Vermißtes.
• Frankfurt a. M., 29. August. Gustav-Adolf- Fe st spiel. Wie anderwärts, so rüstet auch hier sich der Gustav - Adolf • Verein zu einer würdigen Begehung seines fünfzigjährigen Bestehens. AuS diesem Anlasse wird die Darstellung des Characterbildes „Gustav Adolf" von Otto Devrient durch Damen und Herren aus hiesigen Streifen vorbereitet. Die Oberleitung und die Titelrolle hat der Verfasser bereitwilligst selbst übernommen. Die übrigen Mitwirkenden haben sich zum guten Theil schon bei dem so wohl- gelungenen Lutherfestspiel als tüchtige Kräfte bewährt, so daß die Wiedergabe ebenso wie die äußere Ausstattung des Stückes nichts zu wünschen übrig lassen wird. Als Ort der Aufführungen dient der Saalbau in der Junghofstraße, dessen großer Saal vollständig zur Bühne eingerichtet und electrisch beleuchtet wird. Die Vorstellungen beginnen am 7. September und werden am 8., 9., 13., 14., 16., 17., 18., 21. und 22. September fortgesetzt. Der Eintrittspreis beträgt für Logen 4 Mk., Saal 3 und 2 Mk., Gallerten 1 Mk. bezw. 50 Pfg. Die Vorstellungen, deren Reinertrag für wohl- thätige Zwecke bestimmt ist, fangen um 61/» Uhr an und endigen um 10 Uhr, so daß für auswärtige Besucher die Rückfahrt noch am selben Abend möglich ist.
* Pforzheim, 28. August. Ueber daS furchtbare Brandunglück in Salmbach, Oberamt Neuenbürg in Württemberg, wo 50 Schülerinnen armer hiesiger Einwohner im Alter von 9—13 Jahren tn der Feriencolonte waren, habe ich herzerschütternde Einzelheiten an der Unglücksstätte erfahren. Am Freitag Abend um 9 Uhr amüsirten sich die Lehrer mit dem Wirthe im Gasthaus zum Löwen auf der Kegelbahn, als plötzlich der Ruf „Feuer!" ertönte; es stand auch im Augenblick, durch scharfen Wind und die große Trockenheit begünstigt, die ganze Häuserreihe in einem Flammenmeer. Der Saal des Gasthauses war mit 39 Mädchen belegt? während fünf Schülerinnen in einer Mansarde untergebracht waren- die Schülerinnen lagen beim Ausbruch der Katastrophe im tiefen Schlummer. Der Wirth machte sich sofort, ohne Rücksicht auf feine Habe zu nehmen, an die Rettung der Kinder. Die Thür der Mansarde war von innen geschlossen, er schlug die Thür ein und machte die Kleinen auf die Gefahr aufmerksam. Als ihm das jüngste der Kinder entgegensprang, glaubte er, die anderen folgten nach, und eilte zu anderen Rettungsarbeiten. Die vier zurückgebliebenen Kinder kamen leider in den Flammen
In erster Linie arbeitet man in Hessen aus eine geregelte Bock Haltung hin, da man der Ansicht ist, daß die bisher äußerst mangel' hafte Haltung der Böcke der Grund der drohend nahegerückten Degeneration ist. Auf die gegebene Anregung hin hat nun bereits eine große Anzahl von Gemeinden die Haltung der erforderlichen Zuchtböcke, ähnlich der Haltung der Zuchtsttere übernommen, wodurch die Gewähr gegeben ist, daß einmal nur gute, ausgeretste gesunde Böcke zur Verwendung kommen und daß anderseits aber auch die genügende Anzahl vorhanden ist, um das Deckgeschäft ordnungsmäßig besorgen zu können.
Ihre Stütze finden die Bestrebungen der Gemeinden ufw. zur Beschaffung guten Zuchtmaterials In den Zuchtgenossenschaften, vor Allem tn dem Vorgehen der Einwohner Pfungstadts. Hier hat sich aus die Anregung deS EommerztenratheS Ulrich hin ein Verein ge bildet, der sich die Zucht einer guten, gesunden milchreichen Ziege zur Aufgabe gemacht hat. Mit staatlicher Unterstützung führte man eine große Anzahl Ziegen und Böcke aus dem Berner Oberlande ein, legte ein Herdbuch an und veranstaltete Prämtenschauen und Zucht- markle unv man kann trotz zahlreichen Angebotes die Nachfrage nach Zuchtmatertal nicht befriedigen. ES ist aus diese Weise den armen Ztegenbefitzern die Möglichkeit gegeben, sich, abgesehen von dem höheren Milchertrage, durch den Verkauf ihrer Zuchtthiere zu guten Preisen einen Nebenverdienst zu oerschasfen, der vorher nicht gekannt war.
Möge daS Vorgehen Hessen« auf dem Gebiete der Ziegenzucht allseitig Nachahmung finden und mögen sich die Bestrebungen zur Hebung dieser Zucht überall Eingang verschaffen!"
