in Betracht, daß alle widerrechtlich erhaltenen Panamagelder wiedererstatlet werden müßten.
Brussel, 8. März. Die Congoregierung rüstet einen Zug von 6000 Bewaffneten zwecks Säuberung des ganzen CongogebieteS von Arabern auS. Haupt» mann Ponthier wird Oberbefehlshaber.
Brussel, 8. März. Das socialistilche Hauptblatt „Peuple" fordert die Arbeiter auf, zu den Waffen, gegebenenfalls auch zu Dynamit zu greisen, um daS allgemeine Stimmrecht zu erzwingen. Die Regierung beschloß die strafgerichtliche Verfolgung deS „Peuple".
Belgrad, 8. März. Der Ministerpräsident stellte der Exkönigin Natalie die Beseitigung der gesetzlichen Hindernisse gegen ihre Rückkehr nach Serbien für die nächste Zeit in Aussicht.
Madrid, 8. März. Zahlreiche Arbeiter durchzogen die Straßen Castellons unter den Rufen: „Es lebe die Republik!" Die GenSdarmerie vertrieb die Manifestanten. Die Cavallerte mußte mehrere Male eingreifen. Alle öffentlichen Gebäude und Geschäftshäuser wurden auf den Befehl deS Gouverneurs geschloffen und über die Stadt der Belagerungszustand verhängt. — Das definitive Resultat der Wahlen steht nunmehr fest. Die Ministeriellen haben 301 Sitze, die Opposition 144 erhalten. Die Republikaner feiern ihren Sieg. Die Polizei mußte wiederholt einschreiten.
Tar eS Talaam, 8. März. Bei Uniangwira, am Wege von Mpwapwa nach Tabora, siegreiches Gefecht der kaiserlichen Schutztruppe. Die besesrigte Tembe dcS Häuptlings Masenta wurde nach zähem Widerstand unter bedeutendem Verluste deS Feindes erstürmt. Diesseits Feldwebel E r t e l gefallen, Lieutenant B o t h m e r leicht verwundet, zehn AskariS theils tobt, theilS verwundet.
Cocalcs und provinzielles.
Gießen, 9. März 1893.
♦ * Von der Universität. Die Vorlesungen des So mm er- scmesterS 18 93 beginnen am 24. April- die Immatrikulation sinket vom 17. April bis 13. Mai statt.
* * Sitzung des Schwurgerichts der Provinz Oberheffeu am 8. März 1893. Zur Verhandlung kommt die Strafsache gegen Katharina Geiß von Ruppertenrod wegen Kindesmord. Die Anklage wurde vom Großh. Staatsanwalt Schilling- TrygophoruS vertreten, die Vertheidigung führte Rechtsanwalt Dr. Fuhr- als Geschworene wurden ausgeloost die Herren Jacob Deweil III., Heinrich Heß, Friedrich Schmidt, Balthasar Christian Schaub, Ludwig Loth, Peter Schneider II., Conrad Laux, Christian Güngerich, Heinrich Dieffenbach I., Hermann Philipp Zimmermann, Engelbert Schneider und Adam Hofmann IV. Die 32jährige Dienstmagd Katharina Geiß von Ruppertenrod ist angeklagt, daß sie am 11. Februar 1893 zu Nieder-Gemündcn als Mutter ihr uneheliches Kind in oder gleich nach der Geburt vorsätzlich getödtet habe. Die Angeklagte ist geständig, unmittelbar nach der Geburt ihr Kind dadurch getödtet zu haben, daß sie eS auf die Erde legte und ihm mit der rechten Hand so lange den Hals zudrückte, bis es keinen Laut mehr von sich gab. Nachdem sie sich davon überzeugt hatte, daß es tobt sei, vergrub sie die Leiche in dem Keller ihres damaligen Dienstherrn, Johannes Dächer von Nieder-Gemündcn, woselbst sie am 13. Februar l. I. ausgefundcn wurde. Nachdem die Geschworenen (Obmann: Herr Engelbert Schneider) das „Schuldig" unter Annahme mildernder Umstände ausgesprochen hatten, wurde sie in eine Gesangnißstrafe von drei Jahren und sechs Monaten nebst Kosten vcrurtheilt. — Hieraus wurden die Schwurgerichtssitzungen für diese Periode für geschlossen erklärt.
