Ausgabe 
9.7.1893 Erstes Blatt
 
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m mom^aÄlt fldpannt fei, inbefc wenneinmal die Lage bereit« g'brücft fei, bann 'ct e« schon »u spät Die Regirrungm ^«meUm em« Bet/afiima«anbnung wegen der ,weiiähr,g'n Dimmen ni*t näber treten ,u können. Bewährt sich die zweijährige Tienstzeit, dann werden die Regierungen auch nicht davon abkommen. WaS die Teckungsirage anbetrifft, so fei man dahin gelangt, die Börsensieucr ausaiebiger zu machen, bann wollen "^ d'e unbebürgt neuen Steuern Denen auserlegen, die am lkiftungSsLhigften- ^>ie Regierung will die mSalichsie Rücksicht aus die schwächeren KrSste obwalten lassen und die Landwlrihschast angesichts der Nothlage von neuen Steuern sreilass-n. Vorläufig können weitere Angabm nicht gemacht werden, darüber könnten noch Monate veraehen. Der Reichskanzler appeUlrt an daS Vertrauen und an den Glauben des Reichstag-, denn nur so könnte von einer gemeinsamen Arbeit Die Rede sein. Das Septennat gehe in 1894 zu Ende.und eS mußte em ErsaK geschanen werden. ES müßten 50 000 Rekruten Em Herbst mehr eingestellt werden. Die Vorlage vermehre auch den unbedingt nöthigen Bestand an Pferden für die Geschütze und bringt unS in bie Lage, daß wir nach dem Erlaß der Vorlage sofort ganz anders in den Krieg ziehen können, al« bisher.

Aba. Paoer (südd. Bolkspartei): ES sei nach dem Stimmen- eraebniß wohl nicht zu bestreiten, daß daS deutsche Volk in der Mehrheit gegen die Vorlage fei. Die Regierung habe sich bei dieser Wahl sehr getäuscht. Die Nationalliberalm hätten sich «reinigt, wohl wegen ihrer Concession an die Konservativen. Der Reichs­kanzler habe sich auch der Interesienpolitik gegenüber gebeugt und derm Vertreter würden bei der zukünstigm Gesetzgebung schon ein Wörtchen mttreben. Die Deckungsfrage werde sehr leicht genommen, denn die Verschiebung der Mairlcularbeiträge schade gerade dem kleinen Mann. Seine Partei sei nach wie vor gegen die Vorlage. Redner spricht sich gegen die Berathung in der Kommission, was in Monaten sich nicht aufgeklärt habe, werde auch in wenigen Tagen nicht mehr aufgeklärt.

Nachdem noch Frhr. v. Stumm in längerer Rede für die Vorlage gesprochen, wird die Debatte auf morgen Mittag 11 Uhr vertagt.

Neueste Nachrichten.

Depeschm de- Bureau »Herold-.

Berlin, 7. Juli. ES wird darauf gerechnet, daß die erste Lesung der Militärvorlage Freitag und SamStag in Anspruch nimmt. Montag, Dienstag und Mitt­woch werden die Plenarsitzungen ausgesetzt. Donnerstag findet die zweite Lesung der Militärvorlage statt. Dann folgt die Berathung der Interpellation Wurm und die An­träge der Eonfervativen, betr. die Abhilfe der Futternoth.

Berlin, 7. Juli. Der Großfürst-Thronfolger von Rußland trifft bestimmt am DienStag zum Besuch des Kaisers in Potsdam ein.

Berlin, 7. Juli. Aus dem Centrum nahestehenden Kreisen wird gemeldet, der Jesuiten-Antrag sei ein­gebracht, um den Vorrang dafür zu wahren- das Centrum dränge nicht auf die sofortige Verhandlung.

Berlin, 8. Juli. Im Reichstage ist ein Antrag des Abgeordneten Staudy eingegangen, das Gesetz, betreffend die Jnvaliditäts- und Altersversicherung dahin zu ändern, daß eine Vereinfachung in der Verwaltung, ins­besondere gegenüber dem Markensystem, herbeigeführt wird.

Posen, 7. Juli. Eine große Anzahl polnischer Wähler hat an das polnische Provinzialwahlcomitö ein Schreiben gerichtet, das das Comilö ersucht, eine Volks­versammlung einzuberufen, in der eine Resolution gefaßt werden soll, welche die polnische ReichStagsfraction ersucht, gegen die Militärvorlage zu stimmen.

