/IV. 31.70

81.60

105.

22^0

<9.80

80:, 1(6.; »a M,

JJHboih

Etzold-

6lw L«.

priv-Äili

iS-,

65.66

81.11

«fafc httnt -Skc.stft.

6815

64.70

95.20

95.

83.26

56.15

6i:. $6.2)

95..;

do. do. MGold faß JttM

10450 io.

98.95

100.80 loo - 10l.$0 101' 82.30

n

10410

Ar SK:

' 160.201160 «5

- 104.35|

^,Auk ' \l^\U.W)

**.\Ä*y l«M«l J1

^^banl. | los.- n-

Mjnfttli 195.55 112.

m.Metster,

Lüning. 318.- 330 -

185.1, 121-

166.-

123.70

vnlvvvrrk Mahl

^rundschlb^ lmdbr. .

-rPjvldbr'. do.

a bl61900

>0220 102.

97.30 97

97.101

101.35 101- I

103.05 103;

. . . . 104.25110V ga Sooft. /127.50/12810 inblLSooll 1194. 1 184 45

*

nltogton \

ffl . . \ UM 84-0 nitM.

tblb. 1912 1107.80 107 50

^mirtcon«

SU 1920 1106.90! 105.60

a-Rmtmb^ I I t. .| 101.20| ui l-

ilirf

m Ctterbein

L

hntttfamt Mitim pro SBofy. achlmd .

rrbein, Beschr. ,

Ü»

iol, ipfCTfl

Ägr.

6< .

2280

en

S***** lillll p ^ita .«8*5.. ^1.«° «.

45. "

Mittwoch den 10. Mai

Rr 109 Erstes Stott.

1893

txx

rN*<mt »Ügitch, ** lelnaiimt M Montag«

W Wcttnn

wwiai «twi iHjdftr iMwtito Ottieel Med*

Gießener Anzeiger

Kenerat-Wnzeiger.

Biertelitirrtgn Xlewem«et»ftdl l 2 Mark 20 Pfg. a* Bringerlohn. Durch die Po-

2 Mark 60 Pli-

Ätbadite, nab Druckerei:

>4*CH«*|« Ito«le

Heralpr echer 51.

Amts- und Anzeigeblntt fflr den Aveis Gieren.

Hrattsbeikage: Hießmer Jamilieuölätter

Amtlicher- Theil

erfolgen.

v. Gagern.

INr W > w» loMaM *4m

leatiece ftr de» .Gieß,»er l»|tl|,r* miyy».

Nm«» l»|eigc« z» der Re^mittefl ffa d« sntßenden Lag erscheinenden Wernern: bi« Bem. 10 Uh».

zefsin Alix sind gestern Nachmittag 3 Uhr 38 Min. in erwünschtem Wohlsein hier eingetroffen.

Darmstadt, 8. Mai. Nach Schluß des Landtages findet nächsten Mittwoch, Nachmittags 1 Uhr, im Kaisersaale deS Großh. Schlosses Tafel statt, wozu an die Mitglieder der Ersten und Zweiten Kammer der Landstände, an die Mitglieder der Großh. Ministerien, sowie an die Großh. Hosstaaten Ein­ladungen ergangen sind.

Berlin, 8. Mai. Zum dritten Male seit dem Bestehen des deutschen Reichstages ist derselbe vom Schicksale der Auslösung betroffen worden. Zum ersten Male ge­schah dies im Jahre 1878, infolge der Ablehnung deS Sozialistengesetzes Seitens des am 10. Januar 1877 ge­wählten Reichstages. Die zweite AufläsungScatastrophe brach über die deutsche Volksvertretung im Jahre 1887 anläßlich der Zurückweisung der Septennatsvorlage ein; nunmehr hat der 6. Mai 1893 die dritte Auflösung des Reichstages ge­zeitigt, veranlaßt durch die mit einer Mehrheit von 48 Stimmen erfolgte Ablehnung des Militärgesetzes und des Eompromiß- antrages Huene. Noch bis in die Todesstunde des bisherigen Reichstages hinein hatten die Bestrebungen fortgedauert, eine wenn noch so kleine Mehrheit für den auch der Regierung angenehmen Antrag Huene zusammenzutrommeln und hierdurch den drohenden Auflösungsact doch noch zu vermeiden. Diesem Zweck sollte das angekündigte Amendement des Abg. Prinz Schöneich-Carolath zum Huene'schen Compromißvorschlage, betr. die gesetzliche Festlegung der zweijährigen Dienstzeit, dienen, und höchst wahrscheinlich hätte sich auch auf Grund des Carolath'schen Zusatzantrages in der That eine Mehrheit für den Huene'schen Bermittelungsanttag gesunden. Der Reichskanzler ging indessen auf die Anregung zu diesem wei­teren Zugeständnisse überhaupt gar nicht ein, wie es heißt, infolge einer Weisung von allerhöchster Stelle, so daß die Auflösungscatastrophe dann allerdings nicht mehr zu verhin­dern war.

