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Straße vor. Die Thäter sind ermittelt und zur Anzeige gebracht.
Militärdienstnachrichten. Die Assistenzärzte 1. Kl. der Landwehr 1. Aufgebots Dr. Brückner vom Landwehrbezirk I Darmstadt und Dr. Büchner vom Landwehrbezirk II Darmstadt wurden zu Stabsärzten, der Assistenzarzt 2. Kl. der Reserve Dr. Oswald vom Landwehrbezirk Gießen zum Assistenzarzt 1 Kl., der Unterarzt der Reserve, Dr. Sckickert vom Landwehrbezirk Worms zum Assistenzarzt 2. Kl. befördert.
** Radfahrer im Manöver. Bei dem diesjährigen Manöver der Großh. Hesi. (25.) Division treten zum erstenmal Radfahrer in Action und stellt der Radfahrerverein Darmstadt sein Mitglied Herrn Albert Hclfmann dem ersten Großh. Hess. Jnf.-Reg. Nr. 115 zur Verfügung.
♦♦ Alte Bauernregeln für den Monat September. Kühle Nächte bringen säuern Wein, aber die gesund sein, warme Nächte bringen süßen Wein, aber die ungesund sein. — Fallen die Eicheln vor Michaeli ab, so kommt der Winter früh. — Diele Eicheln um Michaelis, viel Schnee um Weihnachten. — Schönes Wetter um Matthäus Ev. (21.) hält noch vier Wochen ans. — September kommt für Saat und Reben dem Bauer gelegen. — Ist an Aegidi (1.) ein heller Tag, so folgt ein guter Herbst. — Wie das Wetter an Mariäe Geburt (18.) ist, so soll es vier Wochen bleiben. — Mariä Geburt jagt alle Schwalben fort. — Wenn es an Mauritius (22.) klares Wetter ist, sollen im nächsten Winter viele Winde toben. — Ist die Nacht vor Michaeli (29.) hell, so soll ein strenger und kalter Winter folgen- regnet es aber an Michaeli, so soll der nächste Winter sehr gelind sein. — Bleibt das Laub nahe am Stamme liegen, so folgt ein fruchtbares Jahr.
/X 0. Orteuberg, 1. September. Wir sind in der Lage, über die Grummetgras-Versteigerungen in unserer Gegend nachfolgende Angaben mitzutheilen. In der Gemarkung Lißberg liegen (stets runde Zahlen genommen) 91 Morgen herrschaftliche Wiesen. Der Ertrag war taxirt zu 2000 Mark, erlöst wurden 2700 Mark, der Durchschnittsertrag beträgt also rund 30 Mark pro Morgen, was für Grummet ein vortrefflicher Erlös ist. In der Gemarkung WaUernhausen liegen rund 37 Morgen- sie warentaxirt zu ^00 Mark, brachten aber 750 Mark, also beinahe das Doppelte. Der Durchschnittsertrag ist 20 Mk. pro Morgen, immer ein schöner Erlös. In der Gemarkung Ranstadt liegen 19 Morgen herrschaftliche Wiesen- Taxatum 340 Mk., Erlös 560 Mk., Durchschnitt pro Morgen nahezu 30 Mark, ebenfalls sehr gut. Mit diesen Zahlen kann man rechnen. ES muß noch erwähnt werden, daß die Versteigerung aus den umliegenden Orten: Bellmuth, Lißberg, Ortenberg, Bergheim, Schwickartshausen, Bleichenbach, Ranstadt, sogar aus Rodenbach und Rommelhausen besucht war. — Im unteren Nidda- und Nidderthale sind die Leute mit der Zwiebelernte beschäftigt- da wo die Pflanzen dünn standen, wurden Riesenexemplare, die sich aber nur für Metzger eignen, gezüchtet - sie werden weniger hoch (2,50 Mk. bis 3 Mk. pro Centner) bezahlt, während die Stücke mittlerer Größe, für Familien- und kleinere Haushaltungen geeignet, pro Centner mit 4,50 Mark und bester bezahlt werden. Nach dem Regen vom 11. Juli an haben sich die Zwiebeln, welche im Vorsommer elend aussahen, bedeutend herausgemacht.
