Srt
1893
Nr 5
Aints- und Anreiseblatt für den Kreis Gissten.
HraLisbeitage: chießener Kamikienblätter.
2lmtlid?cr Tbeil
und fuhr mit ihrem großmüthigen Beschützer nach Schloß
Feuilleton
Waldstein.
II.
So war man in
Die Lehrerinnen
aber die Mitschülerinnen
Freitag den 6. Januar
Lllr Annoncm-Bureaux M In- und Auslandes nttjm« Lnzriaeu für den „«ikßraer Anzeiger" entgegen.
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Isa ?"
Zwölf Jahre find vergangen- es ist Frühling geworden. An den Weiden schauen die seidigen Kätzchen hervor, die Veilchen und Anemonen heben die Köpfchen, um die milde Frühlingsluft einzuathmen, und in dem blauen Aether schmettert die Lerche ein neues Jubellied. Pferdehufe Hingen durch den Wald, dann erschallt ein neckisches Lachen aus jugendlicher Kehle und jetzt werden auch die Reiter sichtbar, ein ernster, älterer Herr von etwa sechzig Jahren und ein junges, rosiges Mädchen mit blauen, strahlenden Augen und
der Pension nicht gut gegen Dich, und die Frau Vorsteherin gewiß, nur theilweise. Siehst Du, Onkel
Annahme eon Anzeigen zu der Nachmittags für bee tilgenden Tag ^scheinenden Nummer bis vor». 10 W»
Pension! Es war, als Finfterniß."
Deutsches Reich.
Berlin, 4. Januar. Obwohl die Neujahrsansp rache des Kaisers an die commandi renden Generäle noch nicht in ihrem Wortlaute vorliegt, so steht doch mindestens fest, daß man es mit einer bestimmten Willenskundgebung des erlauchten Monarchen in Sachen der schwebenden Militärfrage zu thun hat. Seitens des obersten Kriegsherrn ist den versammelten deutschen Corpsfllhrern gegenüber die Durchführung der beabsichtigten Heeresreform als eine militärische und politische Notwendigkeit für Deutschland bezeichnet worden, unter Hinzufügung des Ausdruckes der zuversichtlichen Erwartung, es werde sich die Erkenntniß hiervon immer mehr Bahn brechen. Schließlich betonte der Kaiser, daß er fest zu der Vorlage der verbündeten Regierungen strhe. So wenigstens giebt der officielle „Reichsanzeiger" den wesentlichsten Inhalt der kaiserlichen Ansprache wieder und mit letzterer hat demnach der bekannte bisherige Standpunkt des Reichskanzlers Grafen Caprivi in der Militärfrage vlötzlich eine gewichtige Verstärkung erfahren. Klar und bestimmt versichert das erhabene Oberhaupt des Reiches, daß es der Militärvorlage voll zustimme, und gestützt auf diese bedeutsame Erklärung seines kaiserlichen Souverains, wird der Reichskanzler sicherlich auch fernerhin energisch für die Militärvorlage in ihrer jetzigen Gestalt eintreten. Sollte sich infolge dessen die Unmöglichkeit einer Verständigung zwischen Reichsregierung und Parlament Herausstellen und nun die Militärvorlage wirklich zu Falle kommen, so wäre alsdann wenigstens der Eintritt einer Kanzlerkrisis angesichts -er Uebereinstimmung zwischen Kaiser und Kanzler in der Militärfrage wohl als ausgeschlossen zu betrachten. In der logischen Weiterentwickelung der Ereignisse würde nachher die Reichstagsauflösung zu liegen haben, dennoch muß zunächst noch immer dahin gestellt bleiben, ob diese scharfe Wendung in der That schließlich unvermeidlich sein würde.
— Das Arbeitsmaterial des Reichstages wird in den ersten Wochen nach Ablauf der Weihnachtsferien ver-
muthlich eine weitere Vermehrung erfahren. Dieser ^age ist dem Bundesrathe ein neuer Gesetzentwurf zugegangen, welcher sich auf Abänderung der bestehenden Maß- und Gewichtsordnung bezieht und wird die Vorlage voraussichtlich auch baldigst an den Reichstag gelangen. Ferner ist begründete Aussicht vorhanden, daß der angekündigte Entwurf eines Reichsseuchengesetzes demnächst aus dem Reichsamte des Innern dem Bundesrathe zugehen wird, womit dem Reichstage ein weiterer und in seiner Art besonders wichtiger gesetzgeberischer Stoff zuwachsen würde.