Mit beachtenswerther Promptheit ist dem Kaiserlichen Auflösungsdecret die weitere Kaiserliche Verordnung über den Termin für die Neuwahlen zum Reichstag nachgefolgt. Bereits am 15. Juni werden dieselben stattfinden, ein ver- hältnißmäßig kurzer Zeitraum trennt uns also nur von dem bedeutungsvollen Tage, an welchem die Nation selbst ihre Entscheidung über die Militärfrage und hiermit über die Weitereutwickelung unser gesammten inneren Politik abzugeben

Deutsches Reich.

Darmstadt, 8. Mai. Seine Königliche Hoheit der Großherzog und Ihre Großherzogliche Hoheit die Prin-

Bekanntmachung,

betreffend Maul- und Klauenseuche zu Garbenteich.

Nachdem die zu Garbenteich ausgebrochen gewesene Maul- und Klauenseuche erloschen ist, haben wir die ange­ordnete Gehöfte- und Gemarkuagssperre wieder aufgehoben. Zur Ausführung von Rindvieh, Schafen, Ziegen, Schweinen, sofern dieselben nicht sofort abgeschlachtet werden, ist indeß bis auf Weiteres noch der Besitz thierärztlicher Gesundheits­scheine erforderlich. Zur Ausführung von zur sofortigen Abschlachtung kommenden Thieren dieser Art bedarf es eines Gesundheitszeugnisses der Bürgermeisterei.

Gießen, den 9. Mai 1893.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

betreffend Feldbereinigung in der Gemarkung Steinbach.

In der Zeit vom IO. bis einschließlich 23 Mai d. I. in den Stunden von Vormittags 912 Uhr und von Nachmittags 25 Uhr liegen auf dem Rathhaus zu Steinbach die Arbeiten des ersten Hauptabschnitts des I. und III. Bereinigungsbezirks (Felder zwischen der Staatsstraße nach Lich und der Kreisstraße nach Garbenteich, sowie zwischen dem alten Anneroder Weg und der Staats­straße nach Lich) nämlich: die allgemeinen Meliora­tionspläne mit Erläuterungsberichten nebst den dazu er­gangenen Beschlüffen der Vollzugscommission und den Proto­collen über die Prüfung dieser Arbeiten zu Jedermanns Ein­sicht offen.

Termin zur Entgegennahme von Einwendungen gegen diese Arbeiten habe ich auf Mittwoch den 24. Mai l. I., Nachmittags von 35 Uhr in das Rath­haus zu Steinbach anberaumt. Die in diesem Termin nicht Erscheinenden sind mit Einwendungen ausgeschlossen.

Gießen, den 6. Mai 1893.

Der VollzugScommissär: Nebel, Amtmann.

Gießen, den 9. Mai 1893. Betr.: Die Reichstagswahlen.

DaS Großherzogliche Kreisamt Gießen

iM die Grstztz. vürgermeifteretoA M Kreises.

Nachdem die Wahlen zum Reichstag zufolge Kaiserlicher Verordnung am 15. Juni l. I. vorzunehmen sind, ist das zur Vorbereitung des Wahlgefchäfts Erforderliche unver­züglich ins Werk zu setzen.

Wir übersenden Ihnen daher mit nächster Poft die hierzu erforderlichen Formularien (Wahlprotocoll und Wähler­liste) unter dem Auftrag, die Wählerliste sofort in doppelter Ausfertigung aufzustellen, jedoch vorerst nicht abzufchließen. Einlagebogen zur Wählerliste sind nach Bedarf mit der Feder herzustellen.

