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Die Gießener D«»lkie«5ktiter »erden dem Anzeiger ^»öchenil'ch dreimal betgeiegL
Mittwoch wn 8. Februar_____________________
Kichemr Anzeiger
Keneral-Ftnzeiger.
1893
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Gießener Anzeiger" entgegen.
zeigen für den
folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Borm. 10 Uhr.
Deutscher Reich
Amtlicher Theil
v. Gagern.
1.
1.
2.
Z.
2.
3.
3. Bürgermeister Faul stich, Weitershain. Gießen, den 7. Februar 1893.
Großherzogliches Kreitzantt Gießen, v. Gagern.
gegeben werden dürfen und 200000 Mk. zum Ankauf von \ Gewinn st en verwendet werden müssen.
Gießen, den 4. Februar 1893. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Rechner Leidich, Grüningen.
c. für den Bezirk Lich:
L. Rehe, Lich.
Bürgermeister Gör lach, Eberstadt, Bürgermeister Roth, Muschenheim.
d. für den Bezirk Hungen: Beigeordneter Jockel, Hungen, Bürgermeister Köhler, Langsdorf, Bürgermeister Bopp, Bellersheim.
Bekanntmachung,
betreffend: das Beschneiden der Hecken.
Das Polizeireglement vom 24. Februar 1882, wonach die Garten, und Feldbesitzer die ihren Grundbesitz an öffentlichen Fahr- oder Fußwegen einfriedigenden Hecken in jedem Frühjahr bis zum 1. März auf 1,25 m Höhe und 0,50 m Breite zurückzuschneiden haben, wird mit dem Anfügen wiederholt zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Zuwiderhandlungen auf Grund des Art. 31 des Feldstrafgesetzes mit Geldstrafe von 1 bis 10 Mark bestraft werden.
Gießen, den 7. Februar 1893.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
Gnauth.
1.
2.
3.
Bekanntmachung.
ES wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß zur Abschätzung des Werths aller nach dem Gesetze vom 13. Juni 1873 etwa in Anspruch genommen werdenden Kriegsleistungen von dem Kreistag nachbenannte Sachverständige erwählt worden sind:
a. für den Bezirk Wieseck:
1. Kreisveterinärarzt Prof. Dr. Winkler, Gießen,
2. Ortsgerichtsvorsteher Gros, Gießen,
3. Stadtverordneter Vogt, Gießen.
b. für den Bezirk Großeu-Lindeu:
Ausfchreiben.
Am 21. v. MtS. hat ein dem Namen nach bisher unbekannter Schwindler in Alten-Buseck und Bersrod, unter Vorweisung falsch angefertigter Schriftstücke, bei mehreren Personen größere Geldbeträge zu erschwindeln versucht.
Er hat dabei die Namen der Metzgermeister Adolf Möhl und Johannes Klein zu Gießen mißbraucht und vorgegeben, Metzgerbursche in Diensten des Einen und bezw. des Anderen zu sein.
Der Schwindler, der nicht das Aussehen eines Metzgers, sondern dasjenige eines Schneiders haben soll, wird wie folgt beschrieben:
20—24 Jahre alt, mittelgroß, schlank; Gesicht: länglich und blaß; Kopfhaare: gelblich; Schnurrbärtchen von gleicher Farbe; bekleidet mit dunkelem Sackrock, hellgestreifter, hinten abgetretener Hose, gelbseidenem Halstuch, schwarzer runder Pelzmütze und schiefgetretenen Zugsticfeln.
Er soll Hamburger Dialect gesprochen haben.
Es wird um Fahndung, Festnahme im Betretungsfalle und Eilnachricht gebeten.
Gießen, den 2. Februar 1893.
Großherzogliche Staatsanwaltschaft. Schilling-Tr.
Bekanntmachung.
betreffend die Zulassung von Loosen auswärtiger Lotterien zum Vertrieb im Großherzogthum.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das Großherzogliche Ministerium des Innern und der Justiz dem Vorstände der „Ständigen Ausstellung für Kunst und Kunstgewerbe" in Weimar die Erlaubniß ertheilt hat, die Loose einer im Juni und December l. I. zu veranstaltenden Perloosung von Gegenständen der Kunst und des Kunstgewerbes innerhalb des Großherzogthums zu vertreiben.
