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Die Strafrechtspflege im Großherzogthum Heffen im Jahre 1890.
(Fortsetzung.)
Ebenso weit über dem Durchschnitt im Reiche liegt in Hegen das Bcrhältnitz der wegen Beleidigung Verurtheilten aus 1000 Personen obiger Kategorie, nämlich 144,5 gegen 118,9. Andererseits zeigt die Statistik, wie dies schon hervorgehoben wurde, daß in Ansehung der Bestrafungen wegen einfachen Diebstahls Hessen günstiger steht. Unter Zugrundelegung derselben Berechnung auf 1000 überhaupt Verurtheilte entfallen hierauf in Hessen 139,9 wegen einfachen Diebstahls Verurtheilte, im Reiche 186. Es kann hieraus, wie auch seinerzeit für das Jahr 1889 geschehen, der Schluß gezogen werden, daß die hauptsächlich durch Bertheuerung der Lebensmittelpreise hervorgerusene wirthschastliche Roth, welche als vorwiegende Ursache zur Begehung der einfachen Diebstähle anzusehen ist, in Hessen in weit geringerem Maße als in anderen Bundesstaaten vorhanden gewesen sein muß. Hierauf ist ohne Einfluß, daß Hessen sich in Ansehung des Verbrechens des schweren Diebstahls einschließlich Rückfall im ungünstigeren Lichte gegenüber dem Reiche zeigt — die Antheilziffern pro 1000 stellen sich auf 34,4 in Hessen gegen 28,3 im Reiche — denn bei diesen Delicten lassen sich in der Mehrzahl der Fälle erfahrungsgemäß die Motive nur schwer ermitteln, häufig sind dieselben gerade nicht der wirthschaftlichen Roth, sondern anderen Ursachen, auch theilweise verbrecherischem Hang und Willen entsprungen.
Wie sich im Uebrigen die Verurtheilungen auf die einzelnen Arten der strafbaren Handlungen vertheilen, ist von geringerem Interesse. Nur ein Punkt mag hier noch hervorgehoben werden: eine Verurtheilnng wegen Wuchers fand in Hessen im Berichtsjahre nicht statt. Auch im Reiche ist die Zahl auffällig gering. Die Reichsstatistik weist darauf hin, daß offenbar der Wucher, auch in Anbetracht des großen Raumes, welchen dieses Delict in der öffentlichen Diskussion einnehme, eine erheblich weitere Ausbreitung habe- es scheine, als ob der Wucher zur Zeit sich zum großen Theile solcher Rechtssormen bediene, daß ihm auf Grund des bestehenden Rechtes nicht beigekommen werden könne, auch die Bewucherten vielfach in eigenem Jntereffe zu schweigen pflegen. Hierzu sei bemerkt, daß in Hessen um den tatsächlichen Rückgang
der wucherischen Ausbeutung der Nothlage und Unerfahrenheit geldbedürftiger Personen ganz besondere Verdienste unsere Creditinstitute haben, welche in großer Zahl über das Land verbreitet sind. Auch hat unverkennbar die gegenwärtige Zeit erzieherisch auf das Volk eingewirkt, den Sinn für das Sparen geweckt und trotz Bertheuerung des Lebens und Erhöhung der Lasten daffelbe ermöglicht — ein Blick in die jährlich veröffentlichten Sparkassenberichte bestätigt dies.
Das Gesammtbild der Criminalität Hessens fällt immerhin noch recht gut aus. Auf je 100,000 strafmündige Gerichtseingesessene (Personen vom 12. Lebensjahre an) kommen Verurtheilungen wegen Verbrechen und Vergehen gegen die Reichsgesetze 854 (gegen allerdings nur 550 im Jahre 1889), im Reiche aber 1121. Heffen bleibt trotz der bedeutenden Zunahme im Berichtsjahre auch hinter den meisten süd- und mitteldeutschen Staaten zurück. Die Criminalitäts- ziffern betragen für die Oberlandesgerichtsbezirke Karlsruhe 924, Stuttgart 910, Colmar 996, Frankfurt a. M. 955, für Köln dagegen nur 798. Der Durchschnitt der.Criminalität für das Großherzogthum in den Jahren 1886—90 berechnet sich auf 827. Den 5867 Verurtheilten stehen 6779 strafbare Handlungen gegenüber, so daß auf 100 Verurtheilte 115,5 Delicte gegen 118,3 im Vorjahre entfallen.