Zu Ihrer Instruction verweisen wir Sie auf §§13 und 7 des Gesetzes vom 31. Mai 1869 (Bundesgesetzblatt 1869 Seite 145) und §§ 1 und 7 des Wahlreglements vom 28. Mai 1870 (Bundesgesetzblatt 1870 Seite 275) und bemerken hierzu noch, daß die Stimmberechtigten nach Vor- und Zuname, Alter, Stand oder Gewerbe und Wohnort in alphabetischer Ordnung in die Wählerliste cinzutragen sind.

Die Offenlegung der Wählerliste (§ 2 des Wahlreglements) hat unfehlbar Donnerstag den 18. d. Mts., zu beginnen.

Wir weisen Sie daher an, Montag den 15. und Dienstag den 16. l. Mts. ortsüblich bekannt machen zu lassen, daß die Liste der Wähler von Donnerstag den 18. Mai bis Donnerstag den 25. Mai l. Is., beide Tage einschließlich, auf dem Gemeindehause bezw. dem etwa sonst von Ihnen hierfür bestimmten Locale Vormittags von 912 Uhr und Nachmittags von 25 Uhr zu Jedermanns Einsicht ausgelegt seien, und daß Einsprachen gegen die Nichtigkeit und Vollständigkeit der Liste innerhalb acht Tagen nach Beginn der Auslegung bei Meidung des Ausschlusses bei Ihnen vorzubringen seien.

Weitere Anweisung wegen des Wahlgeschäfts wird noch

Feuilleton.

Duseckrns Daran.

Von E. Reinhold.

(Fortsetzung.)

Einen Augenblick war alles starr und stumm vor Ent­setzen. Wally stand da kreidebleich; mit angstvoll weitgeöffneten Augen starrte sie auf die Frau, die ihr solche Unglückskunde gebracht. Dann aber raffte sie sich auf. Das konnte nicht wahr sein! Ihr Dagobert

Sie lügen!" rief sie zornbebend.

Wat? Ick lüge? Na, warten Sie man!"

Frau Dusecke suchte geschäftig in ihrer geräumigen Manteltasche, zog eine zerknitterte Visitenkarte hervor und hielt sie Wally vor die Augen.

IS er bat oder is er's nich?"

Dr. jur. Dagobert Freiherr von Wilcken, Königlicher Regierungsreferendar," las Wally mechanisch. Dann drehte sie sich um und fiel ihrer Mutter schluchzend in die Arme.

Führe Wally hinaus und suche sie zu beruhigen," flüsterte Papa Vollert seiner Gemahlin zu,ich werde die Sache woiEr-versuchen."

Dann, als? Frau und Tochter das Zimmer verlassen hatten, wandte sich Herr Vollert an Frau Dusecke. Daß sein Schwiegersohn in spe noch eine Nebensonne anbetete, fand er zwar höchst verwerflich, hätte es aber als Mann von liberaler Gesinnung nicht für unentschuldbar gehalten. Aber das Anpumpen des alten Dusecke! Und ihm gegenüber hatte der Duckmäuser stets behauptet, daß er gar keine Schulden hätte! Nein, das konnte nicht wahr sein, die Frau dort wollte vielleicht nurdick thun", sicherlich, denn wäre es wahr, dann war Dagobert ein arme Wally!

Nun setzen Sie sich einmal, meine liebe Frau wie war doch Ihr Name? Dusecke? So, nun erzählen Sie einmal, was Sie wissen. Sie begreifen, daß mich die Sache ungemein interessirt."

Na, wo wer ick nich! Son schönes Fräulein Tochter, obwohl, was unsere Meeri is wissen Sie, eigentlich heißen duht sie Marie, aber seit wir ihr in die theure Schule jeschickt

haben, sollen wir immer Meeri sagen unsere Mecri, die is ooch nich ohne, und sie könnt längstnen Mann haben, denn der Robert, der Techniker, der mit sie jetzt in allen Ehren, sag ich Ihnen, Herr Vollert, daß Sie man blos nichts Böses denken"

Nein, nein, liebe Frau, aber"

Sehen Sie, Dusecke will aber von Roberten nichts wissen, weil er blos Techniker iS. Meeri hat wat jelernt, sagt er immer, und wir haben jenug Kies bet haben wir, Herr Vollert, und zwee Häuser in die Skalitzer also Meeri sollnen Studirten haben odernen Baron."

