Ausgabe 
9.4.1893 Zweites Blatt
 
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VeEischte-

Setliu 4. April. Im städtischen Obdachs be­fanden sich am 1. März d. I. 46 Familien mit 153 Per Ionen, darunter 17 Säuglinge. Am 1. April war der Bestand 56 Familien mit 170 Personen, darunter 20 saug- linae Das Asyl für nächtliche Obdachlose daselbst benutzten im Laufe deS Monats März 51 478 Personen, und zwar 50099 Männer, 1379 Frauen. Bon diesen Personen wurden 19 dem Krankenhause Friedrichshain, 73 dem Kranken­hause Moabit und 5 der Eharitö überwiesen, 687 (662 Männer, 25 Frauen) der Polizei vorgeführt.

Vor einigen Tagen starb im Alter von nur einund­vierzig Jahren Georg Wilhelm Franz Sackville Russell, Herzog von Bedford, einer der reichsten und sonderbarsten Manner der ganzen Welt. Schon seit längerer Zeit litt er an einer Herzkrankheit, aber keiner seiner Verwandten wußte eS. Noch vor wenigen Tagen waren der Herzog und die Herzogin von der Kaiserin Fried­rich zu einem Mittagessen im Buckingham-Palast eingeladen. Rur die Herzogin leistete der Einladung Folge, während der Herzog allein in seinerHöhle", wie man sein Studierzimmer nannte, zurückblieb. Der Letzte, der ihn lebend sah, war sein Diener, der ihm gegen fünf Uhr Nachmittags eine Tasse Thee brachte. Der Diener erklärte, daß der Herzog sich zu der Zeit noch beim besten Wohlsein befunden habe. Der Herzog pflegte ganze Stunden in seinem Studierzimmer zu- zubrtngen, lesend und allerlei Kurzweil treibend, aber stets allein. Als die Herzogin kurz nach 6 Uhr nach Hause zu­rückkehrte und in den Speisesaal eintrat, sah sie den Leichnam ihres Gemahls auf dem Teppich liegen. Der Herzog, der erst vor einiger Zeit eine leichte Lungenentzündung über- standen hatte, war jedenfalls einem Herzschlage erlegen. Herzog von Bedford brachte fast sein ganzes Leben wie ein Einsiedler zu. Man darf behaupten, daß ihn die Gesellschaft überhaupt nicht kannte. Er verabscheute jegliche Geselligkeit, ließ keine Einladungen ergehen und nahm keine an. Zwei Wochen vor seinem Tode wohnte er einem Empfange im Devonshire House bei, aber er war nur hingegangen, weil es sich um eine Versammlung der Unionisten handelte. Im Allgemeinen kann man sagen, daß er nirgends hinging und Niemand sah. Für ihn bedeutete sein riesiges Vermögen und feine hohe Stellung gar nichts. Als Knabe lebte er stets auf seinen Besitzungen in Woburn. Er ging nie zur Schule und hatte auch keine Freunde. Mit zweiundzwanzig Jahren heirathetc er Adelina Maria, die Tochter des Grafen von Somerset, und zog sich bald darauf in seine Höhle zurück.