London, 8. Juli. DaS Kriegsgericht, welches über den Untergang derVictoria" urtheilen soll, tritt unter dem Vorsitz des Admirals Seymonr in Malta zusammen und wird gegen die Commandanten derVictoria" undCam- perdown", sowie Contreadmiral Marktam verhandeln.

Paris, 7. Juli. Man kann die Straßentumulte als beendigt ansehen. Einige Zusammenrottungen wurden leicht zerstreut. Nach der allgemeinen Meinung haben die Polizisten mit einer unbeschreiblichen Rohheit gehandelt. Die Erregung ist daher leicht erklärlich. Die Ausdehnung der Unruhen aus die Departements wird befürchtet. Der Ab­geordnete Millerand begann, sofort nach der Schließung der Arbeitsbörse einen gesetzlichen Widerstand zu organisiren. 1200 Socialisten, welche sich gestern Abend auf dem Mont­martre versammelten, beschloffen den allgemeinen Ausstand, der 14. Juli soll als Trauertag begangen werden.

Paris, 8. Juli. Die heutige Interpellation, an welcher fast alle Deputirten theilnahmen, verspricht sehr stürmisch zu werden. Die Seine-Deputirten wollen sich aber durch ihr Austreten ihre Wiederwahl sichern.

DerParis" sagt, die Behörden seien nicht ohne Besorgniß für den 11. Juli, den Jahrestag der Hin­richtung Ravachols, für welchen die Anarchisten Mani­festationen vorbereiten.

DemJour" zufolge wurde der Präsident der Studentenassociation, Carrou, ohne Ursache von der Polizei angegriffen und mißhandelt, sodaß derselbe in« Spital gebracht werden mußte.

Pari«, 8. Juli. In der Nähe des Chäteau doau- PlatzeS kam cS gestern wiederholt zu Zwischenfällen, bet welchen die Cavallerie einschreiten mußte.

Stockholm, 7. Juli. In der Nähe der Station Bakern in Dalekarlien wurde ein großes Eifenerzfeld entdeckt. Da« Erz enthält 70 pEt. Eisen.

Berlin, 8. Juli, Mittags 12Uhr2OMin. Berathung der Militäroorlage. Gröber (Zentrum) erklärt, seine Fraction habe unter Zustimmung aller zahlreichen neuen Dkitglieder beschloffen, der neuen Vorlage gegenüber die gleiche ablehnende Haltung einzunehmen, wie gegenüber der ursprünglichen.

Breme». 8. Juli. Au« Manilla wird gemeldet, daß bet brennend verlassene DampferDon Juan" dort ein- geschleppt ist. Ein Theil der Mannschaft und Passagiere ist gerettet, 145 Chinesen sind umgekommen.

toctilei ttnd provinzielle».

Gieße», 8. Juli 1898.

