Ausland.
Paris, 5. Juli. Die Gesammtzahl der bei den Ruhestörungen verwundeten Excedenten wird auf 300 geschätzt - unter denselben befinden sich 40 schwer Verwundete, auf Seiten der Polizeiagenten wurden 50 verwundet, darunter 2 lebensgefährlich. Unter den 26 Personen, welche wegen der Ausschreitungen vom Montag 'gerichtlich verfolgt werden, befinden sich nur 5 Studenten.
London, 5. Juli. Der großen von der Königin befohlenen Gala-Vorstellung im Conventgarden-Opernhaus zu Ehren des Brautpaares, des Herzogs von Aork und der Prinzessin von Teck, wohnten bei der König und die Königin von Dänemark, der Großfürst-Thronfolger von Rußland, die Großherzöge von Hessen und Mecklenburg-Strelitz, der Herzog Ernst von Sachsen-Coburg-Gotha, das Brautpaar, der Prinz und die Prinzessin 'von Wales, die Herzöge von Edinburg, Connaught und Fife mit ihren Gemahlinnen, sowie Prinz und Prinzessin Christian zu Schleswig-Holstein-Sonderburg- Augustenburg, Prinz und Prinzessin Heinrich von Battenberg und andere königliche Gäste. Das mit Tausenden von Rosenbouquets und anderen herrlichen Blumen geschmückte HauS bot mit den glänzenden Uniformen und Damentoiletten einen prächtigen Anblick. Gounods „Romeo und Julia" wurde
Canaljauche zu heben und ins Meer zu befördern. In Hastings benutzt man die Wärme, um das für die Besprengung der Straßen nothwendige Seewasser in die Reservoire zu pumpen. In Blackpool setzt man durch die Destructor- gase einen electrischen Tramway in Bewegung und in Blackburn will man mit der gewonnenen Kraft die Webestühle einer Baumwollenspinnerei electrisch treiben. Endlich ist vorgeschlagen worden, in die Cells Retorten einzusetzen, um durch trockene Destillation des Sielschlamms Leuchtgas zu erzeugen. Die Heizung soll durch Verbrennung des Mülls geliefert werden.
Im Ganzen ist der Destructor in 47 englischen und amerikanischen Städten tm Gebrauch. Zusammen enthalten diese Oefen 238 Cells. Für die mehr als 30 Stadtvastries Londons wird die Einführung des Destructors innerhalb einiger Jahre laut Gesetz angeordnet.
Uebrigens haben sich auch deutsche Ingenieure mit der Frage der Müllverbrennung befaßt und verschiedene Con- structionen geliefert, von denen der Verbrennungsofen von Herzberg und Bockhecker und der Müllofen von Lönfoldt mit Sturzflammen - Feuerung und Pendelstab - Korbroft genannt werden mögen.
Außer in Berlin hat sich die Müllverbrennung auch in Wien, Nürnberg und Danzig Anhänger erworben. In München sollen die in der Canaljauche schwebenden festen Bestandtheile von größerem Umfange verbrannt werden. Ebenso ist in Aachen die Müllverbrennung in Aussicht genommen worden. Schließlich wird in Hamburg eine Versuchsanlage geplant, für die vom Senat bereits 60,000 Mk. auf den Haushaltsetat gesetzt worden sind. Die Einführung von Müllverbrennungsöfen in den Großstädten ist nur noch eine Frage der Zeit. Wenn sich die Verwaltungsbehörden der Großstädte zu ihrer Erbauung entschlossen haben werden, dann wird ein neuer machtvoller Factor geschaffen worden sein, der das gesundheitliche Wohlergehen der Bevölkerung befördert und hebt.
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Henrich, Gontroleur. [5993
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Samstag den 8. Juli
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1893
Gießener Anzeiger
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Oleßeuer Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme beS Montags.
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Alle Annoncen-Bureaux beS In- unb AuSlanbeS nehmen Anzeigen für ben „Gießener Anzeiger" entgegen.
Amtlicher Theil.
Gießen, den 5. Juli 1893. Betr.: Den Termin für die Einsendung der Gemeinderech- nungen pro 1892/93.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grotzh. Bürgermeistereien de» Kreise-.
Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben von 11. Juni 1885 — Amtsblatt Nr. 4 — beauftragen wir Sie, sobald der Gemeinde-Einnehmer die Rechnung für 1892/93 an Sie abgeliefert hat, uns hiervon Anzeige zu erstatten.
Sofern der für die Ablieferung bestimmte späteste Termin — Ende September — von dem Rechner nicht eingehalten werden sollte, haben Sie uns am 1. October dieserhalb zu berichten.
v. Gagern.
Gießen, den 5. Juli 1893. Detr.: Den Termin für die Einsendung der Kirchenrechnungen pro 1892/93 und bezw. 1890/93.