Darmstadt, 2.September. Zur Errichtung eines Grabdenkmals für den am 6. August verstorbenen Lehrer und Redacteur Johann Schmitt ist in der heutigen Nummer des „Schulboten für Hessen" ein Aufruf erschienen. Derselbe ist von dem Gesammtvorstand des hessischen LandeS- LehrerveretnS und der Ludwig- und Alice-Stiftung unterzeichnet und an alle hessischen Lehrer, sowie an sonstige Freunde und Verehrer des Verstorbenen gerichtet. — Der Vorstand des Hessischen Landes-Lehrervereins hat demnächst über die Bestellung eines neuen Redacteurs des „Schulboten für Hessen", bekanntlich das Vereinsorgan, zu entscheiden. Unter den Bewerbern dieses durch das unlängstige Hinscheiden des Redacteurs Schmitt vacanten Postens stehen, wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, die Herren Schul- inspector Scherer-Worms und Lehrer Valentin Funk am Landeszuchthause Marienschloß zur engeren Wahl. Aller Wahrscheinlichkeit nach dürste sich die Mehrheit der Stimmen auf letzteren vereinigen. (N. H. V.)
verMstchter.
* Frankfurt, 3. September. Ein Ausläufer ließ gestern Nachmittag „in Gedanken" einen Geldbrief mit 800 Mk. in der Markthalle an dem Stande einer Obsthändlerin liegen, die sich als ehrliche Finderin erwies. — Das 3 Jahre alte Töchterchen eines in der Gluckstraße wohnenden Marmorarbeiters fand vorgestern den E r st i ck u n g s t o d beim Spielen. Ein Schuhknopf war der Kleinen in die Luftröhre gerathen und hat, nach dem Sectionsbefunde, den Tod herbeigeführt.
* Berlin, 2. September. Ein hiesiges Geschäft, das 120 Angestellte beschäftigt, ist, wie der „Confectionär" erfährt, in 1200 Mk. Strafe genommen worden — für jeden Angestellten 10 Mk. — weil es diese am Sonntage über die gesetzlich erlaubte Zeit hinaus beschäftigt hat. Ein anderes Geschäft hat aus eben demselben Grunde 500 Mk. Strafe zu zahlen. — Der Wasser st and derHavel ist so niedrig, daß am Lustgarten zu Potsdam am Ufer das Telegraphenkabel blosgelegt ist, und, um Beschädigungen zu verhüten, überdeckt werden mußte. Die Schiffer gerathen bei ihren Fahrten wiederholt mit ihren selbst nur gering beladenen Kähnen auf den Grund und zwischen Rathenow und Havelberg sitzen bereits verschiedene Schleppzüge fest. Auch die Dampfer müssen sehr vorsichtig fahren, um nicht auf den Grund zu laufen. Raddampfer können theilweise überhaupt nicht mehr fahren.
• Bei einer Thurmbesteigung verunglückt. Ein furchtbares Unglück ereignete sich am Donnerstag in Rovere bei
Venedig. Der Pfarrer des Städtchens, ein schon bejahrter Mann, bat den Bürgermeister Ritter de Cecco, mit ihm den Glockenthurm der Kirche zu besichtigen, um sich davon zu überzeugen, daß derselbe einer Reparatur dringend bedürftig sei. Um 3 Uhr Nachmittags stiegen die beiden Herren in Begleitung des Küsters zum Glockenthurme hinauf- nachdem sie alles eingehend geprüft hatten, stiegen sie um 4 Uhr wieder herab. Voran ging der Pfarrer, ihm folgte der Bürgermeister und zuletzt kam der Küster- dieser that plötzlich einen Fehltritt und siel auf den Bürgermeister, der seinerseits auf den Pfarrer stürzte und ihn mit sich fortriß. In einem Nu lagen alle drei am Fuße der Treppe- Pfarrer und Bürgermeister, die das Genick gebrochen hatten, waren auf der Stelle tobt, während der Küster noch mehrere Stunden am Leben blieb, bis auch er gegen Abend unter schrecklichen Schmerzen verschied. Die Aufregung, die in dem Städtchen herrscht, läßt sich nicht beschreiben.
* Deutschlands größtes Postgebäude. Das neue Kölner Postgebäude, das zu Anfang des Jahres 1889 begonnen wurde, steht nunmehr äußerlich vollendet da, die Fertigstellung der inneren Einrichtung wird noch ein paar Wochen in Anspruch nehmen. Die Stadt Köln wird dann ein Postgebäude besitzen, das an Größe von keinem Postamte im deutschen Reiche übertroffen wird und, was seine architectonische Ausführung anlangt, seinesgleichen sucht. Das Grundstück ist vom Militär- fiscus um den Preis von ungefähr 4,5 Millionen Mark erworben worden. Der Kostenanschlag für das Hauptgebäude beträgt 1775 000 Mk., für die Nebenanlagen 225 000 Mk. Das streng in gothischem Stile gehaltene Hauptgebäude hat eine reich ausgestattete, nach der Straße Unter-Sachsenhausen gelegene Fa§ade von 67,90 Meter und eine Tiefe von 112,90 Meter. Das neue Postgebäude ist mit dem ganz in der Nähe befindlichen Bahnhofe, der sich ebenfalls mit Riesenschritten seiner Vollendung nähert, durch einen unterirdischen Gang verbunden.