Besondere Beachtung verdient der Abschnitt über Vor- beftrafu ngen. Es ist bekannt, daß diese nach den Sonderbestimmungen des Reichsstrafgesetzbuchs die Gruppe der sogen. Rückfälligen bei gewissen Delicten erzeugen und im Uebrigen bei Ausmessung der Strafen, diese erhöhend, ins Gewicht fallen; auch lassen die Zahlen der Vorbestrafungen in der Verbindung mit der Statistik über die Art und Höhe der erkannten Strafen die Wirksamkeit der angewendeten Strafmittel erkennen und enthalten eine Mahnung für alle, welchen die Strafrechtspflege anvertraut ist, von den gesetzlich gebotenen Strafmitteln und dem Strafmaß einen Gebrauch zu machen, der geeignet ist, in den rückfälligen Verbrechern keine zunehmende Gefahr für Staat und Gesellschaft auskommen zu laffen und der Vorwärtsbewegung gewisser Delicte Einhalt zu thun.
Von den 5876 Verurtheilten des Jahres 1890 hatten im Großherzogthum 1520 schon Freiheitsstrafen verbüßt — 25,9 pCt. der Bestraften — die Zahl derer, die anderen Strafen verfallen waren, gar nicht eingerechnet. Dieser
Procentsatz steht über demjenigen des Durchschnitts der Jahre 1882-86 — 22,3 pCt. — und der Jahre 1887 — 22,5 pCt. — 1888 — 25 pCt. — gegen das Jahr 1889 — 26,1 pCt. — zeigt das Berichtsjahr eine nur unbedeutende Besserung. Immerhin bleibt Hessen erheblich hinter der Durchschnittsziffer des Reiches zurück, die ein Anwachsen seit 1882 auf 29,1 pCt. aufwetft, sowie hinter denjenigen von 19 Oberlandesgerichtsbezirken. Im wiederholten Rückfalle befanden sich wegen einfachen Diebstahls 115 gegen 148 Verurtheilte im Jahre 1889, wegen schweren Diebstahls 42 gegen 31 in 1889, wegen Betruges 31 gegen 26 im Vorjahre. Von diesen begingen die neue Strafthat binnen einer Frist von einem Jahre und darunter 104 und von mehr als einem Jahr 82 Verbrecher. Wir' sehen also in Hessen seit 1882 auch auf dem Gebiete des Rückfalles, abgesehen beim einfachen Diebstahl, eine Zunahme.
Diese zunehmende Criminalität legt die bereits mehrfach angedeutete Frage nahe, wie sich die Gerichte dieser gegenüber bei der Handhabung bet Art und Höhe der zu erkennenden Strafen verhalten. Die Strafe soll in erster Linie eine Sühne sein für das begangene Delict. Sie verbindet damit 'die beiden wichtigsten Nebenzwecke, die der Strafe Verfallenen zu bessern und in der menschlichen Gesellschaft stets das Bewußtsein rege zu erhalten, daß mit aller Schärfe des Gesetzes gegen die vorgegangen wird, welche die Gesellschaftsordnung durch ihr strafwürdiges Verhalten untergraben. Die drohende Strafe soll von der Begehung strafbarer Handlungen abhalten. Die Frage der Besserung gehört in den Rahmen einer Statistik, so weit sie in der Zahl der Vorbestraften und Rückfälligen erkennbar tolrb; die Art und Höhe der Strafe richtet sich nach den die That begleitenden straferschwerenden oder strafmindernden Umständen und scheinen beim ersten Blick um deßwillen nicht für eine statistische Darstellung geeignet, die daraus gewonnenen Resultate ohne Werth zu sein. Die Erfahrung hat aber gezeigt, daß die bezirksweise hervortretende verschiedene Anwendung der Strafmittel nach Art und Höhe nicht so sehr auf örtliche Verschiedenheit der Straffälle derselben Art als auf die Praxis der Gerichte bei der Zumeffung der Strafe zurückzuführen ist.
