Ausgabe 
9.4.1893 Drittes Blatt
 
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in letzter Zeit einen guten Rus erworben haben, ist namentlich die Fabrikation von Tapeten za nennen. Es gingen in den Jahren 1886 bis 1891 jährlich im Durchschnitt 25,571 Papiertapeten im Werthe von 2,649,000 Mark über die deutsche Grenze. Freilich wurden dieser Industrie bt« sonders in Schweden wegen des Königen Gesetzes über die Giftfarben große Schwierigkeiten bereitet, aber dieselben find schließlich auch überwunden worden.

* Folgende heitere Geschichte ereignete fich kürzlich in einem Dorfe nahe bei Dresden. Ein Maurer arbeitete mit seinem Lchrjungen an der Ausbesserung eines Daches. Zu diesem Zwecke wurde eine Diele zum Dachfenster hinauS- geschoben und der Lehrjunge mußte sein Körpergewicht am Ende deS DacheS wirken lasten. Da meinte der Meister: Föritz, hol' mir mal einen Arm voÜ Ziegel." Gesagt,

gethan, der Lehrjunge springt von der Diele und der ' Meister fällt auf einen unten aufgeworfenen Dunghaufen. Der Lehrjunge, der inzwischen die Stiege heruntergelaufen ist, findet den Meister zu Parterre bereits vor und fragt verwundert in echtem, naivem Lehrjungenhumor.Ja Meister, da sind Sie ja auch schon unten?" Die Antwort läßt sich denken; sie bestand in einer gesalzenen und gepfefferten Backpfeife des wenn auch nicht vom Himmel, so doch vom Dache gefallenen Meisters.

* Eine kostbare Reclame. DaS nordamerikan sche Terri­torium Montana wird in Chicago eine in Silber gegossene Statue der Schauspielerin Ada Rehan ausftellen. Diese Bildsäule ist nun vor einigen Wochen für die im Lenox Lyceum zu New Kork eröffneteFood and Health Exposition* (Eßwaaren-AuSstellung) in natürlicher Größe in Butter abconterfeit worden. Leider zeigte sich jedoch bei der Er­öffnung der Ausstellung, daß Fräulein Rehan zum Theil geschmolzen, zum Theil ranzig geworden war, so daß sich die ersten Besucher der Ausstellung mit Grausen von dem Kunstwerke abwandten. Fräulein Rehan erklärt nun, diesen Schimpf nicht auf sich sitzen lassen zu können und hat gegen den New-Yorker Materialhändlerverein New-York Detail Grocers Union als den Veranstalter der Ausstellung einen Proceß angestrengt.

* Folgende originelle Wohnungsanzeige stand kürzlich in einem Schweizer Blatt:

Es wohnt die Reblaus in der Traube, Die Wachtel wohnt im gold'nen Weizen, Im frommen Herzen wohnt der Glaube, Ich wohne Jacobstraße dreizehn.

Richard Kniehuber, Buchbindermeister."

* Guter Stoff. Kleiderhändler einem Bauern einen Rock anprobirend): ,^Aber, Mann, athmen Sie doch nicht so tief, glauben Sie denn, das Zeug sei von Eisen?"

Uttiixrfität» - 21ad>rict>ten.

ömeiallieutenant Schreiber in Berlin, Chef der Landes­aufnahme und Mitglied der Centraldirection der Vermessungen, wurde von der philosophischen Facultät der Universität Berlin zum Ebrendoctor ernannt. Prof. Paaiche ist von seiner Wissenschaft, \ ltchen Reife aus Südamerika nach Marburg zurackgekehrt.

