1893
Mittwoch den 4. Oktober
Erstes Blatt
Nr. 233
Amts- und Anzeigeblutt für den Ureis Giefzen
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Gemeinde Hopfgarten, am 27. December 1886 als Rechner der evangelischen 5Urche daselbst und am 8. Februar 1887 als Rechner der Gemeinde Renzendorf bestellt, und war ihm für die beiden genannten Gemeinden die Führung der Kranken-, Alters- und Jnvaliditätskassen übertragen. Schon seit mehreren Jahren wurde über nachlässige Kassenführung Hedrichs geklagt und sah er sich infolge dessen veranlaßt, sein Amt niederzulegen. Nachdem ein neuer Rechner bestellt war, fand in der Zeit vom 7. bis 13. Februar 1893 durch den damit beauftragten Rechner Becker von Maulbach die Ueberlieferung statt und fand sich nicht allein das ganze Rechnungswesen Hedrichs in großer Unordnung, sondern es ergab sich auch in den von ihm verwalteten Kassen ein Fehlbetrag von nahezu 4000 Mark. Hedrich hatte die fehlenden Beträge den einzelnen Kasten bald darauf ersetzt und ist im Wesentlichen geständig. Er entschuldigte sich damit, daß er die Rechnungsstellung nicht richtig verstanden habe, auch mit anderen Arbeiten zu sehr überhäuft gewesen sei, sodaß erst Rückstände sich ergeben und dann völlige Unordnung in seinem Kastenwesen erfolgt sei- im Anfänge seiner Dienstsührung habe er tüchttge Gehilfen gehabt, welche ihm aber später nicht mehr zur Verfügung gestanden hätten. Die Geschworenen (Obmann Herr Heinrich Wilhelm Alles) bejahten die ihnen vorgelegte Schuldfrage, sowie die Nebenfrage nach mildernden Umständen, worauf der Gerichtshof den Angeklagten in eine Gefängnißstrafe von einem Jahre und sechs Monaten abzüglich eines Monats Untersuchungshaft nebst Kosten verurtheilte, ihm auch die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von drei Jahren aberkannte.
♦* Kirchliche Dienstnachrichten. Die Definitorialprüfung im Monat August 1893 haben bestanden: Ludwig Berk von Udenhausen, August Frey von Gräfenhausen, Georg Groth von Wenings, Georg Hamm von Lengfeld, Wilhelm Jost von Alsheim, Heinrich Kullmann von Schotten, Friedrich Landmann von Erbach, Fritz Schmidt von Angersbach, Friedrich Wihelm von Rabertshausen, Heinrich Zinn von Heblos. — Ernannt wurde: Pfarrverwalter Becker von Wimpfen zum Pfarrverwalter von Worfelden und Mitprediger zu Groß-Gerau. — Gestorben ist Pfarrer i. P. Eich zu
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ertrauen bestens.
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Gießen. 3. October 1893.
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Avk Ännoncrn-Burtaur de« In- und Äultanbe« nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgegen.
Deutsches Reich.
Berlin, 2. October. Kaiser Wilhelm hat sich nach Beendigung seines Jagdaufenthaltes in Schweden direct nach seinem ostpreußischen Jagdschlösse Rominten begeben, woselbst auch die Kaiserin eiugetroffen ist. Es haben sich also die Gerüchte, welche von einem Abstecher des Kaisers auf seiner Rückreise von Schweden nach Fredensborg behufs einer Begegnung mit dem Czaren wisten wollten, als unbegründet hemuSgestellt.
