Ausgabe 
7.5.1893 Drittes Blatt
 
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Wohn ung en unter Herstellung eineß Spaltes in dem Entreeabschluß angebracht; ste können aber auch außen, etwa neben dem Klingelzug, angebracht werden. Tine einfache Vorrichtung gestattet, die Briefkasten-Oeffnung zu sperren, z. B. wenn Reisen angetreten werden und Niemand in der Wohnung bleibt. Noch viel bester und für den Bestelldienst vortheilhafter wäre es allerdings, wenn, ohne Rücksicht aus die Lage der Wohnung, Briefkasten zu ebener Erde im Hausflur angebracht würden. In Frankfurt a. M. befinden sich in mehr als dem vierten Theil aller Wohnhäuser die Briefkasten der Hausbewohner zu ebener Erde, so daß den Briefträgern in diesen Häusern daS Ersteigen der Treppen zu Gunsten der Beschleunigung der Bestellungen erspart ist. Davon, daß Briefschaften in die Briefkasten hineingelegt worden find, werden die bctrcffenbcn Empfänger jedeSmal durch die Klingel in Kenntniß gesetzt. Es würde sich sehr empfehlen, wenn bei jedem Neubau oder Umbau eines HauseS seitens der Architekten die Anbringung von Hausbriefkasten für alle Wohnungen gleich ins Auge gefaßt würde. Um dem Publikum die Anschaffung zweckmäßiger Briefkasten zu erleichtern, ist daS hiesige Kaiserliche Postamt I ermächtigt worden, hierbei seine Vermittelung eintreten zu lasten. Nach den Verabredungen des genannten Postamts mit dem Herrn Spenglermeister Faber hier würde sich der Preis für einen solid und dauerhaft gearbeiteten, mit gutem Schlöffe versehenen Hausbriefkasten auf 3 Mark stellen.' Der Lieferant würde auch die Anbringung deS Kastens gegen eine besondere Vergütung von 25 Pfg. über« nehmen. Durch Anbringung solcher Kasten würde einem langgefühlten Bedürfniß Rechnung getragen, und es märe darum zu wünschen, daß auch in unserer Stadt recht Viele dem Beispiele Frankfurts folgten und diese Neuerung zur Einführung brächten. Der Anschaffungspreis ist gegenüber dem Vortheil, welcher erzielt wird, ein so geringer, daß sich wohl kein Hauswirth ober Miether scheuen wirb, sich in ben Besitz eines solchen Hausbriefkastens zu setzen. Also an jede Wohnung bald einen Briefkasten?

* Unftanfirte Postkarten sind nach der neuen Postord­nung zulässig. Dieselben werden bei der Beförderung wie gewöhnliche Briefe taxirt und demnach mit 20Pf. Porto belegt. Nach einer neueren Entschließung der Postverwaltung können unfrankirte Postkarten von öffentlichen Behörden auch mit der BezeichnungPortopflichtige Dienstsache" versendet werden. Solche Postkarten werden, vorausgesetzt, daß sie mit einem Abdruck des Dienststempels versehen sind, nur mit 10 Pf. Porto belegt.

** Der Getreidemarkt. Die kleine Hausseströmung, welche in jüngster Zeit aus dem deutschen Getreidemarkte hauptsächlich infolge der Speculationen auf die anhaltende Dürre hervorgerufen worden war, hat sich bereits wieder bi eine rückläufige Bewegung verwandelt. Dieser Stimmungs­wechsel ist vornehmlich dem fast allerorten endlich eingetretenen

kühleren und regnerischen Wetter zuzuschreiben, doch wirkten hierbei schließlich auch die auS Amerika und auS London ein­gegangenen abschwachenden Berichte ein. Weizen und Roggen geben daher in der abgelaufenen Berichtswoche bei augen­scheinlicher GeschäftSlust Überall nach- die letztere trat nament­lich am Berliner Platze auffällig hervor, wo am Montag 1750 Tonnen Weizen und 6300 Tonnen Roggen zur Shinbb gung gelangten, aber trotz langer Eirculation keine Aufnahme fanden. Auch in Hafer war das Geschäft ziemlich still, bei geringen Preisschwankungen. An der Berliner Productenbörse notirten: Weizen 150160 Mk. pro 1000 Kilogramm, Roggen 131139 Mk., Hafer 141 159 Mk., Gerste 115 biS 175 Mk.

