Ausgabe 
6.10.1893 Erstes Blatt
 
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,Wozu?" r

Gehen Sie, fragen Sie nicht, Herr Treidler, gehen Sie!" drängte der Priester, und ohne einen Abschiedsgruß stürmte der Jäger von dannen und dem Hause des HolzerS zu.

In dem Gemache, in welchem der kranke Wirth lag, war eine feierliche Stille eingetreten. Am Ende des Bettes stand Frau Marie und weinte leise, indessen zu den Füßen deS LagerS CreScenz in die Kniee gesunken war und schluchzend ihre Hände dem sterbenden Vater reichte.

Kommt er schon?" frug Aer Alte mit leiser Stimme. Wenn er kommt, so sagt ihm, daß ich unschuldig bin, daß mein Bruder geschossen, daß sein Stutzen einer, daß ich nicht den Muth gehabt habe, meinen Bruder von der bösen That abzuhallen."

Anton!" schluchzte die Frau.

Still, still! Ich hör Jemand draußen, er kommt. Geht hinaus, ich will mit ihm allein reden. Mein, hört!"

Es war so, die Thür öffnete sich und Marttn trat ein.

Er begrüßte die beiden Frauen und diese entfernten sich dann bald darauf.

Martin war mit dem Vater seines Mädchens allein.

Der Sterbende winkte ihn zu sich heran.

Setzen Sie sich.*

Der Jäger gehorchte. Mit schwacher Handbewegung deutete Holzer an, daß er etwas zu sagen habe.

Eine Weile blieb e- todtenftill im Gemach, dann begann der Kranke:Ich habe Ihnen ein Geheimniß zu sagen."

Nun?"

Wisien Sie, wer Ihren Vater erschaffen?"

Ja, ein Wilderer."

Nein, mein Bruder?"

Der Jäger sprang empor.

Der Bürgermeister Holzer? Nicht möglich!"

So ist'S. Mein Bruder hat gewildert, wurde von Ihrem Vater ertappt und schoß den Angreifer nieder."

Und woher wissen Sie da-.?" -

Erstes Blatt

Freitag de» 6. Oktober

893

Gießener Anzeiger

5.

Kenerat-Anzeiger

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Amts- und Anzeigeblntt ftw den divers Gieren.

Hratisöeitage: Gießener Iamikienökätter

Amtliche» Theil

7;

Außerdem haben die

die !

weinbautreibenden Orte der Pfalz eine Petition an

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Feuilleton.

NW

Irtnebmc von Anzeigen zu bei Nachmittag» für dm 'olfenben Io| erscheinenden Nummer bi« 8orm. 10 Uhr

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Alle Annoncen-Bureaus de« In» und Luslanbe» nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger- entgegen.

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Der

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»t Ausnahme bei Montag».

bayerische Abgeordnetenkammer gerichtet, in welcher diese ersucht wird, bei der bayerischen Regierung dabin zu wirken, daß die bayerischen Bundesbevollmächtigen angewiesen werden, das Project einer Retchsweinsteuer abzulehnen.

Zur Bekämpfung des Ge heim mittel-

ske & Mareily, , ' Generalagent, L , aaf in Gieeien, n in Langedort

Der geistliche Herr trat auf den Kranken zu und bot ihm die Hand, in die jener seine abgemagerre Rechte legte.

Gelobt sei Jesus Christus!"

In Ewigkeit!" sagte der Wirth mit matter Stimme und setzte dann hinzu:Ich habe Ihnen, Hochwürden, meine Schuld zu beichten. Wollen Sie mich hören?"

Es ist meine Pflicht als Priester."

Ein Wink und Crescenz sammt Mutter verließen das Gemach.

Holzer blieb mit dem Priester allein.

Urnen.

die projectirteWeiusteuer" drohe.

Die Gießener

r -,en dem Anzeiger

«ichentlich dreimal Neig'legt

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ihr in bttÄw

Heinunii pro 1892 MWelegenheitv

>tr Vorstand.

