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Donnerstag den 5. Oktober
F-rnsprech« M-
Amts- und Anzeigeblutt für den Areis Giefzen
Gratisbeilage: Hießener Kamitienblätter
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Amtlicher Therl
erftattung.
v. (Sagern.
Frist.
v. Gagern.
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Anzeiger Nr. 27).
Lippen des Jägers.
Avk Lnnoncm.vurraux bei In- und luilanbel nehmen Anzeigen für ben „Gießener Anzeiger^ entgegen.
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lanabme von Anzeigen zu bn Nachmnragi für bm lolgmben Lag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Ubr.
Der Anzeiger «scheint täglich, j* Äulnabme bei Montags.
Die Gießener
Wir empfehlen Ihnen, die Feldgeschworenen zu veranlagen, nach $ 20 der Instruction vom 23. Februar 1833 (Regierungs- lieft S. 105) im Laufe dieses Monats die Gemarkungen zu legelen, um sich von dem Zustande der Grenzen zu unter-- Tiditm und über den Befund in ihr Tagebuch ein Protocoll Lllijr nehmen. Wir machen dabei darauf aufmerksam, daß jigar zu einem Steinsatze ivenigstens drei Feldgeschworene beisammen sein müsien, daß aber an den Nundgängcn, wenn dabei nicht zugleich Steine gesetzt werden sollen, nur zwei ItldAeschworene theilzunehmen haben. Wegen Beseitigung der Dorgriunbenen Mängel wollen Sie das Geeignete veranlasien, wobei namentlich die Ausräumung, Geraderichtung und Er- imierung der Grenzsteine ins Auge zu fasten ist. An den Shtitde-, Gemarkungs-, Flur- und Gewann Grenzsteinen darf jedoch keine Veränderung ohne Mitwirkung eines Geometers 1. .fllasse vorgenommen werden. Die Wahl und Zuziehung dtchlben bleibt Ihnen überlasten; doch wollen Sie da, wo es ßb mm Grenzsteme mehrerer Gemarkungen handelt, sich unter .einan-ber desfalls benehmen. Für die Erhaltung der Par- geßen grengfieine des Gemeindeeigenthums ist auf Gemeinde- loftcii von Ihnen Sorge zu tragen. Wo noch keine Aus. -flnnung des Gemeinde - Eigenthumö stattgefunden hat, beauf- eraqtn wir Sie, den Gemeinderath desfalls zu vernehmen und Mieii Beschluß zu vollziehen. Die an den Parzellengrenz- teintn der Privaten vorgefundenen Mängel sind den Beiheiligten zur Beseitigung zu eröffnen. Im Uebrigen verweisen „„ 2ie auf bas Gesetz vom 23. October 1830 (Reg.-Bl. «5. 463) und bie vorgenannte Instruction vom 23. Februar MA (Reg.-Bl. S. 105), wegen ber Kostenverzeichnisse auf dir Bekanntmachung vom 18. December 1874 (Reg.-Bl. 6. 784) und auf unser Ausschreiben vom 29. Januar 1885
Wer Tuft ?" fragte er laut.
Ich, die CreScenz!"
,Du?" kam es im Tone der Ueberraschung von den
Gießen, ben 3. October 1893.
$etr.: Den Runbgang ber Feldgeschworenen.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
M >U Mrstzh. Bürgermeister eie» des ftwtk*.
ist in weiten Kreisen Deutschlands wie Rußlands der lebhafte Wunsch verbreitet, es möge der beide Theile so schwer schädigende Zollkrieg ein baldiges Ende finden, damit an seine Stelle neugeregelte handelspolitische Zustände zwischen den beiden ja fo vielfach auf einander angewiesenen großen Nachbarreichen treten können.
— Die Arbeiten der von der Reichsregierung schon vor langen Monaten einberufenen Commission zur Unter« suchung der Mißstände im BÜrsenwesen und Fest« stellung entsprechender Reformen nähern sich ihrem Abschluffe. Binnen wenigen Tagen erwartet man die Beendigung der Berathungen des RedactionSauSschustes genannter Commission, alsdann wird das Plenum derselben zur endgiltigen Beschluß« fastung einberufen werden.
— Die Landtagswahlbewegung in Preußen hat jetzt neben dem Wahlaufrufe der Nationalliberalen auch denjenigen der Centrumspartei gezeitigt, Der letztere verlangt in feinen Kernpunkten die confessionelle Volksschule, die Aufhebung der Beschränkungen der Orden, Parität in der Besetzung der Staatsämter und Abhilfe gegenüber dem neuen Wahlgesetz. Der Aufruf behandelt ferner die Ausbesterung der Beamtengehälter und die Förderung des Wohles der Handwerker und der Arbeiter.
— Fürst Bismarcks Memoiren, welche der Fürst kürzlich vollendet hat, hat die Cotta'sche Berlagshandlung in Stuttgart für 500 000 Mark erworben. Die BerkagShandlung ist verpflichtet, mit der Veröffentlichung erst nach dem Tode des Fürsten vorzugehen.