Er sah seine Frau nur sehr wenig und hinterläßt keine Erben. Er harre nie eine andere Leidenschaft als die, Geld zu sparen. Besitzer von zwanzig oder dreißig Palästen, bei einem jährlichen Einkommen von mehreren Millionen Mark, haue er Furcht, vor Hunger sterben zu müssen. Zeitlebens specullrie er und suchte sich für die Unterbringung seines Baarvermögens stets neue Banken auS, die ihm sicherer zu sein schienen und höhere Zinsen zu geben versprachen als andere Institute. Wenn er in Woburn war, schloß er sich in einem Eckzimmer deS Riesenpalastes ein und setzte niemals den Fuß auf die Straße. Er zeigte nie die ge­ringste Lust, seine ungeheuren Parkanlagen, Felder, Unter­gebenen und Diehheerdcn zu sehen. AlS er noch jung «ar; liebte er die Jagd, mit den Jahren wurde er aber so korpu­lent, daß er den Sport ganz aufgab und fortan nur eine I sitzende Lebensweise führte. Er zeichnete sich durch sehr guten | Appeüt aus und wie der Riese Gargantua- er war vielleicht der größte (Sner in England, und daS will viel sagen. Wer ihn einmal esien sah, sagte, daß man ein solches Schauspiel nie vergesien könne. Sein Vater, der achte Her­zog von Bedford, starb am 14. Januar 1891, nachdem er sich eine Kugel durch den Kopf gejagt hatte. Bon dem jetzt verstorbenen Herzog läßt sich nur eine einzige rühmens- werthe Handlung berichten : bald nach dem Tode seines BaterS setzte er den Pachtzins, den seine Bauern in Devonshire zu erlegen hatten, ganz bedeutend herab.

Slang und Lowe. Man schreibt derF. Z." au8 London, 3. April: In Amerika hat man jüngst in der einst Barnum gehörigen Menagerie Versuche angeftellt, ob und wie weit die sprichwörtliche Furcht deS Löwen, Elephanten und anderer großen Thiere vor der MauS auf Wahrheit beruht. Zuerst warf man eine Maus in den von zwei Löwen bewohnten Käfig, die entsetzt vor dem kleinen Nagethiere zu- rücksprangen und laut brüllend aus dem Käfig zu entkommen suchten. Erst nach längerer Zeit beruhigten sie sich soweit, die Maus zu beriechen und hinfort völlig unbeachtet zu lasten. Dasselbe anfängliche Entsetzen legte ein Königstiger an den Tag, dem übrigens später die MauS sogar ungestraft in die Nase biß. Auf die Elephanten hatte der Anblick der Mäuse eine verschiedene Wirkung. Die ungezähmten risten an ihren Ketten undtrompeteten" von Furcht, während ein zu Kunst­stücken abgerichteter Elephant bad vor ihn gesetzte Mäusepaar in philosophischer Ruhe mit seinem Fuß erdrückte. Ganz anders verhielten sich die Pumas, Hyänen und Wölfe. Sie faßten die Sache von der ihnen nützlichen Seite auf und verschlangen unverzüglich die vorgeworfenen Ratten und Mäuse.

102 Messerstiche. Im Torfe Aragona bei Girgenr auf Sizilien wurde ein 80jäbriger Bauer tobt aufgefunden. Der Leichnam war durch 102 Messerstiche schrecklich ent»* stellt, die Zunge abgeschnitten und die Augen au» ihren Höhlen gensten. Leider find die Thäter noch nicht ermittelt worden.

Gesetz gegen bad Kisien. Ein Arzt in Ohio (Nord­amerika) hat an da»Parlament in Washington eine Petition gerichtet, in der er ein strenge» Gesetz gegen eine »böse und schädliche Angewohnheit" verlangt. Diese Angewohnheit ist da» Küsten.Da» ist eine ungesunde und unrein- liche Sache," sagt er,und eine beständige Bedrohung der Gesundheit."

Brodprrise

vom 9. April bi» 23. April 1893.

Ter hiesigen VLcker.

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2 Kg. (4 Pfd.)

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Ter aulMriigcn Vtcker.

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u. Fr Schön v. tRuttcribaufai 42 .

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1 sig. (2 Psd.) Wcihbrod.....

2 Kg. (4 Pfd ) Wcitzbrod.....

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2 Kg. (4 Pfd.) Schwar»brod.....

Gießen, den 8. April 1893.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.

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Zusammenkunft Morgens 9 Uhr auf der Hangschneise im Herenbusch

Gießen, 23. März 1893.

Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

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Den Gmpfonu der Modcll-Hüte, sowie ,LmmU>cher «euheilrn in Damen-, Mädchen- und Ituabenhüten, Blumen und federn, Lpiyen und Bändern, Tüllen und (srepeS, Hntsormen re.

