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5.2.1893 Erstes Blatt
 
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1893

Sonntag den 5. Februar

Nr. 31 Erstes Blatt

Dn Gteßener Hnzei-er rrlAfint täglich, eit Äuinabme bei Tlontaqi.

Die UöieBtntr yeettteo6fält<r xtben dem Anzeiger eichmtlich dreimal tzrigelkgl.

Gießener Anzeiger

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Amts» und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen.

Uunahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgend« Tag erscheinmdm Nummer bis Bonn. 10 Uhr.

Amtlicher Theil.

Gefunden: 1 Pelzmütze, 1 Paar Handschuhe, 1 seid. Halstuch, 4 Taschentücher, 1 Brille mit Futteral, 1 Mund, stück von einer Trompete, 1 Strickzeug und 1 Manschette mit Knopf.

Gießen, den 4. Februar 1893.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.

Deutscher Reich.

Berlin, 3. Februar. Im Zusammenhänge mit dem kürzlichen Besuche des russischen.Thronfolgers in Berlin tauchen bereits Gerüchte über eine im kommenden Sommer angeblich bevorstehende Begegnung des deutschen Kaisers mit dem Czaren auf. Zunächst hat man es in­dessen in diesen Gerüchten wohl nur mit bloßen Muth- maßungen zu thusi, gegründet auf den so günstigen Verlauf der Berliner Reise des Czarewitsch. Allerdings könnte aber das jetzt nur gerüchtweise signalisirte Ereigniß angesichts der beginnenden Aufhellung in den Beziehungen zwischen Deutsch­land und Rußland eines Tages sehr leicht zur Thalsache werden und eine solche künftige Begegnung der beiderseitigen Herrscher würde zweifellos eine hohe politische Bedeutung in sich bergen. Was aber würden alsdann die Franzosen sagen!! Sie sind ja schon jetzt höchlichst verstimmt wegen des statt- gefundenen Besuches des Großfürsten'Thronfolgers am deut­schen Kaiserhofe, so daß sich derGanloiL" veranlaßt fühlte, seine Landsleute mit der Versicherung zu trösten, der Czare­witsch habe seinen Besuch auch in Paris in Aussicht gestellt. Inzwischen hat sich diese Nachricht bereits als erfunden her ousgeslellt, dafür wird nun den Franzosen von anderer Seite eine Reise des Czarensohnes nach Nizza und der Rioiera für den Herbst verheißen hoffentlich werden sich die Rnssenschwärmer in Frankreich hierbei beruhigen!

Die zweimalige Feststellung der Beschluß Un­fähigkeit des Reichstages vom Dienstag und Mitt- woch scheint demselben etwas in die Glieder gefahren zu fein, denn er zog es am Donnerstag vor, lieber die Sitzung einmal ganz ausfallen zu lassen. Hoffentlich wird es aber mit der Besetzung des Hauses von nun ab ernstlich besser werden, sonst käme ja der Reichstag mit seinen Arbeiten gar nicht mehr vorwärts!

Die Gefammtzahl der Erkrankungen in der Irren­anstalt zu Niet leben infolge der Cholera stellte sich bis zum Abend des 1. Februar auf 115, diejenige der Todesfälle auf 47. In den letzten Tagen haben sich in ver­schiedenen Orten des SaalkreiseS neun choleraähnliche Fälle ereignet, z. B. in Schönenwitz. 1

Deutscher Reichstag.

35. Sitzung. Freitag, 3. Februar 1893.

Abg. Werner (Antisemit) begründet seinen Antrag auf Ein­st, llung des gegen den Abg. Ahlwardt wegen öffentlicher Beleidigung bam Landgericht Berlin schwebenden Strafverfahrens und krittfirt abfällig das Verhalten der Conservativen einem analogen früheren Anträge gegenüber. Jedenfalls seien die Gründe, die damals gegen den Antrag angeführt wurden, heute weggefallen.

Abg. Dr. Hartmann (cons.) erklärt feine Zustimmung zu dem Anträge. Die öonbem Vorredner kritisirte Haltung entspreche durchaus der von der confer vatioenPartei bisher immer eingenommenen Stellungnahme.

