1893
Donnerstag den 6. April
Gießener Anzeiger
Keneral-Unzeiger
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Aints- und Anzeigeblatt für den Aveis Gietzen.
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Neueste r^aehrichten»
Depeschen deS Bureau „Herold".
Berlin, 4. April. Die „Voss. Ztg." meldet aus Posen, der commandirende General des fünften Armeecorps, General der Infanterie von Seeckt, beabsichtige von seinem Posten zurückzutretrn.
Berlin, 4. April. Heute Morgen sand eine Versammlung der unabhängigen Socialdemokraten statt, in welcher über die Maifeier berathen wurde. Die Fraktion wurde scharf angegriffen. Nicht demonstriren, sondern agitiren müsse man am 1. Mai. Durch alle Reden klang die Absicht, die Mai
sei. Am nächsten Sonntag
Heizer dauert fort.
Amberg, 4. April. Der „Amberger Volksztg." zufolge in Beinschwang (Oberpfalz) 21 Firste abgebrannt.
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Deutsches Reich.
Berlin, 3. April. Das Deutsche Kaiserpaar macht die Reise durch die Schweiz auf der Gotthardtbahn, von Basel nach Luzern fahrend. Der kaiserliche Zug zählt über 30 Wagen. Da das Deutsche Reich einer der SubventionS- siaaten ist, wird die Gotthardtbahn den Zug unentgeltlich führen. Die Reise geschieht incognito, weßhalb eine Begrüßung durch den Bundespräsidenten, die für Basel geplant war, unterbleibt.
Berlin, 4. April. Mit allseitigem Interesse sieht man dem Ausfälle der auf den 3. Mai anberaumten Ersatzwahl im Reichstagswahlkreise Dortmund entgegen. Dieses Interesse erklärt sich einerseits aus dem Zeittermin der Dortmunder Nachwahl, denn dieselbe wird gerade zur Zeit vorgenommen, in welcher im Reichstage aller Voraussicht nach die letzte Entscheidung in Sachen der Militärvorlage fallen wird. Anderseits blickt man dem Ausgange der Reichstagsnachwahl in Dortmund auch deshalb mit Spannung entgegen, weil der genannte Wahlkreis zu den von den Parteien mit am meisten unterwühlten im ganzen Reiche gehört. Nationalliberale, Centrum und Socialdemokraten sind hier die drei Hauptparteien, daneben sind jedoch freisinnige und demokratische Elemente in nicht unerheblicher Anzahl vorhanden und neuestens machen sich im Dortmunder Kreise auch die Anzeichen der Bildung einer antisemitischen Richtung bemerklich. Dieses Vorhandensein der heterogensten Partei- elcmente hat im Dortmunder Kreise immer besonders erbitterte Wahlkämpfe gereitigt und solche werden auch bei der bevorstehenden Ersatzwahl schwerlich ausbleiben. Hebet deren Ausgang läßt sich in Anbetracht der eigemhümlichen Partei- Verhältnisse durchaus nichts Bestimmteres sagen, nur das Eine ist gewiß, daß es wiederum zu einer Stichwahl kommen wird, und in dieser dürfte die nationalliberale Partei Mühe haben, ihr Dortmunder Mandat zu vertheidigen.
— In Berlin sieht man nächstens dem Eintreffen des neuen am erikanischen Gesandten, Mr. Theodor Runyon, entgegen. Derselbe bekleidete bislang eine Advocatur in New-Jerscy und ist als Politiker im Parteileben der Union eigentlich niemals sonderlich hervorgetreten. Wenn ihm nun trotzdem vom Präsidenten Cleveland der wichtige Gesandtschaftsposten in Berlin übertragen worden ist, so verdankt er diese Auszeichnung seinen hervorragenden persönlichen Eigenschaften, wie seiner angesehenen Ehrenstellung als Kanzler des Staates New-Jersey. Mr. Runyon steht bereits im 71. Lebensjahre, er erfreut sich aber noch großer körperlicher Rüstigkeit und bewundernswerther geistiger Frische.
Verwaltung behilfliche Momente, sich ein Bild seiner Ideen zu machen. Der Artikel schließt, bei der Annahme des Antrages Bennigsen würde die geplante Wirkung innerhalb des beantragten Zeitraumes practisch völlig durchführbar sein, die Verlage werde in ihren wesentlichen Bestandtheilen nicht nur abgeschwäckt, sondern aufgeschoben.
