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Nr. 185. Erstes Blatt. Mittwoch den 9 August
1893
Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, ■U LuSnahmc dr- MontagS.
Dir Gießener Anmittenkttiier nrerden dem Anzeiger tvechentlich dreimal deigelegt.
Gießener Anzeiger
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Hratisöeitage: Gießener JamikienMtter
Deutsches Reich
im
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den folgenden Tag erscheinmden Nummer bis Borm. 10 Ubr
Neueste Nachrichten»
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
dem (Songreffe entspann sich eine lebhafte Debatte. Für die Zulassung sprachen französische, englische und holländische Delegtrte. Bebel und Cahan-Newyork griffen die Anarchisten lebhaft an: Unter den Anarchisten seien ebenso viele Der- leumder als Köpfe. Die Debatte wurde Mittags abgebrochen
ReichStagSstichwahl in Alsfeld-Lauterbach der | Antisemit Bindewald gegen den Nationalliberalen | Backhaus zum Abgeordneten gewählt worden, demnach ist die Stimmenmehrheit für den neuen Vertreter von Alsfeld- Lauterbach doch bedeutender als ursprünglich verlautete. Herr Bindewald gedenkt sich, wie verlautet, der „Fraction Böckel" im Reichstage, also der mit dem „Ahlwardtianismus" im Streit liegenden antisemitischen Gruppe anzuschließen,
Frankfurt a. M., 8. August. Auf der heute hier beginnenden Ministerconferenz werden vertreten sein das Deutsche Reich durch Staatssecretär Frhr. v. Maltzahn, Geheimen Ober-Regierungsrath Rausching, Wirkt. Geheimen Rath Aschenborn, Preußen durch Excellenz Dr. Miquel und zwei Secretäre, Bayern durch Dr. Freiherr v. Riedel und zwei Secretäre, Sachsen durch Staatsminister v. Thümmel und einen Secretär, Sachsen-Meiningen durch Geheimen Staatsrath Ziller, Sachsen-Altenburg durch Geheimrath Th. Göpel, Sachsen-Weimar durch Wirkt. Geheimerath Heerwart, Württemberg durch Staatsminister Dr. v. Riecke, Ministerial- rath Zeller, Baden durch den Präsidenten des Finanzministeriums Buchenberger, Hessen durch den Finanzminister Weber, Mecklenburg-Strelitz durch Staatsminister v. Dewitz, Gera- Reuß durch den Geheimen Staatsrath Engelhadt, Elsaß- Lothringen durch den Unterstaatssecretär v. Schraut/ Schwarz- burg-Rudolstadt durch Staatsminister v. Stark, Schwarzburg- Sondershausen durch Staatsminister Petersen.
geschossen.
Zürich, 7. August. Socialisten - Congreß. In der heutigen Vormittagssitzung wurde beschlosien, daß am ersten Tage ein deutscher Delegirter, am zweiten ein französischer, am dritten ein englischer, am vierten ein belgischer, am fünften ein österrelchifcher und am sechsten ein italienischer Delegirter die Verhandlungen des Congresses leiten solle. Für den heutigen Tag wurde der deutsche Reichstagsabgeordnete Singer zum Präsidenten, der Redacteur der Pariser „Revue Sociale", Argyadsre, zum Vicepräsidenten gewählt. Ueber die Frage der Zulassung der Anarchisten zu
heutigen Sitzung berathen, ob Anarchisten auf dem Congreß zuzulasien seien. Zwischen Bebel und Landauer (Unabh.) kam es zu heftigen Auseinandersetzungen. Bebel stellte einen Antrag, welcher heute Nachmittag berathen wird.
