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Nr. 128
Amts- und Anzeigeblatt für den Aveis Gieren
Gratisbeilage: Gießener Jamitienbkätter
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Feuilleton
106 «
Samstag deu 3. Juni
traurige Überraschungen für den wahren VaterlandSfreund anknüpfen werden!
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Der Oi-ßt-er Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MontagS.
Die Greßener ^amtkiendtälter werden dem Anzeiger achrntlich dreimal Ueigelegt.
SUI.
iaubeS bleibt die Kunst-
Regierungsrath Fleischmann, Mitglied der Direction der Main- Neckar-Bahn, den Kreisbaumeister Daudt von BenSheim, den Pfarrer Dauber von Dexheim, den Pfarrer Vogel von Dieburg, zum Vortrag den Staatsminister Finger, den Oberstallmeister Frhrn. Riedesel zu Eisenbach, den Cabinetsrath Römheld.
Berlin, 1. Juni. Der Kaiser ist von seinem jüngsten Jagdaufenthalte in Ostpreußen im bestem Wohlsein wieder in Berlin resp. Potsdam eingetroffen- die nächsten Wochen über wird der erlauchte Monarch wieder vorwiegend im Neuen Palais bei Potsdam residiren.
— Der Termin für die Reichstagswahlen, der 15. Juni, rückt näher und begreillicher Weise blickt man allseitig mit erhöhter Spannung der herannahenden Entscheidung entgegen. Nach wie vor wäre es jedoch ein müßiges Beginnen, irgendwie bestimmtere Voraussagen bezüglich der Wahlergebniffe des 15. Juni machen zu wollen. Die Wahlbewegung zeigt im Großen und Ganzen andauernd ein derartiges wirres Bild der sich bekämpfenden Parteien und Jntereffengruppen dar, daß ein einigermaßen sicherer Schluß auf den Ausfall der vorläufigen Wahlentscheidung so gut wie unmöglich ist. Nur das Eine kann allerdings schon als gewiß gelten, daß diesmal infolge der ungemeinen Parteizersplitterung und der sich hieraus ergebenden Massenhaftigkeit der Reichstagscandidaturen ganz ungewöhnlich viel Stichwahlen zu vollziehen sein werden, sodaß der Wahlausfall vom 15. Juni schwerlich schon einen orientirenden Ueberblick auf die Zusammensetzung des neuen Reichstages gestatten dürfte.
— Die bisherige Entwickelung des Wahltreibens zeitigt fort und fort gar mancherlei seltsame Erschein- ungen, theils heiterer, theils aber auch ernster und überaus bedenklicher Art. Zur Kategorie letzterer Art müssen namentlich auch gewisse Vorgänge in Bayern gerechnet werden. Wenn man z. B. die Candidatenreden liest, welche der bekannte Dr. Sigl-München in Pfaffenberg und anderen Orten des niederbaherischen Reichstagswahlkreises Kehlheim gehalten hat und in denen es von den gehässigsten Auslassungen gegen die deutsche Vormacht wimmelt, ja in welchen es sogar an mißgünstigen Aeußerungen über das Reich selbst nicht fehlt, so muß man sich erstaunt fragen, wie es denn eigentlich zu einem solchen Niedergange des nationalen Gedankens in breiten Schichten des deutschen Volkes kommen konnte. Die jubelnde Zustimmung, welche die unpatriotischen Reden des Dr. Sigl allerorten, wo er bislang auftrat, gefunden haben, bekundet deutlich, daß Dr. Sigl mit seinem Standpunkte nichts weniger als vereinzelt dasteht, während er auch außerhalb Bayerns noch genug Gesinnungsgenossen zählt. Vielleicht, daß sich darum an die diesmaligen Reichstagswahlen noch gar manche
sich in die Wellen desselben. Keine der über sie hinzischenden Kugeln traf; aber die schwere Reithose, die Waffen, Munition u. s. w. erschwerten das Schwimmen ungemein, und nur einer einzigen seichten Stelle des Stromes verdankte eß Küchler, daß er weit, wett unterhalb der Eingangsstelle das mexikanische User glücklich erreichte.
