Ausgabe 
2.7.1893 Zweites Blatt
 
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Nominalwerth zu bemessen ist, und einer mäßigen, festen oder in verschiedenen Sätzen abgeftusten Gebühr von jedem weiteren an der Börse abgeschloffeven Geschäft.

In der ersten Zeit wird die practische Entscheidung über einige zweifelhafte Fälle, namentlich in Bezug auf den Be- steuerungSmoduS, mancherlei Schwierigkeiten bereiten; kluge, mit dem Börsengeschäft völlig vertraute Finanzpolitiker werden aber auch hier bald den reckten Weg finden. Die Börse wird und muß sich an die neue Steuer gewöhnen, besonders da an eine erhebliche Schädigung berechtigter Interessen schlechter­dings nicht zu denken ist. Sollten sich aber trotz alledem hier und da einige Härten etnslellen, wird man wohl auch hier, wie bei aller Gesetzgebung, Mittel und Wege finden, eine Beseitigung derselben eintreten zu lassen.

Egon W.

Vermischte»

Trrtmuad, 24. Juni. Ein trauriges Geschick ereilte auf der ZecheZollern" die Kohlenhauer Anton Blacks und Carl Schamschat. Als dieselben ruhig bei der Arbeit waren, brachen plötzlich große Mengen Gestein herein, so daß die beiden Männer verschüttet wurden. Nach angestrengter Aztfr-UmungSarbeit gelangte man zu den beiden Männern. Blocks war jedoch schon eine Leiche, dem andern war eine Hand zerquetscht.

* Siu eigenartiger UagluckSfall ereignete sich an einem der jüngsten Abende auf der Schloßstation der Heidelberger Bergbahn. Kurz bevor die Wagen die Schloßstation erreicht hatten, blieben sie stehen. Der Schaffner des aufwärts fahrenden Wagens, ein aus dem Amtsbezirk Weinheim stam­mender 24jähriger junger Mann, Namens Stein, sprang ab, um nachzusehen, ob ein Hinderniß vorhanden sei und brachte auch irgend eine Kleinigkeit wieder in Ordnung. Als sich die Wagen weiter bewegten, suchte er die obere Plattform seine- Wagen» wieder zu erreichen, waS aber nicht gelang. Er wurde mit dem rechten Beine zwischen die Perrontreppe und den Wagen gequetscht und litt furchtbare Schmerzen. ES hielt ungemein schwer, den BedauernSwerthen aus seiner entsetzlich qualvollen Lage zu befreien, was überhaupt erst, nachdem an dem Wagen eine Thür abgeschraubt worden war, nach Verlauf von etwa 10 Minuten gelang. Der Verunglückte wurde sofort nach dem academischen Krankenhause verbracht, woselbst er während der Amputation in Folge des vorherge gangencn großen Blutverlustes verschied.

* Pest, 29. Juni. In Herkulesbad zu Mehadia haben gestern Nacht 14 rumänische Räuber daS Gasthaus aus der Szechenyi-Wiese überfallen. Der Oberkellner wurde er­mordet, der Wirth mißhandelt und zur Herausgabe von Baargeld und Juwelen gezwungen. Der flüchtenden Diener­schaft wurde nachgeschossen, sie verwundet und mit Gewehr­kolben' niedergeschlagen. DaS Badepnblikum ist in höchster Aufregung.

* Krankheitskeime in der Margarine. Nach neueren Untersuchungen der Doctoren Scala und Alesi in Rom birgt die Verwendung deS Fettes infectionskranker Thiere große Gefahren für die menschliche Gesundheit in sich. Wenn auch die meiste Kunstbutter bei der Zubereitung, resp. Ver­wendung hohen Temperaturen ausgesetzt wird, welche die Bazillen u. s. w. unfehlbar vernichten, so trifft letzteres doch bei der Verwendung von Margarine in kaltem Zustande nicht |

. zu. Gewissenhafte Margarinefabrikantev sollten daher nur einwandfreies Fett verarbeiten. _

