Ausgabe 
5.3.1893 Drittes Blatt
 
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1893

Sonntag den 5 März

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Auch der Montag brachte unserem kunstlrebenden Publikum eine schöne Freude. Das letzte Symphonieconcert der Hof­capelle unter Hoscapellmeister de Haans Leitung bildete den glanzvollen Abschluß einer stattlichen Reihe von musika­lischen Darbietungen. Der berühmte dänische Componist

ertheilt werden soll. Der Umstand, daß es nicht ausge­schlossen ist, daß späterhin die Zolleinnahmen in die Höhe gehen werden, wird in der angenommenen Finanzübersicht für gleichgültig erklärt, da alle Zolleinnahmen des Reiches, welche einen bestimmten Betrag überschreiten, nach der clausula Franckenstein den Einzelstaaten überwiesen werden müsien, und also vom Reiche nicht für seine Zwecke aufgebraucht werden können. Mittlerweile ist die Commission in die Special' berathung der Vorlage selber eingetreten, aber erst bis zum §2 gelangt. Dielex Heinze" ist von der zuständigen Commission in erster Lesung nunmehr erledigt worden. Nach den Beschlüssen der Commission sollen künftig die Zu­hälter als solche strafbar sein und ebenso die Anfertigung, Verbreitung und Ausstellung unmoralischer Bilder unter Strafe stehen. Neu hinzugefügt hat die Commission eine Bestimmung, welche das Schutzalter unbescholtener Mädchen von 16 auf 18 Jahre verlängert, und eine weitere, die den Mißbrauch des Arbeitsverhältnisses seitens der Arbeitgeber zu den ange­deuteten Zwecken, schweren Strafen unterwirft.

In Belgien hat die Volksabstimmung zur unangenehmen Ueberraschung der belgischen Clericalen und Conservativen eine große Mehrheit für die bedingungslose Einführung des allgemeinen gleichen Wahlrechts ergeben. Gleichwohl erklärte der Ministerpräsident Becrnaert, daß die Regierung nach wie vor das allgemeine Stimmrecht ablehne. Obwohl sich dieses in Deutschland bekanntlich seit mehr als 20 Jahren sehr wohl bewährt hat, bezeichnete es der Minister als eine politische Absurdität.

entgegen, in deren Gemeinden etwa ein oder zwei dieser Gürtel fehlen.

von Gagern.

Gießen, den 3. März 1893. Betr. Ausrüstung mit Feuerlöschrequisiten.

Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen

an die «rstzh. vürgermeiftereien des «reifes.

Unter Bezugnahme auf unsere Verfügung vom 10. Jan. l. I. Kreisblatt 11 weisen wir Sie an, die für die Feuerwehren erforderlichen Leitern nebst den zu deren. Aus­rüstung noch von Ihnen vorgesehenen Gegenständen in aller Kürze anzuschaffen. Wir beabsichtigen, im Laufe des Früh­jahres durch die Kreisfeuerwehrinspectoren in allen Gemein­den Hebungen der Feuerwehren abhalten zu lasten, es ist nothwendig, daß diese dann vollständig ausgerüstet sind.

Wir haben erfahren, daß einige von Ihnen die im Herbst D. I. bezogenen Ausrüstungsgegenstände noch nicht vollständig ausgegeben haben. Es ergeht deßhalb hierdurch der Auftrag zur sofortigen Verabfolgung dieser Gegenstände an die Mit­glieder der Feuerwehren. Vor der Ausgabe ist ein Inventar anzulegen, in welchem die einzelnen Stücke unter Beifügung des Empfängers einzutragen sind. Auch diejenigen von Ihnen, welche die Verabfolgung bereits vollzogen haben, wollen ein Inventar nachträglich anlegen. Die Jnventarien sind stets weiterzuführen, tritt ein Wechsel im Besitz ausgegebener Gegen­stände ein, so ist dies zu wahren. In den gemäß unserer Verfügung vom 10. Januar d. I. von Ihnen zu erstatten­den Berichten ist zugleich die erfolgte Anlegung von Jnven- tarien anzuzeigen.

Für diejenigen von Ihnen, welche uns bereits berichtet haben, daß Leitern schon angeschafft worden sind, bemerken wir, daß die Kreisfeuerwehrinspectoren sich bei gelegentlicher Anwesenheit von deren Brauchbarkeit überzeugen werden.

Schließlich benachrichtigen wir Sie, daß bei Verthellung der Ausrüstungsstücke dahier zwei Steigergürtel übrig ge­blieben sind. Wir sehen dem Bericht derjenigen von Ihnen

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Muster mit Angabe de« Kewunscbten.