L. G. Am Freitag Abend sand in der hiesigen Sladlkirche tm geistlich«« (bacert !°m Btfte» d«S Sraa-ah-im« flau, an dessen AuSMHrung sich die kömgl. lachs. Kammes ianamn grau Marie Witlich und die Herren D. Garlach (ürael), Prasessar D. S. Krüger (Biotine) au« Giessen, W der kSnig! Kammermusiker $>. Kruse (Stile) au« Sasse! betheiligten. Wir dürfen unS wohl mit Recht versagen, auf Einzelheiten einzugehen und beschränken unS nur daraus, einige Worte unumwundenster Anerkennung sämmtlichen Aus- führenden zu widmen. Was Herr Lehrer Görlach schon früher bei den verschiedensten Gelegenheiten bekundet, sein gewandtes, sicheres Spiel, seine vortreffliche BegleirungS- weise, dies zeigte er auch in diesem Concerte wieder, in dem ihm als Solist und Begleiter eine schwierige Aufgabe gestellt war. Seine beiden Orgelvorträge, sowohl die Bach'sche b-s-e-ti-Fuge, wie das Rheinberger'sche CharacterstückAbend­frieden" fesselten von Anfang bis Schluß. Herr Profeffor Krüger ist schon lange in den hiesigen musikliebenden Kreisen aufs Dortheilhafteste bekannt. Mit bewunderuswerther Größe der Empfindung und tiefster Innigkeit des Ausdrucks ver­stand er es, besonders in dem Tartinischen Adagio, den Hörer mit jedem Tacto mehr und mehr für sich zu gewinnen. Herr Kruse, in dem wir einen Cellisten von großer Begabung schätzen, handhabte sein Instrument nach echter Künstlerart und entzückte durch die Vornehmheit der Cantilene in seinen beiden Stücken: Larghetto aus dem Mozart'schen Clarinetten- quintett und Adagio von Bocherini. Ueber welche herrlichen Stimmmittel die Sängerin des Abends, Frau Marie Wittich, verfügt, hatten wir schon Gelegenheit in einem früheren Concerte zu beobachten und zu berichten, allein was die ausgezeichnete Künstlerin diesmal an Macht, Größe und Glanz des Tones in dem Vortrag der Schubert'schenAll­macht" entfaltete, war mehr als eine nach gewöhnlichen Be­griffen ungewöhnliche Leistung. Die Arie:Mein gläubiges Herze frohlocke" von I. S. Bach, ganz besonders aber das Höre Israel" aus MendelssohnsElias", das von einer innigen, aus tiefster Seele kommenden Auffassung zeugte, waren vollkommene Kunstleistungen. So bot denn dieses kirchliche Concert dem Zuhörer eine ganze Reihe erhebendster Genüffe- die Veranstalter aber, die in so hochherziger Weise ihre Kunst in den Dienst der Wohlthätigkeit gestellt haben, dürfen mit Genugthuung und Befriedigung auf den Erfolg blicken, von dem ihr Werk begleitet war.

** Theater. Wie man uns mittheilt, wird das gegen­wärtig in Wetzlar weilende Hof - und Stadt-Theatcr- Enf emble nächsten Freitag auch hier einen Cycluö von Vor­stellungen eröffnen. Ob bei der gegenwärtigen Witterung und den langen Tagen ein günstiger Erfolg erzielt wird, läßt sich jetzt noch nicht absehen, indeß wollen wir eS dem Unternehmen gerne wünschen. Die Kritiken aus Wetzlar lauten recht günstig, und hoffen wir daher, daß die Leistungen der Gesellschaft wohl auch das hiesige Publikum befriedigen werden.

*Zweikampf". Gestern Nachmittag spielte sich ein Aufsehen erregender Kampf zwischen zwei Schulknaben in der Klinikstraße ab. Die 12 Jahre alten Burschen schlugen sich gegenseitig derartig mit faustdicken Chausseesteinen, daß sie beide stark bluteten und nicht unerheblich verletzt den Kampfplatz verließen. Anzeige an die Schulbehörde wird erfolgen.

** Ferien Sonderzüge. Wie aus der in vorliegender Nummer abgedrucklen Bekanntmachung der König!. Eifenbahn- Direction Hannover ersichtlich ist, werden am 15. Juli 1) nach Frankfurt a. M. und Basel über Cassel, bezw. Heidelberg, 2) nach München, Salzburg, Reichenhall, Kufstein und Lindau über Göttingen - Bebra - Gemünden - Würzburg Sonderzüge befördert. Für die unter 1 bezeichnete Tour werden auch in Gießen Rückfahrkarten 1., 2. und 3. Klaffe mit 50 pCt. Ermäßigung ausgegeben. Alletz Nähere ist an den Stationen zu erfahren.

* Wa8 ist jetzt unser Silbergeld werth? Bei ben jetzigen überaus niedrigen Silberpreisen hat der Silber- thaler, wenn er eingeschmolzen würde, einen Silberwerth von etwa 1 i/i Mk., unser Fünfmarkstück einen Metallwerth von 2,/4 Mk., unser Zweimarkstück von 90, unser Einmark­stück von 45 Pfg.