Zürich, 7. August. Socialistencongreß. Bald nach Eröffnung der Nachmittagssitzung brachten Hopson (England) und Volders (Belgien) einen Antrag auf sofortigen Schluß der Debatte Über die Frage der Zulaffung der Anarchisten zu dem (Songreffe ein. Hierüber entstand eine große Aufregung. Alsdann wurde der Schluß der Debatte mit großer Mehrheit angenommen. In der desinitiven Abstimmung nach Nationalitäten ergab sich, daß zwölf derselben für und eine, Belgien, gegen die Ausweisung eintraten. Frankreich und Holland enthielten sich der Abstimmung. Nach Bekanntgabe derselben entstand ein großer Tumult. Die Anarchisten verließen unter Protesten den Saal. Der Beschluß wurde von dem größten Theile der Delegirten mit lebhaften Bravorufen
Ave Annoncen-Bureaux de» In- und Ausländer nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
entgegen genommen.
Zurich, 8. August. Socialistencongreß. Heute beginnt die Berathung über die Generalstrikes.
Braila, 8. August. Gestern wurden amtlich acht Erkrankungen und sechs Todesfälle an der Cholera constatirt.
Paris, 7. August. Die französische Flagge wurde gestern nach der Insel Kohsichang überbracht. — Den siamesischen Zollbeamten wurde gestattet, ihre Posten wieder einzunehmen. — Der französische Kreuzer „Forfait" liegt gegenwärtig vor Chantaboon. — Zwischen dem siamesischen Hofe und Kohsichang werden rege Unterhandlungen gepflogen. Die Gut- heißung des Ultimatums ist beiderseitig erfolgt. Morgen wird der französische Gesandte Pavie fein Amt wieder über«
Kiel, 7. August. Das Panzerschiff „Baden" hat das Rohr sitzende Geschoß nach zwei vergeblichen Versuchen mittelst Electrizität bei Schleimünde glücklich ab«
Berlin, 7. August. Kaiser Wilhelm verweilte am Sonntag, wie eine Meldung aus Cowes besagt, zumeist an Bord der „Hohenzollern"- Nachmittags dinirte er bei der ... Königin Victoria. Am Montag früh trat der Kaiser auf der j und wird heute Nachmittag fortgesetzt werden. .Hohenzollern" die Heimreise nach Deutschland an und ge- Cowes, 7. August. Der Kaiser verblieb gestern an dachte er im Laufe des Dienstag wieder in Kiel einzutreffen. Bord der „Hohenzollern", woselbst auch Gottesdienst abge- Die Besserung im Befinden des Herzogs! halten wurde, und dinirte dann bei der Königin.
Ernst von Sachsen-Coburg hält erfreulicher Weise an, Cowes, 7. August. Die „Hohenzollern", mit bem ber hohe Patient konnte bereits am Samstag das Bett Kaiser Wilhelm an Bord, verließ Vormittags um 8 Uhr wiederum verlassen, wenn auch vorläufig nur auf kurze Zeit, den Hasen. n „
Es steht demnach zu hoffen, daß der greise, von ganz Deutsch- I London, 7. August. Bei der Abfahrt der „Hohenzollern land so verehrte Monarch die Folgen des Schlagflusses, den I von Cowes gab das englische Kriegsschiff „Neptun das er vergangene Woche erlitt, bald wieder vollständig überwunden I Ehrensalut. AIS die „Hohenzollern an dem Schlosse haben wird. Osborne vorbeifuhr, senkte sich die Kaiserstandarte zum Ab-
— Zu den Meldungen der letzten Tage, wonach neue I schiedsgruß, von dem Schloß Osborne wurde der Gruß in aussichtsreiche handelspolitische Verständigungs- gleicher Weise erwidert. Die deutschen Kriegsschiffe, die Verhandlungen zwischen der deutschen und der ! vorausgefahren sind, treffen mit der „Hohenzollern bei russischen Regierung entweder schon eingeleitet worden Beachyhead zusammen.