* Don der Trüffel,acht. Die Trüffelzucht ".Frankreich liefert bekanntlich ganz außerordentliche Ertragnisse, Alljährlich werden aus Frankreich durchschnittlich 1*/r Million rrtlogramm Trüffeln im Werthe von beinahe 16 Millionen Francs ausgesuhrr; doch auch der Trüffelconsum im Lande selbst ist sehr beträchtlich. Der Reingewinn für einen Hectar Trüffelboden stellt sich jährlich aus etwa 14000 Mk., was gewiß em sehr hoher finanzieller Ertrag ist. Eine einzige Firma in PL, igneux Mert im Jahre für 400000 Mk. Trüffeln nach Deuiichland. Das Kilogramm französischer Trüffeln wird in guten ^.rüffeljahren mit 10 bis 12 Mk., bei schlechten Ernten aber sogar mit 20 Mk. bezahlt. Die Trüffel liebt Buchen- und Eichen­waldungen und bevorzugt einen kalkigen Boden, sie gedeiht aber auch in lockerem Humusboden, der mit Sand gemischt ist und Kalk- und Thonunterlage besitzt. Bedauerlicher Weise wird die Trüffelzucht in Deutschland fast gar nicht betrieben, obwohl eS daselbst an den erwähnten Vorbe- dingungen zum Gedeihen der Trüffel keineswegs fehlt.

Wer war die erste Weltumseglerin? Der Director und Professor der Zoologie am Pariser Museum, Alfons Milni-Edwards, hat kürzlich an diesem Institut einen CursuS der Naturwissenschaften für Forschungsreisende eröffnet. In seiner ersten Vorlesung widmete Milni Edwards dem Reisenden Philibert Commerson, welcher auf der FregatteLa Bondeuse" die berühmte Weltumsegelung Bougainvilles mit­machte, eine längere Ausführung. Er schilderte die Mühsale und Beschwerden, welche dieser Gelehrte in den Jahren 1766 bis 1773 erduldete und die seinen Tod herbeisührten. Bei diesem Anlässe war auch die Rede von einer außerge­wöhnlich muthigen und hingebungsvollen Frau, deren Name verdient der Vergessenheit entrissen zu werden. Als Commerson auf Jsle-de-France starb, wurde die ungeheure Menge seiner Schriften und werthvollen botanischen und zoologischen Sammlungen, in 32 Kisten verpackt, nach Paris geschickt. Das Verdienst, daß dieses kostbare Material erhalten, daß es in einem außergewöhnlich geordneten und wohlpräparirten Zustande nach Frankreich kam, gebührt einem Diener, welcher Commerson vom Tage der Einschiffung an begleitete. Jean Baret unter diesem Namen wurde der Begleiter Commersons in den Passagierlisten derBoudeuse" geführt war ein Muster von Genauigkeit, von gutem Willen, von Widerstands­fähigkeit gegen alle Strapazen. Er hielt das große Herbarium, das Commerson auf der Reise anlegte, in Ordnung, präparirte Pflanzen und Thiere, kurz, ein Gelehrter konnte sich keinen besseren Handlanger wünschen. Als dieBoudeuse" die Insel Tahiti anlief, ging Baret zuerst ans Land. Er wurde von den Wilden umringt, welche sofort in den Ruf ausbrachen:Das ist eine Frau!" Sie irrten sich auch nicht. Mit großer Mühe kam die merkwürdige Frau wieder an Bord und gestand nun dem Commandanten Bougainville, » der brennende Wunsch, zu reisen, und ihre Zuneigung ür Commerson sie veranlaßt habe, Männerkleidung anzulegen und ihrem Gebieter zu folgen. In Amerika, in der rolynesischen Inselwelt, im indischen Archipel, auf Madagaskar begleitete sie ihn unzertrennlich. Jeanne Baret, welche die erste Weltumseglerin war, stammte aus einem Dorfe in der Bourgogne. Sie war im Jahre 1747 geboren. Nach dem Tode Commersons blieb sie auf Jsle-de-France, wo sie einen französischen Soldaten heirathete.

Schiffrnachrichten.

(Milgethelll durch den Agenten deS Norddeutschen Lloydes, Herr» Carl Loos in Gießen.)

Bremen, 29. Juni. [Per transatlantischen Telegraph.! Der Schnelldampfer Havel, Capt. Th. Jüngst, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher rm 20. Juni von Bremen und am 21. Juni von Southampton abgegangen war, ist gestern 8 Uhr Vormittags wohlbehalten in Newyork angekommen.

Bremen, 29. Juni. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Poftdampier Darmstadt, Capt. v. Schuckmann vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 15. Juni von Bremen abgegangen war, ist vorgestern 3 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Baltimore angekommen.