Der Antrag wird angenommen.

Die Berathung des »tatet des Innern wird fortgesetzt.

Abg. Bebel (Soc.) hält seine Angaben hinsichtlich der Ent­ziehung der Pelze der preußiichen Staatsbahnbeamten aufrecht. Den Boden für die Socialdemokratie liefet e oft die bestehende Ordnung, für welche Dr. Mehnert so eifrig eingetreten fei. Dr. Bachem habe gefragt, welche Mittel die Socialdemokratie zur Besserung der be­stehenden Zustände habe. Die Entwickelung zum Besseren sei immer durch Unzufriedenheit mit den bestehenden Zuständen geschaffen worden, also auf revolutionärem Wege. Dann treten ganz andere Focloren zu Tage, die sich heute noch gar nicht übersehen lassen. Die Social- dcmokratiebabeaberauch einegroße Anzahl von Maßregeln vorgeschlagen, die sich fd>on auf dem Boden der jetzigen Gefellschastsordnung durch­führen lass'N, die aber an dem Widerfpruche der bürgerlichen Parteien gescheitert seien. Seine Freunde würden jederzeit den sogenannten Jungen" entßeaentreten ,| welche Besserungen in dem Rahmen der bestehenden Ordnung ablehnten. Seine Partei sehe einer Aus­lösung des Reichstags mit Vergnügen entgegen. Wenn Dr. Bachem die socialdemokratischen Schriften wirklich studirl hätte, so würde er seine Rede am Dienstag überhaupt nicht gehalten haben. Die social- demokratische Partei dulde die Genossenichaftsbildung nur so weit, als sie der Propaganda diene, nicht aber als flmittel. Der einen verunglückten Genossenscha't in Berlin gegenüber ließen sich übrigens Dutzende glänzend slorirender Genossenschaften gegenüberstellen. Ungemein kleinlich sei. daß Dr. Bachem den Ocholt Liebknechts dem ».Vorwärts" zur Sprache gebracht habe. Der Gehalt betrage 7200 Mk., sehr viel gegenüber dem Einkommen der weitaus meisten

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Parteigenossen, wenig im Derhältniß zu dem Einkommen der Bourgeois- Redacteure. etwa des Frhrn. v. Hammerstein bei derKreuzzeitung . Was die Forderung nach einer Darstellung des Zukunftsstaates an­belangt, fo wollen feine Freunde einen Zukunftsstaat gar nicht. Vor etwa zehn Jahren hätte man vielleicht eine solche Forderung teilen können, zu einer Zeit, wo die Partei ihr heutiges Entwickelungs­tadium noch nicht erreicht hätte. Die Partei habe sich mehrfach gemausert. Die capitalistüche Entwickeluna dränge, wie Engels schon dargelegt habe, dahin, den heutigen Staat zu beseitigen und neue Organisationen, aber nicht einen Zukunfsstaat, an dessen Stelle AU setzen. Die Richter'fche Schrift gegen die Socialdemokratie habe dieser keinen Abbruch gethan. Der Begriff des Staates habe bisher noch nie übereinstimmend definirt werden können. Die Staatsgewalt entstehe erst mit dem Muffleben der communistischen Grundsätze und in dem Augenblicke, da sich Besitzender und Ntchtbesitzender gegenüber: treten Die jeweilige Staatsgewalt sei der Ausdruck der Interessen der herrschender' Klassen. Das allgemeine Stimmr.ckt stehe im Widerspruch mit dem Geg nsatz der Besttzverbältnisse und fo komme dasselbe auch thatsSchlich nicht zur Geltung. Man sage, es sei immer so gewesen und werde immer so sein. Nein, es fei nicht immer fo gewesen und werde nicht immer so sein Die heutige bürgerliche Gesellschaft sei verhältnißmäßig modernen Datums. Sie sei die beste, die bisher bestanden. Die Socialdemokratie erkenne das an und bekämpfe nur ihre Auswüchse, um zu zeigen, daß eine neue Ordnung nothwendig sei. Die bürgerliche Gesellschaft fei noihwendig gemeßen nach der feudalistischen, sie sei noihwendig als die Vorgängerin der soctaltsttschm. DieSoctaldemokratte sei das naturnothwendtge Pro­duct der bürgerlichen G-s-llfchast. Deshalb ließen er und seine Freunde sich nicht in utopisttsche De t a ilm aler ei rin. Solche zu ver­langen sei Thorheit. Die Partei habe ihr Programm, welches die Grundzüge ihrer Bestrebungen enthalte. Das Erste werde die Expropriation der Arbeitsmittel sein. Die Verstaatlichung großer Be­triebe und der Uebergang solcher an Actiengesellschaften arbeite dieser Expropriation vor. Wie das im Einzelnen einzurichten, werden wir leicht sehen, wenn wir erst soweit sind. Die bürgerliche Gesellschaft fei fo überschuldet, namentlich der Großgrundbesitz, daß sie vielleicht froh sein werde, mit der Expropriation diese Last los zu werden. Die socialistische Production werde so massenhaft produciren, daß für Alle im reichsten Maße gesorgt sein werde. Dann weide es keine Krisen, keinen Arbeitsmangel und keinen Hunger mehr geben. Die nationalöconomische Wissenschaft fuße mehr und mehr auf focialdem. Boden und das officiöse Organ des Papstes habe noch jüngst erklärt: es sei kein Zweifel mehr, daß dem Socialismus die Zukunft gehöre. Die Zukunft gehöre der Socialdemokratie, man werde das bei der nächsten Wahl sehen. (Beifall bei den Socialdemokraten). , r C| n, .