(Schluß folgt.)
Feuilleton.
Wochendriese aus der Residenz.
(Ortginalbericht für den „Gießener Anzeiger".)
Darmstadt, 7. April 1893.
Oster». — BiSmarckfeier.'— Ein Vereinsfest. — Verschiedenes,
Auf die stille Charwoche ist eine lustige Festwoche gefolgt. Das Osterfest hat uns diesmal trotz der düsteren Prophezeiungen des nun schon so oft „hereingefallenen" Professor Falb ein paar herrliche Frühlingstage bescheert. In der Residenz ginge geradeso, wie es wohl auch in Gießen gegangen ist, was in Darmstadt wohnte, zog in Hellen Haufen hinaus und was in der Umgegend um Darmstadt herum wohnte, zog hinein. Die Züge aus dem Odenwald, der Bergstraße, dem Ried usw. brachten ganze Schaaren von Landbewohnern am ersten und zweiten Feiertage in die Stadt, aber schier noch mehr Städter sind hlnausgewandert in die herrliche Natur, die im schönsten Lenzeskleide prangt. In Traisa, Eberstadt, auf der Ludwigshöhe und wie die Ausflugsorte der Residenzler alle heißen, überall waren die Gasthäuser und Gärten dicht gefüllt und es entbrannten ost wahre Kämpfe um die Plätze. Die Straßenbahnen mußten in jeder Richtung Extrazüge einstellen und Droschken, an denen sonst hier gewiß kein Mange! ist, gab's natürlich gar keine mehr. Kurz, es war die rechte Feiertagssignatur. Auch innerhalb der Stadt gings übrigens am zweiten und dem sogenannten „dritten" Feiertag lustig zu. Im Hostheater spielte man am Montag den unverwüstlichen „Bajazzo", der fortwährend ausverkaufte Häuser erzielt, und Dienstag Strauß' muntere „Fledermaus", daneben gab's Concerte und Tanzvergnügungen in Hülle und Fülle, man hatte also gar nicht nöthig, die Stadr zu verlassen, wenn man sich amüsiren wollte.
Der Dienstag nach Ostern hat uns übrigens auch ein schönes, echt patriotisches Fest bescheert, eine prächtig verlaufene Bismarckfeier im städtischen Saalbau. Der Alt- Reichskanzler zählt in unserer Stadt viele Tausende von treuen Bewunderern und Verehrern, die es sich nicht nehmen lasten wollten, den eisernen Mann gelegentlich seines Geburts- ragSfeftes wenigstens nachträglich gebührend zu feiern, da der
ungünstige Zusammenfall des ersten April mit dem Osterfeste die rechtzeitige Veranstaltung eines entsprechenden Actes unmöglich gemacht hatte. Schon am vergangenen Palmsonntag waren viele Darmstädter zur Feier nach Frankfurt gefahren, wo Professor Dr. Oncken ans Gießen die Festrede hielt - am Dienstag strömten aber ganze Schaaren patriotischer Männer aus Nah und Fern, aus allen Gauen des Hessenlandes zu dem Bismarckfeste in der Residenz. Herr Director Eckhard aus Mannheim, ein bekannter Redner, hatte den Festvortrag übernommen und entledigte sich seiner schwierigen Aufgabe mit großer Gewandtheit. In beredten Worten wußte er seinen aufmerksamen Zuhörern die Verdienste unseres großen nationalen Helden zu veranschaulichen, ein klares und in jeder Hinsicht richtiges Bild von seiner grandiosen Thätig- keit, seinem eisernen Character zu entwerfen. Herr Director Eckhard bedurfte zu seiner Schilderung keiner allgemeinen, nichtssagenden rhetorischen Phrasen, er sprach schlicht deutsch und kernig und erzielte damit jubelnden Beifall. Sein Hoch auf den greifen Fürsten, der uns zum Ruhme Deutschlands noch lange am Leben erhalten bleiben möge, wurde mit großer Begeisterung ausgenommen und noch im Lause des Abends ein Huldigungstelegramm an den Gefeierten abgesandt. Zur Verschönerung des Festes hatten sich viele geschätzte Strafte zur Verfügung gestellt. Die rühmlichst bekannte Capelle unserer „weißen Dragoner" concertirte; der Gesangverein „Liedertafel" — einer unserer tüchtigsten Männergesangvereine — trug unter Leitung seines Dirigenten, des Herrn Kammermusikers Oelsner, einige Chöre vor und — lest not least — erfreute ein vorzügliches Solomitglied unseres Hoftheaters, Herr Hofopernsänger Riechmann, durch Gesangsvorträge. Es war wirklich einerhebendes, großartiges Fest - daß es natürlich auch nicht an zahlreichen patriotischen Toasten auf unfern Großherzog, den Kaiser usw. fehlte, ist selbstverständlich.
