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Annahm» eon Nn-eige« zu der Nachmittag für b« fügenden tag -rscheinenden Nummer ht» vorm. 10 IZH
Amtlicher Theil.
Bekanntmachung, betreffend die Maul« und Klauenseuche. Zu Bleichenbach und Hainchen, Kreis Büdingen, ist die Maul- und Klauenseuche festgestellt worden.
Gießen, den 1. April 1893.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.
Gießen, am 13. März 1893. Betr: Frühjahrs - Controlversammlungen im Kreise Gießen.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
•* die Grstzh. Bürgermeistereien des Kreises. ,
Nachstehende Bekanntmachung wollen Sie auf ortsübliche ■ Weise zur öffentlichen Kenntniß bringen lasten.
v. Gagern.
Bekanntmachung.
Bei den diesjährigen Frühjahrs-Controlversammlungen ' im Kreise Gießen haben zu erscheinen alle zum Hauptmeldeamt , Gießen gehörigen: j
1) Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots. j
2) Reservisten, sowie die zur Dispofition der Trnppentheile i und der Ersatz-Behörden Entlassenen. j
3) Wehrleute I. Aufgebots, die vom 1. October 1880 ab eingestellt worden.
4) Die Ersatz-Reservisten, geübte und nicht geübte. Nachstehend ist angegeben, wo und zu welcher Zeit die !
Controlpflichtigen anzutreten haben: *
A. Zu Lollar
am 7. April 1893 neben dem neuen Bahnhofsgebäude für die Bewohner von Allendorf a. d. Lda., Alten-Buseck, Bersrod- ' Beuern, Climbach, Daubcingen mit Heibettshausen, Großen, Buseck, Lollar, Mainzlar, Rödgen, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedelhausen, Treis a. d. Lda., Trohe, Wieseck.
1. Appell Vormittags 8 Uhr 30 Minuten: Reservisten, sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatzbehörden entlastenen Mannschaften aller Waffen.
2. Appell Vormittags 9 Uhr 15 Mn.: Wehrleute I. Aufgebots aller Waffen.
3. Appell Vormittags 10 Uhr: Ersatzreservisten.
B. Zu Grünberg
am 7. April 1893 am Bahnhof für die Bewohner von Allertshausen, Beltershain, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg mit der Dickelsmühle, Neumühle, Stadtmühle, Steinmühle, Obere und Untere Ziegelhütte, Latzmühle, Hattenrod, Harbach mit der Kolbenmühle und Sommermühle, Kesselbach mit der Rabenau'schen Papiermühle, Lauter mit der Arztmühle, Bingmühle, Georgenhammer, Strelles-Mühle und Walk-Mühle, Lindenstruth, Londorf mit der Burg Rabenau, Burgmühle, Schmidtmühle, Reitzenmühle und Ziegelhütte, Lumda (Groß- und Klein-), Odenhausen mit Appenbörnerhof, Queckborn, Reinhardshain, Reiskirchen, Rüddingshausen, Saasen mit Bollenbach, Veitsberg und Wirberg, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain, Weitershain mit dem Hainerhof- Winnerod.
1. Appell Nachmittags 12 Uhr 30 Minuten: Reservisten sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften aller Waffen.
2. Appell Nachmittags 1 Uhr 30 Minuten: Wehrleute I. Auf gebots aller Waffen und Ersatz-Reservisten.
C. Zu Gietzen
am 8. April 1893 im Oswald'schen Garten für die Bewohner von Annerod, Burkhardsfelden, Gießen mit Schiffenberg und Herrnwald, Heuchelheim, Klein-Linden, Oppenrod. 1. Appell Vormittags 9 Uhr: Reservisten, sowie die zur Disposition der Truppeutheile und der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften der Infanterie.
2. Appell Vormittags 10 Uhr 30 Min.. Offiziere, Santtäts- offiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots, sowie Wehrleute I. Aufgebots der Infanterie.
3. Appell Nachmittags 2 Uhr: Reservisten, sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatzbehörden entlassene Mannschaften und sämmtliche Wehrleute I. Aufgebots der Garde, Jäger, Cavallerie, Artillerie, Pioniere, Eisenbahn- und Luftschiffertruppen , des Trains (einschl. Krankenträger), Sanitäts- und Veterinärpersonals, Büchsenmacher- gehülfen, Oeconomie-Handwerker, Marine-Mannschaften, sowie alle übrigen, der Reserve- und Landwehr I. Aufgebots angehörigen Mannschaften.