— Der „Hamburger Kurier" weiß über die Unterbringung der durch die neue Heervorlage mehr eingestellten Truppen folgendes mitzutheilen: Demnächst beginnt die sehr umfangreiche Dislocation der durch die letzte Heeresverstärkung neugeschaffenen Truppentheile. Die in Preußen vorhandenen Kasernen können von den 54000 Mann, welche auf das preußische Kontingent kommen, nicht ganz 8000 Mann aufnehmen und selbst diese müsien stellenweise in vorhandenen Barackenlagern und Wellblechbaracken untergebracht werden, die zu diestm Zwecke theilweise einer sehr durchgreifenden baulichen Neueinrichtung unterzogen worden sind. Für etwa 6000 Mann sind neue Baracken mit massiven Umfastungsmauern in der Errichtung begriffen. Endlich sind noch für mehr als 21000 Mann Quartiere in MiethSräumen beschafft, sodaß etwa 19 000 Mann übrig bleiben, für die in Bürgerhäusern Quartiere beschafft werden müsten; doch sind auch für diese schon die nötigen Neben- räume, Ställe und Werkstätten in leichtem Bauwerk für staatliche Rechnung zu beschaffen. Um die Quartierlast, für i die nur verhältnißmäßig geringe Entschädigungen bezahlt *| werden, möglichst bald zu beendigen, sollen zunächst für diese • Truppen neue Kasernen errichtet werden. Die Unterbringung I der gesummten Heeresverstärkung in massiven Kasernenbaute.n
Gießen, ben 3. October 1893. Setc.: Die Ausführung ber allgemeinen Bauorbnung. Das Grotzherzogliche Kreisamt Gieße« a» die Wrosth. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.
Unter Bezugnahme auf unsere Verfügung vom 5. Sep« iflnbtr l. I. — Gießener Anzeiger Nr. 210 — erinnern vir die Rückstänbigen von Ihnen wieberholt an Bericht-
biefem elenden Wetter?"
Er hatte die Ruferin entdeckt und war auf sie zugeschrrtten. Ein froh blickendes, von der scharfen Kälte geröthetes Gesicht schaute ihm lachend entgegen.
„Nach St. Eghd muß ich hinauf. Der Vater will hevt noch mit dem Herrn Pfarrer reden und hat mir aufgetragen, ich soll so schnell als möglich den Weg machen und Du weißt es ja —"
Sie vollendete ihre Rede nicht, sondern sah ihn bedeu- tungsvoll an.
Der junge Mann lächelte. Er hatte daß Mädchen vollkommen verstanden.
„Ich weiß, CreScenz, Dein Vater ist ein Starrkopf, doch was ihn heute anficht, daß Du den schweren Weg nach Sanct Egyd machen mußt, das wissen die Götter."
„Aber Martin V* schmollte sie.
ö war so ein trüber, stürmischer Wintertag, wie deren s ite in dem steierischen Oberlande nicht zu den Seltenheiten |66ten, und die dichten Schneemassen, welche der Wind vor fit hertrieb, verlegten dem Wanderer das Gesicht ganz und gc, so daß man nicht im Stande war, nur wenige Schritte w sich zu sehen, um die Gegenstände wahrnehmen zu firnen. , , v
In diesem Schneesturm schritt an einem Decemberabend M Jahres 1886 ein rüstig gebauter, kräftiger, in die übliche Lindestracht gehüllter Mann in raschem Gange dahin.
Ueber den Schultern trug der Wanderer einen Touristen- nrntel, der seinen Oberkörper gegen die Unbill der Witterung mllkommen schützte, indessen seine Hände in einem Muff aus fyienfett steckten und die hohen Stiefel sich dicht und fest M ihren Schäften an die grünen dicken Schneestrümpfe an« schmiegten. Mit einem geradezu heroischen Muthe kämpfte f»tr Mann gegen den Sturm an und beeilte sich, in dem ihn ßets umgebenden Wirbel des Schnees rasch vorwärts zu kamen. „Hundewetter," brummte er unwirsch vor sich hin, wtB jagen sie Einem hinaus trotz Wind und Schnee und man ej§ seine Pflicht thun, ob man will oder nicht. Lächerlich!" |t$u er bann etwas heiterer gestimmt hinzu, „wie wenn an mm solchen Tage die Wilderer Lust und Liebe zu ihrem
„WaS machst Du auf der Straße in
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dunklen Geschäfte hatten! Die fitzen alle recht gemüthlich bei ihrem Haferbrei und lassens sichs gutfchmecken und gut fein beim warmen Ofen, indessen ich mich hier abquälen muß, um sie vielleicht auf frischer That zu ertappen!"
Der Sprecher war bei den letzten Worten mitten am Wege stehen geblieben unb hatte feine kurze Pfeife aus der Tafche genommen. Indem er nach ächter Jägerart mit Stahl und Schwamm Feuer schlug, setzte er seinen Weg weiter fort. Nach einigen Augenblicken scholl es an fein Ohr:
„Martin! Martin!"
Der Angerusene blieb stehen und versuchte den Ruser in dem dichten Schneewrrbel zu entdecken.
