Ausgabe 
8.1.1893 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 7 irrstes Blatt

Sonntag den 8 Januar

1893

des

h K\\\ k 'liebens

enplatz 1, Laden. ?ÄrVörfur^Wf » Wttbltimttt eröffne lun{ Metten in meiner rgebenst ein.

ltn ^50 v*, für Kinder

M 8-12 Uhr und Noch- (323

^olia.

;cpaf)t!

ul t

Suhail

^Vorstand

g-UnimW

iern,ntDii3uvtVv v ^r.-

L-SWL

r^Äfwnb«i>

£s&?srsö= "ÄnönTj JWtu ottmtdp- mit

$)ttuntereSobov ISgiSäT* df'iU f ??1?L -ZKLM?

^SSÄ?2 «gijd:

nderung. in meinem Neubau öft, aas junior. zzzzzzzzzF Besen | ikat. g

)|ger (A. Welz), *

SiSgS i, auf Verlangen auch früher, jv

Iben-_______-77

^"*t,ugXi

Balser

10.[308

Der

Turner Auzetger erscheint täglich, «M ÄuSnahmr des RontagS.

Dir Gießener

L<L»ikieuölLt^er «orrden dem Anzeiger ,Amtlich dreimal LtigtlegL

Gießener Anzeiger

Seneral-Wnzeiger.

Lierteljäbriger ASonnementspreisz 2 Mark 20 Pfg. mit Brmgerlohn.

Durch tue Post bezog« 2 Mark 50

Redaction, Lxpediti«» und Druckerei:

^4*fHre|t Zlr.H.

Fernsprecher 51.

Amts- und Anzeigeblntt für den ICreU Gretzen.

°°° ,u dar N-chmm°.z« ror t«. nEickener Icamitienötatter In. ur.» nrhmm

Wmbfn tag Kummet bi» B.m, 10 UI^ | ^ttUlSimiUge. ^le^kuer -1°,",". ft>r den U»>.,gee- eal,,geu_

Amtlicher Theil.

Gießen, den 30. December 1892.

Betr.. Die Ausführung der allgemeinen Bauordnung, hier die Vorlage von Baugesuchen.

Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen nn die Grostherzoglichen Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.

Nachdem sich im verflossenen Jahre bei Erledigung von Baugesuchen infolge der vielfach erforderlichen ordnungs­mäßigen Feststellung der Baufluchten wiederholt lästige Ver­zögerungen für die Baulustigen ergeben haben, empfehlen wir Ihnen, im laufenden Jahre auf eine möglichst frühzeitige Vor­lage der in Aussicht stehenden Bauprojecle durch diesbezüg­liche ortsübliche Bekanntmachung hinzuwirken.

________v. Gag ern._____________________

Bekanntmachung, betreffend die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst im Frühjahr 1893.

Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der im Frühjahr 1893 stattfindenden rubr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre deßfallsigen Gesuche um Zulassung bei Meidung des Ausschlusses von dieser Prüfung

spätestens bis zum 1. Februar 1893

bei der unterzeichneten Commission einzureichen.

Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Spe­ziellen das Folgende bemerkt:

1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs»Com­mission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Großherzogthum Hessen seinen dauernden Aufenthalts­ort hat.

2. Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr erfolgen.

3. Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adreffe angegeben wird.

-1. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen i

a. Geburtszeugniß;

b. Cinwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über dessen Bereitwilligkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die

Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen und muß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein,-

c. ein Unbescholtenheitszeugniß, welches von der Polizei- Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde aus­zustellen ist,-

d. ein selbstgeschriebener Lebenslauf.

5. In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (von Französisch, Englisch, La­teinisch und Griechisch) der sich Meldende geprüft sein will.

6. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prü­fung eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbescholtenheitszeugniß beizulegen.

Ueber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt die Prüfmrgs-Ordnung (Anlage 2 zur Wehr-Ordnung vom 22. Novbr. 1888 Regierungs-Blatt Nr. 5 von 1889) Aufschluß.

Bezüglich des Prüfungstermins, sowie des Locals, in welchem die Prüfung stattsindet, erfolgt ev. weitere Bekannt­machung- auf specielle Ladung kann nicht gerechnet werden.

Darmstadt, den 19. December 1892.

Großh. Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige.

Der Vorsitzende: Dr. Zeller.

Gefunden. 1 Boa, 1 neue Hose, 1 Taschentuch, 1 Pelzkragen, 1 Sporn, 1 Filzhut, 1 Messer, 1 Säckchen, 1 Brieftasche, 1 Handschuh, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Brosche, 1 Pritsche und 1 Haarreif.

Zugeflogen: 1 Taube.

Gießen, den 7. Januar 1893.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.

Lotttische Wochenschau.

Gießen, 7. Januar 1893.

