Ausgabe 
5.3.1893 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

ten

^e.9tnßgen lI*b bitte ich,

ll\

Stoffe

___M

HE

Töt, USNtzNü iblictiich nicht ennig werden

trvemn.

Sllljr:

Jr IfaMIff. r llorftanb. _ Ä* buti) ^xau hbüt* aW.___

[t Amme futy sofort

"«LK

jtoeytj&S. 35FS& £ rS j schien ^o?ö

a gesucht. Ms, Wrmchtr, Mvsstrahe^---

Tftöbtti*

igstrager

/d»r h Ws"»-b.

Mkil!krM KM <CT -Liit [SbO

1893

Sonntag den 5. März

Nr. 55 Zweite* Blatt

ixt «MfNt *a|«N« rftxtifint täglich **t liifnaipnt btl Montag«

W« Gtrtzntri

erben brm Baytftr »Mmtae» IWtieel Miylril

Gießener Anzeiger

chenerat-Mnzeiger.

6trrtt(Ut)ttn« |ll»MBCexret>fw # « 2 Mark *20 S«ty. e, Brtngrtb'hn Durch bir Pott rzv, «

9 Mark t*> Rh

Uebaehon, Äjp-r-^» und Dnnfrrri

-chnlNr«-» Ui. i. ikrxl»rr*cr

2lmts* und Anzergeblutt für den Kreti Gteszen.

I Hr-ti-öeita^Hie^t« AamittEtt«. |

Amtlichem Theil.

Bekanntmachung.

betreffend die Schasräude zu Saasen.

Nachdem unter dem noch vorhandenen Rest der ersten Schafherde zu Saasen (Schäfer Johannes Döll) die Räude festgestellt worden ist, haben wir die betr. Schafe unter Sperre gestellt. Da die zweite Schafherde zu Saasen (Schäfer Becker) mit der erstgenannten in Berührung gekommen und deshalb der Ansteckung verdächtig ist, haben wir die polizeiliche Beob­achtung derselben verfügt. Es dürfen hiernach Schafe aus der Gemarkung Saasen nur zur sofortigen Abschlachtung und nur mit unserer jedesmal besonders einzuholenden Genehmig­ung weggebracht werden.

Gietzen, den 2. März 1893.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

___________________v. Gagern.___

Bekanntmachung,

betreffend die Feldbereinigung in der Gemarkung Saasen.

Es wird zur Kenntniß der Betheiligten gebracht, datz

1. die Karten über die neue Zutheilung der Grundstücke in dem letzten Feldabschnitte der Gemarkung Saasen jammt den hierauf bezüglichen Acten,

2. die Gütergeschosse aller Betheiligten, in welchen die Abschätzungen eingetragen sind,

vorn 7. bis 21. März l. I. auf der Bürgermeisterei Saasen zur Einsicht offen liegen und daß etwaige Anträge oder Reclamationen bei Meidung des Aüsschluffes damit in der Tagfahrt

Mittwoch den 22 März l. I., Bormittags von 9 bis 1 Uhr zu Saasen

bei dem Unterzeichneten vorzubringen sind.

Darmstadt, den 1. März 1893.

Der VollzugS-Commissär:

Rover, Regierungsrath.

Locale» rrnd provinzielle».

Gießen, 4. März 1893.

