Ausgabe 
9.5.1893 Erstes Blatt
 
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(Lebhafter Beifall, v. Vollmar: Fällt uns gar nicht ein!)BiS- marcktsch sprechen" Tank, Lieber, daß Du mich die» Wort gelehrt. In Pari- jubele man über den Fall der deutschen Mtlitärvorlage und votire den elsaß-lothringischen Abgeordneten den Dank. Redner wendet sich mit Entschiedenheit gegen den FractionSgeist und begrüßt den Anirag Huene als Wahlparole, weil Abg. v. Hume sich von dem Parteibanne losgemachr habe. ES dürfe nur noch deutsche, n'cht ein­seitige Fcactionspolittk getrieben werden. Lieder habe denFSrderaliS- muS al» eins der Jdealinteressen deS CentrumS bezeichnet, Lieber hätte für sich die Demokratie nennen sollen. Im Gegensatz zu Dr. Lieber müsse daS Wort bei unS zur Geltung gelangen: Erst daS Vaterland, dann die Partei und zuletzt die Person. (Beifall.)

Abg. Graf Preysing-Straubtng ^Ctr.): Ter Reichskanzler habe ihm zugerufen: ES thut mir leid, es thut mir weh, daß ich Dich in der Gesellschaft seh. Er werde sich von diesem Kreise nicht trennen. DaS Eentrum ist weder demokratisch, noch aristokratisch, sondern hält die Mitte zwischen beiden. Redner verwahrt sich dagegen, daß die Ablehnung dieser Vorlage unpatriotisch sei, und schließt mit der Ver­sicherung der Treue der Bayern zum Reich.

Abg. Frhr. v. Hornstein (b. k. Fract.) stimmt dem Antrag Huene zu und verweist xur Deckung der Kosten aus eine Wehrsteuer. Er verwahrt sich gegen Die Vermengung der katholischen Sache mit der Mtlitärfrage und protestirt gegen die TerrortsirungSoersuche der badischen CentrumSpreffe.

Abg. Frhr. v. Münch (b. k. Fract.) spricht sich gegen die Vor­lage bezw. gegen den Antrag Huene und verlangt VolkSwehr. Die Vorlage sei militärisch, politisch und social ungerechtfertigt. Nachdem die Regierung den russischen Handelsvertrag geschlossen, müßte es ihr leicht sein, auch einen Allianzvertrag mit Rußland abzuschließen. (Die Rede bleibt roegen der während derselben herrschenden Unruhe Wesentlichen im Hause und auf den Tribünen unverständlich. Stürmische Rufe Schluß! Schluß! machen keinen Eindruck auf den Redner.)

Die Abgg. Holtzmann, Ackermann und Stumm beantragen Vertagung, die Abgg. Fritzen, Letocha und Graf Homposch Schluß der Debatte.

Vertagung wird abgelehnt, Schluß der Debatte beschlossen.

Abg. Rickert bemerkt, durch den Schluß der Debatte an der Abgabe einer kurzen Erlärung Namens eines Thetls seiner Freunde verhindert worden zu sein.

Abg. Lieber erklärt, durch dm Schluß der Debatte an einer ausführlichen Erwiderung gegm Herrn v. Helldors gehindert zu sein.

Abg. Böcke! erklärt Ramms seiner Freunde Werner und Zimmermann, daß sie mit Rücksicht aus die traurigen wirth- schastlichen Verhältnisse gegen die Vorlage stimmen.

Die Abgg. Pickenbach und Liebermann v. Sonnenberg erklären ihre Zustimmung zu der Vorlage im Interesse der Wehrkraft des Landes.

Abg. Prinz Earolatb bemerkt, daß er durch dm Schluß der Debatte verhindert worden sei, einen von ihm eingebrachten, aber noch nicht gedruckten Antrag zu mottviren. -

Hierauf wird in der Abstimmung durch Namensaufruf $ 1 nach dem Antrag Huene mit 210 gegen 162 Stimmen abgelehnt. Gtner enthält sich der Abstimmung. Für den Antrag Hume stimmen Eonseroattve, Reichspartei, Nationalliberale und Polen geschlossen, ferner von ben Freisinnigen die Abgg. Broemel, Hinze, Maager, Dr. Alexander Meyer, Schröder und Dr. Siemen», vom Centrum Graf Adelmann, Prinz Aremberg, Graf Ballestrem, Graf Chamar->, Frhr. v. GltszczynSki, v. Huene, Lender, Graf Matuschka, Nols, Frhr. v. Pfeltm, Dr. Porsch und Frhr. v. Rettzmstein, von den FractionSlosm Prinz Carolath, Roesicke, Wtsser, Thomsen, Frhr. v. Hornstein, Liebermann v. Sonnenberg, Pickenbach und Ahlwarot. Abg. Ruhland (Elsässer) enthielt sich der Abstimmung.