fiin ober doch wenigsten« beoorstehen sollen, will die jüngste Rom. 7. August. Der Minister de-Inner« heilte den Petersburger Nachricht über den deutsch-russischen Zollconflict | Vertretern der fremden Mächte mit, die in zwei kleinen Gericht sonderlich passen. Sie besagt nämlich, daß die Er- ! meinden der Provinz Alessandria auSgebrochene Cholera böhuna des finnländischen Zolltarifs gegen I sei erloschen. In Italien kämen jetzt nur vereinzelte Cholera- Deutschland dieser Tage zu erwarten fei, das System der I fälle vor, in Neapel wäre die Cholera im Verschwinden ve- russischen Zollchicanen gegen den deutschen Nachbar wird also griffen. Es seien energische Maßnahmen getroffen, um die konsequent durchqeführt. Bekanntlich war bis jetzt das Groß- Einschleppung und Verbreitung der Cholera zu verhindern, sürstenthum Finnland nicht mit in den Wirkungskreis des In Udine und Pontebba ist die ärztliche Überwachung der russischen Maximalzolltarifs gegenüber den deutschen Maaren I Reisenden, sowie DeSinfection der Wasche wieder emgesührt. einbegriffen, wie denn anderseits auch der deutsche fünfzig- Athen, 7. August. Die feierliche Eröffnung des procentige Zollzuschlag auf russische Erzeugnisse von den nach- Canals von Korinth ist heute erfolgt. Nachdem der "ey . Die Bergleute in den Ashleworth
weislich aus Finnland stammenden Producten nicht erhoben Metropolit den Gottesdienst celebnrt hatte, hielt König Georg » ' • °n Heywood haben sich dem Kohlen -
wird. Nunmehr läßt aber Rußland auch die finnlandische I c(ne Ansprache, woraus die Königin zum Zeichen der Er- anaefcbloffen. — Die Locomotiv-Werke der London-
Ausnahme gegenüber Deutschland fallen und so wird denn der Öffnung ein quer über den Canal gespanntes „Band durch- North^Western-Bahn stellen infolge Kohlenmangels vom
Lettischen Regierung nichts übrig bleiben, als diese neueste fd)nttL Die Yacht des Königs, „Sphakterion , an deren Donnerstag bis Montag ihren Betrieb ein, wodurch
russische Herausforderung durch Ausdehnung des fünfzig- 93orb sich der König nebst der königlichen Familie, das diplo- Arbeiter um ihren Verdienst gebracht werden.
procentigen Zollzuschlages auch auf die finnländischen Maaren ^tische Corps, dieMinister und der General Turr befanden, Die Kahl der strikenden Berg-
zu beantworten. Wie bei einem solchen Stande der Dmge pQffirte den Canal als erstes Schiff. Ihm folgten vier von £oncbo“: 7; aeimunaenen Arbeiter
weitere Verhandlungen zwischen Berlin und Petersburg ge- dem Prinzen Georg commandirte^ griechische Torpedoboote, | leute, fotüU ber jur Jrbelt e J 0 TOlfTinn
Leihen sollen, das ist fteilich ein Räthsel! !
— Mit einer Mehrheit von 11OO Stimmen ist in der
ein russisches und ein englisches Kriegsschiff, sowie mehrere verwandter Geschäftszweige wird letzt auf eine halbe Mill
griechische Passagierdampser mit den übrigen Gästen. Auch geschätzt.
ber österreichische Lloyb hatte einen Vertreter entfanbt. Loudon, 7. August. Aus Bangkok wirb ber //Times °
Washington, 6. August. Die gestern hier abgehaltene telegraphirt, baß ble Siamesen sich vom Unken User ev bemokratische Parteiversammlung stellte wieberum Mekong zurückziehen.