Ueber die Schlacht- Grotzvieh - Versicherung»- Kaffe im

Marburger JnnungS-Schlachthause pro 1892 gehen uns

folgende Mittheilungen zu: Der Betrieb der Kasse ist im abgelaufenen Geschäftsjahre ein größerer als im ersten gewesen, denn es wurden ca. 71*/, des überhaupt dahier geschlachteten Großviehes versichert, gegen 66% im Vorjahre. Die Wohlthat der Versicherungscinrichtung scheint sonach von den Viehverkäufern immer mehr eingesehen zu werden, und wie könnte es schließlich denn auch anders sein, ist doch daS Versicherungs - Institut lediglich im Jntereffe des Vieh be­sitzenden Publikums ins Leben gerufen worden. Nach der statistischen Zusammenstellung gab es im Berichtsjahre 1 1648 Versicherungsnehmer, welche zur Versicherung brachten: 1821 Stück Großvieh. Es wurden folgende Prämiensätze erhoben: pro Stück Ochsen und Bullen 2 Mk., Kühe bis zum 1. Juni v. I. 1,50 Mk., von diesem Tage an mußte jedoch die Prämie für diese Diehgattung wegen des ersahrungS- mäßig hohen Risikos auf 3 Mk. pro Stück erhöht werden, Rinder und Stiere 1. Mk. Hiernach wurde eine Gesammt- Prämie-Einnahme erzielt von 2826 Mk. Der Kasse fielen zur Entschädigung: 9 Kühe und 3 Rinder, also 12 Stück Großvieh, wofür die zur Auszahlung gelangte Gesammtent- schädigungssumme betrug: 2392 Mk. 16 Pfg. Bei Be­gleichung der Entschädigungsbeträge kamen der Kasse die« jenigen weitere Einnahmen zu Gute, die ihr erwachsen aus

dem minderwerthigen Verkaufe des Fleisches re. auf der im ] Schlachthause errichteten Verkaufsstelle in 5 Fällen, sowie der sonst möglichen Verwerthung gewisser Theile in 7 Fällen, nämlich: 903,84 Mk., so daß also die Versicherungs-Kasse in Wirklichkeit zu leisten hatte: 1488,32 Mk. gegen 853,51 Mk. im Vorjahre. Die Kasse hatte also bei dem größern Geschäfts­betriebe auch eine höhere Einbuße zu erleiden, weshalb die Erhöhung der Prämien-Sätze für Kühe, wie oben erwähnt, nothgedrungen erfolgen mußte; denn diese Diehgattung ist in den beiden Geschäftsjahren unter den Schadenfälleu am meisten vertreten gewesen. Hoffentlich wird im neuen Jahre mit den jetzt bestehenden Prämiensätzen auszukommen sein, sollten nicht die Viehkrankheiten eine erhebliche Steigerung erfahren. Am Schlüsse deS zweiten Geschäftsjahres beträgt der angesammelte, verzinslich angelegte Reserve - Fonds 2142,91 Mk. Der Bericht schließt mit dem Wunsche für die fernere, segensreiche Entwickelung der Kasse. - Bei dieser Gelegenheit können wir nicht unterlassen, auf die eben­falls im hiesigen Schlachthaufe schon seit 1887 bestehende Schweine-Versicherungs-Kasse aufmerksam zu machen. In derselben können die dahier zur Schlachtung gelangenden Schweine gegen vorherige Zahlung von 50 Pfg.

pro Stück versichert werden und wird dann bei Beanstandung des Fleisches m allen Krankheitsfällen (mit alleiniger Aus­nahme der Finnenkrankheit) Entschädigung des vollen WerlheS des Schweins gewährt.

Friedberg, 1. März. Vor einigen Tagen trafen zwei große leere Weinfäffer für das Hotel Trapp hier ein. Jedes Faß mußte auf einem mit 4 Pferden bespannten Fuhr­werk besonders transportirt werden, und enthält einen Raum­inhalt von ca. 10,000 Liter.

Aus dem Selzthale, 28. Februar. Eine achtbare Beamten­familie aus Rücksicht auf sie bleiben Ort und Namen ver­schwiegen wurde vor einigen Tagen in rasfinirter Weise um 10,000 Mark beschwindelt. Kam da schon mehrere Fahre regelmäßig zweimal jährlich der flotte Reisende ! eines größeren Berliner Geschäftes. In erwähnter Familie wußt' sich derselbe besonders beliebt zu machen- denn die Tochter deS Hauses, ein schon etwas bejahrtes Fräulein, * verlobte sich mit Einwilligung der Eltern mit genanntem ' Herrn. Vor mer Wochen sollte Hochzeit sein, welche aber , verschoben werden mußte, da die Braut erkrankte. Da kam ' nun der Bräutigam und drang in die Schwiegereltern, man möge ihm einstweilen doch die versprochenen 10,000 Mark einhändigen, denn er habe bereits ein Geschäst gekauft und müsse die 10,000 Mark anzahlen, ansonst er großen Unan- nehmlichkeiten ausgesetzt sei rc. Die fluten Schwiegereltern zögerten denn auch nicht und halsen dem zukünftigen Schwieger­sohn aus der Noth, aber Hochzeit kann immer noch nicht sein, weil von dem juten Berliner nichts mehr zu hören und zu jehen ist.