Altona, 5. April. Der bekannte Bankier Stapelfe ldt wurde wegen Unterschlagung von etwa 30,000 Mk. Depotgeldern verhaftet. Viele kleine Leute sind betheiligt.
Hamburg, 4. April. Der Aus st and der Trimmer
anderen Directionen lang entzogene Subvention der Stadt und Königlichen Universität Herrn Director Baars in An- erkennung seiner tüchtigen Leistungen in namhafter Höhe bewilligt wurde. — Wir weisen nochmals darauf hin, daß morgen Abend in der Oper „Martha" das ganze zahlreiche Personal auftreten wird. Wie wir bereits gestern meldeten, wird die zweite Vorstellung „Der Bettelstudent" sein, eine gewiß vortreffliche Wahl. Im Interesse unserer Leser machen wir nochmals auf den Ankauf der Serienkarten aufmerksam, da sich dadurch der Eintrittspreis bei Weitem billiger stellt.
** Eisenbahnnnfall. Der am ersten Osterfeiertag Morgen» um 9 Uhr 20 Min. von Marburg nach Frankfurt abgelassene Personenzug wurde unterwegs von einem kleinen Mißgeschick betroffen. Als der Zug die Haltestelle Niederweimar hinter sich hatte, zerbarsten an der Maschine einige Siederöhre, wodurch die letztere so schadhaft wurde, daß sie den Zug nur langsam bis Fronhausen weiterschleppen konnte. Hier mußten dann die Passagiere so lange liegen bleiben, bis eine andere telegraphisch herbeigerufene Maschine von Gießen eingetroffen war, welche den Zug weiterführte. Die erlittene Verspätung betrug nahezu 45 Minuten und wurden namentlich in Gießen alle Anschlüsse versäumt, was den im Zuge befindlichen Feier- tags-Ausflüglern sehr ungelegen kam.
Verhaftet wurde gestern ein hiesiges Dienstmädchen, welches eine seiner früheren Dienstherrschaften bestohlen hatte, außerdem ein auswärtiger Taglöhner wegen verschiedener Betrügereien.
*♦ Frühzug Gießen—GroßenBnfeck. Im Interesse des reisenden Publikums wird darauf hingewiesen, daß der vom 10. April d. I. von Großen-Buseck nach Gießen verkehrende Zug (Abfahrt von Großen-Buseck 5 Uhr 47 Min. M. E. Z.) nicht nur Arbeiter sondern überhaupt Reisende und Schüler befördert. Es ist begründete Hoffnung vorhanden, daß der Zug auch von letzteren recht fleißig benutzt wird.
’* Die Einheitszeit ist nunmehr mit Ausnahme Frankreichs, Spaniens und Rußlands in ganz Europa eingeführt oder es steht ihre Einführung nahe bevor, denn auch die noch fehlenden Staaten Italien, Griechenland und die Schweiz werden noch im Laufe dieses Jahres dazu gelangen.
♦♦ Botanische Gesellschaft für Hessen - Nassau und Hessen. In Folge Anregung aus fachwissenschaftlichen Kreisen fand vor einigen Tagen eine Versammlung von Botanikern aus der Provinz Hessen-Nassau und dem Groß- herzogthvm Hessen in Frankfurt statt. Die Versammlung war zahlreich besucht und nach eingehender Vor- berathung wurde eine „Botanische Gesellschaft für die Provinz Hessen-Nassau und das Großherzogthum Hessen" gegründet. Die Leitung der Geschäfte der Gesellschaft wurde einem Marburger Herrn Wilhelm Lorch übertragen.