Prof. Hartmann aus Kopenhagen und der sächsische Kammersänger Perron, der erste Baritonist der Dresdener Hofoper, verschönten den Abend durch 'ihre Mitwirkung. Ursprünglich war uns kein geringerer als Hans v. Bülow als Dirigent angekündigt, doch befindet sich der gefeierte Künstler bekanntlich seit längerer Zeit in einer Nervenheil­anstalt. Nun wir können auch ohnedies mit dem, was unS in diesem Winter an Concerten geboten wurde, zufrieden sein. Eine ansehnliche Zahl von berühmten Virtuosen und Künstlern hat bei uns Einkehr gehalten. Leider machte sich bei allen Privatconcerten, die nicht im Hoftheater statt­fanden, das Fehlen eines großen Concertsaales recht: empfindlich bemerkbar. Der Saalbausaal und wie sonst die Räume alle heißen, in denen musicirt wird, leidet an schweren akustischen Mängeln, die den Bau einer besonderen Coneert- halle recht wünschenswerth erscheinen lassen.

Sonst bleibt aus dem künstlerischen und wissenschaft­lichen Leben dieser Woche nicht viel zu berichten. Einen eigenartigen Vortrag hielt vor ein paar Tagen Fräulein Dr. Ella Mensch, sie sprach über die Weltausstellung von Chicago und die Bedeutung derselben für die Frauen­bewegung. Die Ausstellung jenseits des großen Wassers ist natürlich auch bei uns gegenwärtig Gegenstand vieler Ge­spräche. Unsere größeren Firmen werden fast ausnahmslos in der jungen Weltstadt am Michiganfee vertreten sein. Der Nachbarort Pfungstadt wird sogar eine ganze Colonie nach Amerika senden, denn es soll bet der Weltausstellung auch ein ganzes hessisches Dorf aufgebaut werden, und da darf die hessische Biermetropole, die ihremStoff" ihren Ruhm verdankt, natürlich nicht fehlen. Das Interesse unserer jungen Welt gehört im Augenblick allerdings einem anderen bevorstehenden Ereigniß, dem sogenantenPolytechnikerballe", wie hier allgemein das alljährlich vomAkademischen Verein" an der Technischen Hochschule veranstaltete Ballfest genannt wird. Die rührigen Herrn Studiosen sollen diesmal ganz besondere Anstrengungen gemacht haben, um ihren Gästen einen fröhlichen Abend zu bereiten. Am 11. März soll die Veranstaltung fein, die in einem Concert, einer theatralischen Aufführung und last not least dem Balle bestehen wird. Das Tanzen ist dabei übrigens nicht als einziger Zweck zu betrachten, denn der Reingewinn des Festes fällt der Unterstützungskasse für arme Lehrerswittwen zu. Man wird also im Dienste der Wohlthätigkeit vergnügt sein und das dürfte wohl Niemand beschwerlich fallen. 2.

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Rr. 55. Drittes Blatt

"hch-n SBoinung

gaffe Nr. 14

1940

Bitt, Ofensetzer.

Wochendriefe aus der Residenz.

(Ortginalbcrtcht für denGießener Anzeiger".) Darmstadt, 3. März 1893.

Die Premiere desBajazzo". Das letzte hofmufikconcert. - Allerlei.

Mit dem Bericht Über ein künstlerisches Ereigniß soll unser heutiger Residenzbrief beginnen. Des Italieners Leoncavallo OperPagliazzi" ist am letzten Sonntag vor ausverkauftem Hause in Scene gegangen und hat hier einen geradezu sensationellen Erfolg erlebt, der den derCavalleria Rusticana" noch übertroffen hat, und da« will viel sagen. Der junge Componist hat aber auch wirklich ein Meisterwerk geschaffen, man merkt seiner Musik den Ein­fluß Richard Wagners zwar deutlich an, aber die auS den Werken des großen deutschen Meisters gewonnenen Eindrücke sind in einer so überaus eigenartigen, künstlerisch-selbstständigen Weise verwerthet und ausgenutzr, daß von einer epigonen­haften, sclavischen Nachahmung gar keine Rede sein kann. Vieles in der Musik erinnert auch an Mascagni, doch kann natürlich nicht von einer Beeinflussung durch diesen rasch berühmt gewordenen Maestro gesprochen werden, denn der //Bajazzo" so hat man den italienischen Titel der Oper verdeutscht ist vor derCavalleria" geschrieben. Der Gang der außerordentlich aufregenden und spannenden Hand- lung sei hier in aller Kürze ausgezeichnet. In einem kleinen italienischen Dorse wird ein Fest gefeiert. Ein Jahrmarkt findet aus diesem Anlaffe statt und dabei fehlt eS natürlich nicht an Sehenswürdigkeiten aller Art, auch ein Bajazzo­theater ist aufgeschlagen, dort will, eine Truppe fahrender Comödianten ihre Vorstellungen geben, wie das ja noch heute in Italien Brauch ist. Von den Dorfbewohnern jubelnd begrüßt hält derBajazzo" Canio mit seiner Truppe auf einem Maulthierwagen seinen Einzug. Unter allerhand Späßen und Capriolen ladet er die Menge zum Besuch der Abendvorstellung ein. Unter den Mitgliedern der Truppe befindet sich Nedda, die Gattin desBajazzo", von ihm abgöttisch geliebt, aber auch argwöhnisch aus Eifersucht auf Schritt und Tritt beobachtet. Sie ist leichtsinnig und hat dem Werben eines jungen Bauernburschen, Silvio, Gehör geschenkt. Sie giebt ihm, den sie wahrhaft zu Heben glaubt, ein Stelldichein und beschließt dabei, gemeinsam mit ihm zu

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Gießener Anzeiger

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politische Wochenschau.