CHeraitir und Xanft

Chicago, die Geschichte einer Wunder »Stadt. Von

Cugcn Seeger. Chicago, die mächtige, prächtige Stadt, dieses

I stalle Riesenwerk menschlicher Thatkraft, sesieit jetzt mehr als je die I Ausmerksam'ert der gesitteten Welt. Ncckr waren n cht zwei Jahr- I zehnte verflossen, leit jene, prägten aller Brand Catastropsen, welche in einer einzigen Nacht die Wohnungen und Gefchäftsplätzc von mehr als hunderitau'end Menschen vernichtete, al» die junge Riesin am Michigan-See von den Vertretern der Nation mit der Führerschaft betraut wurde in jenem Wettbewerb der Culluroölkcr, welcher durch die Columbiiche Weltausstellung in eP.^chemachender Weile zum Aus­druck gebracht wird. Für die Stadt Chicago bedeutet also diese große Säkular-Feier der Entdeckung Amerikas gleichzeitig ein Auf» erftehungsieft, ein Triumph de» Menschengeiste» über widrige Ge­schicke, und daß sie in der Entledtgung der dabei Übernommenen Ebrenp'l'chten die berechtigten Erwartungen übertreffen wird, daiür bür/.l die in den schwierigsten Lagen so oft erprobte Tüchtigkeit ihrer leitenden Geister, dafür bürgt ihre Geschichte. Ihre Geschichte! Welche Fülle des anregenden, lehrreichen und imposanten Stoffes bietet sie dem Forscher dar, und wie erklärlich, daß gerade jetzt <n immer wetteren «reisen da» lebhafteste Interesse dafür rege wird! Im Hinblick auf diese Thatsache und den Umstand. daß in keiner der seither in englischer Sprache erschienenen geschichtiichcn Ab- Handlungen über Chicago das hiesige T eutschthum auch nur annähernd di« Würdigung gefunden, die ihm gebüh t, hat ddr Verfasser sich veranlaßt gesehen, eine mit dem Jahre 1892 abschließende deutsche Geschtch'e Chicago- zu schreiben. Die im Allgemeinen noch wenig bekannte, hochinteressante Vorgeschichte von Chicago hat in dem Buche besondere Berücksichtigung gesunden. Einer in knappper Form ge­haltenen EnlwickelungSgeschicht« der Wundrrstadt folgt, in einem bt; sonde en Abschnitte, eine Schilderung der Feuer-Catastrophe, die der Versasirrschauernd miterlebt". Die an hochinteressanten Ereignissen so reiche Periode, welche mit dem Entfalten der ersten Spuren des Reum Leben-" aus den Ruinen beginnt und bis zu den, mit ächt Chicago-artiger Thatkraft bewerkstelligten Vorbereitungen zur Welt­ausstellung abschließt, ist mit besonderer Rücksicht aus die Leser draußen im alten Vaterland« behandelt, die au- den angeführten Thatiachen und Verhältnissen ersehen werden, daß die Umstände ud «raste, welche den raschen Aufbau und den noch rascheren Wieder­aufbau hervorriesen, heute noch weit mächtiger fortwiiken, als in der Zeit vor dem großen Brande und daß Chicago auf dem besten Wege ist, ein zweite- London zu werden. Den vierten und letzten Abschnitt de-Buche- bildet eine ausführliche Schilderung der wesent­lichen Verhandlungen, Verordnungen, Pläne und Arbeiten, welche aus die Columbische Weltausstellung Bezug haben, sowie d«4 Wcsen- ihrer Verwaltungsmaschinerie und der Persönlichkeit ihrer Leiter. Dieselbe, unterstützt durch vortreffliche Abbildungen, gewährt einen f.sselnden Ueberblick über unsere Ausstellung, soweit sie bis zum 1. März d. I. gediehen war. Da- Werk ist mit zahlreichen vor­züglichen Originalzeichnungen und Photographien auSgestattet, hat überhaupt in jeder H'nsicht Anspruch auf die BezeichnungPracht­ausgabe". Die gesammte amerikanische Preffe bat da- Buch in ichmeichrlhastester Weise ausgezeichnet. Dasselbe ist durch alle deutschen Buchhandlungen zu beztehm. PreiS: geheftet 8 Mark, gebunden 9 Mark.