— Die für letzten Samstag ziemlich bestimmt ange- kürdigt gewesene Abreise des Fürsten Bismarck von kissingen nach Friedrichsruh ist wiederum verschoben worden. Offenbar ist der greise Exkanzler von seiner schweren Erkrankung noch immer nicht soweit hergestellt, um endlich die Anstrengungen einer längeren Eisenbahnfahrt riskiren zu Idrnen. Gegenüber den von der „Neuen Freien Presse" in Wien gebrachten beunruhigenden Meldungen, welche von an- grl licher andauernder Lähmung und greisenhafter Hinfälligkeit Bismarcks berichteten, versichern jedoch anderweitige Nachrichten, daß sich das Befinden des Fürsten > fortgesetzt bestere und daß daher seine Abreise von Kissingen nunmehr in den ollernächsten Tagen erfolgen werde. Die Heimfahrt nach FrredrichSruh wird mit möglichster Beschleunigung, theilweise mittelst Sonderzuges, und auf der kürzesten Route vor sich geben. Die Umgebung deS Reconvalescenten spricht den dringenden Wunsch auS, es möchten alle etwa geplanten Diationcn aus den Stationen, welche Fürst Bismarck passirt, uni erbleiben.
— Alle bisherigen Meldungen über den muthmaßlichen Zeitpunkt deS Zusammentrittes des Reichstages stimmen darin überein, daß die Einberufung deS Reichsparlamentes voraussichtlich nicht vor dem letzten Drittel .deS November ersolgen werde. Sollte sich diese Annahme bestätigen, so würde der erste, bis zum Beginne der weihnachtlichen Ferien- pa«se zu rechnende Abschnitt der bevorstehenden Wintersession dev Reichstages wenig über einen Monat umfassen können und nach den Erfahrungen früherer Jahre erscheint eS sehr zweifelhaft, ob der Reichstag in diesem kurzen Zeiträume BrlondereS leisten würde. Die eigentliche parlamentarische Arbeit, namentlich die Specialberathung der einzelnen Vorlagen, dürfte darum auch diesmal erst nach Neujahr beginnen, daß aber der alsdann erfolgende Beginn der Verhandlungen der in den nächsten Wochen neu zu wählenden preußischen Bo lkSvertretung den Sitzungen des Reichstages nichts weniger al» förderlich wäre, dies steht schon jetzt fest. Man muß sich darum abermals auf eine längere Dauer der Reichstags- sesfion gefaßt machen, zumal auch die zu erwartenden umfangreichen und wichtigen Steuervorlagen eine Ausdehnung der Verhandlungen bis weit in das nächste Frühjahr hinein höchst wahrscheinlich machen.
— In militärischen Kreisen nimmt man an, daß im nächsten Jahre auch im nördlichen Deutschland große Armee-Manöver, ähnlich den in Ungarn abgehaltenen, za welchen verschiedene Corps herangezogen werden dürften, stattfinden werden. Natürlich ist hierüber noch nichts Bestimmtes von unserer Heeresleitung festgestellt, allein es verlautet zuverlässig, daß sowohl der Kaiser als auch der König von Sachsen die Notwendigkeit solcher ganz feldmäßig angelegten Manöver auch für Deutschland betont haben. Wie der „L.-A." hört, hat der Generalstabschef Graf Schlieffen eine diesbezügliche Denkschrift auszuarbeiten. Als Führer dieser zwei Armeen, deren jede aus zwei Corps mit Reserve- sormattonen bestehen dürfte, werden Generaloberst von Los und General der Cavallerie Graf Waldersee genannt.
Ausland.
— Die neue Strikebewegung unter der Berg- orbeiterschafr Belgien» nimmt unter dem Einflüsse des noch immer fortdauernden Strikes der nordfranzösischen Bergleute allmälig einen bedenklichen Character an. Im Kohlenbecken von Mons, wo bislang 2700 Bergleute striken, hat die Zahl der Ausständigen inzwischen noch eine Vermehrung erfahren, unb in dem wichtigen Becken von Charleroi, wo bisher 12000 Mann strikten, sollte am Montag der allgemeine - Ausstand anheben. Ausschreitungen der feiernden belgischen Bergleute werden jedoch noch nicht gemeldet.