Der Reichskanzler erhebt sich und verliest eine Kaiserliche CabinetSordre vom 6. d., wonach der Reichstag für aufgelöst er­klärt wird.

Präsident o. Levehow giebl die übliche Geschäftsübersicht und schließt die Sitzung mit einem dreifachen Hoch auf dm Kaiser, in welche» daS HauS lebhaft einstimmt. Die Socialdemokraten hatten kurz vorher den Saal verlassen.

An der namentlichen Abstimmung über den Antrag Huene nahmen 378 Mitglieder theil, darunter eins, welches sich der Abstimmung enthielt. Mit Ja stimmten die Abgeordneten Ackermann, Graf Adel­mann, Adt, Ahlwardt, Prinz v. Arenberg, Graf von Arnim, Graf v. Ballestrem, Baumbach (Altenburg), Graf v. Behr, v. Benda, Dr. v- Bennigsen, Bock (Minden), Dr. Böttcher, Bohh, v. Bredow, Brömel, Brüning», Brunck, Dr. Bürklin, Büsing, Dr. Buhl, Graf v. Carmer, Prinz zu Carolath, Dr. Caffelmann, Cegielsky, Graf v. Chamarü, Dr. S(emm (Ludwigshafen), v. Colmar, Dr. v. Cuny, Fürst Czartoryski, Prinz Czartoryski, Dodillet, Graf v. Dönhoff, Graf zu Dohna, v. Do- nimirSki, Graf Douglas, Dr. Endemann, v. Flügge, Dr. v. Frege, Frhr. v. ^riefen, Gamp, Gehlert, v. Gerlach, Dr. Giese, v. Gliszczinski, Götz, Grumbt, Frhr. v. Gültlingen, Günther, Baron v. Gustedt, Hahn, Dr. Hammacher, Freiherr von Hammerstein, Dr. Prinz Handjery, Dr. Hartmann (Plauen), Hastedt, Fürst v. Hatzfeldt, v. Helldorsf, v. Hell­mann, Hempel, v. Henk, Hinze, Dr. Höffel Hoffmann (Mengersdorf), Erbprinz zu Hohenlohe, v. Holleuser, Graf v. Holstein, Holtz, Holtzmann, Frhr. v. Hornstein, Hosang, van Hülst, Frhr. v. Hume, Hultzsch, beide v. Jagow, Dr. v. JazdzewSki, Jebsen. von Kalkstein, Graf v. Äanitz, v. Kardorff, Keller, v Keudell, Graf v. Kleist, Klemm (Sachsen), Dr. v KomierowSk, v. Koücielski, Krämer, Dr. Kropatscheck, Graf Kwilccki, Lender, Leuschner, v. Levehow, Liebermann v. Sonnenberg, Lucius, Maager, Frhr. v. Maltzahn, Frhr. v. Manteuffel, Dr. v. Marquard- fen, v. Mafsow, Dr. Graf v. Matuschka, Dr. Mehnert, Mmzer, Mer- bach, Dr Meyer, Graf v. Mirbach, v. Moszczenski, Müllensiefen, Nels, v. Normann, Oechelhäuser, Dr. Osann, v. d. Osten, Pfähler, Frhr. v. Pfetten, Pickend ach, Dr. Pieschel, v. Polczynski, Poll, Dr. Porsch, GJraf v. Pücklcr, Fürst Rad^iwill, Frhr. v. Reitzenstein, Rimpau, Rdsicke, v. Rozycki, Dr. RzepnckowSki, Graf v. ©albern, Sander Frhr. Saurma v. b. Jeltsch, Dr. Schier, Frhr. v. Schleinitz, Schlick, beide Grafen v. Schliessen, Schneider (Hamm), v. Schöning, Schröder, v. d. Schulen burg-Bcetzendorf, Scipio, Siegle, Dr. Siemens, v. Slavki, v. Sperber, v. Staudy, Stemmam, v. Steinrück, Stephanus, Stöcker, Graf zu Stol­berg, Frhr. v. Stumm, Thomsen, Tröltsch, Uhden, Frhr. v. Unruhe Bom st, Weiß (Eßlingen), Wichmann, v. Winterfeldt, Wiffer, v. Wols- legrer, v. WrirSberg, Frhr. Zorn v. Bulach.