** Am 25. und 26. Mai wird in Görlitz die bret- zehttte Jahresversammlung des Deutschen Vereins für Armenpflege und Wohlthätigkeit abgehalten. Folgende Gegenstände sollen berathen werden: Uebrrsicht über die neuen Bestrebungen auf dem Gebiete der Armenpflege in den für uns wichtigsten Staaten des Auslandes, Berichterstatter Bezirkspräsident z. D. Freiherr v. Reitzenstem, Freiburg i. Br.; Mittheilung über den Gang der Arbeiten der Com- Mission zur Prüfung der Frage, in welcher Weise die neuere sociale Gesetzgebung auf die Aufgaben der Armengefetzgebulig und Armenpflege einwirkt, Berichterstatter Magistrats-Assessor Dr. Freund, Berlin- Fürsorge für Obdachlose, Berichterstatter Bürgermeister Lange, Bochum und Bezirkspräsident z. D. Freiherr v. Reitzenstein, Freiburg i. 23.; Fürsorge für entlassene Sträflinge, Berichterstatter Bürgermeister a. D. Herse, Posen, und Pfarrer Schlosser, Gießen; Zwangsmaßregeln gegen arbeitsfähige Personen, welche ihre Angehörigen, zu deren Unterhalt sie verpflichtet sind, der Armenpflege anheimfallen lassen, Berichterstatter Beigeordneter Zimmermann, Köln; vormundschaftliche Befugnisse der Armenbehörden und ihrer Organe, Berichterstatter Stadtrath Ludwig-Wolf, Leipzig, und Landrichter Dr. Aschrott, Berlin.
" Wichtige GerichtSeutscheiduug. Ist beim Engagement eines Handlungsgehülfen zwischen diesem und dem Prinzipal vereinbart, daß der Handlungsgehülfe sich verpflichtet, innerhalb einer bestimmten Zeit seine Stellung nicht zu kündigen und, falls er, gleichviel aus welchem Grunde, abgeht, eine Conventionalstrafe zu zahlen, so ist, nach einem Hrtheil des Reichsgerichts, 1. Civilfenats, vom 10. November 1892, diese Conventionalstrafe von dem Handlungsgehülfen zu zahlen, sowohl wenn er eigenmächtig abgeht, als auch wenn er arglistig ober grob fahrlässig den Prinzipal nöthtigt,
findet eine Versammlung statt, in welcher die Maifeier end- gütig festgesetzt werben soll.
Berlin, 5. April. Die „Nationalzeitung" brachte in ihrer gestrigen Abendnummer aus einer vom Centralbureau der nationalliberalen Partei herausgegebenen Schrift Angaben Über die Militär v o rlag e und führte hierbei aus, bie Unrichtigkeit ber Behauptung Caprivis, der Antrag Bennigsen biete nur eine Zahl und keine Organisation, sei nachgewiesen. Hierauf erwiderte anscheinend Caprivi in der heutigen Nummer ber „Nordd. Allgem. Ztg.", das Angebot Bennigsen von
feier zu erzwingen, was jedoch bei der großen Gleichgültigkeit ber Arbeitermaffen unthunlich
Locales tutb j-rovlnzielles.
Gießen, 5. April 1893.
— Proviuzialausschuß Sitzung. Samstag ben 8. April l. I., Vormittags 9 Uhr beginnenb, finbet im Regierungs- gebäube zu Gießen eine öffentliche Sitzung bes Provinzial- Ausschuffes ber Provinz Oberheffen mit nachstehender Tages- orbnung statt: 1. Beanstanbung bes Voranschlags ber Gerneinbe Ettingshausen für 1893/94. 2. Recurs bes Hofmetzgers G. Möhl in Gießen gegen einen Polizeibefehl Jbe§ Großh. Polizeiamts bafelbft wegen seines Häute-Trocken- speichers. 3. Recurs bes PH. Schomber II. aus Beuern gegen einen auf ben Umbau seiner Scheuer bezüglichen Polizeibefehl bes Großh. Kreisamts Gießen. 4. Recurs bes Joseph Fürth in Friedberg gegen einen sein Bauwesen betreffenden Polizeibefehl des Großh. Kreisamts Friedberg. 5. Beschwerde verschiedener Einwohner von Friedberg wegen Anforderung von Canalbeiträgen. 6. Antrag ber Gerneinbe Wölfersheim auf Enteignung ber Hofraithe bes Krb. Klee unb Chr. Dauern« heim von ba behufs Verbreiterung ber Ortsburchfahrt. 7. Beanstanbung des Voranschlags ber Gerneinbe Kirtorf für 1893/94.
