um. Das ganze stattliche Anwesen, nebst Schul' und Rath' hau-, sowie weitere drei Häuser und vier Scheunen liegen in Asche dem Erdboden gleich. Sieben Stück Rindvieh liegen, noch an den Ketten befestigt, verbrannt auf der Erde, was als Beleg dienen mag, wie man zuerst auf Rettung der Kin» der bedacht war.
• Fürchterliche Bilder aus dem ungarischen L ho l era- gebiet entwirft der Wiener Arzt Dr. Ignaz Kohn, auf die die ungarische Regierung bisher nur die eine Erwiderung hatte, daß sie die Existenz dieses Kohn anzweifelte. Kohn hat mit dem BezirkSarzte von Nagy»Boczko, Dr. Paul Munkacsy, Wanderungen durch die Eholeraorte gemacht und schildert seine Erlebnisse in der „N. Fr. Pr.", denen wir Folgendes entnehmen: „Im Orte KiSlonka erwartete unS der Dorfarzt, ein gewöhnlicher ruthenischer Bauer- er ist als Krankenwärter angeftellt, führt die Medicamente bei sich in einer Tasche und geht von HauS zu HauS zu den Lrauken, an die er die Medicamente nach seinem Gutdünken vertheilt. Er ist zugleich der Todtenbeschauer und hat den Stand der Erkrankungen uud Todesfälle zu führen- da er aber nicht schreiben kann, führt er die Zahlen im Kopfe. Er berichtete dem Dr. Munkacsy, heute seien zwei Leute neu erkrankt, zwei andere seien gestorben, zwei andere lägen im Sterbender Krankenbestand betrage fünf Personen. Wir besuchten die Kranken der Reihe nach. Vor einer eine Viertelstunde vom Dorfe entfernten Hütte lag im Grase eine Frau mit einem Tuche zugedeckt, stimmlos und pulöloL- sie rührte sich nicht mehr — eine lebendige Leiche. Medicamente haue sie verschmäht. Dann kamen wir zu einem HolzhäuSchen - in dem dunklen, kleinen Zimmer, dessen Fenster dicht verschlossen waren, wurde auf dem Herde gekocht, unter dem Herde lag ein Kälbchen und neben dem Herde stand ein Bett, darin lag zusammengekauert ein Mädchen, ganz nackt, in den letzten Zügen. In Kuzh Ersuchte und ein Fabrikaufseher, in sein j HauS zu treten, eS scheine ihm, seine Frau habe auch die Cholera, sie erbreche, habe seit früh Durchfall, und obwohl man ihr — sauere Milch gegeben, werde es immer ärger. Wir sanden die Frau in den letzten Zügen. Trotzdem verschrieb Dr. Munkacsy auch für sie ein Recept. Ihr Sohn weigerte sich aber, für die Mutter zur Apotheke im nächsten Orte zu fahren, und es mußte ein Bote zu Fuß dahin gc schickt werden. Als wir nach Ragy'Boczko zurllckfuhren, sahen wir die Leichen zweier russischer Juden zu Grabe tragen, von deren Erkrankung und Tod man nichts erfahren hatte.
Dr. Munkacsy ließ die Juden der dortigen russischen Colonie zusammen rufen und schärfte ihnen strenge ein, ihn, wenn sie schon keinen Arzt zu den Kranken holen lassen wollten, von jedem Todesfall alsbald zu verständigen, widrigenfalls sie eingespern würden. Gegen Abend wurde er in der Thal zu einer cholerakranken Jüdin nach KiSlonka gerufen und ich beglettete ihn. Wir fanden die Frau von Schmutz starrend, mitten in Noth und Elend. Da sie schon ganz verfallen und stimmlos war, wollte ihr Dr. Munkacsy eine Ander« Einspritzung geben. Die Juden ließen dies aber nicht zu, weil sie fürchteten, daß wir die Frau tSdten wollten. Wir mußten unverrichteter Dinge heimgehen und Dr. Munkacsy konnte nur den gemessenen Auftrag geben, ihm den Tod der Frau alsbald anzuzeigen, damit die Wohnung desinncirt werde. Auf dem Rückwege sahen wir, daß Walachen in einem Zimmer, wo kurz vorher eine Choleraleiche gelegen, den Leichenschmaus hielten. ES mußten die dem Richteramte zugetheilten Gensbarmen gerufen werden, um die Levte auSeinanderzutreiben.
Vermehr, CanO» ttnö Volfstviribfcbaff.
— Die -tzraukfurter CbflmÄrfte werden, da da« Obst so früh zur Reise gekommen ist, am 5. und 22. September wieder in der Stadthalle ftattfinben. Zugelassen werden sämmlltche in Deutschland gezogene Obstorten, sowie die verschiedenen Obstprooucte, endlich in diesem Jahre zum ersten Male, auch Verpackungsmaterial. Letztere- spielt eine so wichtige Rolle im Obfthandel, daß die Zulassung demselben gewiß allersettS Zustimmung finden wird. Alle Verkäufe auf den Märkten finden durch von dem Marktcomitü abgestempelte Schlußschetne statt. Die Vermittelung aller An- und Verkäufe findet auch in diesem Jahre wieder kostenlos statt. Jede weitere Auskunft wird von dem (Somtte, das Gneifenaustriße 15, gegenüber dem Hauptbahnhof, sein Bureau hat, wohin auch alle Anmeldungen für die Märkte zu richten sind, ertheilt.
' Markt« vrdmrug für die vtzsttuüekte in Frankfurt a. M.