Er war allein, sand später einen Theil seiner Gefährten wieder, mußte aber die schmerzliche Entdeckung machen, daß sechs Kameraden ertrunken waren. Trotz einer 14tägigen Rast in Piedras-Negras langte er eine Woche später erschöpft und krank in Saltillo an. Ein heftiges Gallenfieber warf ihn aufs Lager. Von einer ihm befreundeten deutschen Familie aufs Liebevollste ausgenommen und gepflegt und von einem deutschen Arzte behandelt, erholte er sich und erlangte bald wieder seine frühere Gesundheit. Aber der Gedanke, mittellos im fremden Land^ zu stehen, seinen Freunden weitere Opfer auferlegen zu müssen, keine passende Beschäftigung zu finden, peinigte seine noble Denkungsart aufs Schmerzlichste.
Glücklicherweise suchte der damalige Gobernador von Nuevo-Leon und Coahuila, Vidauri, einen sachkundigen Mann, der genaue Vermessungen der beiden Staaten vornehmen sollte. Küchler wurde von einflußreichen deutschen Kaufleuten in Monterey zu dem Amte vorgeschlagen und erhielt es. Er machte sich sofort ans Werk, erhielt die nöthige Unterstützung an Mannschaft und Proviant und lieferte in verhältnißmäßig kurzer Zeit eine so ausgezeichnete, vorzügliche Aufnahme des ihm überwiesenen Territoriums, daß dieselbe, nachdem man in dem betreffenden Reffort der Hauptstadt davon Einsicht genommen hatte, allgemeine Bewunderung sand. Eine solche Genauigkeit, eine solche feine exacte Zeichnung schien geradezu wunderbar, und alle Blätter sprachen davon. Als Vidauri durch Heranziehen der in den beregten Landestheilen wohnenden Guts- und Minenbefitzer,' welchen natürlich erst im Allgemeinen die Pläne erklärt werden mußten, sich von der genau verzeichneten Lage der Flüffe, Bäche, der Höhen und bewaldeten Berge, der Minen, der Länge und Richtung der Straßen
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Während Küchler und seine Gefährten meist mit nur Vorderladern bewaffnet waren, verfügten die Conföderirten über ausgezeichnete Hinterlader, sowie Colts sechSschüssige Revolver. Dreimal versuchten die Amerikaner das mit Menschenleichen, Pferdecadavern, Sätteln und Cedernästen spärlich gedeckte Lager zu stürmen, und dreimal wurden sie von dem todesmuthigen Häuflein mit blutigen Köpfen zurückgewiesen. Dieselbe zähe Tapferkeit, die unser Heer im ftan- zösischen Feldzuge so glänzend auSzeichnete, bewährte sich auch hier. Aber 20 Todte und Schwerverwundete bedeckten nach dem dritten Angriff den Lagerplatz und Küchler beschloß, ehe der vierte erfolgte, sich zurückzuziehen.
Der Feind kannte genau die geringe Zahl der Gegner und war ebenfalls geneigt, einen abermaligen Versuch zu wagen. Der Rückzug erfolgte durch einen dichten Cedernwald und gelang. Aber noch im Bereiche der! feindlichen Kugeln hörten sie Gewehrfeuer aus dem eben verlaffenen Lager und ließ ihnen die schreckliche Wahrheit klar werden, daß der grausame Feind sämmtliche Verwundete erschossen hatte. In einer riefen Schlucht, worin eine kleine Quelle, fanden sie Zuflucht, aber keine Atzung. Der Proviant war ausgegangen, doch wagte Küchler nicht, auf Wild zu pürschen, um sich und seine Freunde nicht zu gefährden. Mit unermüdetem Eifer unterzog er sich der Wartung und Pflege der Verwundeten, sprach den Hoffnungslosen Muth ein, ermunterte bie Ver- zagenden und wies darauf hin, daß sich der Feind aus Mangel an Lebensmitteln keinesfalls lange in ihrer Nähe aufhalten könne. Eine auf einem hohen, mit Cederngestrüpp verdeckten Felsen aufgestellte Wache unterrichtete die Versteckten von den Bewegungen desselben.