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Nr. Zweites Blatt. Freitag den 1. September
1893
Der •14«« **|rt«tr erscheint täglich, «tt lulnaijine bt8 Montags.
Die Gießener Hka»ikie««ltlter »erden dem Anzeiger -»GcheMlich dreimal ««gelegt.
Gießener Anzeiger
Keneral-Mnzeiger.
Viertelsähriger j ASon«,menl»pr«t» a 2 Mark 20 Pfg. nm vrmgerlotzn.
Durch dir Post degaßr« 2 Mark 60 Ps^
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Amts- unb Zlnzeigeblatt für den Ureis Giefzen.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für dm folgmden Tag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr.
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Alle Annoncen-Vureaus des In- und Auslandes nehmm Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgegen.
Amtlicher Theil.
Bekanntmachung,
'tetr, die Herbstübungen der Großh. (25.) Division; hier die Flurschäden.
Im Laufe dieses Monat« werden auf einem noch auszuwählenden Gelände bei Gießen die Hebungen der Infanterie- Regimenter Nr. 115 und 116 (verstärkt durch da« Jäger- Bataillon 11) ihren Anfang nehmen unv es wird sodann die 49. Infanterie' Brigade bi« zum 10. September auf dem betr. Felde exerciren. Sodann finden in der Zeit vom 11. bi« 15. September die Brigade - Manöver der verstärkten 49. und 50. Infanterie - Brigaden in dem Dreieck Lich— Wetzlar—Butzbach und in dem Bezirk Butzbach—Ufingen— Friedberg—Hungen—Münzenberg und im Anschluß hieran die Divisions-Manöver in dem Landstrich Hungen—(ließen —Wetzlar—Butzbach statt.
Zur thunlichsten Vermeidung von Flurschäden in Folge der Hebungen ergeht hierdurch an die Grundbesitzer die Aufforderung, ihre Grundstücke noch vor Beginn der tzxercitien bezw. Manöver, soweit dies überhaupt möglich ist, abzuernten und diejenigen Grundstücke, welche während der Hebungen noch mit Früchten bestanden sind, sowie die vorzugsweise zu schonenden Ländereien, wozu in diesem Jahre besonder« die mit Futterpflanzen bestellten gehören, durch Anbringen von etwa zwei Meter hohen Stäben mit Strohwischen schon von Weitem erkenntlich zu machen.
Zur rechtzeitigen Wahrung ihrer Jnteresien machen wir die Kreisangehörigen noch auf folgende gesetzliche Bestimmungen aufmerksam:
1) Grundstücke, deren Benutzung bei Truppenübungen gänzlich ausgeschlossen ist (Gärten, Parkanlagen, Holzschonungen, Pflanzgärten ic.) müssen, insofern deren Eigenschaft als solche nicht ohne Weiteres erkennbar ist, an den Enden durch hochstehende Tafeln mit Auf- schrift bemerklich gemacht werden.
2) Beschädigungen, welche nicht durch die Truppenübungen, sondern auf andere Weise, besonders dadurch entstanden sind, daß die Betheiligten das rechtzeitige Abernten Unterlasten haben, begründen keinen Anspruch auf Vergütung.
3) Arbeiten und Aufwendungen, von welchen die Jnter- estenten gewußt haben, daß sie durch die Truppenübungen der nächsten Tage zerstört werden mußten, begründen einen Anspruch auf Schadloshaltung gleichfalls nicht.
Gießen, den 16. August 1893.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
________________I. V.: Dr. Melior.____________
Gießen, den 16. August 1893. Betr.: Wie oben.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießev
•* die Grvßh. VÜrgermeiftereter, w «reifes.
Soweit Ihre Gemarkungen nach vorstehender Bekanntmachung und der Ihnen mit unserem Ausschreiben vom 11. d. M. (Kreisblatt Nr. 190) mitgetheilten Hnterkunfts- listc voraussichtlich von den diesjährigen Truppenübungen berührt werden, wollen Sie diese Bekanntmachung alsbald und sodann mit Zwischenräumen von 8 Tagen zweimal auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntniß bringen.
Zugleich beauftragen wir Sie, Ihren Polizeibediensteten und Feldschützen ganz besonders die Heberwachung des Publikums auf den Uebungsfelderu und bei den Biwaks zur Pflicht zu machen, damit Flurbeschädigungen durch dasselbe möglichst vermieden werden. Durch Zuschauer verursachte Schäden werden aus der Militärkaste bekanntlich nicht ersetzt.
I. V.: Dr. Melior.
Gießen, den 26. August 1893.
Betr.: Die Aufnahme der taubstummen Kinder in die Taubstummen-Anstalten des Landes.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Schulvorstände des Kreises.
Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 7. September 1857 sehen wir Ihren Berichten darüber entgegen, ob in Ihren Gemeinden taubstumme Kinder vorhanden sind, welche das zur Aufnahme in eine Taubstummen-Anstalt er- forderliche Alter erreicht haben. Die Kinder muffen das ^ Lebensjahr erreicht, dürfen aber das 12. Lebensjahr noch zurückgelegt haben. Sollten sich aufnahmsfähige taub
stumme Kinder in Ihren Gemeinden vorfinden, dann wollen Sie sich über die Verhältnisse der Eltern der Kinder ausführlich äußern und sich hierbei des nachfolgend abgedruckten
Formulars, besten einzelne Rubriken sorgfältig au»zufüllen sind, bedienen.
v. Gagern.
Wieviel Geschwister
Name«
am Leben
gestorben
der
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Taub-
*8
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64
stummen
R
Z
B
18.
17.
16.
13.
14.
9-
10.
1.
2.
11
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7.
8.
5
5
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taub geworden
Erzeugt
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Namen der
Eltern und ihre Beschäftigung
Unterrichtet
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Bei der Geburt war alt
Veranlassung der Taubheit
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5.
Bekanntmachung,
betreffend Verminderung der Raben, Eichhörnchen rc.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß im laufenden Jahre infolge der durch uns getroffenen Anordnung im Kreis Gießen Staben, Eichhörnchen rc. in folgenden Zahlen, die übrigens thatfächlich höher sein werden, vertilgt worden sind:
Naben 2621,
Nabeneier 1423,
Häher 771, Eichhörnchen 718.
Soweit ein Bedürfnis zur Verminderung noch besteht, wolle der Abschuß fortgesetzt werden.
Gießen, den 30. August 1893.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
___________________v. Gagern.__
Bekanntmachung,
betreffend Gesuch des Müllers Jacob Hahn II. auf der Unter- sorger Mühle zu Allendorf a. d. Lahn um Erlaubniß zur .Wiederherstellung seines Mühlenwehres.
Pläne und Beschreibung zu rubricirtcm Gesuch liegen in der Zeit vom 4. bis 18. September l. I. auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Allendorf a. d. Lahn zu Jedermanns Einsicht offen und sind Einwendungen gegen die projectirte Anlage innerhalb genannter Frist, bei Meldung der Nichtbeachtung, schriftlich bei uns einzureichen.
Gießen, den 30. August 1893.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
DieZiegen aus dem Grotzherzogthum Hessen auf der Ausstellung der Deutschen Land- wirthschafts-Gesettschaft zu München.
Das Tageblatt der achten Wanderversammlun^der Deutschen LandwirthschastS-Gesellschaft Nr. 2 bringt auS der Fever deS Herrn Dettweiler-KarlSruhe folgende Mttthetlung:)
„Zum zweiten Male erschienen Ziegen au« dem Großherzogthum Hessen auf einer Ausstellung der Deutschen LandwtrthschaftS-Gesell- schaft. Bereits die Schau tn Straßburg war reichlich beschickt und von aroßm Erfolgen für die Aussteller gewesen. In der Zwischenzeit ist man aber nicht stehen geblieben, sondern man ist aus dem einmal betretenen Wege weiter gegangen, und al« das Resultat dieser Bestrebungen ist die Beschickung der Münchener Ausstellung mit 25 Böcken und Ziegen durch den Ziegenzuchtverein Pfungstadt bei Darmstadt zu betrachten.
Das Interesse, welche« sich jetzt überall tn Deutschland« Gauen für die bi« dahin vollständig vernachlässigte Zucht der Ziegen bemerkbar macht, ist lediglich auf die Bestreoungen in Hessen zurückzuführen. Hier hat man zuerst erkannt, welche große volköwirth- schaftltche Bedeutung der Ziege al« der Kuh des armen Manne«, de« Arbeiters, inne wohnt. Man sah, daß die vorhandene Raffe nicht mehr da« leiste, was man von einer guten Ziege verlangen könne und suchte eine Verbesserung deS Materials herbeizuführen durch die Einführung von guten Zuchtthteren aus der Schweiz.
Zuerst wurden nach Rhetnheffm sogenannte Appenzeller Plattkopfe rtngeführt, weiße, hornlose, mtlchretche Thtere- später und in dm letzten Jahren fast ausschließlich wendete man sich dem ebenfalls weißm und hornlosen Saanenschlage zu, vereinzelt den diesem Schlage verwandten Guggisbergern.
Die Erfolge, die man mit dem eingeführten Material erzielte, waren sehr zufriedenstellende, denn es zeigte sich, daß die Schweizerziegen uld widerstandsfähiger und anspruchsloser sind, als die dn= heimischen, vor allen Dingm sie im Milchertrage bedeutend über- treffen. Denn wahrend bis dahin Ziegm mit einem Milchertrage von drei bis vier Liter zu dm Seltenheiten gehörten, geben die auf der Ausstellung vertretenen Schwelzerziegm des ZuchtvereinS Pfuna- stadt tn dm ersten Monaten nach dem Werfen fammtltch fünf bi« sechs Liter Milch. Auch in den Kreuzungen mit dem Landschlage machte sich eine ausgezeichnete Entwickelung deS Schweizer Blutes bemerkbar.