Deutsches Reich.

Berlin, 4. October. Kaiser Wilhelm weilt zur Zeit auss Neue in der weltfernen Waldeseinsamkeit seines oft» peutzischen Jagdschlosses Rominten- soweit bekannt, soll itr Aufenthalt daselbst bis in die nächste Woche hinein tauorn. Die Kaiserin dagegen hat ihren erlauchten Gemahl nicht mit nach Rominten begleitet, sondern ist von Trakehnen -LiS wieder nach dem Neuen Palais bei Potsdam zurück- gekehrt.

Die Meldung, daß dem Reichstag der unerledigt zebliebene Entwurf eine- TrunksuchtSgesetzeS in der -nadjiiten Session wieder vorgelegt werden solle, beruht nur

: Portraitwaü wird Unterricht. § zinOel.uKM raits, gignrtiif w Fritz, Äunftmo-

icht.

lusbildung unt jur Ertheilung vor

ligstrasse 61.

e Döring.

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viertetjlhttger JHeeiementiyreUi 2 Mark 20 Pfg. mit

Brtngcrlobn.

Durch die Poft bezog« 2 Mark 50 Vl»

kebactton, tpebitU* und Druckerei:

Martin Steidler war von St. Egyd in dem wildesten Schneesturm herabgekommen und seine Gedanken weilten bei Crescenz. DaS Mädchen hatte er in sein Herz geschlossen, und doch, als er vor zwei Jahren bei dem reichen Holzer um ihre Hand warb, hatte dieser seine Werbung abgeschlagen. Es lag für den jungen Manu kein Grund vor, welcher den Wirth hätte veranlassen können, seine Einwilligung nicht zu geben, und trotzdem war eS so gekommen. Martin hatte sich dann in ein anderes Revier versetzen lassen.

Zwei Jahre waren verfloffen. Doch das Schicksal führte ihn wieder zurück in jene Gegend, wo sein ganzes Glück zer» trümmert wurde.

Wohl hatte CreSeenz ihn selbst ausgesucht und ihn ge­tröstet, daß es einmal doch gelingen werde, den Vater weicher zu stimmen. So war es denn geblieben.

Als Martin nun durch das Dorf langsam gegen seine Behausung zuschritt, begegnete er dem alten Pfarrer, welcher soeben den Holzwirth verlassen hatte.

Herr Steidler!^

Guten Abend, Hochwürden!"

Guten Abend!"

Sie blieben stehen am Wege und reichten sich die Hande. Ich wollte Sie soeben aufsuchen," begann der Pfarrer. Mich?"

Ja, der alte Holzer trug mir auf, ich sollte Sie er­suchen, Sie möchten sich sofort za ihm begeben."

auf einer Vermuthung. Von zuverlässiger Seite wird ver- I sichert, daß noch keinerlei Entscheidung darüber getroffen sei, | ob und wann der genannte Entwurf im Reichstage wiederum zur Vorlegung gelangen werde.

Auch der Wahlaufruf der preußischen Gon» servativen für die bevorstehenden Landtagswahlen ist nunmehr erschienen. Die erwähnte Kundgebung gedenkt mit Befriedigung der Reformirung der directen Steuern, welche langjährige Forderungen der konservativen Partei erfüllt habe. Im Weiteren fordert der Wahlaufruf Beseitigung der Mängel bei der neuen Landgemeinde-Ordnung, Organisation deS Dolksschulwesens auf christlicher und confessioneller Grund­lage, Erhaltung und Förderung des Bauern» und des Hand­werkerstandes.