* Nicht eindringlich genug kann die Warnung wiederholt werden, daß die kleinen Sparer jedem Agenten von Ratealoos- Geschäfteu die Thüre weisen und nicht erst einige Raten zahlen sollten, um dann erst wegen der Garantien anzufragen, welche die betreffende Firma wegen Innehaltung ihrer Verpflichtungen zu bieten vermag. Von einem Beispiele unreeller Geschäftsgebahrung eines Looseverkaufsgeschästs gegen Ratenzahlung wird Folgendes in der „Wormser Ztg." berichtet: „Die Firma G. Schröter & Co., welche in München ein Looseverkaufsgeschäft gegen Ratenzahlung betrieb, hatte es verstanden, sich in der hiesigen Gegend eine leider sehr große Kundschaft zu verschaffen. Warnungen nützten nichts, die Leute fielen immer wieder auf die Zungenfertigkeit der Agenten herein. Doch einzelne Fälle, in welchen die Lieferung der Loose auf Schwierigkeiten stieß, ließen erkennen, daß die Schröter & Co. Loose, welche bereits voll bezahlt waren, entweder gar nicht besaßen oder verpfändet hatten, und dies veranlaßte die Filiale der Pfälzischen Bank in Worms eine Aufforderung zu erlassen und demnächst von den Erschienenen sich ein Mandat geben zu lassen und zu entsprechendem Vorgehen gegen die Schröter & Co. Obwohl nun einer der Directoren der Pfälzischen Bank sich zu diesem Zwecke persönlich nach München begab, war doch bei der dortigen Staatsanwaltschaft nichts zu erreichen, weil diese auf den Satz sich stützte, Eigen- thümer der Loose könne nur der sein, welcher diese thatsächlich in Besitz habe. Diese Deduction, welche den Leuten, die ihre Loose voll bezahlt hatten, das Recht an ihrem wohlerworbenem Eigenthum absprach, verzögerte den Gang der Angelegenheit. Der Gegenstand wurde zwar, wiederum auf die Initiative der Pfälzischen Bank in Worms, bei der Staatsanwaltschaft in Mainz anhängig gemacht, allein inzwischen bekamen die Schröter & Co. Zeit und verließen München — und erklärten nun von Genf aus, die Chikanen (?) hätten sie veranlaßt, ihr Domizil zu verlegen und verhindert, bisher ihre Ver- pflichtubgen zu erfüllen, in Zukunft werde dies geschehen. Viele Leute werden wohl ihre Leichtgläubigkeit zu bedauern haben,-aber anderen wird es vielleicht zur Warnung dienen."
* Ein Radsahrerwih. Aus Meißen wird berichtet: In einem nahe gelegenen Dorfe wollte ein Einwohner sein Fahrrad verkaufen. Ein auf die Zeitungsannonce sich einstellender kauflustiger junger Mann erklärte, daß ihm die Kunst des Fahrens noch völlig fremd sei, und Verkäufer und Käufer begaben sich zur Vornahme von Fahrstudien auf die Straße vor dem Dorfe. Hier gelingt es auch bald, dem jungen Manne einige Hebungen beizubringen und mittlerweile hat man sich auch über den Preis geeinigt. Nur die Bezahlung fehlte noch- der Käufer wollte nur erst nochmals eine Strecke ohne Hilfe fahren. Unter bedenklichen Schwankungen war er vielleicht 30 Schritte weit gekommen, da setzte er sich auf einmal kunstgerecht im Sattel fest und strampelte mit einer Geschwindigkeit vorwärts, die jedem Distanzfahrer Ehre gemacht hätte. Roß und Reiter sah der Verkäufer niemals wieder. Dafür brachte dem Erstaunten am nächsten Tage der Postbote das natürlich schon verloren geglaubte Geld auf Heller und Pfennig. Als Entschuldigung des Ausreißers enthielt der Abschnitt die Worte: „Ich wollte gestern nicht wieder umkehren. Besten Dank für den Unterricht."