Bickenbach, 28. Februar. Der Lehrjunge eines Schuh­machers auS Jugenheim wurde am Sonntag Abend aus seiner Rückkehr von Gernsheim im Walde auf der Straße über­fallen und seiner aus 21 Pfennigen bestehenden Barschaft beraubt.

Vermüfehte»

* Frankfurt a. M., 2. März. In Bornheim, hat sich gestern Vormittag eine blutige Familientragödie ereignet. Der in der Wertheim'schen Nähmaschinenfabrik seit fast 25 Jahren beschäftigte Werkmeister AdolfSchröder hat seine Tochter, sich selbst und seinen Hund erschossen. Ver­anlassung zu der That war die Geisteskrankheit der etwa 29 Jahre alten Tochter, die im letzten Jahre vergeblich Heilung in der Kaltwasser-Heilanstalt in Michelstadt gesucht

Requiescat.

Erzählung von G. von Berlepsch.

(Nachdruck verboten.)

An den Hängen der Burgsteinwand klimpern die Ziegen- glöckchen. Bergab gehts über Stock und Stein, zwischen Fels­trümmern, Gestrüpp, uralten zerzausten Tannen und wieder an glattabstürzenden Stellen hin, der Gaißer mit seiner Kraxe und den schweren Nagelschuhen so behend wie seine Heerde. Heute geht es schneller, weil er lang an den Hängen herumgeklettert ist, einer verlaufenen Gais wegen, einer vom Christel-Martin. Er hat sie nicht gesunden und es geht schon auf Zunachten.

Ganz zerschunden ist er an Händen und Füßen, der Bub. Auch das Gewand hat noch etliche Schäden hinzubekommen, bald ist schon kein Platz mehr daran für neue Pflaster. Und ein schlechtes Gewissen obendrein! Es steht ihm auf dem Gesichte geschrieben, trotz dem lustigen Heidelbeerfchnurrbart, den er sich tagsüber angegeben hat. Als er sichs schmecken liefe in den sonnenwarmen, duftenden Kräutern weit droben am einsamen Grat, wo er, auf dem Bauche liegend, nur zu- langen konnte, und zwischen hinein einmal unterm Hüte! vor in die Welt hinaus blinzeln, da hatte er nicht gedacht, dafe es heute noch so kommen würde.

Sie fangen an, Abend zu läuten, als er unten ins Horn stieß und die ersten von den Thieren abbiegen, ihren Ställen zu.

Der Martin ist gerade vor dem Haus draußen. Er sieht eS gleich, daß eine von den fernen fehlte, denn er hat Augen wie ein Adler, trotz seinen Siebzigen, besonders für daS, was fein ist. Der Bub fagts, wie eS ging; auf alle Seiten ist er der Gais nach. Gefallen wird sie nicht sein, sonst hätte er sie gesehen; recht verstiegen haben wird sie sich; sie ist so ein heikles Vieh.

Jetzt gibts Frage und Antwort. Der Bauer ist wild. Gleich selber will er fort, die Gais suchen, die läßt er nicht im Stich.

LoiSl!" ruft er ins Haus, die Joppe überhängend,ich geh dem Burgstein zu.

Aus d'Nacht noch?" antwortete es von drinnen. Eine Magd tritt unter die Thür, hemdärmelig, den schwarzen Tyroler Filzhut auf dem Kopf.Wohl spät ist's," meinte sie, nach dem Burgstein schauend.

Doch er geht; es leidet ihn nicht, wenn er von seinem Hab und Gut etwas in Gefahr weiß. Der Gaißer schupft sein Hütel da muß er schon mit. Er lehnt die leere Kraxe gegen die Wand, auf der er am Morgen etliches in ein Bauernhaus mitgenommen. Jetzt heißts halt warten für den hungrigen fünfzehnjährigen Magen!