4. Appell Nachmittags 3 Uhr: Sämmtliche Ersatzreservisten.
5. Appell Nachmittags 4 Uhr für die Bewohner von Allendorf a. d. Lahn, Großen-Linden, Lang-Göns, Leihgestern, Watzenborn und Steinberg, Hausen: Reservisten, sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassene Mannschaften aller Waffen, Wehrleute I. Aufgebots aller Waffen und Ersatzreserviften.
D. Zu Hungen
am 11. April 1893 am Friedhof für die Bewohner von Bellersheim, Bettenhausen, Hungen, Inheiden, Langd, Langs- . dorf, Muschenheim mit Hof-Güll, Nonnenroth, Obbornhofen, Rabertshausen mit Ringelshausen, Rodheim mit Hof-Graß, Röthges, Steinheim, Trais-Horloff, Utphe, Villingen.
1. Appell Vormittags 9 Uhr 30 Minuten: Reservisten, sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen.
2. Appell Vormittags 10 Uhr 30 Minuten: Wehrleute I. Aufgebots aller Waffen, sowie Ersatz-Reservisten.
E. Zu Lich
am 11. April 1893 am Bahnhof für die Bewohner von Albach, Birklar, Dorf-Güll, Eberstadt mit Arnsburg, Ettingshausen, Garbenteich, Grüningen, Holzheim, Lich mit Albacher- Hof, Kolnhausen und Mühlsachsen, Münster, Nieder-Bessingen, Ober-Bessingen, Ober-Hörgern, Steinbach.
1. Appell Nachmittags 3 Uhr: Reservisten, sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassene Mannschaften aller Waffen.
2. Appell Nachmittags 4 Uhr: Wehrleute I. Aufgebots aller Waffen, sowie Ersatz-Reservisten.
Befreiungsgesuche sind längstens acht Tage vor'm Appell auf dem Dienstwege durch das Hauptnieldeamt einzureichen und müssen durch die Bürgermeisterei beglaubigt sein — werden aber nur im dringendsten Rothsalle genehmigt.
Die Leute treten in bürgerlicher Kleidung an: Stöcke, Schirme, Pfeifen und Cigarren sind vorher abzulegen.
Die Militärpapiere (Paß und Führungözeugniß) müssen zur Stelle sein.
Sämmtliche Mannschaften stehen im Laufe des ganzen Controltages bis einschließlich Mitternacht unter dem Militärgesetz.
Gießen, den 10. März 1893.
Caspary,
Oberstlieutenant z. D. und Commandeur des Landwehrbezirk» Gießen.
Feuilleton.
Zwei Königskinder.
Romantische Erzählung von Carl Falkenberg.
(4. Fortsetzung.)
III.
Der Weg war lang und beschwerlich. Drei Tage mußte man dem Brande der Sonne trotzen, drei Tage dem Hunger und Durst.
Rambo ritt verschlossen dahin; Hamork folgte ihm mechanisch, seine Gedanken weilten bei Josiane, der Blinden. Endlich schien der Alte seinen Plan gefaßt zu haben.
„Hamork," begann er, „höre genau zu, was ich Dir sage: In uralten Zeiten schon gehörte Sicilien, diese Perle des Mittelmeeres, den Sarazenen Ihr Reich war mächtig und ging über die ganze Welt. Da wichen die Khalifen ab und Koran und Allah strafte sie und gab sie in die Hände ihrer Feinde. Heute gehört dieses Land dem Kaiser. Ich hoffte von ihm, der sich so duldsam gegen Islam verhalten, wenigstens die Wiederaufrichtung des Reiches der Sarazenen auf Sicilien, aber seit gestern weiß ich, daß dieses vergebliche Hoffnungen sind. Aber noch lebt ein Nachkommen der alten Khalifen- unbekannt ist ihm selbst wie allen seine Abkunft, ihm allein gehört Sicilien."
„Wirklich, Oheim?"
„Ahnest Du nicht, Hamork, wer es sein könnte?" „Nein, Vater Rambo!"
„Du bist's, Hamork, Khalif von Sicilien und Arabien!" Dabei stieg der Alte vom Maulthiere und beugte das Knie vor dem Jüngling.
„Um Allah willen, Vater Rambo, was thut Ihr? Stehet auf!"