* Ein Nichtsnutz ohue Gleichen, man sagt ein Lehrbube in einer Pariser Fahrräderfabrik, hat den Besuchern der Josefkirche daselbst einen frevelhaften Streich gespielt, indem er eine Flasche Tinte in das Weihwasserbecken goß. Er erreichte denn auch seinen Zweck- alle Gläubigen erschienen mit schwarzbefleckten Gesichtern, Händen und Kleidern in der Messe. Der Frevler sieht einer exemplarischen Strafe entgegen.
Schiff-nachrichten.
Hamburg, 1. September. Der Hamburger Doppelschrauben- Schnelldampfer „Augusta Victoria", Capttän Barends, der Hamburg- Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft, welcher am 25. August von Southampton abgegangen, ist am 1. September, 6 Uhr Morgens, wohlbehalten in Newyork angekommen. Reisedauer von Hamburg bis Newyork 7 Tage 22 Stunden 40 Min. Oceanfahrt von Southampton
6 Tage 20 Stunden 50 Min., von Queenstown aus gerechnet nur 6 Tage 5 Stunden 50 Min.
Hamburg, 29. August. DaS Hamburg-Newyorker Postdampfschiff „Moraoia", Capitän Winkler, von der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft, ist am 29. August, 6 Uhr Morgens, wohlbehalten in Newyork angekommen.
Citeratur unb lUnft
— Landkalender für da» Grotzherzo-lhum Heften. Auf das Jahr der gnadenreichen Geburt Jesu Christi 1894. 184. Jahrgang. Darmstadt. Verlag der Großb. Jnvaliden-Anstalt. Preis 20 Psg., mit Schreibpapier durchschossen 25 Pfg. Neben dem üblichen Kalendarium, der Genealogie des Grohh. Hauses und allgemein wichtigen statistischen usw. Notizen, die gewiffermaßen den eisernen Bestand des aus dem Titelblatt mit dem Brustbild Seiner Königlichen Hoheit deS Großherzogs geschmückten Kalenders bilden, bietet der Unterhaltungstheil desselben reichen und interessanten Stoff bar.
Verkehr, Land- unb DolfswirtbfcbafL
Grünberg, 2. September. Fruchtpreise. Weizen X 15.40, Korn X 14.20, Gerste X —, Hafer X 15.80, Erbsen X 00.00, Linsen X 00.00, Wicken X —. Lein X 00.00, Kartoffeln X Samen X —.—.
Ipidplan der vereinigten Drankfurter Ltadttheater.
Opernha«».
Dienstag den 5. September: Lohengrin. Mittwoch den 6. September: Festoorstellung zu Ehren der 22. Hauptversammlung des deutschen Apotheker-VereinS. Aida. Donnerstag den 7. September: Flick und Flock. Freitag den 8 September: Flick und Flock. Samstag den 9. September: Walküre. Sonntag den 10. September: Don Juan. Montag den 11. September: Flick und Flock.
Gchnnfplekhnn».
Dienstag den 5. September: Fernande. Mittwoch den 6. September: Der Räuber. Donnerstag den 7. September: Die Fledermaus. Freitag den8.September: Maria Stuart. Samstag den 9. September: Sohn der Wtldniß. Sonntag den 10. September: Der Sohn der Wildniß. Montag den 11. September: Die Ehre.
Eingesandt.
Gieße«, 3. September 1893.
Durch das Ableben des seitherigen Universitäts-Stallmeisters rürfte der Fortbestand des Reit-Instituts am hiesigen Platze in Frage tehen, indem sicherem Vernehmen nach die Regierung beabsichtigt, ernerhin keine Mittel zur Unterstützung desselben in daS Staatsbudget einzustellen. Abgesehen von den Interessen, welche unsere Hochschule, sowie die Garnison an der Erhaltung der Reitschule haben dürste, hat auch unsere Stadt ein weitgehendes Interesse daran, dasselbe nicht eingeben zü lassen. In Anbetracht dieser Umstände sind aus den verschiedensten Kreisen der Einwohnerschaft Herren zu einem Comitö zusammengetreten und haben beschlossen, nachstehende Eingabe an Großh. Ministerium nach Darmstadt abgeben zu lassen.
Gießen, im August 1893.
Höchster Staatsbehörde beehren wir uns nachfolgendes unterthänigst vorzutragen.