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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.
Amtliche* Theil.
Deutsches Reich.
Darmstadt, 1. Juni. Seine ^Königliche Hoheit der Großherzog empfingen gestern den Generalmajor Leo, Commandeur der 11. Feld-Artillerie-Brigade, den Major v. Rosen, etatsmäßigen Stabsoffizier vom Magdeburgischen Husaren-Regiment Nr. 10, den Premierlieutenant der Reserve Tiedemann vom Infanterie-Regiment Nr. 95, den Landgerichtsrath Kull mann von Gießen, den Kgl. Preußischen
Neueste Nachrichten.
WolffS telegraphisches Correspondenz-Bure-u.
Berlin, 1. Juni. Der Graf von Turin traf um 4 Uhr 55 Min. auf dem Bahnhofe Friedrichstraße ein, vorn Kaiser mit glänzender Suite empfangen. Der Kaiser begrüßte den Prinzen mit zweimaligem Kusse; das zahlreiche Publikum brachte dem Prinzen Hochrufe dar. Der Kaiser begab sich sodann mit dem Prinzen in offenem Wagen unter Eskorte von Gardekürassiren nach dem königlichen Schlosse.
Berlin, 1. Juni. Wie die „Nordd. Allg. Z'g." meldet, ernannte der Kaiser gestern in Danzig den Viceadmiral Knorr zum Admiral.
Berlin, 1. Juni. Der evangelisch-sociale Con- greß trat heute Vormittag unter dem Vorsitz des LandeS- öconomieraths Nobbe zusammen. Eingesunden hatten sich ungefähr 300 Theilnehmer. Vom Reichsamt des Innern wohnte der Versammlung bei Geheimrath Kaspar, vorn Handelsministerium Unterstaatssecretär Lohmann und Geheimrath Neuhaus. Nach dem Geschäftsbericht wurden von 15000 zumeist an Geistliche versandten Fragebogen über die Stimmung der Landbevölkerung 1000 eingehend beantwortet. Die Einnahmen betrugen 3000, die Ausgaben 5000 Mark; von dem sich ergebenden Deficit sind 1000 Mark durch den Bestand gedeckt. — Hierauf refertrte Professor Kaftan Über das Thema: „Christenthum und Wirthschafts- ordnung" und stellte dabei folgende Thesen auf: Christliche Religion und wirthschastliches Leben sind an sich getrennte Gebiete. Das Christenthum ist unabhängig von der Wirth- schaftsordnung und mit jeder Form des wirtschaftlichen Lebens verträglich. Die christliche Religion und die wirth- schaftliche Arbeit treten aus dem Boden des sittlichen Lebens nothwendig in innere Berührung und Wechselwirkung. ES ist Christenpflicht, die Wirtschaftsordnung so zu gestalten, daß sie die Grundlage zur Pflege der sittlichen Ideale des Christenthums bildet. Gegenüber der heutigen Wirthschaftsordnung führt diese Pflicht zur Vertheidigung ihrer wesentlichen Grundgedanken gegen Umsturzgelüste und zu einschneidenden Forderungen bezüglich ihrer Umgestaltung. — Nach längerer Debatte wurden diese Thesen einstimmig angenommen. ,
Berlin, 1. Juni. Der Evangelisch-sociale Con- greß berieth im weiteren Verlauf über das Referat deS Pastors Cronemeyer betreffs der Heimathcolonien und nahm eine Resolution, an, worin erklärt wird, der Congreß würde
Nach dem dritten Tage zog er richtig ab und die Flücht- | linge beschlossen, sich nach der Heimath zurück zu begeben, sich neu auszurüsten, um abermals den Weg nach Mexiko einzuschlagen. Ein kurzer Besuch, den Küchler dem Schlachtfeld abstattete, erfüllte ihn mit Grausen. In beinahe verwestem Zustande, von Wölfen und Aasgeiern halb verzehrt, lagen die verstümmelten Opfer eines unversöhnlichen Feindes unbeerdigt umher. Ein entsetzlicher Anblick!