1. Zu den Obstmärkten wird zugelassen:
a) sortirtes Tafelobst,
b) gepflücktes Wirthschaftsobst,
c) gewöhnliches Wtrthschafts- und Mostobst,
d) gedörrte und eingekochte Obstftüchte, Obstweine, Obst- branotweine, Obstliqueure, MuS, Marmelade, Gel6S rc.
e) Verpackungsmaterial, Aufbewahrungs-Gegenstände rc.
2. Die Obstmärkte dürfen nur mit in Deutschland gezogenem Obste beschickt werden.
I. Zugelassen werden nur solche Verkäufer, welche
a) von feinem Tafelobst mindestens 25 kg per Sorte oder
b) von gepflücktem WirthschaftSobst mindesten- 25 kg per Sorte oder
c) von Most- oder Wirthschaft-abst mindesten- 100 kg tn bieten.
Der Verkauf geschieht nur nach Vroben.
Für die ObstmLrkte 1893 werden Vroben von sorttrtr, Tafelobst und aepstücktem Lirthschaft-obst bi- 5 kg brulto und von gewöhnlich« Wirthschaftsobst dis 25 kg ,u- aelassen.
4. Obstweine, Lbfibrannlweine, Lbfiltauntre, Lbstfüfte rc. sind in Flaschen auhufteHen.
5. Jede «-gestellte Probe ist mit einem Begleitschein zu versehe» welcher enthält
"•) de» Namen den ortüübttchm Namen) der Sorte, t>) de» Preis per kg Tafelobst. I ab nächster
e) den Preis per 100 kg Wtrt-ichaflSobst, ; Bahnstation, d) daS iut Verfügung stehende O uantum,
e) den Ramen de- Verkäufer- refp. de- Bevollmächtigten uni der nächsten Bahnstation,
0 ungefähre Lieferzeit.
Die Formulare hierzu wnden vom MarktcomttS kostenleß geltefert.
6. Die Proben sind am Tage vor Abhaltung bei Marktet, franco Marktlocal, zu liefern. Die Proben de- verkaune, Obstei gehe» in dm Besitz bei Marktes mit-'-- über: e- dal jedoch jeder Käufer Anspruch auf Aushändigung eine- der Ouanltlät bei von chm gekauften Obstei enliprechenden Theilei bet Probe. Die Proben bei nicht verkauften Obstei werden, sofern dieselbm nicht vor Schluß bei Markte- vom Sin. sendet abgeholt worbm finb, oerwerttzet und der dxlM mit zur Deckung der durch ben Markt enkst enden en Kosten benutzt.
7. Alle Verkäufe auf dem Obstmarkte finden durch vom Mach comll< abgestempelte Schlußschetne in dreifacher Au-ferttauvg statt, wovon der eine dem Käufer, der andere dem Lerkmun und der drille dem MarktcomttS verbleibt. Sie werben vom Diarktcomitt gebucht. Da- Marktcomit^' wird von- Verkäufer bezw. dem Letteter durch den von ihm unter schrtebenen Begleitschein bevollmächtigt, die Verkäufe iw Namm und unter ausschließlicher Haftbarkeit bei Verkäufer» abzufchlteßen.
Dia Bert* Ittel trag der an* »n> Verkäufe erfalgi durch das CawUe kostenlo-
8. AuSftellungm an btr gelieferten Waare finb innerhalb 6 6hmben für Beeren» ober Steinobst, unb 12 Stunden für Kernobst nach Ankunft bezw. nach dem Empfang des vad» Aoife-, von dem Käufer an ben Verkäufer durch eingefchrir» bmm Bries anzuzeigen.
9. Im Interesse bet weiteren Marktverkehri erscheint ei geboten, auch dem MarktcomitL von der EMfcheidung bieier vean> ftanbung Mttthellung zu machm. Geht aui ben Entscheidung - gründen hervor, daß auf Sellen ein ei der Eontrahenten ttn unreelles Gedahrm vorliegt. so kann der Betressmde von fpäterm Obstmärkten ausgeschlossen »erben.
5788] Statt- steigeuder «dsatz seit 1880 verbürgt die Güte btt Holländ. Dadak bet ». Becker in eeefeita. Jö t0Psd.fco.AMk
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Bekanntmachung.
Nachdem die Stadtverordneten * Versammlung in der Sitzung vom 14. d. Mts. die Feststellung einer Baufluchtlinie von der Ludwigstraße ab längs der Oberhessischen Bahnen bi- zur verlängerten Bleichstraße beschlossen hat, bringen wir dies hierdurch mit dem Bemerken zur Kenntniß, daß der Plan darüber 14 Tage auf dem Stadtbauamt offen liegt, und daß etwaige Einwendungen gegen denselben bei Meidung des Ausschlusses innerhalb dieser Zeit bei uns vorzubringen sind.
Gießen, 30. August 1893.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
Gnauth.[7388
Freitag d. 1. September,
Vormittags 9 Uhr, versteigere ich vor dem Rathhaus zu «Oen, darf a. Lda. gegen Baarzahlung: zwei Kühe.
Born,
7385__________________Gerichtsvollzieher.
In der Dörfeld 'scheu Wirthschast zu Wiescck nächsten Samstag den 2. Septbr., 10 Uhr Vormittags, Grummetgrasversteigerung der Frau Otto Kempsf'schen Wiesen (Hund» und Ochsenwiesen) in der Gemarkung Wieseck durch Herrn Bürgermeister Sommerlab. [7372
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