Am 16. August d. Js. ist der seitherige Univerfitätsstallmeister Balser gestorben. Es verlautet nun, daß die Hohe Regierung beabsichtige. das Reitinstitut eingehen zu lassen oder wenigstens keine Mittel für seine fernere Unterhaltung in das Staatsbudget einzustellen. Im Hinblick hieraus glauben wir nicht unbescheiden zu fein, wenn wir uns gestatten, auf die Interessen hinzuweisen, welche viele Bewohner der Stadt Gießen an der Erhaltung deS Instituts haben.
Diese Interessen aber sind dadurch gegeben, daß ein großer Theil unserer Mitbürger eine sitzende Lebensweise jührt und daher schon seit langer Zeit, vielfach zufolge ausdrücklicher ärztlicher Anordnung, daran gewöhnt ist, in dem Reiten die Bewegung zu suchen, die zur Erhaltung der körperlichen Gesundheit und Frische unbedingt erforderlich ist. Gerade das Reiten als anstrengende und in die frische Luft führende Bewegung ist hierzu um so mehr geeignet, als es keinen erheblichen Zeitaufwand erfordert. Dazu kommt, daß in den letzten Jahren wiederholt auswärtige Herren ihren Aufenthalt nur deßhalb in Gießen genommen haben, um das Reiten zu lernen oder sich weiter darin auszubilden.
Wir wissen sehr wohl, daß diese Jntereffen keine allgemein staatlichen sind und daß es vielleicht als Unbescheidenheit ausgefaßt wird, wenn wir Staatsmittel zur Befriedigung anscheinend privater Interessen in Anspruch nehmen. Es würde uns auch fern liegen, mit einer Bitte wie die vorliegende aufzutreten, wenn es sich um die Neubegründung eines Instituts, also um die Schaffung eines neuen Zustandes handelte. Was aber unser Vorgehen als ein durchaus berechtigtes erscheinen läßt, das ist die Erwägung, daß eS sich unserS Erachtens um die Erhaltung eines Besitzstandes für unsere Stadt handelt. Denn so lange die Erinnerung der jetzigen Generation reicht, hat ein Reitinstitut in Gießen mit staatlicher Unterstützung bestanden.
Allerdings haben andere Städte, wie Darmstadt und Mainz, rein private Reitinstitute ohne jegliche Unterstützung aufzuweisen. Indessen liegen dort die Verhältnisse anders, weil jene Städte größer und mit viel stärkeren Garnisonen belegt sind als die unsrige. Zum mindesten würde es einer Reihe von Jahren bedürfen, bevor ein privates Institut in Gießen zu einem letttungsfähigen geworden wäre.
Zur Vertretung der Interessen unserer Hochschule sind wir nicht berufen. Nur darauf möchten wir hinweism, daß unsere Nachbaruniversität Marburg ein in hoher Blüthe stehendes UniversitätS- reitinstitut besitzt.
Schließlich formuliren wir unsere Bitte dahin, daß die höchste Staatsbehörde
in das Budget der nächsten Finanzperiode nach wie vor einen narn- hasten Beitrag zur Unterstützung des hiesigen Reitinstituts ein- stellen möge.
(Folgen die Unterschriften.)
Da die Eingabe nicht Jedermann vorgelegt werden kann, ist dieselbe zur Einzeichnung bis zum 8. ds. Mts. bei Herrn Kaufmann Fritsch, Seltersweg, aufgelegt. Es wäre zu wünschen, daß das Unternehmen durch recht zahlreiche Unterschriften unterstützt würde.
Pommersche Hypotheken-Aelle«»Bank. Wie aus dem Jnseratentheile unserer heutigen Zeitung ersichtlich, werden die am 1. October c. fälligen Pfandbrief-Coupons bereits vom 15. September c- ab eingelöst.
Witterungsaussichterr
Wetterhäuschen, Südanlage.
3. Septbr., Mut. 12 Uvr
4. Septbr., Mora. b Uhr
Barometer:
Thermometer:
Hygrometerstand:
min.745 mm,max.75u mm „ + 9’R. „ + 17°R Neigung f. trock. Wett.
min. 745 mm max. 753 mm , + 60R. „ +110R. Neigung f. trock. Wett.
MttUerer Barometerstand bei 0° B. = 744,7 mm.
Temperatur der Lahn und Lust
nach Reamnur gemeffen em 4. Septbr, Mittags »wischen 11 und 12Uhr:
Wasser 12, Luft 12 Grad.
Rübsamen'sche Badeanstalt.


