Ausgabe 
3.1.1893
 
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Nr 2

Dienstag den 3. Januar

1893

Der

erscheint täglich,

rtt Ausnahme des Montag-.

Die Gießener »««itieu-läller Werben dem Anzeiger »Achentlich dreimal leigelrgt.

Gießener Anzeiger

Kenerat-Unzeiger.

vierteljähriger A§«UUe«eUtrPretA> 2 Mark 20 Psg. mit Bringerlohn.

Durch die Post drzoge» 2 Mark 50 Pfg.

Rebodion, Lxprditia» und Druckerei:

Kch»tße«te Mr.2.

Fernsprecher 51.

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gieften. grJSCKK I ♦mtofctr«»:<»* I

Amtlichem Therl.

BekanntmachMg,

betreffend Schafräude zu Staufenberg.

Nachdem die zu Staufenberg ausgebrochen gewesene Schafräude wieder erloschen ist, haben wir die angeordneten Sperrmaßregeln wieder aufgehoben.

Gießen, den 31. December 1892.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

________________v. Gagern.___________________

Gießen, den 30. December 1892.

Betr.: Die Ausführung der allgemeinen Bauordnung, hier die Vorlage von Baugesuchen.

Das Grotzherzogliche Kreisamt Gietzen an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.

Nachdem sich im verflossenen Jahre bei Erledigung von Baugesuchen infolge der vielfach erforderlichen ordnungs­mäßigen Feststellung der Baufluchten wiederholt lästige Ver­zögerungen für die Baulustigen ergeben haben, empfehlen wir Ihnen, im laufenden Jahre auf eine möglichst frühzeitige Vor­lage der in Aussicht stehenden Bauprojecte durch diesbezüg­liche ortsübliche Bekanntmachung hinzuwirken.

___________________v. Gagern.__

Gießen, den 31. December 1892.

Betr.: Die Hebungen der Pflichtfeuerwehren.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

<m die «rotzy. Bürgermeistereien -es «reife-.

Soviel uns bekannt ist, wurden in unserem Kreis die an Sonntagen stattfindenden Hebungen der Pflichtfeuerwehren stets nur nach beendetem Nachmitlagsgottesdienst abgehalten. Im Austrag Großh. Ministeriums weisen wir Sie indeß hierdurch noch ausdrücklich an, auch für die Zukunft, wenn überhaupt Sonntage zu den Pflichtfeuerwehrübungen gewählt

werden, diese, mögen sie Einzel- oder Gesammtübungen sein, immer nur zur angegebenen Zeit vornehmen zu lassen. Sie wollen die Befehlshaber der Pflichtfeuerwehren hiernach be­deuten.

__________p. Gagern.___________________

Gießen, den 31. December 1892.

Betr.: Die Tiefbau-Berufsgenoffenschaft.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzh. Bürgermeistereien de- «reifes.

Wir empfehlen Ihnen, bei der Vergebung von Tiefbau- Arbeiten den gewerblichen Unternehmern vertraglich zur Pflicht zu machen, innerhalb einer Woche wie das Genossenschafts- statut vorschreibt die einzelne Bauarbeit bei dem Vor­stände der Tiefbau-Berufsgenossenschaft zu Berlin W, Kleist, straße Nr. 14 anzumelden, oder von der Vergebung von Bauarbeiten durch Sie an gewerbliche Hnternehmer, unter Namhaftmachung der letzteren und Bezeichnung der einzelnen Bauarbeit Ihrerseits dem Genossenschafts-Vorstande Kenntniß zu geben.

v. Gagern.

Bekanntmachung.

Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Grobherzoglichen Beigeordneten Wilhelm Albach zu Daubringen und Kaspar Atzbach zu Hausen zu Vertretern der Standesbeamten ihrer Gemeinden ernannt und als solche verpflichtet worden sind.

Gießen, 31. December 1892.

Großherzogliches Amtsgericht.

Fresenius.

Deutsches Reich.

Berlin, 1. Januar. Mit einem großen politischen Frage­zeichen ist diesmal Deutschland in das nun zur Herrschaft gelangte neue Jahr hineingegangen. Denn noch durchaus ungewiß erscheint die Lösung des schwebenden militärischen Problems und der mit ihm so eng zusammenhängenden

steuer- und wirthschaftspolitischen Reichsfragen. Wohl braucht die Hoffnung noch lange nicht aufgegebeu zu werden, daß es zwischen den verbündeten Regierungen einerseits und dem Parlamente anderseits schließlich doch zu einer gütlichen Ver­ständigung kommen werde, da man dort wie hier zur Genüge weiß, welche einschneidenden und weitgreifenden Interessen mit der Militärvorlage auf dem Spiele stehen. Aber bis jetzt liegen noch keine Anzeichen vor, welche darauf hindeuteten, daß diese gewiß in den weitesten Kreisen unseres Volkes gehegte Erwartung baldigst in Erfüllung gehen werde, vielmehr ist der Ausgang der ganzen so hochwichtigen Angelegenheit noch immer dunkel. Ob die nächstens ihren Anfang nehmenden Verhandlungen der Militärcommission des Reichstages dieses Dunkel zerstreuen werden oder ob erst die weitere Berathung der Militärvorlage im Plenum selbst die so wünschenswerthe Ausklärung bringen wird, das muß indessen noch hingestellt bleiben. Man wird aber wenigstens das Eine fordern dürfen, daß weder Reichsregierung noch Parlament den Ernst der (Situation verkennen, und wenn dies der Fall ist, so braucht an einer schließlichen Verständigung über die obwaltenden inhaltsschweren Fragen noch nicht verzweifelt zu werden.