Es wird hierbei bemerkt, daß nach dem genehmigten Verloosungsplan 400 000 Loose ä 1 Mk. das Stück aus-
1. Johannes Weber, Lang-Göns, Heinrich Velten III., Großen-Linden,
e. für den Bezirk Grüuberg:
Heinrich Zimmer II.. Grünberg,
2. Müller Keil, Grünberg,
Berlin, 5. Februar. Der Bericht der Budgetcom- mission des Reichstages übet die Ergebnisse der Vor- berathung des Marine etats ist soeben erschienen. Aus ihm erhellt, daß an diesem wichtigen Spezialetat seitens der Cornmissson erhebliche Abstriche gemacht worden sind, welche vorzugsweise die einmaligen Ausgaben betreffen. Es wurden die ersten Raten für ein Panzerschiff, für eine Kreuzer- corvette, für zwei Panzerfahrzeuge, für einen Kreuzer und für einen Aviso, sowie für die Armirung dieser Schiffe ab- > gelehnt. Der Commissionsbericht weist in der Begründung ‘ dieser namhaften Absetzungen darauf hin, daß einerseits die \ wachsenden Ausgaben für das Landheer eine möglichste Be- ! schränkung in den Neuanschaffungen für die Marine er- l heischten, und daß andererseits in Hinblick auf die gewaltigen, 1 noch immer nicht abgeschlossenen Veränderungen in der j Schiffsbautechnik ein langsameres Tempo in der Herstellung l unserer Kriegsschiffe geboten erscheine. Weiter wird auch ■ betont, daß die bereits in früheren Sessionen vom Neichs- ! tage bewilligten umfangreichen Credite für Schiffsbauzwecke । noch gar nicht ausgebrancht seien. Diesen Erwägungen dürfte ! sich das Plenum schwerlich entziehen und vermuthlich wird \ es daher die von der Commission gemachten Abstriche beim
Marine-Etat bestätigen. ,
— Dem Reichskanzler Grafen Caprivi ift seitens des Großherzogs von Oldenburg durch Verleihung des oldenburgischen Ehrengroßkreuzes mit der goldenen Krone und den Schwertern am Ringe eine besondere Auszeichnung zu Theil geworden. Welche specielle Veranlassung derselben zu Grunde liegt, ist indessen noch nicht bekannt.
— Der commandirende General des achten Armeecorps, Freiherr v. Loö, ist in Berlin eingetroffen und daselbst im Monopol-Hotel abgestiegen. Ver- muihlich handel: eß sich um Ertheilung der letzten Instructionen an den General, welcher bekanntlich als Specialgesandter des Kaisers anläßlich des Bischofsjubiläums des Papstes nach Rom geht.
Mannheim, 6. Februar. Eine Versammlung von Spiritus-Interessenten aus Baden, Bayern, Hessen, Hessen-Nassau und Württemberg, die gestern hier tagte, nahm einstimmig folgende Resolution an: „Die heute in Mannheim versammelten Branntwein-Interessenten aus Baden, der Pfalz, Württemberg, Hessen und Hessen-Nassau erklären sich auf das Entschiedenste gegen jedes Spiritus-Monopol. Sie drücken ihr lebhaftes Bedauern darüber aus, daß von einigen
Feuilleton.
Die wunderbaren Hosenträger.
Novellelte von Eethegus.
(Fortsetzung.)
Dr. Rothfeder gerieth nun auf das ganz und gar zu feiner Oberlehrer Würde nicht passende Mittel, daß er allabendlich vor dem Laden Fensterparade machte wie ein verliebter Primaner. Es gelang ihm aber nicht, die Holde zu erblicken, so oft er auch das Zauberwort Gretchen unhörbar vor sich hinmurmelte. Möglich, daß sie aus dem sicheren Schutze ihres Ladens ihn gewahrte- anderen Leuten fiel er jedenfalls auf, zumal er seine Augen zu viel nach dem Laden wandte und in Folge dessen mehrmals mit eiligen Fußgängern unsanft zusammenstieß.
Eine kurze Reise in militärdienstlichen Angelegenheiten zwang ihn, am fünften Tage seiner Liebesqual den Ort auf vierundzwanzig Stunden zu verlassen. Als er zurückgekehrt war, trieb ihn fein liebesieches Herz gleich vom Bahnhofe an den Ort feiner Sehnsucht. Diesmal sah er sie. Es schien sogar, daß sie bei seinem Anblick in ziemliche Erregung gerieth. Aber o Himmel! Stand da nicht hinter ihr ein Mann etwa in seinen Jahren, mit dem sie lebhaft zu tuscheln schien? Kein Zweifel! Er, der Doctor, war zu spät gekommen, — wie konnte auch solch reizendes Mädchen noch nnumworben sein?