Das vom Finanzminister Dr. v. Riedel in der neu­gewählten bayerischen Abgeordnetenkammer ge­gebenes Finanzexpose weist durch den Rückblick auf die Frankfurter Finanzminister-Gonferenz ein allgemeines Interesse auf. Herr v. Riedel hob in seiner Darlegung hervor, daß die Frankfurter Minister-Gonferenz beschlossen habe, unter strengster Wahrung des föderativen Gedankens der Reichs­verfassung und der Reservatrechte, sowie des Budgetrechtes des Reichstages eine sefte Regelung der finanziellen Be­ziehungen des Reiches und der Einzelstaaten anzubahnen, um die letzteren gegen überschießende unregelmäßige Matricular- beiträge zu schützen. Als wünschenswerth bezeichnete es ferner der Minister, den Einzelstaaten einen ziffernmäßigen Autheil an den Reichszöllen und den indirecten Reichssteuern zu sichern, und die Reichsschulden zu vermindern. Schließlich erklärte Herr v. Riedel, man habe sich in Frankfurt dahin geeinigt, die Reichsausgaben lediglich auf dem Wege iu- directer Steuern durch eigene Reichseinnahmen zu decken und die Reichsschuldenlast zu mindern, unter möglichster Schonung der Minderbemittelten und theilweiser Belastung b$z Produ­centen.

Gegen die Besteuerung des Weines. Die Bürgermeister sämmtlicher weinbautreibenden Gemeinden der Pfalz haben einen Ausruf an die Bevölkerung erlassen, worin auf die Gefahr hingewiesen wird, welche dem Weinbau durch

's Marterl von St Egyd.

Eine Erzählung aus den Bergen von Oscar Linden.

(Schluß.)

Und hab ich's, Marie? Marie, ich bin damals Zeuge i .Pvesen, wie mein Bruder, der den Stutzen auf ihn angelegt ! inb geschossen hat, und ich hätt' reden können, wenn ich rollen hält! Ich Habs nicht gethan, ich könnt meinen Bruder ichü ins Griminal bringen, und doch ist für mich darum die kergeltung kommen. Hat nicht der Jäger sich in unser Jfoib verliebt, hat nicht das Mädel auch das Gleiche gethan?" j

Und Gott hat Dir damit die Sühne in die Hand geben nb Du, Anton, hast auf Gott nicht gehört und dem Steidler- kl'artin, wie er um die CreScenz geworben hat, einen Ab- »stlag gegeben. War das nothwendig, Snton ?/z

Der Kranke richtete sich in seinem Bette empor.

Hält' mich der Jäger nicht immer an die unselige That reines BruderS erinnert. Wär' mir der Mensch hier im sause nicht wie mein lebendes Gewissen immer vor mir ge» f'inbcn ? Marte, ich bin der Unglückliche, denn ich hab die kchald von meinem Bruder büßen müssen, daß wir beide faxt und oft gewildert haben, daS will ich nicht leugnen, tnb warum ist gerade an jenem Abend der Jäger uuS in 4 t Schußlinie gekommen? Und er hat zuerst geschossen, ! turn erst mein Bruder. Noch heut seh ich's vor mir! Ich

wie der Schuß kracht, wie der Jäger mit dem Gesicht vorwärts fällt und mein Bruder aüf und davon läuft!"

Er verhüllte mit beiden Händen sein Angesicht und weinte M vor sich hin.

Die Frau saß mit sanfter Ruhe vor ihm und suchte Hn zu trösten.

Da pochte es an die Thsir.

Herein!"

Der Pfarrer und Crescenz traten ein.