Hießen, den 4. Marz 1893.

Auf der politischen Arena ist es in der vergangenen Woche zumeist recht still hergegangen. Die Verhandlungen in der Mi litär commission wollen noch immer nicht recht vom Flecke, und es erscheint nunmehr gänzlich zweifellos, daß ein Abschluß der Commlssionsarbeiten vor Ostern nicht möglich ist. Fragt man sich aber, ob dieser fehlschlagende Gang auf die böswillige Obstructionstaktik einer der Parteien in der Militär- commission zurückzuführen ist und also hätte vermieden werden können, so wird man zugestehen müssen, daß die Schuld nicht einzelnen Personen und Fraktionen zufällt, sondern in den besonderen Verhältniffen der parlamentarischen Behandlung von Militärvorlagen zu suchen ist. Zunächst hatte der Reichs­kanzler noch einmal in der Commission durch eine große General­rede die M'litärvorlage besürwortet. Es war natürlich, daß die angegriffenen Parteien nunmehr ebenfalls in einer General- discussion dem Reichskanzler erwiderten. Nach dem Abschluß der letzteren trat die Commission in die Erörterung der Finanz­verhältnisse des Reiches ein. In längeren Debatten führten die Anträge Eugen Richters zur Annahme einer von demselben Abgeordneten formulirten Uebersicht über die von der Regierung in Aussicht gestellten Mehrausgaben des Reiches, welche sich theils außer Zusammenhang mit der Militärvorlage, theils infolge derselben künftig ergeben werden und in der neuen Militärvorlage nicht etatisirt sind. Hiermit wurde im Wesent­lichen festgelegt, daß nach Angabe der Regierung die völlige Kasernirung der bereits vorhandenen, aber noch nicht kaser- nirten Truppen und der neu geforderten Mannschaften im Ganzen eine Summe von 141 Millionen erfordert, und außer- dem der Regierung bereits die Ermächtigung zur Ausgabe von 155 Millionen für Zwecke des Landheeres und einer ähn- I lichen Summe für die Marine ertheilt ist oder im Etat 1893/94

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fliehen- Doch die Liebenden werden belauscht.

Mitglied der Truppe, dessen Liebesbetheuerungen Nedda ver­lacht und den sie endlich mit der Peitsche in der Hand zurückgewiesen, beobachtet die Scene und ruft denBajazzo", Neddas Gemahl Canio herbei. Dieser kommt aber zu spät, Silvio ist schon entflohen. Vergebens will der Betrogene den Namen von Nedda wissen, er bittet und fleht umsonst, da stellen sich die ersten Zuschauer zum Beginn der Vor­stellung ein und Canio muß sein Bajazzogewand anziehen, um unter qualvollen Seelenkämpfen die Menge mit albernen Späßen zu ergötzen. Dies ist der Inhalt des ersten Actes. Im zweiten wohnen wir der Vorstellung der Bajazzotruppe selbst bei, wir sehen also ein Theater im Theater, ähnlich wie imHamlet". Die Vorstellung beginnt und nun wieder­holt sich im Spiel daffelbe, was sich vorher in Wirklichkeit begeben. Nedda, die jetzt in der Rolle derColumbine" auftritt, giebt demHarlequin" ein Stelldichein, da kehrt Canio Bajazzo zurück und verlangt von der Ungetreuen, den Namen des entflohenen Liebhabers zu hören. Die schreckliche Uebereinfttmmung von dem, was er erlebt und dem, was er darstellen soll, machen ihn wahnsinnig, er vergißt ganz seine Rolle und während die' Zuschauer glauben, er spiele nur was ihm vorgeschrieben, bringt er in Nedda, ihm ihren Geliebten zu nennen. Da diese sich weigert, ersticht er sie und als Silvio, der unter den Zuschauern geweilt, zur Rettung herbeispringt, auch diesen. Damit ist das Drama zu Ende.Das Spiel ist aus, geht ruhig nach Hause" ruft Taddco-Tonio dem Publikum zu. Die lustige Harlekiniade ist zum ernsten Trauerspiel geworden. Ein ganz prächtig gedichteter und componirterProlog", von Tonio Taddeo vorgetragen, berichtet übrigens vorher, daß der dargestellte Vorgang auf Wahrheit beruht und im Jahre 186) sich so ereignet hat, wie hier geschildert ist. Die Novität sand hier eine ganz vollendet-gute Aufführung durch die Herren Baer, Weber, Thate, Sturz und Fräulein von Santa. DaS Publikum rief die Darsteller nicht weniger wie acht Mal, um für ihre Leistungen zu danken. Natürlich wird das neuemusikalische Drama", wie der Componist selbst sein Werk nennt, nun noch sehr oft auf dem Spielplane

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