Abg Frhr. v. Stumm (Rp.): Bebel habe auf die Aufforder­ung, einmal das Programm der Zukunft zu entrollen, mit einer akademischen Vorlesung aus setn.m BuchDie grau" geantwortet. Die Eonnivenz des Staates gegenüber den Socialdemokraten habe die Actiengesellschaften befördert, weil der Privatbesitz erfchwert werde. Dinge, wie sie in letzter Zett in England, Amerika, Frank­reich u. f. w. vorgekommen, würden sich auch hier zeigen, wenn die Herren Socialdemokraten mehr Macht hätten. Dann würde der ärgste Terrorismus herrschen. Der socialdcmokrattsche Zukunfts­staat fei nichts weiter als etn großes Zuchthaus. Die Socialdemo- fiaten wendeten sich an die dösen Leidenschaften, um Hoffnungen zu erregen, die sie nie erfüllen könnten. Sie böten Alles auf, um Besserungen zu v rhindern, denn sonst könnten ja die Arbeiter zu­frieden werden. Allerdings hätten sie die Regierung aufgefordert, den oder jenen Gesetzentwurf einzubringen; geschehe das aber, so stimmten sie dagegen. Um U'izutriedenheil zu erregen, stellten die Socialdemokraten die bestehenden Verhältnisse ganz vnkrhrt dar Sie sprächen von einem beständigen Sinken der Arbeitslöhne, während d<e letzteren in den letzten Jahren steigende Richtung verfolgten. Die wohlwollendsten Absichten der Arbeitgeber würden Seitens der Hetzer in das G.gentheil verkehrt. Die Socialdimokratte appellire an die Gewalt und so lange das geschehe, müsse ihr mit Gewalt entgegen- getreten werden. (Beifalls , _ , ,

