'hier sehr heftig auf. In der letzten Woche kamen 332 Erkrankungen vor.
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Hießen, den 5. Tecember 1893.
♦* Sitzung des Schwurgerichts der Provinz Oberhefieu vom 4. Tecember 1893. Unter Vorsitz des Großherzoglichen Landgerichtsraths Dr. Möbius wurden heute die Schwurgerichtssitzungen für daS IV. Quartal eröffnet. Zur Verhandlung kam die Strafsache gegen den Wagner Adam Ro hn von Hainbach wegen Todtschlagsversuchs und Bedrohung. Die Anklage vertrat der Großherzogliche Staatsanwalt Schilling-Trygophorus, vertheidigt wurde der Angeklagte von Herrn Rechtsanwalt Dr. Fuhr. Als Geschworene fungirren die Herren Georg Straub II., Heinrich Birkenstock III., Ferdinand Pröscher, Ludwig Kattrein, Heinrich Conrad Schneider, Heinrich Rühl, Jacob Schimpf, Friedrich Fendt, Heinrich Leihmann, Heinrich Conrad Schäfer, Carl Wilhelm Rowack und Ludwig Petri II. — Der Wagner Adam Rohn von Hainbach steht unter der Anklage, daß er am 14. September 1893 zu Hainbach den Entschluß, seine Ehefrau zu tödten, durch vorsätzliche Handlungen, welche einen Anfang der Ausführung des Verbrechens des Todtschlags enthalten, bethätigt habe und daß er ferner den Johannes Siehr von Hambach mit der Begehung eines Verbrechens der Tödrung bedroht habe. Die heutige Verhandlung ergab folgenden Sachverhalt: Adam Rohn lebte mit seiner Ehefrau Katharina, mit der er seit 1873 verheirathet ist, schon längere Zeit in Unfrieden. Am 14. September I. I. half Rohn dem Johannes Siehr von Hainbach mähen, schon früh am Morgen und während des Vormittags wurden von Ersterem nicht unerhebliche Quantitäten Branntwein getrunken, die demselben, wenn er auch sonst viel vertragen konnte, in den Kops gestiegen waren. Um 1 Uhr kam er so angetrunken nach Hause, daß er kaum stehen konnte. Ehe er noch das HauS betrat, schimpfte er über seine Frau, fiel dann zu Boden und schlief ein. Nach etwa einer Stunde wurde er wach, lies in dem Hofe herum, schimpfte aus seine Frau und seinen ältesten Jungen, legte sich aber schließlich in die Kammer und schlles wieder ein. Die Ehefrau Rohn kam Abends nach Hause, öffnete die verschlossene Hausthüre und wollte sich in den oberen Stock begeben. Auf der Treppe fiel sie auf den dort liegenden Angeklagten, dieser sprang auf und wollte sie erfassen. Die Frau sprang jedoch in den Hof, die Kinder ihr nach und von dem Hofe aus gab sie ihrem Manne gute Worte, sie doch einzulassen. Als ihr dies verweigert wurde, begab sie sich zum Bürgermeister, traf diesen nicht an und ging dann in Begleitung des Johannes Wagner wieder zurück. Man fand die Hausthüre verschlossen. Wagner versuchte den Rohn durch gute Worte zum Oeffnen der Thüre zu bereden, allein er wurde in grober Weise abgefertigt. Schließlich gelang es endlich der Frau Rohn, mit den Kindern durch die Stallthüre in das Haus zu kommen. Als sie In das Zimmer kam, sah sie, daß die beiden dort stehenden Betten zerschlagen waren. In ihrer Aufregung hierüber rief sie dies dem Johannes Wagner aus dem Fenster heraus zu, sie schimpfte hierbei auf ihren Mann, der dies seinerseits erwiderte und seine Frau mit Kindern zur Hausthüre heraus in den Hof drängte. Die Frau lief unter fortgesetztem Schimpfen in den Hof hinaus, warf ein- oder zweimal gegen die Hausthüre, ging dann ein Stückchen gegen das Haus hin, um nach den Kindern zu sehen und wie sie eben von einem aus dem Nachbarhause heraussallenden Lichtschein beleuchtet wurde, krachte ein Flintenschuß und sie merkte sofort, daß sie getroffen war. Rohn hatte von der Hausthüre aus den Schuß auf sie abgegeben und erheblich verletzt. Nach der Thal schloß er sich wieder in seine Kammer ein, die Verletzte schleppte sich in ein Nachbarhaus, in dem sie die Nacht zubrachte, auch von dem alsbald gerufenen Arzte untersucht und verbunden wurde. Die Schrotkörner stecken heute noch in dem Körper der Verletzten, ungefähr zehn Stück in dem linken Bein, eines in dem linken Oberarm. Nachdem Rohn nach der Thal auf Anordnung