♦ * Sicherheitsdienst. Wir erhielten nachstehende Mittheilung: In der letzten Zeit mehren sich die Schlägereien aus offener Straße und die nächtlichen Einbruchsdiebstähle in ganz auffallender Weise, und obwohl sich die Polizei die erdenklichste Mühe gibt, die Thäter zu ermitteln, gelingt dies nicht in allen Fällen. Der Hauptübelstand besteht eben darin, daß unsere Schutzmannschast an Zahl viel zu gering ist, um den an sie herantretenden Anforderungen gerecht zu werden und insbesondere des Nachts, wo der Schutz für die ganze Stadt, und dazu gehören auch die außerhalb gelegenen Hof- raithen, vier SchutzmannSpatrouillen zu je zwei Mann anvertraut ist.
♦ * Feuerprobe. In unserer vorgestrigen Nummer berichteten wir von einer Feuerprobe mit einem Steine der „Gail'schen Dampsziegelei" auf den BuderuS'schen Eisenwerken in Lollar. Es wurde darin der Hitzegrad deS Oscnö aus 5000 0 angegeben. DieS ist ein Jrrthum. Bon sachkundiger Seite wird uns mitgetheilt, daß der Hitzegrad nur ca. 2000 0 in einem solchen Ofen in der Regel beträgt.
— Oefsenlliche Anerkennung einer edlen Thai. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben dem Taglöhner Georg Schmidt zu Büdingen in Anerkennung der von demselben mit Muth und Entschlossenheit und unter eigener Gesahr bewirkten Rettung der siebenjährigen Marie Guth daselbst vom Tode des Ertrinkens eine Geldprämie bewilligt.
— Aufforderung. Im „ReichSanzeiger" wird Folgendes bekannt gemacht : „Der französische Staatsangehörige Herr Pierre Ramoneue hat in edelmüthiger Weise ein Ver- mächtniß von 300 000 Fr. für die Kinder aller derjenigen französischen ober auSlänbischen Arbeiter ober Aufseher (Vorarbeiter, chefs d’^quipe) auögesetzt, bic in ber Zeit zwischen bem 3. Februar 1887 und dem 3. Februar 1890 an den Folgen eines ihnen in drm gleichen Zeitraum in französischen oder algerischen Bergwerken zugestoßenen Unfalls verstorben sind. Einzige Bedingung hierbei ist, daß diese Kinder, sie mögen männlichen oder weiblichen Geschlechts sein, am 3. Februar 1890 daS Alter von silnfzehn Jahren noch nicht überschritten hatten und in rechtmäßiger Ehe ge- boren ober, wenn sie unehelich sind, vom Vater ausdrücklich
anerkannt sein müssen. Alle weiteren Ausschlüsse werden den in Deutschland lebenden Betheiligten vom Ministerium der öffentlichen Arbeiten in Paris oder von der Kanzlei der Französischen Botschaft in Berlin, Pariser Platz, ertheilt werden."
- t.- Aus dem Buseckerthak, 8. Marz. Gutem Vernehmen nach wird in den Sommerfahrplan der Oberhessifchen Eisenbahnen ein Localzug von Großen-B useck nach Gießen eingestellt werden, der Morgens früh um 5 Uhr 45 Min. in Gießen eintreffen soll. ES wird mit dieser Einrichtung einem längst gefühlten Bedürfniß entsprochen. Namentlich wird den zahlreichen Arbeitern auS Großen- Buseck und der Umgegend mit der Einstellung eines solchen ZugeS eine große Wohlthat erwiesen. An den letzteren wird es hauptsächlich liegen, daß sie durch fleißige Benutzung der dargebotenen Gelegenheit bic Rentabilität befl neuen ZugeS sichern helfen. Auch manche Eltern werden die Einrichtung mit Freuden begrüßen, da ihnen Gelegenheit geboten wird, ihre Kinder von hier auS die Schulen in Gießen besuchen zu lassen. — Großherzoglicher Direction darf für ihr freundliches Entgegenkommen ber Dank aller Interessenten gewiß sein.