— Großes Aufsehen erregen in Frankreich die in einem militärischen Fachblatte veröffentlichten abfälligen Aeußerungen rines der französischen Armee-Jnspectoren, des Generals te Cools, Über die vollständige Unzulänglichkeit ter französischen Reserveoffiziere. General te Cools constatirt diese Erscheinung auf Grund seiner Beobachtungen bei den letzten großen Manövern m Frankreich. Der osficiöse „Temps" bespricht die Sache in einem Leit-
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der unständigen Arbeiter bei der OrtS-
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Gießener Anzeiger
Keneral-Ftnzeiger.
•* Sitzung deS Schwurgerichts der Provinz Oberheffen
Ai)VUUV„, wwli, ........ ....... vom 2. October 1893. Zur Verhandlung kommt die Strafsache
am Palaste der „Schönen Künste" gefunden. — Marschall gegen Conrad Hedrich III. von Hopfgarten wegen Ver- Martinez Campos verließ das Bett. brechens im Amte. Die- Anklage vertritt der Großh. Erste
Charleroi, 2. October. Die Zahl der Ausständigen Staatsanwalt Jöckel, die Vertheidigung führt Herr Rechtsim Bassin von Charleroi ist auf 16,000 gestiegen. In anwalt vr. Ros enberg, als Geschworene wurden ausge^ost Marchienne, Chatelineau, Charleroi und Dampremy ist der die Herren Christian Faß, Heinrich Klmg, Johannes Groh VL, Strike ein vollständiger, an allen übrigen Orten nahm ein Hermann Karl Schmidt, Wilhelm Bloch, Johann Henrich Theil der Bergleute die Arbeit wieder auf. Die Ruhe wurde I Müller II., Johannes Schäfer II., Wilhelm Zleg, Johann nirgends gestört I Heinrich Scharch, Conrad Eckstein, Heinrich Wilhelm Alles
u ------------ und Gustav Vogt. Der frühere Gemeinde- und Kirchenrechner
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artikel und bedauert hierbei, daß die von den activen Offizieren l Loudon, 2. October. AuS Catania wird gemeldet, die gegen ihre Kameraden von der Reserve zur Schau getragene , Stadt bereite einen herrlichen Empfang der englischen Feindseligkeit und Geringschätzigkeit die letzteren entmuthige | Flotte vor. Letztere werde am ^ctober "w°rtet.
und gleichgültig mache. Im Anschlüsse hieran tadelt der i Barcelona, 2. October. Hier wurden neuerdings mehrere „Temps" die provisorischen Zustände und die Unschlüssigkeit Anarchisten verhaftet, welche der Theilnahme an dem Com- betreffs der Reformen im HeereSwesen und hofft daS Blatt plott verdächtig sind.
schließlich, General Boideffre, der neue Generalstabschef, werde in der Armee das erschütterte Vertrauen wiederherstellen.
Depeschen deS Bureau „Herold-. I Conrad Hedrich UI. von Hopfgarten steht unter der Anklage,
Berlin, 2. October. Der „Reichsanzeiger" meldet: Die I daß er im Laufe der letzten Jahre als Beamter, nämlich als Berathungen des Redactions - Ausschusses der Börsen- I Rechner der Gemeinden Hopfgarten und Renzendorf, wie der Enquete-Commission über den dem Reichskanzler zu Kranken-, Alters- und Jnvaliditätsversicherungskassen dieser erstattenden Schlußbericht find so weit vorgeschritten, daß Gemeinden und als Rechner der Kirchenkasse zu Hopfgarten deren Beendigung für die nächsten Tage zu erwarten ist. I nach und nach Gelder, die er in amtlicher Eigenschaft em- Die Commission wird voraussichtlich noch im Laufe des Pfangen, im Gesammtbetrage von etwa 4000 Mark unter- Monats zur endqilttgen Feststellung des Berichtes ein- schlagen und mit Beziehung auf diese Unterschlagungen die berufen. zur Eintragung oder Controlle der Einnahmen oder Aus-
Berlin , 2. October. Die Verhandlungen über den gaben bestimmten Rechnungen, Register der Bücher unrichtig deutsch-russischen Handelsvertrag wurden unter! geführt habe. — Conrad Hedrich III. wurde von Großh. dem Vorsitze des Freiherrn v. Thielmann heute eröffnet., KreiSamt Alsfeld am 29. October 1886 als Rechner der Die Verhandlungen werden in französischer Sprache geführt, die Protokolle in deutscher und russischer Sprache auf-
genommen.