des Großherzoglichen Bürgermeisters festgenommen worden war, wurde er in das Wacht- local verbracht. In demselben äußerte er zu Johannes Siehr: Wenn ich wieder frei bin und mein Gewehr kriege, dann mache ich dich kalt und schieße dir eine Kugel vor den Kopf. Rohn gab zu, den verhängnißvollen Schuß abgegeben zu haben, stellte indeffen in Abrede, daß er die Absicht gehabt habe, seine Frau zu tödten, er habe sie vielmehr nur erschrecken wollen. Nachdem die Geschworenen (Obmann: Herr Stadtverordneter Ludwig Petri II.) die ihnen vorgelegten, aus TodtschlagSversuch und Bedrohung gerichteten Schuldsragen bejadt, dem Angeklagten auch mildernde Umstände bezüglich des Todtschlagsversuchs bewilligt hatten, erfolgte dessen Ver- urtheilung in eine Gesammtgefängnißstrafe von einem Jahre sechs Monaten und zwei Wochen nebst Kosten. Ferner wurden dem Angeklagten die bürgerlichen Ehrenrechte auf drei Jahre aberkannt, auch die Einziehung des Gewehrs und der Munition angeordnet.
Z. Neues Theater. Gestern Abend überraschte uns die Direction mit einer Novität: „Barfüßige Fräulein", Lustspiel in 4 Acten von Julius Rosen. Der Stoff, den der Dichter hierin bearbeitet hat, ist den aristokratischen Kreisen entnommen und zwar besonders denjenigen, welche zwar den altadlichen Namen besitzen, ohne jedoch die Mittel zu haben, demselben den nöthigen Klang zu verschaffen. Zwei Familien sind eS, beide mit einander verwandt, an welchen der Dichter mit seiner Beobachtung die Verschiedenheit zeigt, wie sie sich in ihre Lage finden. Die Kinder dcS Herrn v. Plauen arbeiten, Helene gicbt Clavierftunden, Margarethe ist Tele- graphistin, Heinrich fand eine Stellung im Bankhause deS Herrn v. Mühlenau und die Haushaltung fährt die alte Tante, Sophie v. Bärenklau. Die andere Familie, die v. Bolzhausen dagegen arbeiten nichts, da daS ja den adlichen Namen schändet, dagegen schreiben sie Bettelbriefe, nagen am
Hungertuche und gehen auf den Männerfang auS. So steht es, als eines TageS ein entfernter junger Verwandter beider Familien, der reiche Frhr. v. Bärenklau, ankommt und sich in Helene sofort sterblich verliebt. Diese jedoch, welche früher, als sie ihr Vermögen verlor, von ihrem Bräutigam, Graf Ebenthal, deshalb feige verlaffen worden war, verlobt sich, um ihrem Bruder die Braut vor jenem Treulosen zu retten und um ihrer Schwester, die sich einem Post- secrttär versprochen, das Heirathen zu ermöglichen, mit dem alten, würdigen Bankier v. Mühlenau, der ehrlich um sie geworben. Frhr. d. Bärenklau ist außer sich, er deponirt bei Mühlenau 100,000 Mark mir der Angabe, sie seien der Familie v. Plauen von dem verschollenen Gliede derselben übersandt, Alles hilft nichts, Helene glaubt, Mühlenau habe das Geld hinterlegt und hält sich chrn um so mehr oerpffichtet, obwohl auch ihr die Heirath ein schweres Opfer kostet. Da naht Rettung in der alten Tante, sie weiß Mühlenau zu bewegen, die Verlobung zu lösen und sie, um die er in der Jugend vergeblich geworben, als Stütze seines Alters zu nehmen. Helene heirarhet den Frhrn. von Bärenklau, Margarethe ihren Postsecretär, Heinrich Mühlenaus Tochter, Alles wird gut, nur die Bolzhausens ziehen mit langen Gesichtern ab. — Die Bearbeitung des Stoffes ist frisch, wirkungsvoll, die Komik sein, natürlich und ungesucht, die Charactere bis auf einzelne weniger hervortretende schön gezeichnet und wahr. Die Wiedergabe des Stückes war recht gut, besonders die Glieder der Familie v. Plauen leisteten Tüchtiges: Fräulein Wehn (Sophie), Herr Rasch ig (Heinrich), Frl. Leland (Helene) und Frau Reiners (Margarethe)- Herr Niemeyer (Mühlenau), sowie Frl. Grohman n (dessen Tochter) ließen ebenfalls nichts zu wünschen. Auch Herr Reiff als Frhr. v. Bärenklau und Herr Stückel (Postsecretär) zeigten sich auf der Höhe ihrer Aufgabe. Schade war es, daß das Haus so schlecht besetzt war, wir glauben, daß eS nur dieser Zeilen bedarf, um dem Publikum bei einer Wiederholung des Stückes den Besuch desselben angelegentlich zu empfehlen.