§ Riuderbugeu. 8. März. Großes Aufsehen erregt hier bic heute burch den Großh. Untersuchungsrichter auS Gieße« erfolgte Verhaftung von zwei hiesigen, seither allgewem geachteten Einwohnern, beS Wirths Heinrich G.....II.
unb Landmanns Peter N . . . Dem Vernehmen nach sollen beibe unter bem Verbuchte beS MeineibS stehen. — ES ist bieS seit kurzer Zeit der zweite Meineidsfall im Büdinger Gerichtsbezirke - ein dritter (von Hain-Gründau) soll, wie man hört, vor bas nächste Schwurgericht kommen.
nn. Darmstadt. 7. März. Die erste Kammer ber Stäube trat heute zu mehrtägigen Verhanblungen zusammen. Vor Eintritt in bic Tagesorbnung gedachte zunächst ber Präsident Fürst Isenburg-Birst ein ber verstorbenen Mitglieber bes hohen Hauses, des Präsidenten Schleier- mad)er sowie deö LandeSstallmeisterS v. Rabenau und erhebt sich das Haus zum Andenken ber Verstorbenen von ben Sitzen. Zur Tagesorbnung übergehenb erfolgt zunächst bic Einweisung bes neuen Mitgliedes Adolf v. Harnier. Hiernach genehmigt bic Kammer die Beschaffung weiterer Mittel von 2000000 Mk. für die Landescrebit- kasse, sowie für Errichtung ber Stelle eines Polizei- commissärs für ben Lanbkre"ts Offenbach e. M. 2500 Mk., ferner für Unterstützung von Hulfs- bebürftigen unb für Verleihung von ©tipenbien an ©t ubirenbe unb Lehrer höherer Lehran st alten 5000 Mk. — Die Vorlage ber Regierung betr. die Verleihung ber ©taat6bicnereigenfd)aft an bie ersten Lehrer an ben acht erweiterten Handwerkerschulen bes LanbeS, sowie Verwilligung einer Remuneration an ben ersten Lehrer ber landwirthschastlichen Winterschule zu Mainz finbet einstimmige Annahme- ebenso bie Forberung für Fertig st ellung ber Eins riebigung unb zur Ver- vollstänbigung bes Mobiliars beim AmtSgerichtsgebäube zu Homberg, für Vergrößerung bes Amtsgerichts- gebäubcs in Alsfelb weitere 8770 Mk. unb für Herstellung rüefftänbiger Arbeiten am Haftlocal zu Vilbel 1399.70 Mk. — Zu ber Petition beS Deutschen Frauenvereins „Reform" zu Weimar um Errichtung eines Mäb chengymnas iurnS ober um Zulassung bes weiblichen Geschlechts zur Ablegung ber an ben Gymnasien eingeführten Maturitätsprüfung ergreift Bischof Haffner- Mainz baß Wort. Er brückt seine Befriebigung auS, baß ber Ausschuß ber Petition keine Folge gebe. Der Frauen- verein zu Weimar würbe ein besseres Werk thun, wenn er bestrebt fei, baß bie weibliche Jugenb mehr in ben Dienst ber Menschheit als in ben Dienst ber Wissenschaft gestellt werde. Verwerflich sei bie jetzige Emancipation ber Frauen, welche nach alter Sitte unb ben kirchlichen Gesetzen in» HauS gehören unb nicht auf bie Schulbank. Der Bischof weist aus bic Zustände ber Schweiz hin, wo bie männlichen unb weiblichen ©tubenten gemeinsam ihren ©tubicn obliegen. Wünschens- werther erscheine eS, wenn die Frauen zum Beruf ber Krankenpflege unb als Lehrerin sich heranbilben wollten. Er bebauert, baß burch bas Gesetz von 1876 bie weiblichen Orben verbannt worben seien unb hält es für gerabezu empörenb, baß hier noch keine Abhilfe geschaffen sei. Hoffentlich fei aber bie Zeit nicht mehr ferne, wo bic OrbenSfchwestern mieber zurückkehren würben, ©taatßminiftcr Finger entgegnet bem Rebner in scharfer Weise. Der Auöbruck „em- pörenb" gehöre nicht in bic Kammer. Die Regierung habe niemals rigoros verfahren, sonbern baS Gegentheil. Die Schulen seien in ber Hanb bes Staates unb er werde eß niemals zugeben, daß es anders werde. Commerzienrath Michel-Mainz freut sich, daß