Noch ein anderes, originelles Fest, das allerdings einen internen Character tragen wird, steht uns in dieser Woche bevor. Der rührige Odenwaldclub, der hier seinen Hauptsitz hat und sich Dank seiner vorzüglichen Leitung — unser verstorbener Oberbürgermeister Ohly war lange Zeit Vorsitzender — einer recht ansehnlichen Mitgliederzahl erfreut, beabsichtigt
nämlich am künftigen Samstag eine „Decorirungsfeier" zu veranstalten, dabei sollen alle diejenigen Herren, die sämmt- liche Vereinsausflüge mitgemacht haben, mit besonderen Abzeichen belohnt werden. Auch hierzu haben viele künstlerische Kräfte in liebenswürdiger Weife ihre Mitwirkung zugesagt und ein feucht-fröhlicher Verlauf steht in Aussicht. Ihr Berichterstatter wird natürlich nicht verfehlen, das originelle Fest zu besuchen, um Ihren freundlichen Lesern im nächsten Residenzbriefe darüber berichten zu können.
In den Concertfälen war es in dieser Woche recht still, dafür gedenkt uns der erst vor kurzer Zeit gegründete Männerchor ',Humanitas" am künftigen Montag mit einem großen Concerte zu erfreuen. Ganz illustre Kräfte, darunter die Concertsängerin Fräulein Elisabeth Leisinger aus Berlin, sind dazu gewonnen- der junge Verein gibt sich alle Mühe, um mit seiner ersten größeren Veranstaltung Ehre einlegen zu können. Erwähnenswerth ist, daß der Reinertrag aller Concerte der „Humanitas" für wohlthätige Zwecke verwandt werden soll, ein Beispiel, das Nachahmung verdient.
Vom großen mittelrheinischen Turnfest ist auch viel die Rede- als Festplatz ist nun definitiv der östliche Theil des mächtig großen Exercierplatzes auserwählt worden, der sich hierzu allerdings vorzüglich eignet. Der Wohnungsausschuß hat sich neuerdings in einem Circular an die Bürgerschaft gewendet und darin um Gewährung einer möglichst großen Zahl von Freiquartieren für die Turnergäste gebeten. Nun die Residenzbewohner sind ja als sehr gastfreundlich bekannt und werden sich wohl auch diesmal als freundliche und liebenswürdige Wirthe bewähren.
Von den künstlerischen Genüssen, die uns die nächsten Wochen der nun stark zum Ende neigenden „Saison" noch bringen sollen, sei auf Grund von Mittheilungen der Tagesblätter erwähnt, daß Herr Theodor Reichmann und Frau Ende-Andrießen, beides weltberühmte Wagnerfänger, uns noch im Laufe dieses Monats besuchen sollen, um uns mit ihrer Kunst zu erfreuen. Beide sind hier wohlbekannte und gern gesehene Gäste, der erstere hat uns, wie sich Ihre Leser aus meinen Berichten erinnern werden, in diesem Winter schon einmal besucht und ist damals sehr gefeiert worden. Z.