** Berichtigung. In dem Inserat des Gastwirthe- V er eins in gestriger Nr. 286, betr. Todesanzeige des Herrn Gühlholtz, muß es bei „Zusammenkunft" statt College „Schuch" heißen College „Schnell", Brandgasse.
** Die Universitätskliniken. Nach einer Mittheilung der „Voss. Ztg." hat die Staatsregierung die Absicht, die preuß. Universitätsstädte zu den Kosten der Universitätspolikliniken heranzuziehen. Es soll das angeblich in der Weste geplant sein, daß der Staat die Gehälter für die Aerzte und sonstigen Angestellten zahlt, daß hingegen die Ausgaben für Localmietbe, Heizung, Verbandmittel und Anderes dieser Art von der Stadt aufgebracht werden.
** Seit dem 29. oder 30. October l. I. wird die 14jährige Susanne Haub von Nieder-Weisel vermißt. Die Vermuthung liegt nahe, daß das Mädchen ihrer Tante, einer Frau Meisen, geb. Haub, die am 29. October von einem Besuche in Nieder-Weisel nach Amerika zurückreiste, gefolgt ist. Die hiesige Saatsanwaltschaft verfolgt die Spur der Verschwundenen. Darmst. Ztg.
** 3000 Mark Belohnung. Die Reichsschuldenverwaltung erläßt folgende Bekanntmachung: „In neuerer Zeit sind falsche Reichskassenscheine zu fünfzig Mark zum Vorschein gekommen und angehalten worden. Wir sichern Demjenigen, welcher einen Verfertiger oder wissentlichen Verbreiter solcher Falschstücke zuerst ermittelt und der Polizeioder Gerichtsbehörde dergestalt nachweist, daß der Verbrecher zur Untersuchung und Strafe gezogen werden kann, eine nach den Umständen von uns zu bemessende Belohnung bis zu 3000 Mark zu.
KirchgönS, 2. December. In tiefe Trauer wurden heute die Bewohner unseres Dorfes durch das Hin scheiden deS Ortsgeistlichen.Herrn Kirchenrath Ritsert versetzt, den vor Kurzem ein Schlaganfall betroffen hatte. Es ist dies für uns ein um so herberer Verlust, als wir in diesem Jahre auch den Hintritt unseres vielgeliebten Lehrers Rahn zu beklagen hatten. Beide feierten im Jahre 1888 ihr fünfzig- jähriges Dienstjubiläum und in einem und demselben Jahre wurden sie zur Ewigkeit abgerufen. Herr Kirchenrath Ritsert war ein geborener Darmstädter, er entstammte der bekannten Familie Ritsert, die unserem engeren Vaterland viele Lehrer, Geistliche und andere Beamte gegeben hat. Nach seiner Studienzeit war er eine Zeitlang als Lehrer in Darmstadt thätig, dann Pfarroicar in Eschollbrücken, später Hoscaplan in Gedern, Pfarrer in Pohl-Göns und zuletzt solcher in hiesiger Gemeinde. Die hiesige AmtSthätigkeit währte genau 25 Jahre; noch vor wenigen Tagen bereitete man ihm aus Anlaß seines 25jährigen Hierseins eine schöne locale Feier. Noch am vorigen Sonntag (Todtenfest) war Herr Kirchenrath Ritsert amtlich thätig und gedachte warm der Verstorbenen vom verflossenen Jahre. Nun ist er selbst ihnen gefolgt. Er ruhe in Frieden!