Aha \

Ja, nu jehts los. So'n Stücker vierzehn Tage können's her sein, da kommt der Olle Abends aus die Kneipe, bei Tücher, wissen Sie, in die Friedrichsttaße, wo alle feinen Leute hinjehen. Ick sage das, nich als ob ich mich vor Sie damit berühmen wollte, denn bat wäre ja dumm, denn Sie könnten ja am Ende ooch hinjehen. Sie jehen vielleicht hin?"

Nein, nein, erzählen Sie nur weiter!"

Der sonst phlegmatische Herr Vollert begann bereits nervös zu werden.

Also Dusecke kommt janz seelig nach Hause und sagt zu mir:Du, heute habe icknen feinen Herrn kennen jelernt." Ick merke natürlich jleich Lunte und sage zu unsere Meeri"

Herr Vollert war inzwischen völlig nervös geworden, er konnte dieses Schnellfeuer, mit dem er überschüttet wurde, nicht länger ertragen.

Erlauben Sie, liebe Frau, ich werde Sie lieber fragen, was ich wissen will, dann kommen wir schneller zum Ziele. Also Ihr Mann hat den Baron von Wilcken bei Tücher kennen gelernt?

Ja woll."

Kennen Sie auch den Baron?"

Seit vorjestern Abend. Wir mußten mit zu Tüchern, Meeri und ich, aber Meeri will nich den Baron, die läßt nich von Roberten."

Vorgestern! Herr Vollert sann nach. Vorgestern war Dagobert nur am Nachmittag dagewesen, Abends hatte er zu Hause arbeiten wollen.

Und Sie können bestimmt versichern, daß der Freiherr von Wilcken sich von Ihrem Manne Geld geborgt hat?"

Aber feste! Dusecke is ja so 'nen Dämlack, daß er" Was willst Du Tölpel?"

Diese barsche Anrede Herrn Vollerts galt dem Diener, der an der Thüre stand und auf einem silbernen Teller ein kleines Briefchen präsentirte. An dem grinsenden Gesicht des Burschen konnte man sehen, daß er schon eine ganze Weile dort gestanden und zugehört hatte. Herr Vollert nahm den Brief und öffnete den Umschlag, nachdem er den Diener in einer Weise zum Verlassen des Zimmers aufgeforbert hatte, ble biefen veranlaßte, dem Wunsche seines Herrn möglichst schnell nachzukommen. Herr Vollert las laut:

Alles glücklich abgelaufen, kann aber erst um acht Uhr kommen, da ich noch eine wichtige Besprechung habe. Aus baldiges Wiedersehen Euer Dagobert."

Denn sitzt er mitm Ollen bei Tücher," schrie Frau Dusecke.

So? Nun, bann will ich Ihnen einmal etwas sagen, bann wollen wir beide jetzt hinfahren und den Herrn in flag­ranti ertappen."

Nee, nick in bei Tücher.

Na ja, bei Tücher," sagte Herr Vollert.

In diesem Moment trat Frau Vollert herein und sah ihren Gemahl fragend an. Dieser zuckte die Achseln.

Sie glaubt es nicht," flüsterte die Frau ihrem Manne zu.

Laß sie vorläufig dabei," gab dieser ebenso zurück. Dann setzte er ihr kurz auseinander, was er vorhatte.

Herr Vollert und Frau Dusecke fuhren zusammen in einer Droschke zu Tücher. Beim Betreten des Locals hatten sie sich sofort überzeugt, daß die Gesuchten nicht da waren; Herr Vollert konnte Dagobert nicht erblicken, Frau Dusecke nicht ihren Gemahl. Die Letztere hatte aber sofort den Kellner ausfindig gemacht, der sie bet ihrer letzten Anwesen­heit bedient hatte, und von diesem erfahren, daß die gesuchten beiden Herren von sechs Uhr an bis vor wenigen Minuten dagewesen wären. Herr Vollert verabreichte dem Auskunft ertheilenden Serviettenschwinger einen Obolus, dann verließ er das Local mit seiner Begleiterin.

(Schluß folgt.)