1893
Samstag den 7. October
Erstes Blatt
S!r. 236
Amts« und Anzeigeblatt für den Ureis Gietzen
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Deutsches Reich.
Darmstadt. 4. Oktober. Seine Königliche Hoheit ter SÄrokherzog empfingen heute u. A. den Regierungs- rivih Nover, den Obersorstmeister Joseph von Nidda, den SRtaid-iutbireclor vr. Windhaus und den Bürgermeister Stein- IsStstr von Friedberg, den Präsidenten des Hessen Darmstädter f8tttin 8 in Washington Exel.
Sitzung der Stadtvevordneten
am 5. Oclober 1893.
Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, Herren Beigeordneten Georgi und Grüneberg, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Brück, Emmelius, Flett, Habentchr, Helfrich, Heyliqenstaedt, Homberger, Heß, Jughardt, Läber, Orbig, Petri, Dr. Schäfer, Scheel, Schmall, Dr. Thaer, Bogt und Wallenfels.
Die Sitzung wurde von Herrn Oberbürgermelster Gnauth mit einigen Mittheilungen eröffnet. Herrn Gerichtsassessor Glässing, welcher zum juristischen Beirath der Bürgermeisterei gewählt wurde, wurde der von Großh. Staatsministerium erbetene halbjährliche Urlaub bewilligt, so daß derselbe demnächst das ihm übertragene städtische Amt anrreten kann. — Bom Borstande der Gießener Freiw. Feuerwehr ist der Stadtvorstand eingeladen worden, der am Sonntag den 8.. October stattfindenden Schlußübung, sowie dem darauffolgenden Banket mit Theater beizuwohnen- Herr Oberbürgermeister Gnauth bringt diese Einladung zur Kenntniß der Versammlung, deSgl. diejenige des Kauf- männisckenVereins zur Feier dessen 20jährigen Stiftungsfestes am 6., 7. und 8. October d. I. —- Da« Frere deutsche H o ch st t f t zu Frankfurt hat eine Einladung ergehen lassen zur Theilnahme an den Besprechungen volkswirthschaft- lieber und socialer Zeitfragen, von denen die erste am Sonntag den 8. October. Bormittags 9 Uhr im Saale des Kaufmännischen Vereins zu Frankfurt a. M. statlfindet. Herr Oberbürgermeister Gnauth bemerkt, daß er diesen Verhandlungen beiwohnen werde und stellt es den Herren Stadtverordneten anheim, ebenfalls daran Theil zu nehmen.
Seitens der Dtrection des Gas- und Wasserwerks ist der Schlußbericht über die Untersuchung des Wassers der öffentlichen Pumpbrunnen eingereicht worden. Danach ist der Einfluß der ausgeführten ReinigungS- arbeiten im Allgemeinen als günstig aus die Beschaffenheit des Wassers zu bezeichnen- einige der zwölf einer Verbesserung unterzogenen Pumpen liefern gutes, einige angängiges Trinkwasser, nur das Wasser des Brunnens m der Wetter- gaffe ist vorläufig noch nicht zu empfehlen.
Dem Gesuch des Herrn Karl Tag um Erlaubniß zur Aufstellung einer Bretterbude in seinem Garten am Aulweg wird ausnahmsweise und auf Widerruf stattgegebeu.
Nachdem infolge der Neubauten der Herren Fuhr und W e i d i g in der Sonnenstraße der in diese Straße mündende Theil der Erlengasse einer Umpflasterung unterzogen werden muß, haben sich gen. Hausbesitzer erboten, die gegenüber der Pflasterung entstehenden Mehrkosten zu tragen, wenn die Gasse asphaltirt wird. Wetter ist beantragt, einen in gen. Gasse befindlichen Einfallschacht zu verlegen, sodaß dessen Ent- leerung von dem nach dem Neuenweg zu liegenden Theile der Gasse aus in die gedeckten Absuhrwagen erfolgen kann, ohne daß der Schachtinhalt an dieselben getragen werden muß. Es wird den in diesem Sinne gestellten Anträgen des Stadt- bauamtes gemäß beschlossen. Die Kosten für die Verlegung des Einfallschachtes und Verlängerung des Rohrcanals um 23 Meter sind auf 180 Mk. veranschlagt und sollen von der Stadt aufgebracht werden, wogegen die ebenfalls 180 Mk. betragenden Kosten für die Asphaltirung die Herren Fuhr und Weidig übernehmen.