Das Grobherzogliche Kreisamt Gietzeu
an die evang. Kirchenvorstände des Kreises.
Der späteste Termin für die Ablieferung der Kirchenrechnung an Sie ist auf Ende August festgesetzt.
Da dieser Termin vielfach seitens der Rechner nicht eingehalten worden ist, beauftragen wir Sie, uns die erfolgte Abgabe bis zum 1. September l. I. anzuzeigen, event. zu berichten, daß der Ablieferungstermin vom Kirchenrechner nicht eingehalten wurde.
Mit dieser Anzeige ist gleichzeitig der Nachweis über den an den evang. Centralkirchenfonds abzuliefernden lieber» schuß des Einkommens ber Pfarrstelle einzusenden.
Der aufzustellende Nachweis des Ueberschuffes muß genau der Vorschrift des Amtsblattes Großh. Ober - Consistoriums Nr. 14 vom 17. Juni 1884 entsprechen.
Wir machen endlich noch besonders darauf aufmerksam, daß die Filialgemeinden, welche ihre Gehaltstheile an den Kirchensonds der Psarrgemeinde abzuliefern haben, von Aufstellung und Vorlage des obenerwähnten Nachweises entbunden sind.
v. Gagern.
Gießen, am L Juli 1893.
: Betreffend: Maßregeln zur Unterdrückung des Milzbrandes in der Wetterau.
| Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien Allendorf a.d.Lahn, 1 Bellersheim, Bettenhausen, Birklar, Dorf-Gill, Eberstadt, . Grotzen-Linden, Grüningen, Holzheim, Hungen, Inheiden, Klein-Linden, Langd, Lang-Göns, Langsdorf, Leihgestern,
[ Lich, Muschenheim, Obbornhofen, Ober-Hörgern, Raberts» hausen, Rodheim, Steinheim, Trais-Horloff und Utphe-
Sie werden, insoweit Sie noch im Rückstände sind, an 5 baldige Einsendung der in unserem Ausschreiben vom 23. August * 1880 — Anzeiger Nr. 201 — vorgeschriebenen Tabelle nach । dem unten abgedruckten Muster über die in dem letzten halben • Jahre crepirten Thiere erinnert, wobei namentlich in der Spalte „Bemerkungen" die Angabe über die Krankheit des ! Thieres und die Art der Beseitigung des Cadavers nicht zu [ vergessen ist.
i v. Gagern.
Tabelle
\ über die in der Gemeinde........vom .... 18 .
bis .... 18 . . crepirten oder getödteten Thiere.
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Namen der
Besitzer
Der krepirten oder getödteten
Thiere
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Bemerkungen über Krankheit, wenn solche durch den Thierarzt festgestellt ist, sowie über die Art der Beseitigung der Ca- daver.
Deutsches Reich.
Berlin, 6. Juli. Die abgelaufene Woche wies zwei einander unmittelbar folgende wichtige Actionen parlamentarischen Characters in ihrem Schooße auf: die Reichstagseröffnung am Dienstag und den Schluß des preußischen Landtages am Mittwoch. Die Bedeutung beider Ereignisse bekundete sich schon äußerlich dadurch, daß sowohl die Eröffnung des neugewählten deutschen Parlaments
als auch die Verabschiedung der preußischen Landstände vom Kaiser in Person vollzogen wurde. Die Thronrede zur Eröffnung des Reichstages war lediglich der Militärvorlage gewidmet, sieht man von dem kurzen, aber erfreulichen Passus über die befriedigenden auswärtigen Beziehungen Deutschlands ab. Nochmals betont die kaiserliche Kundgebung die Noth- wendigkeit der weiteren Stärkung der deutschen Wehrmacht und tritt für diese Forderung mit einer Wärme der Ueber- zeugung ein, welche selbst in den Kreisen der Gegner der Heeresresorm Würdigung findet. Einen besonderen Eindruck weit über die parlamentarische Arena hinaus haben auch die herzgewinnenden Worte gemacht, welche Kaiser Wilhelm ganz aus eigenem Antriebe der eigentlichen Thronrede folgen ließ. Mit der fatalen Deckungßfrage findet sich die Rede durch den Hinweis darauf ab, daß die betreffenden Vorlagen dem Reichstage zu seiner nächsten Wintersession zugehen würden. Ob sich nicht der Reichskanzler seine Stellung in der Militärsrage erleichtert hätte, wenn schon in der Thronrede bestimmtere Mittheilungen über die Deckung der neuen Militärkosten enthalten gewesen wären, dies dürften wohl die Reichstagßver- handlungen lehren.
mtucns r 1838 gegründeten, bei heit bietenden
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Feuilleton.