Mit Nein stimmten die Abgg. Aichbichlcr, Dr. AlthauS, v. Arns- waldt.Böhme, Baron v. ArnSwaldt-Hardenbostel, Auer, Dr. Bachem Dr. Bamberger, Dr. v. Bar, Dr. Barth, Bebel, Beckmann, Bender' «ertling, Brehl, Birk, Bloo, Dr. Bock ,Aachen , Bock «Magdeburg), Dr. »otfel arauit, Dr. Brüel, Bruhns, Buddeberg, Frhr. v. Buol, Burlein, Dau, Graf v. d. Decken, v. d. Decken, Dieden, Dietz, Dillinger, Dr. SDobrn, DreeSbach, Graf Droste zu Bischerina, Evers, Förster, Frhr. zu kxranckcnstein, beide Fritzen, Frohme, Funck, Fuvanqel, Frhr.

,®taf ®aIen- Geyer, Goldschmidt, Gras v. Grand Ny, »rritz, Gnllcnbcrger, Gröber, Guerber, Dr. Gutfleifch, Haanen, ^de'^äbnje, Dr. Häncl, Harm, Dr. Harmening, Hartmann (Württembergs HauS, Haußniann, Dr. Frhr. v. Heeremann, Heine, beide Hermes ^effe, H.ckel, Dr Hirsch, Hitze, Graf v Hoensbroech, Hofmann (Lhemmtz,, Graf Hompesch Horn, Dr. Hornntz, Hug, Jeschke, Ioest, ^ohannsen, Jordan, Jungfer, Kaunmann. v. uehler, Kercher, Kersting, «lose, Kndrcke, Koch, Kochann, Dr. Krause, Krebs, Küchly, Kuneri, Landes, L«mg, Langerfeldt, Dr. ^angerhans, Lauck, Lehemeir, Lehner, Leonhard, Lerzer, Letocha, Dr. Lieber, Liebknecht, Dr. Lingens, Gras v -o», Lorenzen, Lüders, Marbe, Mauer Landshut Meister Menken Metzger, Metzner, Mey, Frhr. v. Mmmgerode. Molkenbrchr,' Mooren' Vr. Müller, Münch, Freiherr v. Münch, Munckel, Neckermann, Neumann' Gvtz v. Olenhusen, Dr. Pachnicke, Panse, Payer, Pezold, beide Pftüaer beide Grasen v. Preysing, Raeithcl, RarkowSki, Rauhenecker, v. Reib' nitz, beide Reichert, Reindl, Rembold, Richter. Rickert. Dr. Rintelen Riß, Dr. Rudolphi, Samhammer, Dr. Schädler, Scbattgen, Frhr' v. Schele, Schenck, Schippet, Schmidt Elberfeld. Schmidt Frankfurt X Schmidt ^Sachsen>, Schmieder, Schnaidt, Dr. Schneidet iNotbbaufen . Graf v. Schönborn-Wiesentheid, Schrader. Schütte, Graf v. d. Schulen

bürg Hehlen, Schuler, Schultz«, Schumacher, Schwartz, Dr. Ceelig, Ser»ert, Dr. Simonis, Singer, Spahn, Spetter, Sperlich, Stadthagen, Dr. Stephan, Stötzel, Stolle, v. Slrombeck, Szmula, Dr. Thomas, Timmermann, Träger, Tutzauer, Uhlendorff, Ulrich, Dr. Virchow, v. Bollmar, Vollrath, Wagner, Gras v. Waldendors, Frhr. v. Wangen- Heim, Wattendorf, Weber, Weiß Paffau), Wenders, Frhr. v. Wendt, Wentel, Werner, Wilbrandt, Wildegger, Wiüsch, Winterer, Witzlsperger, Wöllmer, Wurm, Zangemeiüer, Zimmermann, Zmth.

Der Abstimmung hat sich enthalten der Abg. Ruhland Elsäffer).