Das ehemalige Schulhaus in der Neustadt tst behufs Unterbringung von Mannschaften an das hiesige Infanterie-Regiment vermiethet worden. Für die provisorische Unterbringung der seither in bezeichnetem Gebäude befindlichen Kochschule deS Allgemeinen Vereins für Armen- und Kranken- pflege soll ein Theil des Kellers der Stadtmädchenschule eingerichtet, dabei aber darauf Rücksicht genommen werden, daß die Einrichtungen benutzt werden können, falls der Kochunterricht später auch in den Lehrplan der Mädchenschule auf- t genommen werden sollte. Die aus 950 Mk. veranschlagten : Kosten, welche durch erhöhte Miethe aus dem alten Schul- Hause in der Neustadt Deckung finden, werden bewilligt und sollen die als dringlich bezeichneten Arbeiten aus der Hand
Nachricht, daß
zendsten Resultate ergeben.
Kopenhagen, 5. October. Die Kielstreckung zu der russischen für das Schwarze Meer bestimmten Kaiserya cht, die auf der hiesigen Werft von Burmeister und Main gebaut werden soll, wird Ende nächster Woche in Gegenwart deS Czaren mit großer Feierlichkeit stattfinden. Der Czar wird selbst einen goldenen Nagel in eine Spante einschlagen.
Mexico, 5. October. Nach den letzten Nachrichten tö drei en die letzten Stürme 200 Personen.
Deveichen deS Bureau .Herold". <
Berlin. 5. October. Die „Politische Correspondenz" be- \ zeichnet die Meldung der Blätter, Fürst Bismarck habe < seine Memoiren verkauft, für völlig unzutreffend. Allerdings < habe man ein derartiges Anerbieten dem Fürsten gemacht, , dasselbe sei aber abgelehnt worden.
Berlin. 5. October. Der Magistrat hat nunmehr officrell , dem Arbeitsausschuß der Berliner GewerbeauSstell- , ung 1896 mitgetheilt, daß er jede Unterstützung ablehne. ; Das Zustandekommen der Ausstellung ist bei der großen Be- thciligung der Industrie trotzdem gesichert.
BreSlau. 5. October. Heute wurde am hiesigen Schwurgericht mit den Verhandlungen des Landfriedensbruch- Prozesses begonnen. Es sind über 70 Zeugen vorgeladen worden- auf der Anklagebank befinden sich 34 Personen. Militär sorgt für die Sicherheit im Innern des Genchts- gebäudeS.
Posen. 5. October. In Roslawl, Gouvernement Smolensk, ist die Kaserne des Newski'schen Infanterieregiments abgebrannt. 28 Soldaten sind verbrannt, 11 wurden durch Herabspringen schwer verletzt. Es liegt unzweifelhaft Brandstiftung vor.
Elberfeld, 5. October. Der Prozeß gegen die Wein i Händler Leicht und Neufeld aus Berlin wurde in der j Berufungsinstanz heute vor der hiesigen Strafkammer zu Ende geführt. Die Genannten waren des Verkaufs gefälschter Ungar-Weine angeklagt und wurden je zu vier Wochen Haft verurrheilt.
Hamburg, 5. October. Cholera. Gestern erfolgte eine tödtlich verlaufene Erkrankung- ferner starb einer von den I früher Erkrankten.