schwindels schreibt dieVoss. Ztg.": Wie wir kürzlich mittheilten, wird die Frage wegen Bekämpfung des Geheim­mittelschwindels von den zuständigen Organen der Reichs­verwaltung mit Aufmerksamkeit verfolgt und handelt eS sich jetzt um die Entscheidung über die bisher in Vorschlag ge­brachten Maßregeln. Dahin gehören, außer den bereit- erwähnten Resolutionen des deutschen AerztevereinSbundeS, auch folgende Vorschläge des Ober-MePjcinalauSschusses für daS Königreich Bayern: 1) Generelles Verbot der Ankündi­gung und Anpreisung von sogen. Geheimmitteln, auch wenn deren Zusammensetzung bekannt gegeben ist. 2) Feilhaltung von Geheimmitteln nur in Apotheken. Um aber das Empor- blühen und Ueberwuchern des Geheimmittelunwesens in den Apotheken zu verhindern, ist es nöthig, unzweideutige Be­stimmungen zu erlassen, die den Geheimmittelverkehr in Apotheken regeln und in Schranken halten. 3) Erlaß einer Bestimmung, die gewährleistet, daß bg: Großhandel mit Ge­heimmitteln nur in solchen Bahnen sich bewege, die mit der Concentrirung des Geheimmittelhandels in den Apotheken in Einklang stehen. 4) Regelmäßige amtliche Untersuchungen der Gehelmmithel, sowie die Veröffentlichung deS Unter­suchungsergebnisses. Don anderer Seite ist in einer Eingabe an den Reichskanzler die Errichtung einer Reichsbehörde in Vorschlag gebracht, der dje Unterscheidung und Prüfung, jede- Gcheimmittcls vor der Erlheilung deö Verkaufsrechts an die Apotheker, die Festsetzung des Verkaufspreises und die Be­stimmung darüber übertragen werden sollen, ob das zum Verkauf, zugelassene Geheimmittel im Handverkauf oder nur auf ärztliche Verordnung an daS Publikum verabfolgt werden darf. Das Landes Medicinal-Collegium des Königreichs Sachsen hat dem Reichskanzler die ausländischen Geheimmittel und pharmaceutischen Specialitäten als geeignet für höhere Eingangszölle empfohlen.

Ueber das Befinden desFürstenBismarck erfahren dieHamburger Nachrichten", daß die Reife de- Fürsten Bismarck noch verschoben sei, weil der hohe Herr sich noch etwas schwach fühlt. Der Fürst werde voraus­sichtlich am Samstag den 7. October in FriedrichSruh ein­treffen. DaS Blatt richtet wiederholt an daS Publikum der verschiedenen Stationen, die der Fürst auf seiner Reise pasfirt, die Mahnung, sich, aller Ovationen und privaten Begrüßungen aus ärztlichen Gründen thunlichst zu enthalten. Es sei mit Bestimmtheit darauf zu rechnen, daß der Fürst während der Reise dem Publikum kaum sichtbar werden würde. Außerdem wird noch besonders hervorgehoben, daß sich der Fürst nach seiner Ankunft in FriedrichSruh nach, der anstrengenden Reise

Gießen, den 4. October 1893. Sttc.: Die Herbstübungen der Großh. (25.) Division, hier die Abschätzung der Flurschäden.

Großherzogliche Kreisamt Gießen

* die Bftrgrrmdfktrtnt des «reifes.

Sofern in Ihren Gemarkungen Flurschäden aus Anlaß la Manöver entstanden sind und hierfür Vergütung aus Ian Militärfonds in Anspruch genommen wird, ist die hier- aufzunehmende Nachweisung, soweit dies noch nicht ge- ßchehen sein sollte, umgehend an uns einzusenden. __v. Gagern.___________________ Gießen, den 4. October 1893.

Stlr.: Die Herbstübungen im Jahre 1893; insbesondere die Berechnung der Servis-, Fourage- und Vor­spannvergütungen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen aa die Grosth. Bürgermeistereien der Land­gemeinden des Kreises.

Soweit Sie unserer Verfügung vom 25. v. M. Anzeiger K. 227 noch nicht entsprochen haben, werden Sie noch- mls an die sofortige Einsendung der Quartier- und Horspanubescheinigungen, sowie Fouragequittungen oit hem Anfügen erinnert, daß die Bescheinigungen über die verabreichte und von den Truppen gleich zur Gemeindekasse bezahlte Marschverpflegung nicht miteinzusenden, vielmehr dem Gemeinde-Einnehmer mit Einnahme-Anweisungen zustellen sind, v. Gagern.

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