Berlin, 2. October. In der gestrigen Versammlung der ! Tabakarbeiter und -Arbeiterinnen Berlins wurde eine| Resolution angenommen, in welcher auf das Entschiedenste gegen die projectirte Tabakfabrikatsteuer, sowie gegen jede andere Form einer stärkeren Steuerbelastung des Tabaks protestirt wird. Der Reichstag wird, verpflichtet, jedem der- artigen Gesetzesvorschlage seine Zustimmung zu versagen. Demnächst findet in Berlin em Congreß von Tabaksarbeitern Deutschlands statt.
Berlin, 2. October. Major v. Francois berichtet über ein siegreiches Gefecht der westafrikanischen Schutz- rruppe mit Witbois am 10. September bei Gurumanas. Drei Deutsche wurden verwundet.
Hamburg, 2. October. Heute wurden hier drei Cholera-Erkrankungen und ein -Todesfall constatirt.
Altona, 2. October. Heute wurde hier ein Cholera- Todesfall constatirt.
Wien, 2. October. Die „Montagsrevue" meldet, das österreichische Budget pro 1894 schließe mit einem Ueber- s ch u ß von 400,000 Gulden ab.
Lüttich, 2. October. Eine große Feuersbrunst brach gestern im Fouragemagazin der Artilleriekaserne aus. Der Schaden an Material ist sehr bedeutend.
Paris, 2. October. Hiesige Blätter melden: Fürst Bismarck sei inKissingen wieder schwer erkrankt und theilweise gelähmt. An eine Abreise von Kissingen könne über- Haupt nicht gedacht werden.
Pari«, 2. October. Die Blätter besprechen die That- fache, daß durch den deutschen Reichskanzler das Personal der hiesigen deutschen Botschaft die Anweisung erhielt, vom 10. October ab auf seinem Posten zu sein.
Paris, 2. October. Es verlautet, daß das Panzerschiff „Morceau", welches der Czar und die russischen Marineoffiziere bereits in Kronstadt besichtigt hatten, dem russi- scheu Geschwader entgegenfahren werde. DaS Panzerschiff soll am 4. October von Toulon absegeln.
Neueste Nachrichteir» ** Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten
_ . . _ Donnerstag den 5. October 1893, Nachmittags
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. fuhr: 1. Mittheilungen. 2. Untersuchung des Wassers
Königsberg, 2. October. D,e Kaiserin traf um 8 Uhr gütlichen Pumpbrunnen. 3. Gesuch deS Karl Tag um 45 Mtn. von Trakehnen hier em und fuhr um 8 Uhr 50 Min. (grloubnife jur Aufstellung einer Bretterbude. 4. Gesuch deS nach Berlin. Karl Weidig und L. Fuhr um ASphaltirung der Erlengaffe.
Köln, 2. October. Der „Köln. Zig. zufolge ist bet Errichtung einer Kochschule im Keller der Stadtmädchen- der Antisclaverci-Gesellschaft ein Telegramm emgetroffen, wo- , Obstanlage. 6. Auffüllung des Sttaßenkörpers
nach Major W iß mann am 7. Juli am Tanganyika an- & Stephanstraße. 7. Decretur von Kostenrechnungen, gekommen ist. Er habe dort schwere Kampfe zu bestehen Versicherung gehabt, die jedoch siegreich und mit der Befreiung mehrerer frQn(enf'Q|rei 9
hundert Sclaven geendet hätten. h Concession
Rom, 2. October. In Folge starker Regengüsse g. n ft eigen die Flüsse Arno und Reno. Die Bahnverbindung 1 zwischen Bologna und Florenz ist unterbrochen. ** Sitzung
Barcelona, 2.October. Eine Dynamitbombe wurde | 1