Abg. Dr. Bachem (Ctt.): Man wisse nicht, wo man die Social­demokraten antassen soll; weist man auf das eine oder das andere Ziel dieser Partei hin, fo heißt es: Das wollen wir nicht ober das wollen wir jetzt nicht. Die Socialdemokraten betrachteten Alles, was zum Besten der Arbeiter geschehe, als unnütze Palliativmittel und sie hätten gegen alle bisherigen Maßnahmen gestimmt, gegen die Ar­beiterversicherungsgesetze, gegen das Arbeiterschutzgesetz u. f. w. Das sollten lich die Arbeiter im Lande vergegenwärtigen. Die Social- demokraten wüßten sehr wohl, daß die Weiterführung der begonne­nen Socialpolitik ihrer Macht ein Ende mache. Bebel habe tue Gegenfrage gestellt, wie er (Redner) sich das Fortleben nach dem Tode vorstelle. Er antworte, so rote es der katholische Katechismus lehre. Bebel habe gefragt, rote sich die Mehrheit den Staat nach fünf Jahren vorstelle. Nun, im Wesentlichen rote heule. Bebel er­kläre, sie wollten keinen Zukunftsstaat Früher habe Bebel aber selbst gesagt, daß man sich über die Gestaltung des Zukunftsstaates schon jetzt klar machen müsse. Fürst Bismarck habe den Sozial­demokraten vor einigen Jahren getagt: Sie sind jetzt 24, ich gebe Ihnen 36, aber wenn Sie 36 sind, müfien Sie auch sagen, rote Sie Ihren Zukunftsstaat gestalten wollen. Heute find die Herren 36 an her Zahl. Bisher hatten Sie einen großen Kladderadatsch noch vor Ablauf dieses Jahrhunderts angekündigt, aus dem der neue Staat erwachstn solle, und jetzt erkläre Bebel, sie wollten keinen Zukunfts­staat; was sich vollziehe sei die natürliche Entwickelung der Dmae. Aber'mit dieser natürlichen allmählichen Entwickelung begnügten sich die Socialdemokraten nicht; sie drängten zur Umwälzung der be­stehenden Ordnung, und da sei es frivol, dies ohne bestimmten Plan zu thun. Bebel habe heute selbst ausgeführt, daß es in der social- demokiatischen Organisation keinen Gehorsam und keine Organlfa tion mehr gebe. In dem Augenblicke, wo diese Organisation etn: trete, werden zunächst alle Fabr-ken, Bergwerke und sonstige Betriebe still stehen. Wo sei die Möglichkeit, sie wieder in Betrieb zu setzen, wenn keine Auiorität bestehe! Entweder es werde eine gewaltige Desorganisation geschaffen, oder man hebe jede Freiheit, vor Allem die fre e Berufswabl, auf. Es werden in socialdemokrattschen Blät­tern und Schriften allerlei verlockende Schilderungen des Zukunsts- ftaates gegeben. Ader wenn gefragt werde, rote soll das gemacht

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werben, verweigere man bie Antwort. So verführe man bas Volk. Bisher habe es nie eine menschliche Organisation ohne Autorität ge­geben. Jetzt werben Diejenigen, bie Wtberspruch erheben, einfach aus ber Partei herausgeworfen. Aus dem socialdemokratifchen Staat könne man doch den Einzelnen, ber Opposition mache, nicht herausschmeißen. Das wäre eine schöne Gleichberechtigung! Run werben aber Millionen unzufrieben sein. Was thun Sie mit benen? Es bliebe nichts übrig, als diese Millionen in einem Meer von Blut zu ersticken. Die Sache sei ernst und sie sei blutig ernst für die Arbeiter. Die Arbeiter werden sich fragen müssen: ob sie eS innerhalb des heutigen Staates besser haben ober in einem erträum­ten Zukunftsstaate. Alle verstänbigen Arbeiter würben nicht zweifel­haft sein unb sich gegen bte Socialbemokratie roenben, die ohne jede ethische Grundlage sei und nicht einmal an die Unsterblichkeit glaubte. (Rufe bei den Socialdemokraten: Rein!) Redner schließt mit einem warmen Appell an die deutschen Arbeiter, sich nicht von Agitatoren htnreißen zu lassen, bie aus Deutschlanb ein Trümmerfelb machen würben. (Lebhafter Beifall.)

Weiterberathung morgen.

Neueste Nachrichten»

Wolffs relegraphischeS Eorrefponbenz-Bureau.