Eine Großstadtptage.
Von Theo Seelmann.
(Schluß.)
Was aber soll dann aus diesen Ansammlungen werden? „Wohlthätig ist des Feuers Macht," sang der selige Schiller, und wohlthätig hat sich auch wieder einmal des Feuers Macht bei der hier in Betracht kommenden Frage erwiesen. Schon seit einer Reihe von Jahren hat eine Anzahl von englischen Städten die Praxis verfolgt, die aufgelhürmten Müllhaufen durch Feuer zu vernichten. Allein so richtig der Gedanke war, so mangelhaft war doch die Verbrennung selbst, da nur die leichter verbrennbaren Stoffe ein Raub der Flammen wurden, während schwerer verbrennbare Bestandtheile kaum ergriffen wurden. Dieser Uebelstand wurde für die englischen Ingenieure Veranlassung, auf die Constructiorr von Oefen zu sinnen, die eine vollständige Verbrennung der Abfuhrstoffe ermöglichten. Nach einigen weniger guten Versuchen gelang die Lösung des Problems Alfred Frher. Fryers Ofen führt den Namen „Destructor". Der „Destructor" stellt ein rechteckiges Mauerwerk dar, dessen Höhe meist 15 Meter beträgt. Der Destructor zerfällt in eine Gruppe von zellenförmigen Oefen, den Cells, die mit einem hohen Schornstein zur Ableitung der Verbrennungsproducte in Verbindung stehen. Das Gebäude wird oben durch eine Plattform abgeschlossen, zu der eine Rampe für die Müllwagen emporführt. Auf der Plattform befindet sich für jede einzelne Sett eine Oeffnung, in die die Abfuhrstoffe geschüttet werden. Sie fallen zuerst durch einen kurzen senkrechten Schacht auf eine nach abwärts geneigte Ebene, von wo sie auf eine sanfter geneigte Fläche gleiten und endlich auf den Rost gelangen. Um den Destructor in Betrieb zu setzen, genügt es, daß einmal unter den Cells ein Kohlenfeuer angezündet wird, das die ersten Müllportionen schnell austrocknet und dann verbrennt. Von da liefert der nachrutschende Kehricht selbst
das Feuerungsmaterial, so daß der Ofen die ganze Woche hindurch ununterbrochen brennt. Zur Bedienung des De- structors gehören nur zwei Arbeiter, von denen der eine den Kehrichtzugang von der Plattform aus in die Oeffnungen schiebt, während der andere die Schlacken von Zeit zu Zeit aus dem Ofen entfernt.
Die Kosten für den Destructor hängen ab von den Kosten für den Baugrund und die Fundamentirungsarbeiten. Deßhalb schwanken sie auch in den einzelnen Städten beträchtlich. Während sie sich abzüglich des Terrains und der Verzinsung in Bradford auf 5000 Mk. pro Cell belaufen, erreichen sie in Nottingham die Höhe von 31,800 Mk. Die Betriebskosten pro Tonne verbrannten Mülls werden durchschnittlich auf 1 Mk. berechnet.
Jede Cell verbrennt in der Woche, wenn Tag und Nacht gearbeitet wird, 25—35 Tonnen Müll. In England werden gegenwärtig jährlich 500,000 Tonnen Müll durch die Destructors verbrannt. Die Verbrennungsrückstände betragen durchschnittlich gegen 30 Procent des verbrannten Mülls, die theils als Straßengrund und Mörtel verwandt, theils zu Pflaster- und Mauersteinen gearbeitet werden.
Eine Rauchbelästigung ist nach Einschaltung der Rauchverzehrer nicht wahrnehmbar, ebensowenig findet die Verbreitung von üblem Geruch statt. Beispielsweise ist der Destructor des bekannten Londoner Stadttheils Whiteshapel inmitten dieses dicht bevölkerten Quartiers erbaut, ohne daß die Anwohner irgendwie belästigt wurden. Dagegen liefert die durch den Ofen entwickelte Hitze eine äußerst ausnutzbare Kraftquelle. Englische Ingenieure nehmen an, daß eine Tonne Müll durchschnittlich pro Tag einer halben Pferdekraft gleichkommt, so daß die zur Zeit in England in Betrieb gesetzten Destructors täglich 1000 Pferdekräfte zur Verfügung stellen. An fast allen Orten wird darum die Hitze der Oefen zum Heizen von Dampfmaschinen ausgebeutet. Mit ihrer Hilfe werden Pumpen und Mörtelmühlen, Elevatoren und Dynamos getrieben. In Southampton ist die vom Destructor in Bewegung gesetzte Dynamomaschine kräftig genug, um 200 Glühlampen zu speisen und täglich mehr als 2*/4 Millionen Liter