Es fehlten die Abgeordneten Dr. Baumbach Berlin df.), Fürst v. Bismarck, Brandenburg (Centr. , Frh. v. Dalwigk Centt.), Dell-^s (Elsäffer, Frhr. v. Dietrich (Elsäffer, Dr. v. TziembowSki Pole), Eberty vf.>, Fischer (b. k. P.-, Härle Bolksp.), Lutz bc), Mang» 4 (Elsäffer), Dr. North (aus Elsaß, nl.), Dr. Petri (nl.), Dr. Äuge (df ), v. Schalscha Centr), Dr. Frhr. v. Stauffenberg (df.), Stephau (ds. , Dr. Witte (df).

Hcuefte 21 ad>rlebten.

Wolffs telegraphische» Correspoadenz-Bureau.

Berlin, 7. Mai. Der Reichskanzler Caprivi begab sich gestern Nachmittag gegen 4 Uhr nach Potsdam, wurde im neuen Palais vom Kaiser empfangen und kehrte nach kurzer Conferenz mit dem Kaiser wieder nach Berlin zurück.

8ms, 7. Mai. Heute Mittag fand die feierliche Enthüllung des Denkmals für Kaiser Wil­helm I. statt. Als Vertreter deS Kaisers wohnte der Gene« raladjutant weiland Kaiser Wilhelm I., Gras von Lehndorf, der Feier bei. Er legte einen großen Lorbeerkranz mit dem NamenSzug deS Kaisers am Denkmal nieder. AlS Ehren« gäste waren anwesend: der Oberhofmarschall weiland Kaisers Wilhelm L, Graf Perponcher, und der Regierungspräsident v. Tepper-Laski.

Paris, 7. Mai. DerTemps" sagt: Die Nachricht über die Auflösung des deutschen Reichstages ver­breitete, obwohl sie erwartet wurde, in Deutschland und Europa jenen leichten Schauer, der historische Ereignisse be­gleitet. Das Blatt bezeichnet die Haltung des CentrumS als sehr geschickt. DerJour" bemerkt, die Verhältnisse in Deutschland erinnern an die tröstenden Worte Gambettas von der immanenten Gerechtigkeit der Dinge.

Depeschen de» Bureau .Herold'.

Wien, 8. Mai. Die gesammte Presse hebt die mächtige Bewegung hervor, welche die Abstimmung deS deutschen Reichstages in Oesterreich hervorgerufen hat.

Darmstadt, 8. Mai. Seine Königliche Hoheit der Großherzog reisen am Freitag zum Besuche des König­lichen Hofes nach Dresden, von dort zum Besuche deS Kaiser­lichen Hofes nach Wien.

CocaUs ttttö provinzielle».

Sieben, 8. Mai 1893.

** Von der Universität. Heute Montag, um 4 Uhr Nachmittags, beginnen die mündlichen Prüfungen der Candidaten der Rechtswissenschaft, die Dienstag, Mitt- woch und Freitag ihre Fortsetzung nehmen. Desgleichen finden in dieser Woche, Montag und Dienstag, die Fach­prüfungen in der Finanzwissenschaft statt.