„Du bist der Herr, ich Dein geringster Diener. — Aus den Händen der Feinde habe ich Dich, einen Säugling, heimlich entrissen, habe Dich fortgetragen, Deine Schätze ver
graben, Dich großgezogen und zum Schein einen Arzt aus Dir gemacht. Dennoch bist Du der rechtmäßige Herr von Sicilien!"
„O Allah!" rief Hamork bestürzt.
Bald aber wurde aus der Bestürzung Freude, als Rambo ihn an Josiane erinnerte.
Der Alte hatte längst des Jünglings auflodernde Neigung zu der Blinden bemerkt. Sie war des Kaisers Tochter - konnte mit ihr nicht auf gesetzlichem Wege das Königreich an Hamork kommen?
Der Jüngling begriff das alles mit der den Sarazenen eigenen Schlauheit in einem Augenblick- als ihm dann Rambo das Pergament Friedrichs aushändigte, da küßte er es entzückt und steckte es sorglich zu sich.
Gleich nach ihrer Heimkunft versorgte sich dann Hamork heimlich mit großen Reichthümern aus den geretteten Schätzen der Khalifen, steckte seine chirurgischen Instrumente ein und eilte zu Pferde in Begleitung seines treuen Dieners Badur zu Josiane.
Diesmal fand er das Thor geschlossen und erst des Kaisers Pergament öffnete ihm die Pforte. Den Pächtersleuten war es recht, daß auf Befehl des Kaisers dem sarazenischen Arzte und seinem Diener Zimmer im Hause angewiesen wurden. Hamork aber suchte sogleich die Blinde auf.
Er wurde mit Entzücken von Josiane willkommen geheißen und die tiefe Uebereinstimmung ihrer Seelen führte bald bei beiden jungen Leuten zum Geständniß der gegenseitigen Liebe. — Nun ging Hamork daran, die Braut mit dem Zartsinn, den nur die Liebe lehren kann, darauf vorzubereiten, daß eine Operation an ihren Augen vollzogen werden müsse. Es war ein kurzer Kampf in Josiane- dem Geliebten wollte sie gern beide Augen Hinhalten und wenn er den Stahl noch so tief hineinsenken müßte.
Jndeß verging die Zeit und der für die Operation bestimmte Tag kam heran, an welchem Rambo und der Kaiser, letzterer nur mit einem kleinen Gefolge, eintraf.
„Imperator Friedrich, Herrscher der Welt!" schnarrte
Aphra, der Papagei, als Friedrich ins Haus trat und den jungen Arzt wohlwollend begrüßte. Ein längeres, wissenschaftliches Gespräch mit dem Sarazenen ließ ihn staunen über den Bildungsgrad Hamorks, der den seinigen vielleicht noch überragte, und eine hohe Achtung erfüllte ihn vor dem Manne, der von der schwierigen Operation mit einer Sicherheit sprach, als sei sie schon gelungen.
Endlich nahte der Augenblick. Der Kaiser weilte im Nebenzimmer, Rambo und Hamork waren mit Josiane allein.
„Halte aus, Herz!" flüsterte der junge Arzt und hauchte einen Kuß auf Josianens Stirn, „halte aus!"_ Dann begann er den kühnen Schnitt — zwei kurze Schreie —
„Hamork, o Gott! — die helle Fluth!" ries sie und ohnmächtig sank sie nieder.
Friedrich stürzte herbei und fragte erschrocken:
„Ist sie tobt ?"
„Sie lebt, Herr, und kann sehen!"
„Gott sei Lob!"
„Ja," sagte der junge Arzt ruhig, „Gott leitete meine Hand überaus glücklich, kaiserlicher Herr- in vier Wochen ist die Dame vollständig gesund- bis dahin aber muß sie unter meiner strengsten Aufsicht bleiben."
„Wie Ihr es anordnet, Herr! — Bittet, was Ihr wollt, bei meinem Ritterwort, es ist Euch gewährt!"
„Später, kaiserlicher Herr!"
„Wie Ihr wollt, doch seid meiner Dankbarkeit stets versichert!"
In der gewöhnlichen Weise nahm dann der Kaiser Abschied von Josianen, begleitet von Rambo und seinem Gefolge. Der Alte aber murmelte:
„Und er wird doch noch Khalif!"
Hamork aber, nachdem er die beiden lieben Augen verbunden hatte, legte Josiane den Zaubercrystall Rambos auf die Brust, worauf sie in einen tiefen, gesunden Schlaf fiel.
(Schluß folgt.)