Zu der neuen Militär Vorlage hat sich nunmehr auch Se. Majestät der Kaiser ausdrücklich bekannt, wie bereits an anderer Stelle von unserer Zeitung hervorgehoben worden ist. Das Bekanntwerden dieser Thatsache hat an der Sachlage nicht viel geändert, da es ja von vorneherein klar sein mußte, daß der Reichskanzler eine Vorlage von so weittragender Bedeutung, wie es die Militärvorlage ist, nicht hätte einbringen können, wenn sie nicht den Anschauungen Sr. Majestät in jeder Beziehung entgegengekommen wäre. Nur soviel ergiebl die offene Meinungsäußerung Sr. Majestät,

daß der Reichskanzler nicht genöthigt sein wird, zurückzu­treten, wenn die Mehrheit unseres Reichstages die Grund­gedanken der Militärvorlage für irrig erklärt, sondern daß eine Reichstagsauflösung erfolgen wird, wenn es zu keiner Verständigung kommen sollte. Auf eine solche hoffen aller­dings weite Kreise. Andererseits aber haben sich die führenden Organe der Oppositionsparteien bereits ausgerechnet, daß bis zum 13. März frühestens die Neuwahlen stattfinden werden. Vorläufig wird sich der Reichstag, in den Plenar­sitzungen wenigstens, mit anderen, weniger tiefeinschneidenden Fragen der Gesetzgebung befassen. Neu vorgelegt ist ein Gesetzentwurf über die Abzahlungsgeschäfte, der sich wesentlich des Käufers gegenüber dem Verkäufer ' annimmt. Auch nach der neuen Vorlage soll zwar dem Ver­käufer daS Eigenthumsrecht an einem auf Abzahlung ver­kauften Gegenstände so lange zustehen, als nicht alle Theil- zahlungen geleistet sind, er soll aber künftighin in dem Falle, : daß der Käufer die letzten Raten nicht mehr zu zahlen ver­mag, verpflichtet sein, den verkauften Gegenstand zurückzu-

> nehmen und die bereits erhaltenen Theilzahlungen zurück- i zuerstatten - für die Abnutzung und möglicher Weise vorge- ! kommene Beschädigung des verkauften Gegenstandes bestimmt . der Richter die Höhe der Vergütung. Ebenso wird die « Festsetzung der Vertragsstrafen bei Nichterfüllung ausgemachter Bedingungen dem freien Ermessen des Richters überlassen. Die ganze Restschuld endlich soll hinsürder nur dann fällig

sein, wenn der Käufer mit mindestens zwei Theilzahlungen ! im Rückstände ist. Eine Novelle zum Wuchergesetz von 1880 dehnt die Bestimmungen des letzteren, welche seither nur auf Geldgeschäfte Bezug hatten, auf alle zwei­seitigen Rechtsgeschäfte zu wirthschaftlichen Zwecken aus. Es würde demnach künftighin überall da eine Bestrafung in Aussicht stehen, wo ein Geschäftsmann unter Ausnutzung der Noihlage, des Leichtsinns und der Unerfahrenheit eines Anderen einen Vermögensvorrheil erzielt, welcher nach dem J Erachten des Richters in auffälligem Mißverhältniß zu der vollbrachten Leistung steht. Allerdings sollen im Wesentlichen nur solche Fälle in Betracht kommen, in denen es sich um ein erwerbs- oder gewohnheitsmäßiges Vorgehen der be­zeichneten Art handelt, weil, abgesehen von Geldgeschäften, für deren Beurtheilung der herrschende Zinsfuß einen ge­wissen Maßstab abgiebt, nur sehr schwer im einzelnen Falle festzustellen ist, inwieweit Leistung und Gegenleistung in einem angemessenen Verhältnisse oder im Widerspruch zu einander stehen. Ein Gesetzentwurf in Betreff e lectrisch er Anlagen beschäftigt int Augenblick den Bundesrath. Wir werden auf denselben zurückkommen, sobald er dem Reichstage zugegangen ist.

Fenilletsn.

Irrwege.

Novelle von F. von Pückler.

(5. Fortsetzung.)

Graf Ronau will eben sehr hoch mit seiner Tochter hinaus. Doch Geduld, Isa, die Ronaus sollen nicht lange .mehr geringschätzig auf Dich blicken, Du sollst nun bald meinen Namen führen- ich versprach Deiner Mutter, daß Du einst mein Kind sein werdest und ich will es halten, wenn Dein Vater keinen Einspruch erhebt."

Mein Vater, Gott mag wissen, wo der arme Mann jetzt lebt, wird wohl schwerlich Widerspruch erheben, wenn seine Tochter von ihrem Wohlthäter adoptirt werden soll. Aber was wird Tante Sophie dazu sagen? Sie ist so stolz auf ihre Ahnen und den reinen Stammbaum."

Thorheit!" rief Herr v. Waldstein. Er runzelte die Brauen.Meine Schwester wird sich meinem Willen nicht widersetzen. Zudem bin ich in dieser Angelegenheit mein eigener Herr."