Crisp als Canbidaten für ble Präsidentschaft im Repräsi- London, 7. August. Nach dem „Daily Telegraph tantenhaufe auf. Crisp hielt hierauf eine Rede, worin er herrscht Petersburger Meldungen, zufolge in Rutzlano,
hervorhob, daß die Demokraten jetzt zum ersten Male seit namentlich unter den Landwirthen, große Unzusriedenyeit
30 Jahren in der Lage seien, die schlechten Gesetze abschaffen wegen des ausgebrochenen Zollkrieges, well gerade bet
zu können. Das amerikanische Finanzsystem müsse einer Re- der jetzigen ausgiebigen Ernte ein Sinken der Gette deprene
Vision unterzogen und größere Sparsamkeit in den öffentlichen an und für sich unausbleiblich war, durch den Zollkrieg aber
Ausgaben eingehalten werden. Die Steuern seien gerecht zu noch erheblicher gestaltet worden ist.
vertheilen und herabzufetzen. Kopenhagen, 7. August. Nach einer Bekanntmachung
------------ des Justizministeriums sind alle aus Neapel kommenden
Depeschen detz Bureau „Herold". Schiffe als choleraverdächtig zu behandeln und ist
Berlin, 7. August. Der „Post" zufolge theilte der gleichzeitig die Einfuhr von Lumpen von dort verboten thüringische Staatsminister dem Weimarer Correspondenten worden.
aus der Durchreise mit, die Frankfurter Conferenzen Warschau, 7. August. Eine aus PodoUen h,er angedauerten vier Tage. Das Hauptbefteuerungsobject fei kommene Frau erkrankte unb würbe in bas Spital gebracht, zweifellos ber Tabak, nebenbei fei eine Zünbholzsteuer trw asiatische Cholera constatirt wurde. Die Behörde vorgeschlagen. hat die umfassendsten Vorsichtsmaßregeln getroffen.
Berlin, 7. August. Dem „Reichsanzeiger" zufolge beab-
sichtigt nach einer amtlichen Mittheilung der hiesigen russischen Berlin, 8. August. Der Possendichter und Humorist Botschaft die russische Regierung, auch den sinnländischen gtuarb Justinus ist gestorben. — Die Morgenblätter
I Zolltarif Deutschlanb gegenüber um fünfzig Procent zu ^Iben: Ingenieur Paasch würbe von ben Charitsärzten
erhöhen. derartig geisteskrank befunden, daß sie ihn auch verhand-
Hannover, 7. August. Der hier zufammengetretene lungsunfähig erachteten.
Anthropologen-Congreß wurde von Professor Virchow , eröffnet. Gras Bismarck begrüßte als Regierungspräsident e .
die Versammlung Namens der Regierung. TorfM00rvraN0e IN HolstetN.
Coblenz, 7. August. Auf dem Moselbahnhof fand heute I Durch die außerordentliche Trockenheit des vorigen früh ein Zusammenstoß statt, indem ein Personenzug mit Monats waren die Torfmoore, deren die Karte von Holstein einem Güterzug zusammenstieß. Mehrere Personen erlitten viele zeigt, in einen Zustand versetzt, in welchem die kleinste leichte Verletzungen. | Unvorsichtigkeit genügte, um einen Brand zu entzünden, der
Zürich, 7. August. Der internationale Congreß «sich in wenigen Stunden über Quadratmeilen fortpflanzte, der Metallarbeiter wurde heute in Anwesenheit von Urn Leben und Eigenthum der Anwohner, sowie die an« etwa 250 Delegirten eröffnet. Die Begrüßungsrede wurde grenzenden Forsten zu retten, mußten große Arbeiten aus-
in französischer, deutscher und englischer Sprache von dem geführt und an verschiedenen Stellen die Truppen aufgeboten
Vorsitzenden des Züricher Ausschusses gehalten. In der am werden, wodurch es denn nach Hinzutritt naffer Witterung Nachmittag stattgehabten öffentlichen Versammlung ist die Rede ^lang, des Feuers Herr zu werden.
Bebels wegen ihrer revolutionären Schärfe besonders auf- Der bedeutendste Brand betraf die große Moorflache gefallen. Die Ruhe wurde nicht gestört. zwischen Wrist, Bramstedt und Barmstedt. Dort war eine
Zürich, 7. August. Socialistencongreß. Vor- Strecke von etwa 10 Kilometer Länge und Breite bei Ge-
I Mittagssitzung. Unter dem Vorsitz Singers wurde in ber | legenheit einer Schießübung in Branb geraden. Das Feuer