Der Reichstag wird nach Ablauf seiner Weih­nachtsferien Arbeitsmaterial in Hülle und Fülle vor­finden. Zunächst gilt es, die Generaldebatten über die drei neuen Reichssteuervorlagen zu erledigen, von welch' letzteren der die Erhöhung der Brausteuer betreffende Entwurf zunächst zur Berathung kommt- allgemein glaubt man, daß die ersten Lesungen der genannten Vorlagen den Reichstag mindestens sechs Sitzungen hindurch in Anspruch nehmen werden. Ver- muthlich werden bann die dem Reichstage während der Weih­nachtspause zugegangenen Sachen, die Novelle zum Wuchergesetz, der Gesetzentwurf über das Abzahlungswesen und die Vorlage, betr. die Revision in Rechtsstreitigkeiten, zur erstmaligen Be­rathung gelangen, vielleicht auch der vom Bundesrathe nahezu fertiggestellte Gesetzentwurf über die electrischen Anlagen. Auch nach der vorläufigen Erledigung der letztgenannten Vor­lagen stünde dem Reichstage noch reichliches Arbeitsmaterial zur Verfügung, wie die ersten Lesungen der Entwürfe, betr. den Verrath militärischer Geheimnisse und betr. das Aus­wanderungswesen, und die verschiedenen Novellen zu den

Feuilleton.

Irrwege.

Novelle von F. von Pückler.

(1. Fortsetzung.)

Herr von Waldstein, wie wehe habe ich Ihnen an jenem Tage gethan! Sie waren sehr bleich und stumm, als Sie gingen. O, können Sie mir wirklich verzeihen?"

Wenn ich Ihnen nicht längst verziehen hätte, so stände ich nicht hier," sagte der Edelmann ruhig.

Am nächsten Tage begann das Schwerste für mich, der Kampf mit den Eltern, welcher trotz Ihrer Hilfe mit meiner Verstoßung endete. Alfred, was habe ich damals ge­opfert für jenen Mann der es doch nicht werth war!"

Er hat Sie schlecht behandelt, Alice? Beim Himmel, er soll mir dafür Rechenschaft geben!"

Nicht so, mein Freund! Sie verstehen mich falsch. Constantin that für mich, was er konnte, er liebte mich und ehrte mich, aber dennoch merkte ich nur zu bald, daß ich mich in einer großen Täuschung befand, als ich wähnte, mit ihm allein glücklich werden zu können. Seine Neigungen und die meinigen gingen weit auseinander, und wenn er merkte, daß ich niedergeschlagen war, konnte er toben wie ein Ver­zweifelnder. Dann bat er mich kniefällig um Vergebung, weinte wie ein Kind, doch alles das machte mich nicht glück­lich, sondern müde und elend. Das Circusleben hat bei allem äußeren Glanze so viele Schattenseiten, daß ich Hn- ersahrene bald schwer darunter zu leiden hatte. Dazu kam, daß mein Gatte mancherlei Hnglück in seinen Unternehmungen hatte und darüber in seinem Gemüth erbittert wurde. Ich glaube auch, daß er zuweilen versucht hat, in der Weinflasche seinen Gram zu stillen. Kurz, das Maß des Unglückes war voll und seelische wie körperliche Aufregungen machten mich todtkrank."

Ehrfurchtsvoll, tieferschüttert küßte Herr v. Waldstein die kleine, durchsichtig weiße Hand der Leidenden, er vermochte nicht zu reden.

Sieben lange Jahre bin ich nun verheirathet," fuhr die Kranke nun nach einer Pause mühsam fort,so lange Zeit habe ich das unftäte Künstlerleben mitmachen müssen und immer mehr wuchs die Sehnsucht nach dem Ende. Gott sei Dank, daß ich endlich so weit bin."

Mama, warum weinst Du?" frug Isa besorgt und bog

sich über die Mutter.Papa kommt ja bald wieder und bringt uns etwas Schönes mit."

Ja, mein Liebling- geh zu Bett, es ist schon spät."

Ach, nur noch ein klein wenig will ich ausbleiben, bitte, bitte, liebes Mütterchen!"