Feuilleton.
’e Marterl von St Egyd.
Eine Erzählung auS den Bergen von Oscar Linden.
(Nachdruck verboten.)
Hoch in den steirischen Bergen lag ber Schnee unb ein kalter Nordwind fegte über bie breite Landstraße dahin wirbelte die feinen, spitzen Eisflocken heftig vor sich her.
Gießener Anzeiger
Keneral-Mnzeiger.
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„Was aber?" ■ n ■ P.'
„Wir haben ja nur einen Gott unb Du bist recht gottlos, weil Du schon wieder mehr hast."
„Aber, Kind, das darfst Du ja nicht so nehmen. Man sagt dies ja so allgemein."
„Aber ich will es nicht," erwiderte sie vorwurfsvoll, „Du sollst nur einen Gott haben, Martin, verstanden?"
Er griff dem frischen Mädchen lachend unter bas volle, fleischige Kinn.
„Ich habe ja nur einen Gott, CreScenz, und es kann ja anders nicht sein, und dieser Gott bist Du!"
„Spötter," sagte sie ernst, „wirft Du denn diese frevelhaften Reden nicht lassen können?"
„O ja!"
„Nun also!"
„Wenn Du mich ein wenig lieb hast, bann geht alles, CreScenz!"
„Und hab ich Dich denn nicht lieb ? Weißt Du, Martin, damals, als der Vater gar fo aufgebracht war, nachdem er erfahren, daß ich Dich lieb hab, da hat es sich doch bewiesen, daß ich Dich gern, so recht von Herzen gern hab!"
„Ich weiß, ich weife!" gab der Jäger ernst zur Antwort, „aber freilich, ber reiche Wirth kann ifein Kind nicht dem armen Jäger geben, dessen Name noch überdies bemakelt ist. Ich hab auch das eingesehen und bin aus dem Forst gegangen. Es sind nun fast zwei Jahr her, daß mich das Schicksal wieder in diese Gegend verschlagen hat, für das, CreScenz, kann ich ja gar nichts."
Sie waren beide weitergegangen unb schritten jetzt ben steilen, beeisten Bergpfab hinan, welcher nach dem hochgelegenen Pfarrhofe St. Egyd führte.
„Du hast ja keine Schuld baran," begann CreScenz
Zu Ende laufenden Monats sind uns Abschriften der in die Tagebücher ber Felbgefchmorenen aufgenommenen Protocolle mit Bericht über Ihre besfalls getroffenen Anorbnungen sammt ben Kostenverzeichnissen von Ihnen vorzulegen.
___v. Gagern.________________
Greß en, ben 3. October 1893.
Betr.: Die Aufnahme taubstummer Kinber in eine Taubstummenanstalt.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
au die Schulvorstände des Kreises.
Diejenigen von Ihnen, bie mit ber Erlebigung unserer Verfügung vom 26. August b. I. — Anzeiger Nr. 205 noch im Rückstanbe sinb, erinnern wir hieran mit 3 Tagen
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5 Logis zu ütnntok?. „Schöne ÄE,
Steckbrief.
Der am 12. November 1872 in Gießen, Kreis Gießen, geborene Schmied Wilhelm Balthasar Heinrich Habermehl, welcher bei ber diesjährigen Aushebung in Grevesmühlen als Rekrut für Jäger-Bataillon Nr. 14 ausgehoben ist, hat sich zuletzt am 6. Juli b. I. von Grevesmühlen nach Lübeck abgemelbet unb ist feitbem unermittelt. Genannter wirb baher aufgeforbert, sich unverzüglich bei bem nächsten Bezirks'Cornrnanbo zu melben; eoent. werben alle Behörben ergebend ersucht, im Betretungsfalle ben rc. Habermehl an bas nächste Bezirks-Commanbo abzuliefern.
Befonbere Kennzeichen: Größe 1,73,5, Narbe am rechten Vorberarm.
Wismar, ben 2. October 1893.
Großherzogliches Bezirks.Commanbo.
Deutsches Reich.
Berlin, 3. October. Seit Montag sind in Berlin die neuen Verhandlungen zur Herbeiführung eines deutschrussischen Handelsvertrages im Gange, die bekanntlich von beiden Seiten durch eigens hierzu ernannte Delegirtc geführt werden. Die Eröffnungssitzung trug allerdings nur einen formalen Character, da sie durch die Vorstellungen der beiderseitigen Delegirten, durch die Feststellung der üblichen geschäftlichen Förmlichkeiten usw. ausgefüllt wurde- die eigentlichen Verhandlungen begannen vielmehr am Dienstag. Den Vorsitz führt der sdeutsche Delcgirte Freiherr v. Thielemann, die, officielle Sprache bei den Conserenzen ist die sranzöstsche, doch sollen die Protocolle außerdem in deutscher und russischer Sprache geführt werden. — Hoffentlich zeitigen die jetzt eröffneten zollpolitischen Verhandlungen zwischen Deutschland unb Rußlanb ersprießlichere Resultate als die früheren, im vorigen Sommer gescheiterten Unterhandlungen. Wenigstens