Und schweigend trabten sie dahin. Es beginnt schnell zu dämmern; der heiße Tag will, wie es scheint, noch etwas zusammenbrauen. Bergan geht es ohne Aufenthalt, fort und fort. Der Alte gibt dem Buden nichts nach im Schritt. Er fängt an zu rufen und zu locken; wenn das Thier irgendwo da herum ist, und wäre es noch weit, er hört es schon meckern; er hat ein gar gutes Gehör.

Endlich trennen sich die zwei, da wo an den Schroffen der Pfad sich theilt. Beide gehen mit der Sicherheit des Hochwildes auf den schmalen Grasbändern hin, über denen es senkrecht anstkigt und ebenso abfällt. Der Gaißer hört den Martin noch einige Male locken, dann nimmt es die Felsecke weg, um die er biegt. Jetzt geht es in einer steilen Schlucht hinauf, wo ein Waffer rauscht; da hört er ihn schon nicht mehr und das Vieh auch nicht, wenn es gleich da wäre. Aber der Bauer wollte, daß er da herumgehe. So klettert er denn sttacks auswärts, mit Händen und Füßen, daß ihm der Schweiß nur so über sein braunes Kindergesicht läuft.

Hinter dunklen Bergmassen blitzen Sterne auf.

Unterdessen sitzt des Christel-Martins Magd und einzige Hausgenossin denn er ist ledig allein daheim und ver­treibt sich die Zeit mit Beten. Sie will warten, bis er kommt. Aus Sparsamkeit brennt sie kein Licht; es thutS auch so zu ihrem Geschäfte. Die Kuckucksuhr leistet ihr Gesell­schaft. Es ist, wie wenn ein lebendes Wesen noch in der Stube wäre, daS laute Ticktack und der Stundenruf des Kuckucks.

Auf einmal thut es jetzt draußen einen Windstoß. Wird noch ein Wetter kommen? Sie blickt hinaus. Hinterm Burgstein steht es finster, aber der Fernerwind geht, der treibts vorbei; bann und wann thut er einen Stoß, der völlig wühlt in den langen Schossen des Birnspaliers vor den Fenstern.

Wie die Magd unter die Thür geht, um besser aus- zuschauen, kommt etwas gegangen, leichtfüßig, weich, wie auf nackten Sohlen. Es ist des Gaißer-Hansl Schwester, das zwölfjährige Annerl, das mit feinen Eltern und zehn Ge- schwistern auf der stolzen Veste Valnus residirt, nicht al8 erbgefeffeneS Burggeschlecht, sondern gegen den schweren ZinS von sechszehn Gulden jährlich. Weil das viel Geld ist und die Wildwasser an dem wenigen Feldbau, der zum Schloß gehört, oft arg Hausen, und weil die Kinderschaar halt jedes Jahr noch wächst, ist der Aelteste Gaishirt worden. Es ist doch ein Verdienst: Von jeder Gais einen Gulden für den Sommer, dazu ein Stücklein Feld von der Gemeinde und so von den Wohlhabenderen auch etwas Effen; zum Schluß aber, wenn der Trieb im Herbst ein Ende hat, aus jedem Haus noch einen Laib Brod. Das giebt schon etwas aus. Seit drei Jahren hat Hansl dieses ansehnliche Einkommen. Jetzt 'st feine Schwester noch vom Schloß herunter, zu fragen, wo er geblieben, sie hätten ihn doch blasen gehört.

Die Magd zündet ein Licht an.Oh mein! Karn fein, sie kommen nicht vor Tag."

Das Kind geht, wieder, den nächsten Pfad an dem wild- tosenden Bach hin, der den Burgselsen umspült, bann burch Föhreuwalb in steilem Zickzack hinaus. Es ist ein mächtiges Rauschen in ber Luft. Der Wind zaust an dem Röckchen, au den braunen Haarringeln ber Kleinen und schlägt droben in der Burg die Schwengel ber zwei Kapellenglöckchen an, bie in ihrem luftigen Gehäuse nur etliche Male bes Jahres ertönen: wenn zu Ostern unb Allerheiligen, gemäß einer uralten Stiftung, Messe gelesen wirb, ober bei sonstigen hohen Kirchenfesten.

(Fortsetzung folgt.)