Worms, 2. December. Gestern Abend verschied nach längerem Leiden der Großh. Obersteuermspector Steuerrath Freiherr Gedult v. Jungenfeld, ein allseits beliebter Beamter, der im geschäftlichen Verkehr von der gesammten Kaufmannschaft hochgeschätzt war.
A Mainz, 4. December. Bei einer gestern hier statt- gehabten zahlreich besuchten LandeSconferenz der hessischen Socialdemokraten wurde auf Antrag deS Abgeordneten Ullrich-Offenbach eine Resolution angenommen, welche sich gegen eine offizielle Betheiligung bet Bürgermeister- und Beigeordnetenwahlen ausspricht, so lange daS Bestätigungsrecht der Regierung besteht. Dagegen soll energisch bei Gemeinde- rathSsitzungen eingetreten, jedoch nur vollständig überzeugte Socialdemokraten gewählt werden. — Ein zu dem 88. Inf- Regiment commandirter Zahlmetsterafpirant hat mit einem größeren Baarbetrag, den er am verfloßenen Freitag für seinen Zahlmeister bei der RctchSbank erhöhen hatte, d a S Weite gesucht. Der Flüchtige wurde noch in Kastel in ver-
| fchiedenen Wirtschaften beim Verausgaben größerer Beträge | gesehen, dann nahm sich derselbe in Gegenwart verschiedener ■ Bekannten ein Eisenbahnbillet nach Frankfurt, welches er aber, wle inzwischen festgestellt wurde, nicht benutzte, sondern wahrscheinlich nur um deswillen gelöst hat, um die Spur von seiner Flucht abzulenken. Gemäß bestehender Bestimmung muß der Zahlmeister des angegebenen Regiments für den von dem Aspiranten unterschlagenen Betrag aufkommen.
Vermischtes.
Hamburg, 2. December. Heute Vormittag haben sich die Schwestern Adele und Emma Louis, eng umschlungen haltend, aus dem Fenster ihrer in der dritten Etage belegenen Wohnung auf die Straße hinuntergestürzt. Die Erstere war sofort tobt, die andere ist lebensgefährlich verletzt. Die Gründe der That sind nicht bekannt.
* Rappoltsweiler, 2. December. Der vielfach noch herrschende Aberglaube wurde für eine wohlhabende Fran eines Nachbarortes sehr verhängnißvoll. Diese Frau hätte gern gewußt, wie alt sie- werden würde, und hatte gehört, daß dies vom Kuckuck im Tannenwalde zu erfahren sei. ES wurde ibr gesagt, sie müsse diesen Vogel nur laut anrufen, und so viel Jahre hätte sie noch zu leben, alS der Bogel mit seinem Rus antworten würde. Die Frau ging in den Wald und wurde durch einen Spaßvogel mit fünf Kuckuckrufen beschieden. Die abergläubische Frau, die nicht wußte, daß der Kuckuck ein Wandervogel und deshalb in dieser Jahreszeit gor nicht mehr bei uns ist, erkältete sich auf dem Wege, machte sich aber nichts daraus, weil sie nur auf noch fünf Jahre Lebensfrist rechnete. Die Aermfte bekam Fieber, berrocigerte aber alle ärztliche Hülfe, und im TodeSkampfe noch hob sie fWU Kinger in dix Höhe, um zu zeigen, daß sie noch fo lange leben müßte. Die Äermste büßte ihren Gang in den Wald mit dem Tode.
• Ratibor, 4. December. Das Schwurgericht hat am Samstag Abend den Bauernsohn Franz Dominik wegen Er- rnordung seiner Geliebten zum Tode verunheilt. Heute früh wurde Dominik in der Zelle erhängt aufgesunden.