trotz des Widerstandes Sr. bischöflichen Gnaden in Mainz eine höhere Mädchenschule errichtet worden sei, welche jetzt eine Frequenz von über 600 Kindern ausweise. In gleichem ©inne spricht sich Frhr. v. H eyl auS, der beim Zustandekommen der höheren Töchterschule zu Worms mitgeroirft hat. Präsident Görz steht aus dem Standpunkt, daß die Schule dem Staat, die Religion ber Kirche gehöre. Die Petition wird hiernach abgelehnt. — Eine Reihe weiterer kleiner Verwilligungen findet Genehmigung deS hohen Hauses. Bezüglich ber Vorstellung von einer größeren Anzahl Besitzer portugiesischer Werthe, betreffs staatlicher Aussicht ber Darmstäbter Bank, bebauert Gras Solmö-Laubach, baß burch die Katastrophe so viele Schädigungen im Lande eingetreten seien. Er habe nie viel von den Bank Emissionen gehalten und habe sich nicht getäuscht. Commerzienrath Michel vertheidigt in eingehender Weise die Bank für Handel und Industrie und deren Lor- gehen in den portugiesischen Emissionen. Der Verdienst ber Bank sei 2,2püt. gewesen. Frhr. v. Heyl bezeichnet bic Geschäfte, welche die Bank abfchloß, als unsolide. Wenn die Bank sich Mühe gegeben hätte, bann hätte sie erfahren müssen, daß Portugal faul bi« inß Mark damals gewesen fei.
Zu begrüßen sei, daß die Regierung bie (Sommiffäre zurück» gezogen habe, mit denen ein falsche« Vertrauen erweckt worden sei. Der Petition wird hiernach keine Folge gegeben unb die- übrigen Punkte im Sinne der zweiten Kammer erledigt. Morgen früh 9 Uhr Sitzung.
nn. Darmstadt. 8. März. Die erste Kammer der Stande setzte heute ihre Bcrathungen fort. Sie genehmigte in rascher Folge und ohne Debatte nach ben Anträgen der zweiten Kammer ben Gesetzentwurf betr. bie Kosten ber 2 anbarmenpflege; 17100 Mk. für bic Stiftskirche zu Wimpfen für bauliche Herstellungen; 20000 Mk. für Errichtung eine« Schutzbamme« in der Gemarkung Klein-Auheim- 3586 Mk. für Abpf last erung bes oberhalb Kostheim gelegenen fiScalischen Ufer«- 21 000 Mk. für Herstellung einer ©chiffSlabeftelle am Rheinufer bei Nackenheim - 17 900 Mk. für Herstellung von zwei An- lanberampcn bei Rhein-Dürkheim unb Norbheim; sie genehmigte ferner ben Umbau de« Bahnhof« zu Kastel resp. bie Borvtrhanblung bozu; 123000 Mk. für Herstellung electrischer Beleuchtung zu Bad-Nauheim unb erlebigte nach ben Anträgen de« Ausschusses die Gesuche wegen ber Nebenbahnen von Rheinhessen unb Oberhessen. Hierauf vertagte sich bie Kammer bis nach Ostern.
nn. Darmstadt. 8. März. Vor dem hiesigen Schwurgericht gelangte heute unter bem Zubrang des Publikums bic Anklage gegen Weinhänbler Härter von Mainz wegen Wechselfälfchung und Tödtung dcS Gefangenwärters Reitz von hier, eines braven Beamten und FamiltenvaterS, zur Verhandlung. Nach ber That imrrbc ber Ängefagte zur Beobachtung seines Geisteszustände« in die Irrenanstalt nach Heppenheim verbracht. Die Direction stellte ein Gutachten bahin auS, baß Härter bamalS am Delirium tremens gelitten unb in diesem Zustand bie scheußliche That ooübradit habe. Die Wechselfälschungen giebt der Angeklagte zu, während er von ber That nicht« wissen will. Die Verband- (ung bauert heute den ganzen Tag, da eine ganze Reihe von Zeugen zu vernehmen sinb. Staatsanwalt Dr. Buff stellte den Antrag auf Vernehmung neuer Sachver- ftänbiger, um ein gewissenhafte« Bilb von bem gelammten GeisteSzustanb beß Angeklagten zu gewinnen. Der Gerichtshof zieht sich zur Berathung Über diese« Antrag zurück. Da« Unheil erfolgt morgen.