Die Tante Sophie scheint mir überhaupt nicht mehr gut zu sein," meinte das junge Mädchen nachdenklich.Als ich neulich aus der Pension zurückkehrte, hielt sie mir eine strenge Rede und sagte zu mir, daß ich nicht so hochmüthig und flatterhaft wie meine Mutter werden sollte, sonst müßte ich das Schloß verlassen."

Wie durfte sie es wagen, Dir solche Vorwürfe zu machen," brauste Waldstein auf. Doch mit lieblich bittendem Blicke legte Isa ihre Hand auf seinen Arm und sagte flehend:

Bitte, sage ihr nichts davon, lieber Onkel. Sie meint es gewiß gut mit Dir und möchte, daß ich Dir alle Liebe vergelte, die Du mir erwiesen. Und das will ich auch, so wahr mir Gott helfe!"

Mein Liebling! Durch Dich erst fiel ein Sonnenstrahl in mein einsames Leben - Du bist für mich Deiner Mutter theures Vermächtniß ich habe sie einst sehr, sehr geliebt."

Die Stimme des ernsten Mannes zitterte und seine Hand griff fester in die Zügel, um Fassung zu erlangen- neunzehn Jahre waren vergangen, daß er die Geliebte ver­loren, vergessen hatte er sie niemals!

Reite nach Hause, Kind \" fuhr er nach Siner Pause ruhig fort,ich will noch einmal drüben beim Vorwerk nach­sehen- dort sollen einige Bäume gefällt werden und muß ich den Jnspector darüber sprechen."

Gut, lieber Onkel! Auf Wiedersehen!"

Gedankenvoll lenkte Isa ihren Rappen nach dem Schlosse zu- sie muß immer wieder an Herrn von Waldsteins zuckendes Gesicht und seine bebende Stimme denken, als die Rede auf ihre Mutter gekommen. Wie mußte er sie geliebt haben, daß er noch jetzt so treu ihrer gedachte.

Würde ich, wenn es das Schicksal von mir verlangt, so selbstlos sein können, dem eigenen Glück zu entsagen um des Geliebten willen?" murmelte sie träumerisch,ich glaube nein und doch, wenn ein Mann es vermag, muß es auch die Frau durchsetzen. Im Entsagen soll ja ein Frauenherz noch größer sein als ein Männerherz."

Sie blickte in die Ferne in den noch blätterlosen Buchen­wald und den blauen Frühlingshimmel- das junge Mädchen­herz schlug höher, es sehnte sich unbewußt nach dem Köst­lichsten, was das Menschenleben besitzt, nach der Liebe, und tief drinnen in ihrer Brust flüsterte es leise, ganz leise von schönen Hoffnungen und bangem Sehnen.

Bald war die schmucke Reiterin an der großen Freitreppe des Schlosses Waldstein angelangt, mit Hilfe des alten Kutschers, stieg sie vom Pferde und eilte ins Schloß, wo ihr eine nicht mehr junge Dame ziemlich griesgrämig entgegenkam.

Kommst Du endlich, beste Isa," frug sie scharf,es ist

schon recht spät geworden und Du kannst Dich nur rasch um­ziehen und an die Malerei gehen."

Verzeih, Tante Sophie," bat das junge Mädchen freund­lich,es war so köstlich im Walde und der Onkel erfüllte meine Bitte, recht lange zu bleiben - er ist nur noch bis zum Vorwerk geritten."

Ja, wenn Du einmal im Sattel sitzest, kommst Du so bald nicht wieder heraus," erwiderte Fräulein v. Wald­stein und zuckte spöttisch mit den Achseln,das ist Erbtheil Deiner Eltern."

Isa biß sich auf die Lippen, doch sie entgegnete nichts und eilte in ihr Stübchen, um das Reitkleid mit einem dunkelblauen Hauskleide zu vertauschen. Wenn Fräulein Sophie so herb und unfreundlich gestimmt war, half nur Schweigen über die spitzen Reden, und das junge Mädchen that es Onkel Alfred zu Liebe, wenn schon ihr Blut heftig aufwallte.

Es verstrich wohl eine Stunde und Herr v. Waldstein kam noch nicht zurück.

Die beiden Damen saßen zusammen und arbeiteten an einer Staffelei. Das Essen sollte bald aufgetragen werden, doch der Hausherr fehlte noch immer.

Das kommt davon, weil Alfred Junggeselle geblieben ist," begann Sophie spitzig,nun hat er allerlei Unarten sich angewöhnt, die ihm eine Frau wohl abgewöhnt hätte- aber sein Eigensinn, nach jener Erfahrung mit einem treulosen Mädchen nie mehr an eine Heirath zu denken, ist unverändert derselbe."

Isas Geduld war beinahe zu Ende, noch hielt sie an sich, aber ihre Lippen bebten. Es war nicht leicht, die tobte Mutter so schmähen zu hören.

Ueber Deine Zukunft hat mein Bruder wohl noch gar nicht gesprochen?" fuhr die unerbittliche alte Jungfer fort, eigentlich wird es nun bald Zeit, sich nach einer anderen Stellung für Dich umzuthun, denn Du wirst doch nicht daran