* Zehn Jahre lebendig begraben. Einem furchtbaren Verbrechen ist man in Nußbach, unweit Wien, auf die Spur gekommen. Der wohlhabende Besitzer des abgelegenen sogenannten RußbachhoseS, Bauer Johann E'Sl, hatte einen Sohn, der vor zehn Jahren zur Aushebung gekommen und feit dieser Zeit spurlos verschwunden war. Der Bursche war beschränkt und man glaubte deshalb, er fet irgendwo verunglückt. Der Gendarmerie - Wachtmeister Weidinger ter Gendarmerie-Station St. Wolfgang hegte jedoch einen anderen Verdacht, er kannte das Ehepaar EiSl als stolze und ziemlich hochfahrende Leute und muthmaßte, daß sie, sich deS halb- blöden SohneS schämend, denselben auS dem Wege geräumt hätten. Unlängst begab sich der Beamte deshalb nach dem Rußbachhof, um dort energisch zu fordern, ihm den Franz, wie der Name deS Burschen ist, zu zeigen. Die Bauersleute sträubten sich Anfangs mit aller Macht gegen die Zumuthung, den Sohn lebendig begraben zu halten, als aber der Wachtmeister nicht nackgab und mit der Vornahme einer Hausdurchsuchung drohte, führte man ihn zu einem nahezu vollkommen finsteren Gemache, dessen Thür fest verschlossen war. AIS sich der Wachtmeister öffnen ließ, bot sich ihm ein geradezu schauererregender Anblick dar: Der nun 30jährige Franz, vor zehn Jahren ein gesunder, kräftiger Jüngling, kroch, alS das Licht deS TageS nach zehn Jahren zum ersten Male in feinen Kerker fiel, auf allen Vieren heran und richtete sich mühsam empor. Der Unglückliche war ganz verwildert, ein struppiger schwarzer Bart reichte ihm bis zu den Füßen, Finger- und Fußnägel waren mehrere (Zentimeter lang und ganz eingerollt, oer Körper von Ungeziefer uni Unratb filier und über bedeckt. Als Franz aufstehen wollte, fiel er wieder zu Boden. Die Verkrümmung seiner Gliedmaßen ist eine Folge des jahrelangen Aufenthaltes in dem schweinestall- ähnlichen Kerker. Das Gelaß war 2 Meter hoch, 5,75 Meter lang und 3 Meter breit, kalt und völlig dunkel. DaS elende Bett bestand auS einer 1,40 Meter langen Kiste mit Stroh, daS fürchterlich unrein und gänzlich durchfault war, daneben stand ein großer Unrathkübel, dessen Inhalt mit Schimmel und Pilzen bedeckt war. Wenn der Unglückliche vor Hunger schrie, wurde er durch eine kleine Lücke aus der Küche mit Brod gefüttert und ihm durch dasselbe Loch Wasser gereicht. Davon lebte er zehn Jahre lang. Ja, der Unglückliche war bei Bewußtsein, alS man ihn fand. Wachtmeister Weidinger sprach ihn an und fragte: „Kennst Du mich?" — „A ja,* entgegnete Franz, „a Gendarm." — „Wie geht'S Dir denn?" — „Nu, d'Knia tfjuan m’r sakrisch weh', daS Beste ist daß's Maul no so guat iS!" Dann blieb daS Weitere, das er sprach, unverständlich. In Rußbach fand sich sofort eine gerichtliche Commission ein. Die Herren waren über ihre Erhebungen ebenso empört, als erschüttert. ES stellte sich nämlich heraus, daß der ganze Hof und mehrere Ein- wohner von Rußbach von der Unthat deS Ehepaares EiSl Kenntniß gehabt hatten und daran gar nichts Anstößiges fanden. Handelte es sich doch nur um einen Trottel' Die Verhandlung gegen die unmenschlichen Eltern wird bereit# demnächst vor dem competenten Gerichte stattfinden.
* Sin seltsamer Fall von Vergiftung hat sich kürzlich in Spandau zugetragen. In der Behausung eine# Restaurateurs , wo sich Ungeziefer zeigte, hatte man vor einem halben Jahre Schweinfurter Grün in die Betten gestreut. Plötzlich erkrankte die in der Wirtbschast beschäftigte jugenb liche Tochter unter den Anzeichen einer Vergiftung Der Arzt stellte fest, daß Etnathmen von Schweinfurter Grün beim Ordnen der Betten die Ursache fei.
♦ Von einem seltenen UnglnckSsall wird aus Sibblingen bei Schaffhausen berichtet. Ein Landwirtb kam mit seinem Halstuch, daS er nach der auf dem Land Üblichen Weife um den Hals geschlungen hatte, dem Triebwerk einer Futter- schneidmaschine zu nahe. DaS Halstuch wurde erfaßt und- der Mann buchstäblich erwürgt.
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