Mainz. 8. März. Von ©eiten der Direction beß städtischen Gaswerk« ist bei ber stäbtischen Verwaltung eine Herabsetzung be« GaSpreiseS für Leuchtgas auf 18 Ps. per (Subifmeter unb für Koch, Heiz-, Motoren- :c. Gas auf 12 Pf. per Cubtkmeter befürwortet woroen.
" vermischte».
♦ Frankfurt a. M.. 8. März. Der 13jährige Sohn de« Zugführer« Müller hat beim Schlittschuhlaufen auf bem Main am 6. Januar einen 11 jährigen Kameraden vor bem Ertrinken mit eigener Lebensgefahr gerettet. Ihm würbe gestern vom Geheimerath Krupp-Essen alfl Ehrung für seine brave That eine golbenc Uhr nebst Kette im ungefähren Werthe von 600 Mk. übersendet.
* Metz. 7. März. Gestern erschoß sich in der Kaiser- Wilhelm Kaserne der Seconde Lieutenant ©chultz II. de« 130. Infanterie Regiment«. Al« Motiv de« ©elbftmorbe« nennt man Liebeskummer.
♦ Aus Slsaß-Lothringeu, 7. März. In jüngster Zeit sind wiederholt Fälle von Selbstmorden und Selbstmordversuchen in den reichSländischen Garnisonen vorgekommen. In Weißenburg erschoß sich vor einigen lagen ein Rekrut deS Infanterie - Regiments Nr. 60 auf feiner Stube in der Mitte der Kameraden. In Straßburg fanb mau einen Rekruten de« Infanterie Regiments Nr. 145 in feinem Zimmer erhängt vor. Ein Soldat be« in Metz garnifonirenben Dragoner Regiments Nr. 13 schoß sich eine Platzpatrone in ben Munb. Dem Unglücklichen ist ber ganze Unterkiefer zerschmettert. Enblich warf sich ein ©olbat von ber reitenben Abtheilung beS Felbartillerie-Regiment« Nr. 34 in Montigny vor bic Lokomotive eine« Güterzuge«. Der Mann würbe von ber Locomotive bei ©eite geschleudert unb kam mit dem Leben davon, doch erlitt er einen Armbruch, sowie Verletzungen im Gesicht.
* Rom. 6. März. Erispi hat den Schmerz gehabt, feinen Sohn Luigi, von dessen Existenz Biele überhaupt nicht« wußten, in eine CorrectionSanstalt einfperren lassen zu müssen. Luigi Crispi entstammt ber zweiten Ebe feine« BaterS mit ber Del Testa und hatte sich schon lange mit ihm vollständig überworfen, weil ber Vater da« ausschweifende Leben befl Sohnes, ber in ber Lebewelt unter dem Namen Gigetto bekannt war, nicht billigte. Jedenfalls wird Erifpi sehr triftige Gründe gehabt haben zu feinem Vorgehen gegen ben eigenen Sohn. Er selbst richtete an bic ©taatflanroalt- schast ba« Gesuch um Unterbringung befl Letzteren in einem Correctionflhause unb hat ba« Gesuch wohl so gut begrünben können, baß ihm fast sofort Folge gegeben wurde. In einem übelberüchtigten Locale stöberten die Agenten ben verkommenen, aber höchst eleganten jungen Mann auf, um ihn sofort nach Pisa zu geleiten, in dessen Befserungflhaufl er bifl auf Weitere« verbleibt. Gewiß hat der Vater durch diese« rabicale Vorgehen Schlimmerem vorbeugen wollen.
• Hebet bie Trunksucht der Frauen in England werden, wie berichtet wird, immer mehr Thatiachen bekannt, bie barauf schließen lassen, baß efl sich nicht bloß um eine örtliche Erscheinung ber Großstädte handele, sondern daß hier etwa« in socialer Hinficht für englische Verhältnisse Charakteristisches mit in Frage kommt, jedenfalls tritt hier eine Erscheinung zu Tage, bie in anderen Ländern nicht ihre« Gleichen hat. Schon in den wenigen Jahren von 1878 bi« 1884 hatte sich in England und namentlich in Wale« bie Zahl der trunksüchtigen Frauen verdoppelt- sie betrug in jenem Jahre schon 9451. In London beläuft sich die Zahl der trunkfälligen Weiber auf 8000 Personen, bie