** Neues Theater. Der gestrige Sonntag brachte uns wiederum zwei Vorstellungen und zwar am Nachmittag die Wiederholung deSBett el sind ent". Wir haben diese Operette an dieser Stelle schon einmal eingehend besprochen, sehen deshalb davon ab, näher auf dieselbe einzugehen, und beschränken uns darauf zu melden, daß die Wiedergabe des Stückes im Ganzen zur Zufriedenheit der Besucher ausfiel. Selbstverständlich ist die Zahl dieser bei der Fülle des Gebotenen in den einzelnen Aufführungen dann weniger groß. So war auch gestern die Theilnahme an der Mittagsvorstellung geringer als am Abend, wo der große Saal von SteinS Garten bei­nahe ausverkauft war. Die Strauß'scheFledermaus" hatte ihre Anziehungskraft wieder einmal bewährt. Und in der That, wer sich einmal gut amüsiren will, und nicht allzu sehr Philister ist, der kann eigentlich nichts Besseres thun, als eine derartige Operette besuchen. Freilich ist der gebotene Stoff eben nicht besonders erhaben, die geschilderten Charactere nicht gerade die lautersten und der ganze Inhalt nicht eben durchaus frei von anstößigen Stellen. Aber wenn dem Zu­schauer dies alles in so liebenswürdigster Form geboten wird, wenn so eine temperamentvolle, frische Musik die Handlung begleitet, so muß er sich ja ergötzen, und wer möchte bestreiten, daß eS nicht interessant wäre, auch einmal einen Blick in diese Sphäre der Gesellschaft zu werfen, deren Thun und Treiben unS hier mit großer Wahrheit und glücklichster Auffaffung vorgeführt wird? Unser Ensemble that bet der Wieder­gabe des Stückes im Großen und Ganzen seine volle Schuldig, keit. Herr Beermann alsEisenstein" zeigte durch fein routinirteS Spiel, daß er ebenso gut hier in der Operette, als in der Oper am Platze ist und denselben würdig auSzu« füllen weiß, nur möchten wir ihn davor warnen, daß er sich im Eifer zu allzu raschem Sprechen hinreißen läßt. Für Frl. Kronegold (Rosalinde) trifft obiges weniger zu, sie gehört in die Oper, trotzdem führte sie jedoch ihre gestrige Partie tadellos durch und ergötzte durch ihr herrliches Organ, das von der Indisposition am Freitag völlig frei war, alle Anwesenden. Auch Frl. Ziem an (Adelk) war gesanglich sehr tüchtig, nur machten sich manchmal im Spiel wieder die unschönen Armbewegungen störend bemerklich. Den Prinzen Orlowski hätten wir uns in der Maske doch etwas älter wenigstens vorgestellt, dabei fehlte eS der Repräsentantin desselben (Frl. M. Schuhmacher) an dem selbstbewußten Auftreten, daS diese Figur haben muß. Vorzüglich war Herr R e u s ch alsGesangslehrer Alfred" ebenso Herr K i e st e r alsDr. Blind." Auch Herr Thiemann und Herr Schlegel, die beiden Gefängnißtyrannen, ließen nichts zu wünschen übrig. Fretlich daS Orchester vermißte man schwer, obschon die Klavier­begleitung in ihrer Durchführung durchaus tadellos war.

** Neves Theater. Mit dem heutigen Tage begimteir die Proben zu dem neuesten sensationellen Schauspiele ^Heimath" von Hermann Sudermann und bleibt daS Theater deßhalb heute, DienScag und Mittwoch geschloffen. AuS der sorgfältigen Vorbereitung, welche die Direction dem Stücke angedeihen läßt, kann man sehen, welch hohen Werth sie auf die würdige Wiedergabe deS bedeutendsten Werke« deS illustren Dichters legt. Bestellungen auf numerirte Plätze werden von heute ab schon entgegengenommen.

* Die Maifeier der hiesigen Arbeiterschaft, welche gestern im C a s 6 L e i b festlich begangen wurde, nahm einen gelungenen, von keiner Störung unterbrochenen Verlauf. Die Betheiligung war eine recht zahlreiche, jedoch waren im Verhaltniß zum Vorjahre weniger Theilnehmer der Umgegend erschienen, waS in der ungünstig kalten Witterung seinen Grund haben mochte. ES wechselten Reden und Declamationen mit Liedervorträgen deS GesangvereinsEintracht" und Musikstücken ab. Den Schluß deS Programms bildete ein gut gespieltes Theaterstück, Der erste Mai", hierauf folgte Tanz, welcher die Anwesenden noch lange beisammen hielt.

* Verhaftet wurden gestern zwei junge Leute wegen Trunkenheit und groben Unfugs und außerdem wurde eine Verhaftung wegen fahr! ässiger Brand- stiftung vorgenommen.

* flamlnbrenb. Ein gestern Abend gegen 8 Uhr in einem am Asterweg gelegenen Hause ausgebrochener Kamin- brand konnte noch rechtzeitig gelöscht werden, ehe derfelbe einen gefahrdrohenden Umfang annahm.

* * Fahrplan Aeabervvg. Auf die in vorliegender Nummer befindliche Bekanntmachung der Königs. Eisenbahn-Direktion, betr. Aenderung der Fahrzeiteü einiger auf der Strecke Frankfurt Gießen verkehrender Züge, sei an dieser Stelle aufmerksam gemacht.

* * Sovderpersovevjug. An allen Sonn- und Festtagen, vom HimmelsahrtStage, 11. Mai angefangen, wird für die Dauer des Sommerfahrplans ein Sonderpersonenzug Gießen- Fr ankfurt abgelaffen werden, der laut Bekanntmachung des Kasseler Eisenbahnbetriebsamtes wie folgt verkehrt: Abfahrt von Gießen Abends 7.40, von Butzbach 8.08, von Nauheim 8.24, von Friedberg 8.31, von Vilbel 9.04, Ankunft in Frankfurt a. M. Abends 9.37 Uhr.