— Die Centrumspartei ist im Reichstage mit einer größeren Action in Gestalt verschiedener Initiativanträge hervorgetreten. Dieselben beziehen sich auf Abänderungen der Reichsgewerbeordnung, ferner des Ge- nossenschastsgesetzes vorn 1. Mai 1889 und endlich der Concursordnung. Die Anträge erstgenannter Art bezwecken eine erhebliche Einschränkung des Hausirgewerbes sowie des Betriebes der Consurnvereine. In letzterer Beziehung ist hervorzuheben, daß die Consurnvereine auch dann einer besonderen Erlaubniß zum Kleinhandel mit Branntwein oder Spiritus bedürfen sollen, wenn sich der Vertrieb auf den Kreis ihrer Mitglieder beschränkt. Sehr weitgehend sind die vorgeschlagenen Einschränkungen des Gewerbebetriebes im Umherziehen und sollen z. B. eine ganze Reihe specieller Verkaufsartikel, wie Tabak, Cigarren, alle Lieferungswerke u. s. w. künftig vom Feilbieten im Umherziehen gänzlich ausgeschlossen sein. Die beantragten Abänderungen des Genossenschaflsgesetzes zielen ebenfalls auf eine Beschränkung des Geschäftsverkehres der Consumvereine. Hinsichtlich der Concursordnung endlich beantragt das Centrum eine Verschärfung derselben, wodurch hauptsächlich dem Treiben der böswilligen Concursmacher entgegengetreten werden soll. Jedenfalls werden die genannten Ccntrumsanträge im Reichstage, soweit sie überhaupt zur Beraihung gelangen, lebhafte Debatten veranlassen.
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Irrwege.
Novelle von F. von Pückler.
(4. Fortsetzung.)
Angstvoll schmiegte sich das kleine Mädchen an ihn- eS war alles um sie her so fremd, so ungewohnt und nur Onkel Alfreds Nähe tröstete sie.
„Mama ist beim lieben Gott und Du wirst sie Wiedersehen," hatte er gesagt und sie glaubte fest daran- sie sollte so lange bei ihm bleiben, das war eine wunddrschöne Aussicht ! Den Vater vermied sie scheu und ängstlich, denn sie kannte nur zu gut seine jähen Zornausbrüche, vor denen selbst Mamas sanfte Worte verstummten.
Es war geschehen, der Sarg mit Alicens sterblicher Hülle hinabgesenkt in die Erde.
Volkert, Waldstein und Isa weilten noch eine Zeitlang im stummen Schmerze an dem Grabe. Als sich dann Waldstein umwandte, um Volkert zur Rückfahrt aufzufordern, war dieser schon verschwunden. Kopfschüttelnd blickte Waldstein dann noch auf das stille Grab und auf das verlassene Kind und schritt dann langsam mit demselben dem Ausgange des Friedhofes zu.
Bald darauf fuhren Waldstein und feine kleine Schutzbefohlene im geschlossenen Wagen in den Gasthof zurück und ersterer frug, ob Herr Volkert schon zurück sei.
„Ja, er sitzt unten im Gastzimmer und hat sich soeben eine Flasche alten Wein geben lassen."
Waldstein erbleichte, schickte Isa mit einem Dienstboten hinauf in sein Zimmer und ging selbst zu Volkert, er sand ihn mit geröthetcm Gesicht und in weinseliger Stimmung.
jungen.
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Der Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MontagS.
Die Gießener A«»itte«StSl-er -»abtn dem Anzeiger »ächrntlich dreimal
Leigdegt
Bekanntmachung.
Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntniß, daß das Proviant-Amt Dackenheim fortgesetzt Hafer, Heu und Roggenrichtstroh (Flegeldrusch) vorzugsweise von Producenten ankauft.
Gießen, den 2. Januar 1893.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
blondem Haar. .
„Onkel Alfred, welch ein schöner Geburtstagjubelte Isa, denn sie war die erwachsene junge Dame. „Das habe ich mir vor allem gewünscht, mit Dir auf das Buchenplateau reiten zu können, sobald ich das neue Kleid besitze."
Und sie blickte ganz befriedigt auf das knapp anliegende schwarze Reitkleid, welches die schlanke Figur noch mehr zur Geltung brachte- hatte ihr doch daheim schon der Spiegel gesagt, daß sie gut aussähe.
„Und auch ich bin froh, mein Liebling, Dich aus der Pension zurück zu haben," erwiderte Herr v. Waldstein zärtlich, „denn wenn die Ferien vorüber waren und Du fort mußtest, wurde es so einsam hier."
„O, aber Du hattest doch Tante Sophie und den schönen Wald, ferner die treuen Hunde und hier meinen braven Rappen. Wie anders hingegen war es für mich in der sei ich ausgestoßen in die äußerste
Neueste
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 4. Januar. Die Abreise des Kaisers nach Sigmaringen erfolgt Sonntag Abend über Halle, Ritschenhausen, Würzburg', Mergentheim und Ulm, die Ankunst in Sigmaringen Montag Mittag um 1 Uhr. Die Rückreise erfolgt Mittwoch früh über Villingen, Offenburg, Karlsruhe, wo der Kaffer von Mittags 1 bis Abends 10 Uhr verbleibt.
Saarbrücken, 4. Januar. Gegenwärtig sind 21,000 Arbeiter im Ausstande. In Puettlingen und Bexbach kamen Ruhestörungen vor. In Mittel-Bexbach wurde der zur Ruhe mahnende katholische Geistliche bedroht. Die gestrige Bildstocker Versammlung von etwa 3000 Personen ermächtigte den Vor-
„Ah, mein lieber Herr von Waldstein, freut mich, Sie zu sehen! Ich muß mein Unglück mit eiserner Ruhe ertragen, denn ich muß morgen Abend im Circus auftreten, sonst verliere ich mein Engagement und kann bann verhungern.