** Der Getreidemarkt. Die Witterungsverhäliniffe haben sich in letzter Zeit in vielen Theilen Deutschlands durch die stattgehabten Regengüsse einigcrmaßen gebeffert, ob dieselben indessen eine erhebliche Aufbesserung des Saatenstandes zur Folge haben werden, muß sich erst noch zeigen. Seitens des Getreidemarktes scheint man dies allerdings schon als gewiß zu betrachten, denn es sind aus den meisten Getreide­plätzen Preisherabsetzungen vor sich gegangen. Größere Aus­dehnungen haben letztere aber schon deshalb nicht annehmen können, weil der fast allerorten herrschende Futter­mangel den Preisrückgang der Brodsrüchte nur bedingt gestattet. Anderseits wirken die jüngsten Mittheilungen über die deutsch-russischen HandelsvertragSunterhandlunzen, wonach die Möglichkeit einer Verständigung noch keineswegs auSge- schloffen erscheint, etwas verstauend auf daS Getreidegeschäft ein. Hafer wurde durch das in der abgelaufenen Berichts- woche herrschende trockene Wetter günstig beeinflußt. Notir- ungen an der Berliner Getreidebörse: Weizen von 150 bis 165 Mk. pro 1000 Kilogramm, Roggen von 141145 Mk., Hafer von 167180 Mk., Gerste von 123170 Mk.

O Bom vorderen Vogelsberg, 7. Juli. Wie in der Wetterau, so hat man auch hier schon mit dem Schneiden deS KornS begonnen; bereits stehen die ersten Kornhaufen im Felde. Allerdings geschieht der erste Kornschnitt auf ohnehin trocknen, an BcrgeSabhängen gelegenen Aeckern. ! Doch dürste man in nächster Woche auch tiefer gelegene Felder abernteu. Die überaus heißen Julitage haben hier

das Korn sehr frühzeitig reifen lassen, um 14 Tage früber wie in normalen Jahrgängen. Wenngleich sich bis jetzt noch nicht sicher daS Ergebniß der Roggenernte seststellen läßt, da die trocknen Bergcsselder nicht- maßgebend sind, so kann doch schon jetzt gesagt werden, daß der Landmann hier mit der Kornernte in Anbetracht deS außerodentlich trocknen Jahrgangs recht wohl zufrieden sein kann. Gibt eS doch vielfach Aecker, auf denen der Roggenstand wirklich ein ganz vollkommener ist. Auch die Körner sind trotz der Frühreife durchschnittlich gut ausgewachsen. Anders sieht eS mit dem Weizen auS. Dieser ist im Durchschnitt dünn im Stande und sehr kurz im Halm. Trotzdem verspricht hier die Winter­frucht im Ganzen einen besseren Ertrag abzugeben, alS in anderen Gegenden mit trockenerem, heißerem Boden. Nur die Sommerfrucht, Hafer und Gerste, bei der daS letzte Regenwetter noch außerordentlich viel Nachwuchs hervorgerufen, fällt sehr schlecht auS, da die Trockenung wieder von Neuem eingesetzt und die HundStagshitze das Gedeihen deS Nachwuchses gänzlich hemmt.

§ Som oberen Vogelsberg, 7. Juli. Seitdem die Ab­gabe von Streu und Futterlaub aus den Domawal- Waldungen gestattet ist, kann man täglich daS AuSrücken ganzer Ortschaften nach dem Oberwald beobachten. Förm­liche Karawanen von Fuhrwerken und HülfSarbeitern beleben den Wald. Für jeden Ort ist ein bestimmter Tag vorge­sehen, an welchem er aus den ihm überwiesenen District Streu und Laub holen kann. Eine Anzahl Landwinhe eggen mittelst Wiesenkettenegge ihre Wiesen ein; dadurch werden diese von dem lästigen MooS befreit, auch flieht da« Moos ein ganz gutes Streumaterial. Die erste Heuernte ist ziemlich zu Ende, dagegen können die sog. einschürigen Wiesen noch nicht gemäht werden. Die imGießener Anzeiger" gemeldeten großen ViehtranSportc gehen auch von hier ab, immer noch wird das Dich zu wahren Schleuder­preisen verkauft. So kostet z. B. das Paar fette dreijährige Stiere im Gewicht von 10 bis 12 Ctr. 180 bis 200 Mk., vier- bis fünfjährige Kühe 30 bis 40 Mk. daS Stück. In hiesige Gegend gekommene Handelsleute quS Ungarn sind wieder abgereist, da sie vom Kaufen abstehen mußten, weil das Vieh zu mager ist.