Erst vierzehn Tage später vermochten die Gehetzten, die inzwischen von dem von Küchler reichlich gelieferten Wild, aber nur davon lebten, weil sich inzwischen wieder feindliche Streif- parthien zeigten, ihren Rückmarsch anzutreten. Unterwegs erfuhren sie, daß die Horde Duffs aus Rache über den Der- lüft ihrer Kameraden, sowie des Entkommens der verhaßten „Dutsh" eine Zahl deutscher Frauen wegen ihrer „Unions- treue" bei Nacht und Nebel aus den Betten geholt und an die nächsten Bäume aufgehängt haben. Heldenthaten, würdig der Söhne der Sclavenhalter und ein Ausfluß ihres scheußlichen Systems.
Nur mit der größten Vorsicht durften die Heimkehrenden ihren Wohnungen sich näheren. Küchler verbarg sich in einer in der Nähe seines Hauses gelegenen Höhle, von wo er Frau und Kinder besuchen konnte. Es war ein schmerzliches Wieder- sehen, gesteigert durch die Aussicht auf abermalige schnelle Flucht und den damit verbundenen Gefahren. Im Verein mit 17 Geächteten unternahmen sie den früheren Weg nach dem Rio Grande und besuchten dabei den unglücklichen Kampf- platz, um die zerstreuten Gebeine ihrer gemordeten Freunde unter einer Steinpyramide zu bergen. Sie wünschten womöglich bei Nacht den Fluß zu durchreiten. Doch der Tag überraschte sie und plötzlich fanden sie sich einer conföderirten Truppe gegenüber. Die Uferbank bildete treffliche Deckung und angesichts der entschloffenen Haltung der Flüchtlinge wagte der Feind keinen Angriff. Er schickte nach Verstärkung, aber ehe dieselbe eintraf, gab Küchler seinen Leuten durch einen Schuß das Zeichen zum Ueberschreiten des Flusses und warf
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. Bekanntmachung.
Wegen Vornahme von Arbeiten an der Wasserleitung bleibt die Bahnhofstraße von der Wolkengasse bis zur Kaplans- gasse auf einige Tage für Fahren, Reiten und Vtehtreiben gesperrt.
Gießen, den 31. Mai 1893.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
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Juni 1883.
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Giehener Anzeiger
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Gießen, den 31. Mai 1893.
Betr.: Die Ausführung der Landesfeuerlöschordnung, hier die Anschaffung neuer Feuerspritzen.
Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen
die Grsßh. Bürgermeister eie« M «reifes.
Wir benachrichtigen Sie, daß die Kosten ttfuer Feuerspritzen sich für die Regel geringer belaufen werden, wenn Sie diese durch unsere Vermittelung bestellen, als wenn Sie den Lieferungsvertrag mit einem Agenten des Fabrikanten abfchließen, und empfehlen Ihnen deshalb, sich bei beabsichtigter Anschaffung einer neuen Spritze an uns zu wenden. In den betreffenden Berichten wollen Sie zugleich anzeigen, ob Sie wegen der Bezugsquelle besondere Wünsche haben.
v. G a g e r n.__
Gießen, den 30. Mai 1893.
Betr.: Vertilgung der Blutlaus.
Das Grotzherzogliche Kreisamt Giehen
AN bi< Gresch. Bürgermeistereien ses «reifes.
Soweit Sie unserer Verfügung vom 10. Mai lfd. Js. (Kreisblatt Nr. 112) noch nicht entsprochen haben, erinnern wir Sie an baldige Erledigung.
v. Gagern.
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