R. Reichelsheim i. b. W., 7. Mai. Ein bedauer- l ich er Unfall kam in unserem Nachbarorte Bingenheim vor. Dort spaltete gestern Nachmittag ein 14jähriger Knabe Holz. Er schlug mit umgedrehter Axt, d. h. mit dem Ohr des Werkzeuges auf einen Holzprügel; durch die Elastizität des letzteren sprang die Axt zurück, traf mit der Schneide auf die Stirne deS Knaben und drang bis auf die Hirn­schale, welche bloSgelegt wurde, ein. Der herbeigeholte Arzt verband die Wunde, welche einen schrecklichen Anblick darbot.

Vilbel, 6. Mai. Ein grausiger Anblick bot sich gestern den Mitreisenden des Personenzuges 96 nach Frank- furt a. M. Einige Schritte vor der hiesigen Station hielt plötzlich der Zug und als wir nach der Ursache dieser Unter­brechung auSschauten, sahen wir, wie ein Schaffner einen gräßlich verstümmelten menschlichen Körper unter dem Eisen bahnwagen hervorzog. Dem Manne, einem Streckenarbeiter aus Groß-Karben, waren die Beine abgefahren und er sonst vollständig verstümmelt, wodurch der Tod sofort eingetreten sein muß. Man nahm an, daß er dem Zuge au-weichen wollte, dabei aber von der Maschine erfaßt wurde und so seinen schnellen Tod herbeigeführt hat. Nach kurzer Unter­brechung fuhr der Zug weiter und man batte Muße, darüber nachzudenken, wie nichtig daS menschliche Leben sei. vielleicht noch zwei Secunden vorher hat der Mann fröhliche Host nungen gehegt und einen Moment später war er schon eine Leiche. Heute roth, morgen tobt! (W. V.)

Darmstadt, 5. Mai. Die hiesige Technische Hoch­schule ist im gegenwärtigen Studienjahre von 604 Studi- renden und Hospitanten besucht. Nach der Höhe der BesuchS- ziffern geordnet, rangiren die verschiedenen Abheilungen nach vorläufiger Feststellung wie folgt:

Stud.

Hosp.

Zus.

1) Electrische Abtheilung

199

34

233

2) Maschinenbau Abtheilung

116

18

133

3) Jngenieur-Abtheilung

63

10

73

4) Chemisch technische Abtheilung

(Chemiker u. Pharmaceuten)

50

15

65

6) Architectur-Abtheilung

52

7

59

6) Math.-naturw. Abthetluvg

14

27

41

Gesammtsrequenz 493 111 604

Im vergleich zum vorauSgegangenen Studienjahre hat sich die Zahl der Studirenden nahezu um 100 vergrößert.

A Mainz, 7. Mai. Mainz steht wieder vor der Er­richtung einer der Allgemeinheit dienenden Wohlfahrts- Anstalt, die schon lange allseits als ein großes Bedürfnis empfunden wurde. Nämlich vor dem Bau einer öffentlichen Badeanstalt, ähnlich wie Köln eine solche in seinem Hohenstausenbad" besitzt. Ein zu diesem Zwecke vor einiger Zeit gebildetes Comite ist jetzt mit einem fertigen Project hervorgetreten, daS allgemeinen Anklang findet. Danach soll die Anstalt nach Außen in einfacher, aber würdiger Weise erbaut und im Innern, unter Vermeidung von Vuru», mit den vollkommensten technischen Einrichtungen versehen werden. ES sollen errichtet werden: Schwimmhallen für Sommer- und Winterbetrieb, Wannen- und Brausebäder, ein römisch irische- und ein russisches Bad, ein Maffageraum, sowie ein Saal mit verschiedenartigen Brausen. Die Gesellschaft verlangt von der Stadt die unentgeltliche Ueberloffung eine- städtischen Bauplatzes und hat das Terrain zwischen der Kaiserstraße und der Schloßkaserne in da- Auge gefaßt. Weiter wird von der Stadt ein Darlehen von 250,000 Mark zu dem Zinsfuß von 2 Procent beansprucht. Unter Berücksichtigung der genannten städtischen Bewilligungen calculirt man die Gesammtunkosten auf 400,000 Mark, die IahreSeinnahmen auf 60,000 Mark und die Ausgaben auf 50,000 Mark, so daß

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