♦♦ Ter Goldregen, einer unserer schönsten Ziersträucher, steht jetzt in Blüthe. ES dürfte noch Bielen unbekannt sein, daß in dem unangenehm bitter und scharf schmeckenden Samen, sowie auch in der Rinde und in den Blättern deS Strauches Gift sich befindet. Namentl ch Kinder bedürfen in dieser Beziehung der besonderen Aufsicht, da die Kleinen die Gewohn­heit haben, gepflückte Blumen und Blüthen in den Mund zu nehmen.

Brodpreise

vom 7. Mai biß 21. Mai 1893.

Der hiesigen Bäcker.

1 Kg. (2 Pfd.) lafelbrob

2 Kg. (4 Psd.)

1 Kg. (2 Pfd.) Weitzbrod

2 Kg. (4 Pfd.) ,

1 Kg.

2 Kg.

3 Kg.

(2 Psd.)

(4 Psd.)

(6 Pfd.)

Schwarzbrod

26 Pfg.

52 ,, 24 bei S. Stern Schlüchterner und

Kesseler Brod . 25

. . 48

bei S. Stern Schlüchterner und

Raffeier Brod . 50 ,

22 44 66

Der autzwürtigen Bäcker.

1 Kg. (2 Pfd.) Weißbrod bei Gg. Ant. Heuser von Gr.-Linden 40 Pfg.

1 Kg. (2 Pfd.) Schwarzbrod W. Steinmüller v. Long-GönS 21

2 Kg. (4 Pfd.) Gg. Ant. Heuser v. Gr.-Ltnben 38

2 Kg. (4 Psd.) Joh. Kd. Belte v. Kirch-GönS

y u. W. Amend v. Lang GönS 40

2 Ra. (4 Pfd.) W. Steinmüller o. Lang-Göns,

u. F. Schön v. Ruttershausen 42

Der Brodverkänfer.

1 Rfl. (2 Psd.) Taselbrod

2 Kg. (4 Psd.) Taselbrod

1 Kg. (2 Psd.) Weißbrod

2 Kg. (4 Pfd.) Weißbrod

1 Kg. (2 Psd.) Schwarzbrod

2 Kg. (4 Pfd.) Schwarzbrod

3 Kg. (6 Psd.) Schwarzbrod

Gießen, ben 6. Mai 1893.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.

26 Psg.

52

24

43

22

44

66

Literatur und Jurist.

Bechholdtz Handlrrilon der State rwtf|e«1*stt<u and Medici«, bearbeitet von A Velde, Dr. W. Schaut, Dr. G. Pu^rermacher, Dr. L. Mchler, Dr. B. Loewenthal, Dr 6. Eckstein, Dr. I. Bechhold und G. Armds. (Berlag von H. Bechhold, iZrank- surt a. M.) Wir er hielten davon die Lieferungen 13 bil 15. Bechholds Hanblerckon ist ein unentbehrliches Nachschlagebuch, das einen nie im Stiche läßt. Trotz seiner Kürze bietet eS mehr als die meisten Fachleicka, in denen wir häustz vergeblich Erktörungen suchten, die sich in dem besprochenen Werke senden. Man ist md,t gezwungen, seitenlange Auseinandersetzungen durchzulefen, um endi'ch bat Gewünschte zu finden, sondern gleich bei dem Stichwort tfl prägnant gesagt, was man gerade nnffen will. Ein wesentlicher Vortheil ist, daß auch die Uebersetzung (Ethpmologle) aller auS dem Griechischen, Lateinischen und anderen sremden Sprachen stammend n Fachausbrücke der Mediciv, Zoologie, Botanik rc. geboten wird. Daß daS Werk die allerneuesten Gegenstände, soweit sie überheuot bekannt geworden sind, berücknchrtgt, ist für ben Industriellen u"d jeden Fachmann von dem allergrößten Nutzen. Wir können d. Werk nicht warm genug empfehlen.

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