Wieu, 5. October. In der ersten Sitzung des Abgeordnetenhauses am 10. October wird die Verordnung über den Ausnahmezustand für Prag vorgelegt werden. Die Berathung derselben wird zwei Tage beanspruchen und voraussichtlich am 12. October beginnen.
Men, 5. October. Die von den Getreidehändlern Böhmens ausgerichtete Deputation an den Handelsminister wurde heute von diesem in loyaler Weise empfangen. Der Minister sicherte Prüfung der Beschwerden zu. Zwischen der österreichischen und deutschen Regierung ist die Frage be reits Object lebhafter Erörterungen gewesen.
Wien, 5. October. Authentisch wird versichert, der Kaiser habe die Zustimmung zur Civilehevorlage noch nicht ertheilt.
Pari«, 5. October. Der „Ftgaro" berichtet, die Reise Carno ts nach Toulon sei eine beschlossene Sache- Carnot treffe in Toulon am Tage des Stapellaufes des neuen Kriegsschiffes ein. Gestern seien bereit- 15 Sicherheits- Directoren mit einer großen Anzahl Commissäre bestimmt worden, welche während des Aufenthalts CarnotS in Toulon den Sicherheitsdienst übernehmen und zu diesem Zwecke bereits am 10. October nach Toulon reisen.
Madrid. 5. October. In Barcelona wurden weitere Verhaftungen von Anarchisten vorgenommen.
Loudon, 5. October. Die englische Bark Beatrix soll auf hoher See verbrannt sein. Die Bestätigung fehlt noch - über das Schicksal der an Bord befindlichen Personen verlautet nichts.
Rom, 5. October. Der M arrnemi Nlst er reist am 15. October nach Spezzia ab, wo der König zum Empfang der englischen Flotte eintrifft. Der Reise des Königs wird große politische Bedeutung beigelegt.
Petersburg, 5.October. Als Erfinder der Säbel- : scheiden aus Holz mit H ornkautschuk, mit welchen ' die russische Cavallerie auSgestattet wird, wird der Bergingenieur Jsnoskow genannt. Die Gewehrfabrik in Ala- : toust muß bis Ende dieses Jahres 50,000 Stück liefern. Die Scheiden haben nach competenteftem Uriheil die ßlän-
vergeben werden.
Für weitere Auffüllung des Straßenkörpers der Stephan st raße, von der Gartenstraße bis zu dem früheren Gäßchen entlang der Engelbach'schen Besitzung, werden Herrn Maurermeister Steinbach für ca. 300 Ebm. 90 Pfg. pr. Cbm. bewilligt.
Für Aufstellung eines dritten Schulofens in der Schulturnhalle werden 275 Mk. bewilligt, einige Rechnungen des Ortsgerichts sowie der Feldgeschworenen über Gebühren genehmigt. _ _
Daß Gesuch des Herrn Jacob ^ourier um Er- theilung der Concession zum WirthschaftSbetrieb für daS Haus
Gießener Anzeiger
Keneral-Mzeiger.
Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 5. October. Der „Nationalzeitung" zufolge tittbe der Präsident des Amtsgerichts Berlin I, Befeler', tu biß Reichsjustizamt berufen.
Pari», 5. October. Dem „XIX. Siöcle" zufolge kann den Mittheilungen der verschiedenen Bereinigungen der Beinbergbesitzer die diesjährige Weinproduction auf Lk Millionen Hectoliter geschätzt werden.
Loudon, 5. October. Die strikenden Bergarbeiter iiUorkshire erklären, daß sie den Strike noch 10 Wochen wtbalten könnten. — Die in Glasgow tagende Vereinigung fcr englischen Eisenbahnbeamten bewilligte 1000 Pfund «rrling zur Unterstützung der englischen Bergarbeiter.
Madrid, 5. October. Die gesammte, über 3000 Mann Mende Garnison von Malaga wird nach Melilla ab- schickt. Sobald sie dort eingetroffen ist, werden die Ope- itrionen zur Bestrafung der Kabylen beginnen.