Berlin, 3. Februar. DerKreuzzeitung" zufolge richtete ber Großsürst-Thronfolger aus Petersburg am 31. Januar an den Obersten des 8. westfälischen Husaren- Regimems ein Telegramm, in dem er für den freundlichen Willkommengruß bankt unb bann fortfährt: ,/Nach Hause zurückgekehrt, bin ich tief durchdrungen von dem Gefühle auf­richtiger Dankbarkeit für die mir von Seiner Majestät er­wiesene, mir so theure, wohlwollende Aufmerksamkeit."

Berlin, 3. Februar. Heute Vormittag fand in der katholischen St. Hedwigtkirche für den verstorbenen Herzog von Raribor ein Requiem statt, dem I. Maj. die Kaiserin, I. Kgl. Hoheiten die Prinzessin Friedrich Leopold, zahlreiche hohe Militärs, sowie viele Mitglieder des Landtages und des Reichstags beiwohnten.

Raube«, 3. Februar. Der Kaiser ist heute Vor­mittag gegen 11 Uhr zur Theilnahme an der Leichenfeier für den ver'storbenell Herzog von Ratrbor hier eingetroffen. Depu­tationen der einzelnen Vereine, sowie die Gemeinde- und Forftbeamten bildeten am Eingänge des Schlosses Spalier. Zur Kirche hatte nur eine geringe Zahl von Herzoglichen Beamten Zutritt erhalten. Um 11^/z Uhr nahm die Trauer­feier ihren Anfang. Zuerst betraten etwa dreißig Geistliche des Patronars die Kirche, hieraus folgte der Kaiser mit ber Herzogin von Ratibor am Arme, sodann der Erbgroßherzog von Baden, der Cardinal Prinz Hohenlohe, die Mitglieder der Herzoglichen Familie und die übrigen hohen Persönlich- feiten. Der Kaiser stand während der Feier za Haupte« des Sarges, der im Mittelschiff der Kirche aufgebahrt war. Die Orden des Verstorbenen logen auf sechs Tischen vertheilt. Der Ortsp'arrer hielt die Trauerrede. Unter den Klängen des Chopin'schen Trauermarsches wurde ber Sarg in die provisorische Gruft gesenkt. Gegen 12^2 UM war die Trauer« feier beendigt. Der Kaiser begab sich nach 3 Uhr zu Wagen nach der Station Hammer.

Belfort, 3. Februar. Hier fand heute Nacht ein leichtes Erdbeben statt.

Paris, 3. Februar. Der Beamte des Credit Lyonnais, Blond in, wurde wegen bei ber Panama-Gesellschaft vor- gekommener Bestechungen verhaftet, aber aus Gesundheits­rücksichten vorläufig wieder entlassen.

Depefchen Des Bure«uHerold".

Berlin, 3. Februar. Gegenüber der Behauptung, die in der Milttärvorlage geforderte Mehreinste llung von 60,000 Rekruten gebe weit über die natürlichen Grenzen der Volks Wehrkraft hinaus, weil Leute von unzureichender Taug­lichkeit eingestellt würden, sucht derReichsanzeiger" nach­zuweisen, die durch bte MUitärvorlage bedingte Erhöhung der Rekrutcnquote werde eine Herabminderung der Ansprüche an die Tauglichkeit nicht zur Folge haben. Die Erhöhung werde ohne Gefährdung der dienstlichen Leistungen tm Allgemeinen, wie der Gesundheit der Mannschaften im Besonderen, ihre Deckung nur aus solchen Militärpflichtigen finden, die schon nach den jetzigen Bestimmungen, abgesehen vom Minimal-- maß, ihre Einstellung im activen Friedensdienste gewärtigen müßten.

Berlin, 3. Februar. Die Commission für eine Ar­beiter-Statistik ist heute wieder zusammengetreten. Es wurde die Arbeitszeit in den Bäckereien und Conditoreien besprochen; die Besprechungen stützten sich auf Erhebungen des Statistischen Amtes. Die Commission gedenkt ihre Aufgabe in vier Sitzungen zn erledigen.

Berlin, 3. Februar. Eine zahlreich besuchte Versamm­lung von Handlungsgehilfen, Gehilfinnen und Hausdienern erklärte sich für Anschluß an die Socialdemokratie und beschloß eine Petition an den Reichstag, worin daS