Lauterbach, 7. Juli. Die Freiherren Riedesel haben eine allgemeine Anordnung getroffen, wonach in ihren Waldungen, soweit es der Stand der Culturen gestattet, Streunutzungen und Grasrupszettel an die Diehdesitzer billig abgegeben und die Districte, die sich zum Behüten mit Vieh eignen, gegen billige Pacht zum Behüten verpachtet werden sollen. Diese Anordnung dürfte gewiß den Dank der Be­völkerung verdienen.

Seligenstadt, 6. Juli. Der 12jährige Progymnasiast Joseph Nessel, Sohn des SchicserdcckermeifterS Joseph Ncffel, ist beim Baden ganz nahe beim linken Mainufer beute Mittag ertrunken. Der kräftige und rnuthige Junge scheint von einem Krampsansalle überrascht worden zu sein. Die Leiche wurde noch nicht aufgefunden.

öermtfdyte».

* AuS bet Pfalz. Ein Unikum in ber Wahlbe­wegung hat nach demN. M. Anz." daS zum Wahlkreise Spcyer-Ludwigshafen-Frankenthal gehörige große Pfarrdorf Harthausen bei Speyer geliefert: Während bei der Haupt­wahl am 15. Juni für den nationalliberalen Candidaten Dr. Clemm 1, für den uliramontanen Candidaten Lr. Siben 268 und für ben Socialisten Ehrhardt 4 Stimmen abgegeben wurden, zählte bei der Suchwahl am 24. Juni der Socialist Ehrhardt 1 sage eine einzige Stimme, während der Nationalliberale Clemm in Folge der stritten Durchführung der von der Caplanei befohlenen Wahlenthaltung keine einzige Stimme erhielt. Ein beneidenSwerthes Vergnügen für Wahl- commffssr, Ob- und Vertrauensmänner, wegen dieser einzigen Stimme von früh Morgens 10 Uhr bis Abends 6 Uhr im Wahllocale zu sitzen.

* Dortmund, 6. Juli. Einen sonderbaren Grund, sich das Leben zu nehmen, fand ein hiesiger junger Stell­macher. Er war bei der MilitärauShebung zur Infanterie geschrieben worden, sein Wunsch war jedoch, Artillerist zu werden. Weil er diesen Zweck nicht erreichte, ging er in den Wald und schoß sich eine Kugel in den Kopf.

AuS Westpreoßen, 2. Juli. Das Schwurgericht in Elbing verurtheilte gestern den Arbeiter August Schwarz und feinen Vater zum Tode, den Bruder Karl Schwarz zu 15 Jahren Zuchthaus, den Arbeiter Krause zu 1 Jahr Zuchthaus. Der alte Schwarz diente mit einem Arbeiter Nikodem bei dem Besitzer Figuth in Kunzendorserfelde. Diesem letztern stahlen die Söhne des Schwarz zwei Schweine, wovon Nikodem Kcnntniß hatte. ES wurde beschloffen, den Nikodem zu ermorden. August Schwarz erklärte sich nach einigem Zureden zu dem Verbrechen bereit. Nikodem, welcher Geld erhalten hatte, begab sich am 15. Januar d. I. zu seinem Bruder nach Simonsdors. Unterwegs gesellte sich August Schwarz zu ihm, forderte seine Barschaft und töbtete ihn durch zwei RevolverschÜffe. Der Mörder schleppte die Leiche auf die Seite und beraubte sie. Da der Arbeiter Äraufe eine auf den Mord bezügliche Unterhaltung zwischen August Schwarz und seinem Vater belauscht hatte, nahmen ihm die Brüder Schwarz unter gezückten Messern einen Eid ab, die That nicht zu vcrrathen. Krause hatte deßhalb bei der Vernehmung einen Meineid geleistet. Der Vater des Mörder« hatte, als sich sein Sohn zur Ausführung der Thal bereit erklärte, diesen umarmt und geküßt.

* Wiesbaden, 1. Juli. Entführt wurde gestern au« einem Haufe an der Emserstraße das vierjährige Töchterchen einer dortselbft wohnenden ausländischen Dame. Dieselbe ist von ihrem Ehemanne, der in dem Heimctthlande deS PaareS domieilirt, gerichtlich geschieden, und cS scheint, als ob dem Manne das Kind zugesprochen sei. Am Donnerstag Nach­mittag fuhr in der Nähe jenes Hauses eine Droschke an, und