Verdingung. Holzversteigerung.

Die zum Ausbau der Lcnckcn- DienStag den 11. April d. I. pergftrastc erforderlichen, nach-Os Tk in k-*" a,h- stehend verzeichneten Arbeiten sollen

n

Basalt- "

werden im Franzenwald in den Ab, theilungen Hexenbusch. Tiefenthal, Fuchsbau, GüntherSgrab, und Schin. derskopf 16b versteigert:

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Gießen, am 7. April 1893.

Großberzogl. Bürgermeisterei Gießen.

Gnauth. [3359

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Bahnvosflraße 29.

Bekanntmachung.

Vom IO. April d. I. an wird aus der Strecke (gießen(Srostcn- Bnseck der Oberhessischen Eisenbahnen an Werktagen ein Arbciter- Lriihzug verkehren, der nach 5 Uhr (Mitteleuropäischer Zeit) von Gießen nach Großen-Buseck leer fährt und von Großen-Buseck um 5 Uhr 50 Mi­nuten (Mitteleuropäischer Zeit) nach Gießen wieder abgeht.

Die Bahnstrecke GießenGroßen-Buseck wird während dieses Zug- verkehre» nach Maßgabe der Bahnordnung für deutsche Bahnen unter- geordneter Bedeutung betrieben, also ohne Bewachung der Bahn und ohne Schließen der Schranken an den Bahn Uedergangen; dagegen wird bei An­näherung de« Zuges an einem Wegübergang mit der auf der Locomotive befindlichen (Blocke zur Warnung für die Pafianten geläutet.

Alle Diejenigen, welche in den genannten Morgenstunden aus den von der Bahn überschrittenen Straßen und Wegen zu Fuß oder zu Wagen verkehren, werden daher aufgefordert, auf das Läute-Signal zu achten und die Bahn nicht zu überschreiten, so lange dastelbe ertönt.

Gießen, den 16. März 1893.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

v. G a gern.

lersuchen Sie gcfl- _

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Verkaufsstelle Gießen: Hch. Wallach, Markt 8. Lohnende Verkaufsstellen werden soliden Händlern an allen inrn übtTtrctfltn.

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verdungen werden, nämlich: veranschl. zu rb. i

3324] A»«s« rriet deutsche Aigd- rer 15, April zu vermiethen.

v.bnftra6,. Heinrich Arnold II

Bekanntmachung.

Betreffend Einlegung eines Arbeiter-Frühzuges auf der Strecke Großen- BuseckGießen.

Jrn Auftrage Großh. Kreisamts bringen wir die nachstehende Be­kanntmachung dieser Behörde in obigem Betreff jur allgemeinen Kenntniß.

3agöotTp(id)tiinfl.

Die am 16. Mär, er. stattgehabke Ver­pachtung der Feldjagd von Wißmar ist vomGtmeinderaih nicht genehmigt worden.

Mittwoch den 12. d». Mt»., um 9 Uhr Borm. findet deßhalb in meiner AmiSstube nochmals Termin zur Ver­pachtung dieser Jagd auf die Dauer von 5 Jahren statt.

Krofdorf, den 6. April 1893.

3322 Der Bürgermeister: Kleine.

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Einfallrösten 220. Da« Holz im GüntherSgrab wird

Pläne, Bedingungen und Masten- nicht vorgezeigt, cs kommt im Schin- derechnilngen liegen von heute ab derskopf gegen Mittag zum Ausge- auf dem Stadtbauamtc zur Ein- ^ot. Nähere Auskunft ertheilt Großh. sicht offen, woselbst die Angebote auf ^orstwart Menges in Großen- vorgeschriebenem Formular bis zum genannten Tennin verfchlosten ein- zureichen sind. Angebotformulare sind vom Stadtbauamt zu belieben.

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