Mein einziger Trost war Isa," fuhr die unglückliche Fran seufzend fort,als sie geboren wurde, schickte ich Mama die Anzeige und erhielt den ersten und einzigen Brief von ihr, voll unendlicher mütterlicher Zärtlichkeit und unverhüllter Trauer- aber kein einziger Tadel fand sich darin."

Ich habe ihn gelesen, Alice, und Ihrer Mutter dankend dafür die Hand geküßt- Ihr Vater durfte von dem Briefe nichts wissen."

Ein Vierteljahr später schickten Sie mir die Nach­richt, daß Mama gestorben sei- o, wie habe ich gemeint und getrauert, trotzdem mein Mann zornig wurde und über die hochmüthige Adelsgesellschaft" fluchte, welche sich gänzlich von uns gewandt hatte. Es waren trübe, schlimme Stunden."

Aber Sie sind doch nie selbst im Circus aufgetreten?" frug Waldstein besorgt, denn er wollte wissen, ob die unglück­liche Frau vielleicht dadurch ihre Gesundheit ruinirt hätte.

Nein, darin blieb ich fest, ungeachtet mein Mann außer sich war," erwiderte Alice.Ich habe ihm niemals wider­sprachen als in diesem Punkte. Leider zeigt aber Isa eine große Vorliebe für Pferde und Reiten."

Ich habe seit jener Zeit keinen Circus mehr betreten," meinte Waldstein,überhaupt bin ich ein Einsiedler geworden, der nur selten die Menschen aufsucht und am liebsten in seinem Hause bleibt. Isa wird neues Leben in mein altes Schloß bringen."

Ich habe es lange gefühlt," flüsterte Alice,daß es hier drin in der Brust wühlt und sticht und wenn Constantin, mein Gatte, mein rosiges Aussehen lobte, da hätte ich ihm zurufen mögen:Jawohl, aber es sind Todesrosen, sie blühen auf einem Grabe und bald wird man sie betten tief drunten in kühler Erde."

Wie kommt es, daß Volkert, der damals, als er Sie heirathete, für .sehr reiche galt, so rasch verarmt ist?" frug Waldstein.

Er konnte den Circus nicht mehr halten, die Gagen der Mitglieder überstiegen seine Einnahmen- das gesparte Capital ging nach und nach darauf, dann hatte er Hnglück mit seinen Pferden. Constantin nahm ein Engagement für den Winter hier in N."

Unb nun geht es besser, denn Volkert ist ein tüchtiger Schulreiter," bemerkte Waldstein.

Ein wehmüthiger Blick der jungen Frau glitt über das ärmliche Dachstübchen mit der schrägen Wand- es enthielt nur wenige nothwendige Möbelstücke, an der Wand hingen allerlei bunte, goldbesetzte Gewänder des Kunstreiters und auf dem wackeligen Tische lagen in wirrem Durcheinander Mützen, Schleifen, Kragen unb sonstige Wäschestücke.

Nein, lieber Herr von Walbstein, Sie sehen an bieser Dachkammer, baß bie Noth nach wie vor unser Begleiter ge­wesen, benn Constantin hat seit einiger Zeit begonnen zu ' spielen."

Der Hnselige!" brauste Herr v. Walbstein auf,hätte er doch nie Ihren Lebensweg gekreuzt."

Es war wohl Gottes Wille," erroiberte die junge Frau ergeben.Ob ich Sie glücklich gemacht hätte, das wäre auch zweifelhaft gewesen, denn ich war ein oberflächliches, gedanken­loses, junges Ding damals, und erst die harte Schicksalsschule hat mich erzogen. Nein, nein, wir wollen nicht murren, es sollte einmal so sein. Lassen Sie uns lieber von Isas Zu­kunft reden, lieber Herr von Waldstein."

Sie wissen, Alice, daß ich mit meiner unverheiratheten Schwester Sophie zusammen lebe," erwiderte Herr v. Wald­stein,aber diese ist boch nicht geeignet, ein Kinb zu erziehen- so will ich Isa in ein Pensionat ber Resibenz schicken, bamit sie alles lernt, was eine junge Dame wissen soll, um einst in ber Welt eine Stelle einzunehmen."

Ein inniger Blick ber Kranken bankte ihm, bann sah sie angstvoll nach ber Hhr.

Salb sieben Hhr," sagte sie matt.Constamin muß halb wieberkommen unb Alsreb, seien Sie nicht böse, wenn ich Sie bitte, mich nun zu verlassen. Constantin würde sonst leicht zornig werden und ich will nicht, daß Sie sich mit ihm veruneinigen. Vielleicht sehen Sie mich morgen noch einmal- ich fürchte allerdings, daß es diese Nacht mit mir zu Ende geht."

Tief erschüttert kniete der bleiche Mann an dem Lager der einst so heiß geliebten Braut nieder unb küßte bereu zarte Hand.

Ihre bebende Rechte legte sich liebevoll auf sein gesenktes Haupt und ihre Blicke trafen sich zu ernstbewegtem Abschied.

(Fortsetzung folgt.)