„Ich komme zu Ihnen wegen des Kindes, Herr Volkert, sagte Waldstein ruhig. .
Ach charmant! Sie thun mir in der That einen Gefallen, denn wissen Sie, bei meinem neuen Engagement wäre mir das Kind eine Last." ,
Doch ich knüpfe eine ernste Bedingung an die Aufnahme Isas, Herr Volkert. Sie dürfen sich niemals in die Erziehung Isas mischen."
„Nein, natürlich nichtNur reiten muß sie lernen, um einst als meine Tochter in der Manege zu brillieren. Ver- stehen Sie? Es that mir immer leid, daß meine arme Alice —"
Er begann laut zu schluchzen, aber Waldstein unterbrach ihn rauh, während die Zornesader an seiner Stirn schwoll. „Still von ihr jetzt, Mensch! Wir wollen hier am Weintisch nicht Alicens Andenken schänden!"
„Aber erlaubende doch!" rief Volkert ganz betroffen.
„Nun, lassen Sie nur jetzt die Klagen, Herr Volkert! Es bleibt also dabei, daß Sie das Kind meiner Obhut überlassen?" t .
„Ja, ja, Herr von Waldstein!" erwiderte der Kunstreiter schluchzend.
Und er drückte das roihbaumwollene Taschentuch vors Gesicht, während Waldstein verächlich ihm den Rücken wandte und das Zimmer verließ. Der Schmerz des betrunkenen Kunstreiters verletzte sein eigenes herbes Leid- in Isas blauen Kinderaugen, bei ihrem heiteren Geplauder wallte er es vergeffen.
Am anderen Morgen nahm Isa Abschied von ihrem Vater, der sich dabei ganz in Schmerz aufgelöst zeigte,
Weßwer Anzeiger
Keneral-Anzeiger.
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stand des Rechtsschutzvereins, an Stelle der verhafteten Marken und Müller Ersatzmänner anzunehmcn. Der neue Präsident Limpert-Wusterweiler theilte mit, an das Ministerium sei eine Eingabe /abgegangen- sodann wurde Fortsetzung des Strikes beschlossen. Eine Versammlung von etwa 3000 Personen in Altenkessel beschloß, weiterzustriken, sowie kürzere Schichten und bessere Löhnung zu fordern. In den umliegenden Orten wurde mehrfach auf Beamte scharf geschossen- die Geistlichkeit wird in den Versammlungen heftig an- Se8tl$ati8, 4. Januar. Der „Eclair" erklärt, er sei ermäch- trat, zu versichern, daß im Cab in et durchweg das vollste Einvernehmen herrsche. Die Meldung, Floquet habe auf die Candidatur als Kammerpräsident verzichtet, entbehrt jeglicher Begründung- Floquet dürfte vielmehr der einzige republikanische Candidat sein. Journalist Tatitschew dementirt die Behauptung der „Libre Parole", daß er von den Geldern der Panama-Gesellschaft 500,000 Francs erhalten habe. — Der „Presse" zufolge bestände das Comits für eine Manifestation am 10. Januar in Folge des Austrittes der Socialisten nur noch aus Anarchisten, die entschlossen seien, um jeden Preis eine Volkskundgebung zn veranstalten.
Newyork, 4. Januar. In der Strafanstalt zu Helena in Arkansas waren 18 Gefangene in auffälliger Weife gestorben und die Unionsregierung hatte einen Arzt dorthin zur Feststellung der Todesursache abgesandt. Derselbe hat nun sein Gutachten dahin abgegeben, daß die Gefangenen einer bösartigen Form von Cholera erlegen feien.
Newyork, 4. Januar. 500 Maskirte griffen das Ge- sängniß zu Bakerville inNordcarolina an und lynchten den Mörder eines angesehenen Bürgers. Sieben Gensdarmen traten der Menge entgegen, wurden aber alle gelobtet. Von den Lynchern fielen 25, darunter angesehene Bürger.
Depeschen des Bureau „Herold".
Berlin, 4. Januar. Die nächste Sitzung des Herrenhauses findet am 19. Januar statt. Auf der Tagesordnung steht die commissarische Berathung des vom Abg. Adickes- Franksurt a. M. eingebrachten Gesetzentwurfs, welcher den Städten zum Zwecke der Erleichterung von Stadterweiterungen Expropriatipnsrecht verleiht.
Berlin, 4. Januar. Nach dem „Berliner Tageblatt ist als Gesandter der Vereinigten Staaten von Nordamerika für Berlin Dr. £ eint er, gegenwärtig Redacteur der „New- Yorker Staatszeitung", ausersehen. Karl Schurz dürfte nach Wien als Gesandter gehen. .
Berlin, 4. Januar. Heber den Zweck der Hierherkunft des russischen Thronfolgers wird der
I Börsenztg." mitgetheilt, der Thronfolger werde dem Kaiser I ein Schreiben des Czaren überbringen und sei ferner beauf-
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