“ Hochschul-Nachrichten. Unter Bezugnahme auf bie unter vorstehenber Spitzmarke in voriger Nummer gebrachte Mittheilung, betr. bie Haltung von forstwiffenschaftlichen Vorträgen von Oberförster Dr. Martin, wirb uns von zu- stänbiger Seite mitgetheilt, baß bie betreffenbe Mittheilung sich nicht bestätigt.
** Kuustvereiu für das Großherzogthum Hessen. Zum Präsidenten des Kunstvereins wurde ber frühere Siaats- minifter Freiherr von Starck gewählt, nachdem ber zum Museumsbirector ernannte Geheimerath v. Marquarb bieses Amt niebergelegt.
** Neues Theater. Heber bie Oper „M arth a", welche morgen zur Eröffnung ber Frühjahrs-Saison gegeben wirb, schreibt bas „Greifswalder Tageblatt" u. A.: „Der heutige Sonntag brachte uns die erste Oper der Ba ar S'schen Gesellschaft und war'die Aufführung dieser wunderlieblichen Oper eine in jeder Beziehung vollkommene zu nennen. Sänger unb Orchester wetteiferten, um jebe einzelne Nummer zur vollsten Geltung zu bringen, unb würbe auf biefe Art ein Ensemble geschaffen, wie man baffelbe nur an Bühnen ersten Ranges gewohnt ist. Die Darsteller ber Hauptpartien waren vollstänbig ben gestellten Aufgaben gewachsen unb mußten verschobene Nummern da capo gesungen werben. Don wunberbarer Wirkung war bas herrliche Finale bes brüten Actes: „Mag ber Himmel Euch vergeben" unb mußte ber Vorhang nach Schluß bes Actes breimal hochgezogen werben, eine gewiß berebte Thatsache ber Anerkennung unseres sonst so referbirten Publikums." Die ferneren Aufführungen ber
SierttUdtjngc» IlmmotüKito I 2 Mark 20 Pfg. »U vringrrlohn. Durch dir Post bqeyfc 2 Mark 50 W-
«ebaction, tp<btti»w unb Drucke«:
Ausland.
— In ber belgischen Jnbustriestabt Gent hat währenb der Osterfeiertage ein internationaler Socialistencongreß ftattgefunben. Auf bem (Songreffe kam hauptsächlich bie Frage des allgemeinen Stimmrechtes zur Erörterung unb würben eine Anzahl bezüglicher Beschlüsse gefaßt. Am Montag Nachmittag würbe ber Congreß geschlossen; berfelbe nahm in feiner Schlußsitzung Resolutionen zu Gunsten des Stimmrechtes der Frauen und zu Gunsten ber Vertretung ber belgischen Arbeiterpartei auf bem in Zürich abzuhaltenben nächsten Socia- Üftencongreffe an.
BimptrtWn ßmife, Äffer« dm tltßanft öofoming non zum 1. Juli, auf Wunsch zu vermielhm. Pserdeftall cemise tSrnim mltyaW
Spuller.
Paris, 5. April. Das Ministerium Dupuy ist zu Staube gekommen, nachbem für Lockroy unb Millarb Senator Guerin unb Terrie eingetreten finb.
London, 5. April. Ein Telegramm des „Standard" ans Berlin, der deutsche Botschafter in Paris trete aus Gesundheitsrücksichten zurück, wird offiziell bementirt.
Rom, 4. April. Sar bin al Apolloni ist gestern Abenb gestorben.
Petersburg, 4. April. Entgegen anberweitigen Melbungen wirb nunmehr versichert, baß Professor Haffkin in Jnbien bie Choleraimpfungsmethobe an Menschen prüft.
-Qimtner mit Wincl unb ^rantfuTterH^yL MwMürs Slmmttiuw»
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Kirche würbe nur mühevoll gerettet.
Paris, 4. April. Nach ben letzten Nachrichten bürfte
Ministerium Dupuy zu Staube kommen, welches folgenbermaßeu zusammengesetzt sein wirb: Inneres unb Präsibium Dupuy, Finanzen Peytral, Justiz Millarb, Aeußeres Develle, Hanbel Lockroy, Bautep Vielte, Ackerbau Vigs, Krieg General Loizillou, Marine Rieunier, Huterricht Lacroix ober
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Kübel.
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