Kopenhagen, 5. October. Daß Gerücht, Dänemark habe eine fünftägige Quarantäne angeordnet, ist unbe- grünbet. Die Passagiere auß dem nach Süden liegenden ÄMande werden am Aufenthaltsorte einer fünftägigen arzt- ttijen Beobachtung unterworfen auf Grund der Dresdener S-schlüsse- dagegen ist keinerlei Quarantäne am Landungsorte
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ungen umgekommen. Auch zur See find zahlreiche Unglücks fälle vorgekommen.
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Berlin, 4. October, lieber daß Befinden des Fürsten ieii’nard kommt auß Thüringen eine sensationelle Nach. laek0,*rld)t- 2ßie dem „Berl. Tagebl." ein Privattelegramm auß Jihwarzburg-Rudolstadt meldet, theilt die „Rudol- UW.unb$ ^4' Landeszeitung", die Beziehungen zur Regterung hat, 1-4 angeblich absolut sicherer Quelle mit, daß eß mit dem g-iitn Bismarck langsam, aber stetig zu Ende gehe. Aller S-drlcheinlichkeit nach werde er Ktssingen nicht mehr lebend »irlasicn. Wir glauben, fügt das „B. T." hinzu, diese Mchnchr unseren Lesern nickt vorenthalten zu sollen, geben bitjtüe aber unter aller Reserve wieder, weil bei der Ver- , lchwiegenheit, welche die nächste Umgebung des Fürsten Biß- miif' über dessen Gesundheitßzustand beobachtet, es uns nicht nißlich ist, die Meldung in genügender Weise auf ihre Miigkeit zu prüfen. Bei dem begreiflichen Interesse, welches M deutsche Volk daran hat, Authentisches über das Befinden M alten Reichskanzlers zu erfahren, wäre es vielleicht zweck- ■ criBia, wenn täglich ober von Zeit zu Zeit Bulletins auß> gtpeben würben. — Die „Voss. Zrg." schreibt: Ueder das Mfinden des Fürsten Bismarck gehen uns durch den Draht Mntbcilungen zu, die sehr bedenklich lauten. Wir nehmen Mllmifig von einer Veröffentlichung Abstand, da wir bei der eraftiflen Natur deS Fürsten noch immer auf eine Recon- mlt&ienj hoffen. Es kann aber nicht verschwiegen werden, lbaS d.ie Nachwirkungen deß Schlaganfalles, der den Fürsten ».troffen hat, noch nicht überwunden sind.
— Der Bundeßrath hat heute seine Plenarsitzungen ■ mithin ausgenommen. Derselbe hatte nach dem Schluffe der NttchStagßsitzung biß in den Spätsommer hinein gearbeitet unb alle- vorhanden gewesene Material aufgeräumt. Die Stebeiten für den Reichßhaußhaltßetat sind übrtgenß weiter dorztsschritten, alß man früher angenommen hat, und dürften Qnbe dieseß Monatß zum Abschlüsse gelangen. Der Bundeß- rii!) Könnte unter dieser Voraußsetzung Anfang November die Dtrachung des Etats in Angriff nehmen. Der Einberufung dt» Reichstags würde zum 15. November kein Hinderniß im
tiitr an der Grenzstation angeordnet.
Petersburg, 5. October. Der neue, um 15 Procent A «müßigte Eisenbahntarif für den Transport russischen 2p flttreibeß via Oesterreich nach Italien, der Schwerz und v giamfreid) ist heute veröffentlicht worden.
Rew-OrleauS, 5. October. Weitere Meldungen über ben «yclon besagen, daß eine von heftigem Sturme begleitete «Eo-ingfluth besonders die niedrig gelegenen Gebiete in ili: Umgebung von New-Orleans überschwemmt und große ArrNrüstungen angerichtet hat. In Grand Jsle und auf den ^lücgenden Inseln wurden Plantagen zerstört und Dörfer chcMschwemmt. Viele hundert Personen sind in ihren Wohn-