Perfebr, Land- und DolfswirtbfcbafL

Centralstelle für Lbyverwerthung. DaS Comitv, welches die Frankfurter Obstmärkte ins Leben gerufen und bereit» zu erfreulicher Entwickelung gebracht hat, steht im Begriff, seine Fürsorge für den Obstmarkt, d. h. für den Cbftbanbel, durch eine neue Einrichtung zu bethätigen, welche in vollem Maße die Beachtung aller am Obsthandel Beiberligien verdtmt. Der Frankfurter Obst- markt, der sich bis dahin auf gewisse kurze Zeiten beschränkte, soll damit gewissermaßen ein dauernder werden. ES ist natürlich, daß Obstmarkte nicht zu allen Zeiten, wenn irgend eine Obstsorte reis wird, abgehalten werden können: abgesehen von manchen anderen Gründen spricht schon der Umstand dagegen, daß verschiedene Obst­sorten ein längeres Lagern, wie cS bei dem noch Mustern erfolgenden Verkauf auf Lbstmärkten geschehen müßte, überhaupt nicht gestatten, sondern daß für möglichst raschen Absatz Sorge getragen werden muß. Um nun den An- und Verkauf von Obst auch zu anderen Zetten, alS denen, zu welchen Obstmärkte stattfinden, zu ermöglichen oder zu erleichtern, hat das Frankfurter Comtl6 beschlossen, neben der Veranstaltung von Obstmärkten die Vermittlung deS Obstoerkauf» überhaupt zu übernehmen, wenn demselben die dazu nöthtgen Mittel zur Verfügung gestellt werden. DaS Obstmarkt-Comitc wird also eine Centralstelle bilden, die alle Anmeldungen von Producenten und alle Anfragen von Consumenten entgegennimmt und weiter vermittelt. Die Producenten sollen nicht nölhig haben, mit den Angeboten zu warten, bis daS Obst reif ist, sondern sie können schon vorher der Centralstelle ungefähre Mtttheilungen über den erwarteten Ertrag machen, sodaß wenn das Obst reis ist, sofort mit der Versendung an die von der Centralstelle benachrichtigten Consumenten vorgegangen werden kann. Jeder Producent wird also in der Lage sein, das zur Reise kommende Obst immer sofort zu verwerthen. Und welche wetteren Vorthetle erwachsen ihm, wenn er sich der Vermittelung der Centralstelle bedient. Er hat nicht mehr nöthtg, sich persönlich um den Verkauf seines Beeren-, Stein- und Kernobstes zu bemühen, sondern er hat nur nöthtg, der Central­stelle von dm erwarteten Erträgen oder von feinen Vorräthen Kenntniß zu geben, um von dieser mit dcn Consumenten in Ver­bindung gesetzt zu werden. Denn daß die Consumenten sich in großer Zahl der auch für sie sehr vortheilhasten Einrichtung bedienen werden, steht außer allem Zweifel. Dabei will da« Comit.', wilches, vorerst wenigstens, auch diese Vermittelung, ebenso wie die Odstmärkte, ohne jede Kosten für Producentm und Consumenten besorgen wird, nicht etwa in die Geschäftsgeheimnisse der einzelnen Firmm eindringen, es will durchaus nicht wissen, welche Preise gefordert und welche Preise gezahlt roerben, sondern es sind lediglich die Sorten und das Quantum anzugeben und e» bleibt den Interessenten überlassen, Verein­barung wegen des Preises rc. zu treffen. Verlangt wirb von bem (Somit» nur, baß es von allen Verkäufen unb Käufen unterrichtet wirb, um banach beurteilen zu können, ob eine Fortsetzung ber Sache für bie nächsten Jahre sich empfiehlt. Das Comitv wirb in Frankfurt ein Bureau errickten, wo jeberzeit auch mündlich Auskunft zu erhalten sein wirb. Es ist auch beabsichtigt, von Zeit zu Zeit den TageSblättern Mittheilungen über Angebot unb Nachfrage zugehen zu lassen. Es ist zu erwarten, baß bie Centralstelle in Anbetracht ber großen Vortheile, welche dieselbe Probucenten sowohl als Consumenten bietet, gern unb viel benutzt werben unb badurch bem Obsthanbel in günstigster Weise Vorschub geleistet werden wirb.

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Gießen, den 30. Juni 1893. Großh. Bürgermeisterei Gießen.

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