Von Enttäuschung und Eifersucht getrieben, irrte der Aermste eine gute Weile in den Straßen umher. Es entging ihm, daß der Mann aus dem Laden diesen sogleich nach seinem Weggang verlassen hatte und ihm nun überall hin wie sein Schatten folgte. Als Dr. Rothfeder endlich seine Wohnung erreicht hatte, betrat auch der Mann aus dem Laden das Haus und hatte eine wichtige Unterredung mit der Wirthtn. Diese blieb für den Doctor für den Rest des
Tages unsichtbar- sie mied ihn förmlich. Am folgenden Morgen aber erschien der Mann aus dem Laden bei Dr. Rothfeder selbst, stellte sich dcm gänzlich Ueberraschten als Criminalschutzmann vor und bedeutete ihn, daß er sogleich vor dem Untersuchungsrichter Müller zu erscheinen habe. Auf alle Fragen antwortete er ausweichend und ermahnte sein Opfer nur, im eigenen Interesse alles Aufsehen zu vermeiden.
Der Untersuchungsrichter Müller empfing den Oberlehrer, der übrigens den erst kürzlich in diese Stadt versetzten Juristen nicht kannte, ganz höflich und theilte sogar anscheinend seine Ueberzeugung, daß es sich jedenfalls um einen Jrrthum handle. Dann aber trat der Gestrenge plötzlich an einen mit Acten und zahllosen Tintenflecken besetzten Tisch, Hob von einem auf demselben liegenden Gegenstände das verhüllende Tuch rasch weg und fragte, indem er dabei Dr. Rothfeder scharf ins Gesicht blickte: „Kennen Sie dies, Herr Doctor?"
Freilich kannte der Doctor es. Was da vor ihm lag, war unverkennbar sein Paar Columbus-Jubiläums-Hosenträger, allerdings in einem sehr abschreckenden Zustande, voll Schmutz und Lehm, und ganz so zum scheußlichen Wirrwarr verzerrt, wie es aus den Händen des zornigen Pädagogen gekommen war.
„Die verfluchten Hosenträger!" rief er verwundert und zugleich etwas erregt durch Erinnerungen süßerer Art, die sich für ihn an den Ankauf dieser Dinger knüpften.
Der anwesende Criminal-Schutzmann grinste erfreut.
Der Untersuchungsrichter fragte kalt weiter: „Sie erkennen also diese Hosenträger als ihr Eigenthum?"
„Freilich!" antwortete der Doctor.
Herr Müller winkte dem Schutzmann. „Wenn die Zeugin Pfeil noch draußen fein sollte, lassen Sie dieselbe eintreten."
Der Schutzmann verschwand und nach wenigen Augenblicken erschien er wieder mit Gretchen.
Bei diesem Anblick vergaß Dr. Rothfeder alles Andere.
Er empfand nur noch eine schier unbezwingliche Sehnsucht das keineswegs zu solchen Handlungen einladende Gerichtsbureau zum Schauplatze einer glühenden Liebeserklärung zu machen.
Der Untersuchungsrichter aber, der die Erregung des Oberlehrers wohl bemerkte, fragte jetzt die „Zeugin Pfeil":
„Fräulein Gretchen Pfeil, erkennen Sie diesen Herrn bestimmt wieder als den, welchem Sie am Abend des 14. September gegen halb sechs Uhr ein Paar Columbus-Jubiläums- Hosenträger verkauft haben?"
Beiderseitiges Aufblicken des Paares — heiße Verehrung in den Blicken des Doctors, äußerste Verwirrung und Scham in den hübschen Zügen des Mädchens- rasch schlug sie die Augen nieder und flüsterte: „Ja!"
„Die Thatsache wird ja auch dadurch bestätigt," versetzte der Untersuchungsrichter befriedigt, „daß laut Aussage Ihrer Prinzipalin diese allein hierorts solche Hosenträger im Verkauf hat und bis jetzt, infolge der äußerst complicirten Einrichtung der Träger und ihres hohen Preises der Absatz sich auf dieses eine Paar beschränkt. — Ich danke Ihnen, Fräulein Gretchen Pfeil."
Verwirrt und zitternd eilte das Mädchen hinaus- im Vorübergehen warf sie auf den Doctor einen Blick, in welchem sich Schreck, Enttäuschunz — und Liebe mischten.
„Aber bitte, Herr Untersuchungsrichter, was bedeutet das alles?" fragte Dr. Rothfeder.
„Wollen Sie mir, bitte, sagen," fragte der Richter dagegen, „was Sie mit diesen Hosenträgern angefangen haben?"
„Zum Fenster hinausgeworfen hab ich sie," erklärte der Doctor zornig.
„Wo?"
„In meiner Wohnung."
„Wann?"
„Zwei Stunden nach ihrem Ankauf."
„Warum?"
„Weil das Zeug nicht zu gebrauchen war." (Schluß folgt).