Die von Fritz Jonas besorgte fritifdit Gesammt Ausgabe der Briefe Schiller» (Stuttgart, Deutsche Verlags» Anstalt) ist jetzt bis zur zweiundzwanzigsten Lieferung vorgefchritten, so daß nunmehr die beiden ersten Bände vollständig vorliegen. Sie umfassen die Correspondenz deS großen Dichters vom 21. April 1772 bis 27. December 1789, also auS der Zeit seiner ersten Jugend biS zu seiner Niederlassung in Jena und seiner Verlobung mit Charlotte v. Lengefeld und gewähren einen Einblick in die Entwicklung seine- Geistes und seiner äußeren Verhältnisse, wie er klarer, umfassender und zugleich anziehender nicht gedacht roerbtn kann. Schon diese beiden Bände beweisen, daß mit diesem Werk dem deutschen Volk eine Gabe dargebracht wird, die an bleibendem Werth und Einfluß auf das nationale Geistesleben von keinem Werk der neueren Literatur übertroffen wird. Bisher waren diese Briefe in ihrer Gesammtheit und Fülle, in ihrem GetsteSreichthum nur dem Forscher bekannt, jetzt werden sie der ganzen großen deutschen Leserweli zugänglich ge macht. In dem Materialismus unserer Tage sind sie mit ihrem edlen Idealismus ein Gesundbrunnen für Geist und Herz, und in keinem deutschen Hause sollten sie fehlen. Der billige Preis von 25 Pf. pro Lieferung von 9 Bogcn ermöglicht Jedem, sie zu erwerben.

und die überaus elegante und geschmackvolle Ausstattung machk bat Werk zu einer Zierd« ieder Bibliothek.

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Nur wenige Jahr« sind verstojseu, seit daS Ungeziefer- vertilgungsmittel »Thurmelin- von A. Ttzurmayr in Stuttgart in den Handel kam und heute trifft man dasselbe bereits in Nord und Süd, in Ost und West, sowohl im deutschen Vaterland. wie auch ebenso häun, im Su»land. Daß fich nur das wirklich Gute Bahn bricht, davon liefert dasTburmdm" den grotzantgsten Beweis, denn dasselbe hat unbeschadet der vorhandenen croßen und alten Coocurrenz thatsichlich in kurzer Zeit eine beispieUos un c.rielle Verbreitung gefunden. Wie ost hört man j.tzt sagens Nur Iburmdm tobtet da- Uagez efer, alle anderen Mittel betäuben e- nur. Das sichere und einfach« Mittel, welche» namentlich au 6 gegen Motten in Pelzsachen und Wollstoffen vorzüglich ist, kann man sich schon von 30 Pi. an beschaffen, daher ist wodl tif Aufforderung berechtigt .Kaufet nur .Thur»««»*.

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Die Dosiverlleigerung vom 5. d. M. in der Oberförsterei Schiffenberq ist genehmigt. Die Ab­fuhrscheine können von Donnerstag i dm 20. d. M. bei Großh. Rentamt bezogen werden. Die Ueberweisung' de- Holze- erfolgt Freitag den 21. d. M., Morgens 7 Uhr.

Giesien, den 7. April 1893.

Großh. Oberförsterei Schiffenberg.

Heyer. 3349

Die m den hiesigen Waldungen am 5. und 6. d. Mts. abgehaltenen Holzversteigerungcn sind genehmigt und, können die Abfuhrscheine von Sams« tag den 15. d. Mts. an Vormittags bei Grobherzoglichem Rentamt Gießen eingelöst werden. Die Holzüberwei­sung erfolgt Montag den 17. d. Mts., Morgens um 7 Uhr, wobei Holzab­fuhr stattfinden kann.

Treis a. L., den 7. April 1893.

Großh. Oberförsterei Treis a. L. I __ Amendt. 3350' Freitag den 14. April,

Nachmittags 2*/t Uhr, soll aus dem hiesigen Ori-gertcht da- den Georg Philipp Zitat! Gheleuien in Gießen gehörige Gruitdstück:

Flur 4 Str. 6 9438 Meter Acker überm Krofdotfer Weg am Fadricischen Acker

öffentlich meistbietend versteigert werden- Gießen, 7. Avril 1893.

Großh OrtSgericht Gießen.

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8106] Alte noch brauchbare vrgel für eine kleine Kirche wird blflta abgegeben. Neue Orgel gesucht für die erweiterte Zkirche in Jtrtmform groß 12 0 ebro, mit etwa 15 wohltönenden Registern, zwei Manualen und zwei Pedalen. Prospekte einzureichen an da- PteSdhietium in IfüMtainbtn.

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